Erstes Blatt
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
GeneM-Anzeiger
AMlilhes Orga« für Stadt- und Landkreis Kanan.
Amtiger
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich K PfK^ M Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 PfK Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.
Nr. 130
^ernsprechattschltts; Nr. 230
Freitag den 6. Juni
Ferirsprechtmschlittz Nr. 230
1913
Sie heutige Nimmer «mW mhn dem MerWtuuvM 14 Seiten.
Amtliches.
Landkreis Hanau.
Der erste Grasschnitt zweier Schläge der Kreisjungviehweide (etwa 25 Morgen) soll in Einzelparzellen von 25 Ar am Montag den 9. Juni d. Zs., nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle meistbietend verkauft werden.
Zusammenkunft an der Viehhalle. ’A 2992
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
F r h r. L a u r.
Die Unterseeboots-Abteilung Kiel-Wik stellt zum 1. Juli, 1. Oktober und bei Bedarf auch am 15. August d. J. noch Freiwillige als Maschinistenanwäcter und Heizer ein.
Allgemeine Bedingungen: Eine mindestens dreijährige Lehrzeit in einem technischen Beruf, kräftiger Körperbau, Mindestalter 17 Jahre.
Besondere Bedingungen können jederzeit von der Unterseeboots-Abteilung eingefordert werden.
Dem Eintrittsgesuch sind folgende Scheine beizufügen:
1. Ein vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission des Aushebungsbezirks ausgestellter Meldeschein zum freiwilligen Eintritt, auf drei Jahre lautend,
2. Lehrzeugnisse und Arbeitszeugnisse.
Hanau den 4. Juni 1913. ' M. 942
Der Königliche Landrar.
_______________I. A.: Karbe.
Stadtkreis F^anau. BekarmLnrachrMg.
Am Dienstag den 10. d. Mts., vormittags 91/* Uhr, findet im unteren Saal des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Kaufmannsgerichts statt.
Hanau den 3. Juni 1913. 18913 Der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts.
J. V.: B a r t m u ß.
Bekanntmachung.
Der von den städtischen Körperschaften durch Beschlüsse vom 29. Oktober 1912 und 24. Januar 1913 ausgestellte und von der Polizeibehörde genehmigte
Fluchtlinienplan für das Gelände zwischen Salisweg, Brauerei Kaiser, Salisbach und Eutzkowstraße,
SchÄUspieèer-AberglKAbe.
Don Robert Wach, Regisseur am Hoftheater in Weimar.
ngc. Es ist bekannt, daß Seeleute ganz besonders zum Aberglauben neigen. Doch ich meine, daß die „Leute vom Theater" ihnen in dieser Hinsicht nicht viel nachgeben. Es mag wohl daher kommen, daß beide, so verschiedenartig auch ihr Beruf ist, eines gemeinsam haben: sie sind, wie kaum andere Menschen, den Launen des Zufalls ausgesetzt.
So ungewiß wie der glückliche Ausgang einer Fahrt, so Unsicher ist auch der Erfolg eines Stückes oder einer schauspielerischen Leistung. Tausenderlei unbeachtete Kleinigkeiten können sie gefährden. Und so trügerisch und launisch wie Wind und Wetter ist auch die Gunst des lieben Publikums. Morgen ruft es „kreuziget ihn", dem es gestern Palmen streute. Und oft wegen einer Nichtigkeit, eines Zufalls.
Es scheint dem Menschen angeboren, daß er nur ungern an einen Zufall glauben mag, an ein blindes, grundloses Ungefähr. Viel lieber erdenkt er sich unsichtbare, rätselvolle Mächte, die diesen Zufall lenken. Und teilt sie ein in gute und böse. Gute, wenn sie ihm nützen, böse, wenn sie ihm schaden.
Natürlich ist die jüngere Generation am Theater weit weniger abergläubisch, als es die „Alten" waren. Man glaubt den Unsinn zwar nicht — doch warum soll man das Schicksal herausfordern, wenn es nicht unbedingt nötig ist? Und man „befolgt" etwas, woran der „Bruch" ja doch nichts sonderliches nützt.
Ich möchte es auch heute noch keinem raten, im Konversationszimmer, im Bühnen-Korridor oder gar auf der Bühne selbst zu pfeifen. Er würde sich recht derbe Zurechtweisungen zuziehen. Denn Pfeifen hinter den Kulissen bringt Unglück. Und der aufgeklärteste Regisseur wird es vermeiden, auf der Sühne eine Pfauenfeder au Verwendern
— Kartenblatt 6 der Gemarkung Kesselstadt — wird gemäß § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 4 Wochen lang, vom Tage der Bekanntmachung ab, im städtischen Vermessungsamt, Rathaus, Zimmer Nr. 28 — 29, während der Geschäfts- stunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.
Einwendungen gegen den Plan sind innerhalb der Offenlegungsfrist schriftlich oder mündlich bei uns anzubringen.
