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Donnerstag

12. Juni

Politische Rundschau.

Zu der Erklärung des Reichskanzlers in der gestrigen Reichstagssitzung sagt dieKreuzzeitung": Aus der ganzen Rede ging deutlich der feste Entschluß hervor, auf einer recht­zeitigen Erledigung der ganzen Wehrvorlage zu bestehen und zur Durchsetzung dieser Forderung alle, auch die letzten Konsequenzen zu ziehen. Seine Erklärung läßt gar keinen Zweifel, darüber, daß er auch einer Verweigerung der Mit­tel gegenüber genau die gleiche Konsequenz zu ziehen bereit ist, wie bei Ablehnung der Heeresvorlage. DieVoss. Zig" schreibt in derselben Sache: Der Reichskanzler hat fest betont, daß die Heeresverstärkung unverzüglich ins Werk gesetzt werden muß, d'. h. klar und bündig, wenn die Kon­servativen und das Zentrum die Wehrvorlage zu Fall brin­gen, weil die Deckungsvorlage noch nicht gelöst sei, so wird Der Reichstag aufgelöst. Daß die Wehrvorlage nicht verab­schiedet werde, ehe nicht die Einigung über die Deckungs­vorlage erfolgt ist, hat er nicht gesagt. Das bedeutet, daß er sich das Dogma von der Gleichzeitigkeit nicht aneignet. DerLokal-Anzeiger" schreibt: Ungefähr zu derselben Stunde, als der Reichskanzler gestern im Reichstage die Parteien ermahnte, bald zu einer Verständigung über die Deckung zu gelangen, lag das zwischen den Fraktionen des Zentrums, den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei ausgearbeitete Kompromiß so gut wie fertig vor. Es umfaßt sämtliche Steuervorlagen einschließlich des Wehrbeitrages. Die Grundlage für die Verständigung bil­det die Besitzsteuerfrage. Man fand sich im großen und gan­zen bei Ler Regierungsvorlage über die Vermögenszuwachs- steuer zusammen. In der Hauptsache handelt es sich dabei um die Erbschaftssteuer, bei der allerdings das Gattenerbe frei bleiben soll, dagegen das Kindeserbe besteuert wird. Die Beschlüsse der Parteiführer sind bisher unverbindlicher Natur. Ueberraschungen sind jedoch immer noch nicht ausge­schlossen.

ngc. Die Auszeichnungen zum Kaiser-Jubiläum. Amt­lich ist verkündigt worden, daß eine besondere Ausgabe des Reichs- und Staatsanzeigers am Montag den 16. Juni die Namen derer veröffentlichen wird, denen aus Anlaß des Jubiläums der 25jährigen Regierung des Kaisers eine Auszeichnung zuteil geworden ist. Es werden, wie die N. G. C." hört, auch einige Standeserhöhungen darunter sein, aber nur ganz wenige Erhebungen in den Fürsten- und Erafenstand, dagegen ziemlich viele Adelsverleihungen, und zwar zumeist an hohe, verdienstvolle aktive und inaktive Offiziere. Berlin wird dabei verhältnismäßig spärlich im Vergleich zur Provinz bedacht werden. Sehr groß scheint die Zahl der Orden und Tituloren ausfallen zu sollen, für welche die Oberpräsidenten schon vor einer Reihe von Mo­naten zur Einreichung von Vorschlägen und Empfehlungen aufgefordert worden sind.

Stichwahl in Waldeck-Pyrmont. Bei der gestrigen Reichs- tagsersatzwahl im Wahlkreise Waldeck-Pyrmont entfielen auf den bisherigen Abgeordneten Amtsgerichtsrat Viet- meyer (Wirtsch. Vgg.) 5648 Stimmen, auf den fortschritt­lichen Pfarrer D. Naumann 4947 und auf den Sozialdemo­kraten Geschäftsführer Weddig 1015 Stimmen. Es hat somit Stichwahl zwischen Pietmeyer und Naumann stattzufinden, wobei Naumanns Aussichten günstig stehen.