Hanau den 3. Juni 1913. 13915
Der Magistrat.
Ehrich.
Bekanntmachung
Das Betreten des Bulausteges ist bis auf weiteres polizeilich verboten.
Hanau den 5. Juni 1913. 13919
Der Gutsvorsteher.
Fenner, Königl. Forstmeister.
Gefunden: 1 Spazierstock in der Stadtbibliothek, abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 6. Juni 1913. 13801
ErMm Md «MM Whä it.
Gefunden: 1 Ausweiskarte der Hanauer Ortskrankenkasse für Johanna Heinrich zu Großauheim.
Liegengeblieben in der Ortskrankenkaffe für den Landkreis, Paradiesstraße 2: 1 Brille mit ungleichen Gläsern; Empfangnahme daselbst.
Verloren: 1 gelbe altdeutsche Brosche, 1 Jnvaliden- karte für Ernst Springer.
Zugeflogen: 1 gelbe Brieftaube, 1 Kanarienvogel. Hanau den 6. Juni 1913.
Aus Hanau Stadt und Land.
Hanau, 6. Juni.
* Allerhöchste Auszeichnung. Dem Landgräflich Hess. Hofportier August Kantzenbach, welcher vom 1. Oktober 1877 bis 1. Januar 1913 ohne Unterbrechung im Dienste Sr. Königlichen Hoheit des Landgrafen von Hessen tu Philippsruhe gestanden hat, ist das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber verliehen und durch Herrn Landrat Frhrn. Laur persönlich überreicht worden.
* Dienstjubiläum. Am 5. d. Mts. beging Herr Oberpostassistent Pralle, der schon seit dem Jahre 1897 bei dem hiesigen Postamt 1 am Kanalplatz beschäftigt ist, sein 25jähriges Dienstjubiläum. An dem Jubeltage war der Arbeitsplatz bei Dienstantritt mit einem herrlichen Blumen
Denn nichts ist unglückbringender am Theater als Pfauenfedern.
Daß Schauspieler sich auf der Bühne nicht gern in einen Sarg legen, ist vom rein menschlichen Standpunkt wohl begreiflich. Rätselhafter ist schon die Ansicht, daß eine Schauspielerin, die auf der Bühne ein Brautkleid trägt, noch in derselben Spielzeit sterben muß. Und doch ist dieser Aberglaube allgemein verbreitet. Nur höchst ungern gehen die Schauspielerinnen an solche Aufgaben und suchen häufig dem Schicksal dadurch ein Schnippchen zu schlagen, daß sie das Brautkleid nicht ganz vollständig tragen. Irgend etwas fehlt, der Myrtenzweig oder sonst etwas.
Tief eingewurzelt ist am Theater der Glaube, daß je schlechter die Generalprobe geht, um so besser die Vorstellung am Abend verläuft. Und dasjenige Stück macht sicher die besten Kassengeschäfte, bei dem auf den Proben der größte Krach ist. Es gibt Theaterdirektoren, die absichtlich auf den Proben einen solchen Krach herbeiführen. Einen sehr bekannten Schriftsteller hat man im Verdacht, daß auch er diesem alten Schauspieleraberglauben huldigt und deshalb auf den Proben mit den Darstellern kleine Streitereien vom Zaun bricht. Und er hat Erfolg damit. Seine Stücke ziehen fast immer.
Zerbricht ein Schauspieler seinen Spiegel, so bedeutet dies, daß er bald das Engagement verlassen wird. Läßt er zufällig seine Rolle fallen, so „gefällt" er abends darin.
Nichts fürchtet ein Schauspieler wohl so sehr wie ein Versagen seines Gedächtnisses, ein Steckenbleiben abends in seiner Rolle. So rankt sich um dieses Furchtgefühl üppig der Aberglaube. Und die Gefahr des Steckenbleibens wird nahegerückt, wenn ein unkundig« Garderobier dem Schauspieler die Schuhe auf seinen Schminktisch stellt. Oder wenn ein heimtückischer Kollege sein Schminklicht an dem seinen anzündet. Der bekannte Schauspieler Karl Sonntag, dessen Aberalaube fast sprichwörtlich am Theater aeworden ist, war
arrangement geschmückt. Freunde und Kollegen überhäuften den Jubilar mit Gratulationen und wünschten ihm, daß er noch weitere 25 Jahre in der bisher bekannten Gesundheit und unverwüstlichen körperlichen Rüstigkeit weiter wirken möge.