Feldgraue Uniform für die Beamten der Heeresverwal­tung. Nach einem Allerhöchsten Erlaß vom 2. Mai 1913 ge­langt für die Beamten der Heeresverwaltung neben der dunkelblauen eine feldgraue Uniform zur Einführung. Das Anlegen der feldgrauen Uniform ist den Beamten im Frie­den für alle Gelegenheiten freigestellt, zu denen Offiziere Feldgrau tragen müssen oder dürfen. Im Mobilmachungs­falle muß die feldgraue Uniform von den bei mobilen Trup­pen befindlichen Beamten angelegt werden. Die Felduni­form der oberen Beamten des Preußischen Heeres entspricht im allgemeinen der der Offiziere mit Ausnahme der Abzei­chen, welche fast bei allen Uniformstücken der Beamten den bisherigen Abzeichen ähnlich sind. Um den Kragen und die Aermel-Aufschläge sind die Vorstöße in Stoff und Farbe der Kragen, vorn herunter und an den Taschenleisten wie am dunkelblauen Waffenrock. Matte Kronenknöpfe nach der Probe für Offiziere, vergoldet oder versilbert wie bisher. Alle oberen Beamten, die am dunkelblauen Waffenrock eine Stickerei tragen, haben am Feldrock eine Kragenpatte von dunkelblauem Tuch mit Vorstößen, wie an dem Mützen­deckel. Die Militärintendanten als Wirkliche Geheime Kriegsräte mit dem Range der Räte 1. Klasse tragen den Feldrock nach der Vorschrift für Generale, jedoch die Vorstöße um den Kragen, die Aermelumschläge vorn herunter und hinten an den Taschenleisten nach Maßgabe der vorstehenden Beschreibung uird Kragenpatten von dunkelblauem Tuch mit karmesinrotem Vorstoß und mit verkleinerter Nachbildung der silbernen Litzenstickerei des dunkelblauen Wafsenrocks Knöpfe weiß versilbert. Die vortragenden Räte im Kriegs­ministerium mit dem Range der Räte 1. Klasse tragen die Uniform der Militär-Intendanten in gleichem Range jedoch mit den Unterscheidungszeichen des Kriegsministeriums Tuchstreifen und Vorstöße an der Hose ponceaurot. Für die vortragenden Räte und Geheimen Rechnungsräte des Kriegsministeriums werden Epauletten mit silbernen (statt der bisherigen goldenen) Fransen vorgeschrieben. Die kar­mesinroten Tuchstreifen an den Hosen für die vortragenden Räte kommen in Wegfall. Die vortragenden Räte, Expedien­ten und Registratoren des Kriegsministeriums sind berech­tigt, die für sie vorgeschriebene Uniform auch im Frieden Lei denselben Gelegenheiten zu tragen, wie dieses für die übrigen Beamten der Heeresverwaltung vorgeschrieben ist. ,

Eine neue nationalliberale Zeitung. Die vor drei Jahren von einem Konsortium süddeutscher NaiionPkibcrolcn ins Leben gerufeneSüddeutsche Nationalliberale Korrespon» Lenz", die ausgesprochen altnationalliberale Tendenzen ver­tritt, wird in der nächsten Zeit ihr Erscheinen einstellen, tote wird hinsichtlich der politischen Nichtuna durch eine in Darm­

stadt erscheinende Tageszeitung erseht werden, wodurch zweifel­los eine Stärkung der journalistischen Vertretung des rechten Flügels der nationalliberalen Partei eintreten dürfte, die bis­her nur einige wenige Organe umfaßt.

Die französischen Meuterer. Wie aus Nancy ge­meldet wird, ist die gegen 15 Soldaten der Garnison Toul wegen der Militärkundgebungen vom 18. Mai eingeleitete Untersuchung nunmehr abgeschlossen. Nur 5 Soldaten wer­den vor das Kriegsgericht gestellt werben. Aus Bourges werden 8 Soldaten, die sich an den Kundgebungen des l 34. Infanterie-Regiments beteiligt haben, vor dem Kriegsgericht erscheinen. In Pont-a-Meußen wurde ein Send­ling des allgemeinen Arbeiterverbandes, der einen Vortrag gegen die 3jährige Dienstzeit und die Zurückbehaltung der dritten Jahresklasse unter den Fahnen hielt, von den Zu­hörern beschimpst und gezwungen, den Saal zu verlassen. Er konnte nur unter dem Schutz der Polizei nach dem Bahn­hof gelangen.

Rußlands Gewinn aus dem Fall Redl. In militärischen Kreisen Petersburgs wird jetzt unverhohlen ausgesprochen, daß Rußland aus der Verräterei des Obersten Redel unge­heuren Nutzen gezogen habe. Man behauptet, daß alle Um­arbeitungen der Mobilisationspläne herzlich wenig helfen können, da man hier im Besitz des ganzen Geheimmaterials des österreichischen GeneralsstaLes sei. Uebrigens erzählt man sich, Rußland habe selbst durch die Ungeschicklichkeit sei­ner Agenten dazu Leigetragen, daß man in Wien auf die Spionagetätigkeit des Obersten Redl aufmerksam wurde und ihn faßte. Redl hat auch vor zwei Jahren den noch im Gefängnis sitzenden Baron Ungern-Sternberg den russischen Behörden als österreichischen Spion angegeben, um den ihm unbequemen österreichischen Militärattachee Grasen Span- nocki von Petersburg zu entfernen. Redl besaß eine Photo­graphie Ungern-Sternbergs sowie mehrere seiner Briefe, so daß jeder Zweifel über die Tätigkeit des Pseudokorrespon- denten ausgeschlossen war: Sternberg war einfach Redls Untergebener.

Parlamentsreisches

mb. Im Seniorenkonvent Des Reichstages fand gestern vor der Plenar-Sitzung eine Besprechung der Ge­schäftslage statt. Sollte es, was inan erhofft, gelingen, die zweite Lesung der Wehrvorlage nm Samstag abend dieser Woche zum Abschluß zu bringen, so würde die nächste Plenarsitzung erst am nächsten Mittwoch, andernfalls am Dienstag stattfinden. Nach Abschluß her zweiten Lesung der Wehrvorlage solle die am Montag im Hinblick auf die Geschäftsordnungserklärungen von der Tagesordnung ab­gesetzten kleinen Vorlagen und die Wahlprüfungen zur Be- schlußsassimg herankommen, Ueber einen Festakt des Reichs­tags aus Anlaß des Regierungsjiibiläums wurde vom eenorienfonoent kein Beschluß gefaßt.

Die BaZkaukrisis.

Serbien und Bulgarien.

Belgrad, 11. Juni. Wie aus politischen Kreisen ver­lautet, erwartet man bei der hiesigen Regierung Vor­stellungen auch der Großmächte, die Serbien bisher noch nicht die Vermeidung kriegerischer Verwicklungen mit Bul­garien dringend angeraten haben. Nach diesen Vorstellungen dürfte es Serbien bei der Zusicherung, daß in Bulgarien gleichzeitig demobilisiert wird, möglich sein, dem Wunsch der Großmächte nachzukommen. Der Schritt der Mächte ist heute nicht erfolgt, da noch nicht alle Vertreter von ihren Regierungen Anweisungen erhalten hatten. Der Minister­präsident Paschitsch wird mit neuen Vorwürfen über seine Verschleppungspolilik belastet. Man beschuldigt ihn, den Dingen freien Lauf zu lassen, um nicht die Verantwortung tragen zu müssen. Generalstabschef Puinik hatte nach der Audienz beim König noch eine Besprechung mit Paschitsch, ehe er abends nach llesküb abreiste. Der hiesige rumänische Gesandte halte mit Paschitsch eine lange Unterredung. Die serbischen Friedensonterhändler Nowakowilsch unb Nikolitsch sind heute früh ans London hier eingetroffen. Anläßlich der 10jährigen Wiederkehr des Todestages des Königs Alexander wurde in der Grabkapelle heute ein feierliches Requiem abgehalten. Zuverlässigen Meldungen zufolge haben die bulgarischen Behörden den gesamten Grenzverkehr abgeschnitten, um ungehindert militärische Vorkehrungen treffen zu können. In der gestrigen Ministersitzung im Schloß wurde nach der Praivda die Absendung einer Note an die bulgarische Regierung beschlossen, innerhalb zwei Tagen zu antworten, ob sie gewillt sei, den Vertrag dnrch- zusèhen und ihre Truppen aus dem serbischen Gebiet zu- rückzuziehen. Spalaikowitsch reist mit dieser Note heute nach Sofia ab.

Sofia, 11. Juni. Man lebt hier wieder in zwölfter Stunde. Die bulgarische Presse bringt erbitterte Worte gegen Serbien und Griechenland. Die serbische Gesandtschaft ver­packt ihre Archive. Die serbische Kolonie ist bereit, mit dem Gesandten Bulgarien zu verlassen. Mit Gesang ziehen Truppen durch die Hauptstadt. Diesmal geht es wie vor 28 Jahren nach Westen gegen Serbien. Kaum hört man noch ein Wort der Hoffnung auf Frieden. Unter solchen Umständen verliert die Ministerkrise ihre Bedeutung, denn wie sie auch enden mag, eine Wendling zum Frieden, soweit er von Bulgarien abhängt, ist nicht zu erwarten. Es steht I fest, daß die Parteien einig sind, nicht nachzugeben. Die Notwendigkeit, mit Rumänien zu einem beide Seiten be­friedigenden Ausgleich zu gelangen, wird heute eingesehen. Ein amtlicher Schritt scheint dafür aber noch nicht geschehen zu sein. Wer auch immer in diesem kritischen Angenblick seine Vermittlung anbietet, um den Frieden zu retten, darf nicht übersehen, daß Bulgarien seine durch lange Friedcns- arbeit in Schule und Kirche in Südmazedonien gewonnene Stellung niemals freiwillig aufgeben kann, während Serbien, das in Friedensarbeit dort wenig geleistet hat und die Ent- wickluna des bulaariicben Nationalaefübls unter den Mare-

doniern nicht anhalten konnte, sehr wohl heute den Stand­punkt einnehmen kann, den es im bulgarisch-serbischen Ver­trag schon festgelegt hatte, nämlich bit unbedingte Zuweisung Südmazedoniens an Bulgarien.

Zur Intervention des Zaren im Valkankonflikt.

DT. Paris, 11. Juni. In Paris hat sich die Stim­mung, die gestern abend bereits so pessimistisch war, daß man von der unmittelbar bevorstehenden Kriegserklärung sprach, infolge der Intervention des Zaren wieder etwas gebessert. So meint derFigaro" :Das Telegramm kündigt einen energischen Schritt der russischen Regierung an und hat nicht verfehlt, in Sofia und Belgrad einen starken Eindruck zu machen. Hoffen wir, daß beide Balkanregiernngen und beide Länder gegenüber dem Zaren, der niemals dem Balkanver­band seine Unterstützung versagt hat, eine entgegenkommende Haltung einnehmen. Anstatt die Zeit auf einer Konferenz in Saloniki zu vergeuden, müssen Serbien unb Bulgarien möglichst schnell nach Petersburg gerufen werden, wo ihnen ein Schiedsspruch nicht vorgeschlagen, sondern anfgezwungen werden muß. Das ist die einzige Lösung der Frage". Be­achtenswert ist weiterhin, daß dasEcho de Paris" aus Sofia meldet, das neue Ministerium Danew werde mit allen Mitteln darnach streben, den Frieden aufrecht zu erhalten und es nicht ginn Kriege mit Serbien kommen zu lassen.

Die türkischen Delegierten verlassen London.

London, 11. Jnni. Wie dasReuter'sche Bureau" er­fährt, verlassen die türkischen Delegierten London, ohne den Wünschen der griechischen Delegierten hinsichtlich der Ab­fassung des türkisch-griechischen Protokolls und über die im Friedensvertrag nicht berücksichtigten Punkte Folge zu geben.

Eine neue Bluttat in der Türkei.

1'0 Konstantinopel, 11. Juni. Nazim Pascha ist ge» rächt! Das Attentat, dem er am 23. Januar d. Js. zum Opfer gefallen ist, hat seine blutigen Früchte getragen. Mahmud Schefket Pascha, der durch den Handstreich der Jungtürken zur Macht gelangt ist, ist heute ermordet worden. Mahmud Schefket Pascha hatte heute morgen im Kriegs- ministerium wichtige Konferenzen abgehalten und wollte sich mit seinem Adjutanten nach der Pforte zurückbegeben. Gerade als die Pferde anzogen, trat aus einer Gruppe Zivilpersonen ein Mann an den Wagen heran und gab aus einer Browuingpistole mehrere Schüsse auf den Großwesir und seinen Begleiter ab. Von mehreren Kugeln durchbohrt, sank der Großwesir in den Wagen zurück. Der Eroßwesir wurde sofort nach dem Kriegsministerium zurückgebracht, wo ^er aber bald darauf verstarb. Auch der Adjutant ist seinen Ver­letzungen erlegen. Die Mahmud Schefket Pascha begleitenden Offiziere stürzten sich sofort auf die Gruppe der Zivil­personen, aus deren Reihen die Schüsse abgegeben worden waren und nach kurzem Widerstände wurden sämtliche Per­sonen verhaftet. Der Mörder des Großwesir ist ein junger Mann namens Kadri, Er gehört der die jungtürkrsche Partei mit tödlichem Hasse bekämpfenden ParteiUnion liberale" an.

W. Konstantinopel, 11. Juni. Die näheren Umstände des Attentats auf den Großwesier sind folgende: Als der Großwesir in Begleitung seines Adjutanten Ekreff Bey und des Marineoffiziers Ibrahim Bey das Kriegsministerium ver­lassen hatte und auf dem Wege zur Pforte war, begegnete sein Automobil auf dem Platz Bayazid zwei Personen, die vor einem anderen Automobil standen und ihre Revolver auf den Großwesir abschossen. Mahmud Schefket wurde tödlich getroffen und starb' bald darauf. Ibrahim und ein Diener wurden verwundet.

W. Konstantinopel, 11. Juni. Das Pressebnreau ver­öffentlicht ein amtliches Kommunique, demzufolge der Groß­wesir und Kriegsminister Mahmud Schefket Pascha, als er heute morgen sich im Automobil zur Pforte begeben wollte, auf dem Bajazetplatze an einer Straßenkreuzung wegen Erd­arbeiten halten mußte. In diesem Augenblick gaben aus dem Publikuin einige unbekannte Personen mehrere Revolver- schüsse gegen das Automobil ab, wodurch der Großwesu schwer verwundet wurde. Er wurde ins Kriegsministerium zurückgebracht, wo er eine halbe Stunde später seinen Geist aufgab. Auch fein Adjutant, Schiffsfähnrich Ibrahim, wurde von einer Kugel getroffen und getötet. Der Ministerrat ist im Kriegsministerium zusammengetreten. Die Militär­behörden haben die erforderlichen Maßregeln zur Aufrecht­erhaltung der Ordnung ergriffen. Unter dem Verdacht, einer der Mörder des Großwesirs zu sein, wurde ein Mann namens Topal Tewfik im Stadtviertel 3)edik-Pascha ver­haftet. Er trug zwei Revolver und mehrere Patronen bei sich. Die Polizeit setzte die Untersuchung fort.

Aid Halim interimistischer Großwesier.

Konstantinopel, 11. Juni. Durch ein Jrade des Sul« tans wurde der Minister des Aeußern Prinz Aid Halim Pascha zum interimistischen Großwesir ernannt. Die Be- stellnngsurkllnde wurde heute nachmittag auf der Pforte »er­lesen. Die übrigen Minister bleiben im Amte. Der Mi­nisterrat trat auf der Pforte zu einer Sitznng zusammen.

ngc. Will König Peter 1. von Serbien wirklich ab» danken? In diesen Tagen werden zehn Jahre vergangen sein, seitdem König Peter I. von Serbien auf den Thron gelangte. Er könnte jetzt also das Jubiläum seiner zehn­jährigen Regierung feiern. Und es scheint, so schreibt die N. E. C.", daß der König nicht gewillt ist, die Krone, die ihm am 15, Juni 1903, vier Tage nach der blutigen Aus­rottung der Dynastie Obrenowitsch, zufiel, noch viel länger zu tragen, sondern daß er beabsichtigt, seinen oft angekün­digten Entschluß auszuführen und zu Gunsten seines zwei­ten Sohnes, des Kronprinzen Alexander, abzudanken, so­bald die Auseinandersetzung mit Bulgarien wegen der Verteilung der Kriegsbeute beendet sein wird. So meldet jetzt eine mit Hofkreisen gute Fühlung haltende Londoner Zeitschrift, ein Vertreter des Königs sehe sich in aller Stille für ihn nach einer Villa in der Nähe von Genf um.