* Vereinigung ehemaliger 116er. Die Abfahrt nach Gießen zur Teilnahme an der Hundertjahrfeier erfolgt morgen, Samstag, mittags mit dem fahrplanmäßigen Zug von Hanau- Ost 1.11, an Gießen 3.06 Uhr. Es werden von der Bahnverwaltung Wagen für uns sowohl in Hanau als in Friedberg bereit gehalten. Wir bitten die Kameraden, rechtzeitig am Bahnhöfe zu sein. Erst am Sonntag Eintreffenden diene zur Nachricht, daß um halb 9 Uhr vormittags Zusammenkunft in der Hotelrestauration Royal (Elges), Seltersweg Nr. 68, ist. Wir gehören dem 7. Regiment der Ehemaligen 116er an, das in der Senkenbergstraße aufgestellt wird.
* Neue Hanauer Carnevalgesellschaft 1910. In der letzten Mitgliederversammlung wurden die Saison-Festlichkeiten wie folgt festgelegt: Samstag den 8. November 1913 Saison-Eröffnung (interner Herrenabend), Sonntag den 9. November großes karneval. Konzert, Sonntag den 30. November 1. karnevalistischer Familien^bend; Samstag den 10. Januar 1914 große Damensitzung, Samstag den 31. Januar große Herrensitzung, Sonntag den 8. Februar 2. karnevalistischer Familienabend, Samstag den 21. Februar großer Bürger-Maskenball (ohne Demaskierungszwang); Anfang März Ordensfest (intern). Ferner ist für Fastnacht- Dienstag für die Mitglieder und deren Angehörigen eine Ueberraschung geplant, über deren Durchführung noch später Mitteilung erfolgt. Soviel aber kann heute schon gesagt werden, daß für die letzte interne Veranstaltung eine öffentlicher Kartenverkauf nicht stattfinden wird, sondern nur Einladungen ergehen werden. Der zweite Familienabend am 8. Februar findet in der „Concordia" statt, alle anderen Festlichkeiten in der „Centralhalle". Weiter können wir mitteilen, daß das Sommerfest in größerem Stiele wieder am Sonntag den 3. August d. Js. in sämtlichen Räumen des „Kaiserhofes" stattfinden wird. Ein vollständiger Vergnügungspark, mit ganz besonderer Berücksichtigung für die Kinder, wird errichtet werden und werden wir noch näher auf die ganze Veranstaltung zu sprechen kommen. Den Kappenbrüdern, die in der letzten Sitzung nicht anwesend waren, diene gleichzeitig zur Nachricht, daß der Eintritt zu den Saison-Festlichkeiten für Mitglieder wieder frei ist; zum Sommerfest müssen aber Karten gelöst werden.
* Hanauer Vienenzüchteroerein. Die nächsten Sonntag den 8. d. Mts. in Windecken geplante Wanderversammlung findet, da an diesem Tage dortselbst ein Turnfest abgehalten wird, erst am Sonntag den 22. d. Mts. in Windecken in der Gastwirtschaft von Schmalz statt.
fähig, in einem solchen Fall eine plötzliche Erkrankung vor- zuschutzen und die Vorstellung absagen zu lassen.
Amulette, Talismane sind bei Schauspielern un§ besonders bei Schauspielerinnen sehr beliebt. Sie würden es nie wagen, ohne sie die Bühne zu betreten. Und manche fesche Soubrette schlägt, bevor sie auf die Szene eilt, um ihre oft recht frivolen Liedchen zu singen, ehrfurchtsvoll ein Kreuz.
Es gibt viele Schauspieler, die eine bestimmte Rolle ihres Repertoirs nur mit Zittern und Zagen spielen, denn in der Rolle passiert ihnen immer etwas. Es ist für sie eine Unglücksrolle.
Dann gibt es auch Schauspieler, die immer dem Theater, an dem sie tätig sind, Unglück und schlechten Geschäftsgang oder gar die „Pleite" bringen. Man nennt sie „Totenvögel". So kenne ich in Berlin einen sehr begabten Schauspieler, der förmlich als „Totenvogel" verschrieen ist. Wirklich gehen die Theater, an denen er spielt, mit tötlicher Sicherheit „krachen". Er findet nur noch schwer ein Engagement. So gefürchtet ist er schon. Allerdings ist er so eigensinnig, nur in Berlin Komödie spielen zu wollen.
In Berlin besteht ein schmuckes und überaus günstig gelegenes Theater, das trotzdem nie recht gedeihen will. Ein Direktor nach dem anderen geht dort zu Grunde. In Schauspielerkreisen heißt es, daß auf dem Theater ein Fluch ruht, denn als es gebaut wurde, sind durch den Leichtsinn des Bauunternehmers dort mehrere Arbeiter ums Leben gekommen.
Daß Schauspieler sehr zum Okkultismus und Spiritismus neigen, ist nach alldem nicht verwunderlich. Als eifriger und überzeugtester Spiritist war allgemein ein erst kürzlich verstorbener Berliner Theaterdirektor und Komiker bekannt. Der nahm kein Stück an und engagierte keinen Darsteller, ohne vorher die Geister zu befragen. In feinem Theater- bureau hing das Bild eines alten, würdigen Herrn aus dem 16. Jahrhundert in Ratsherrntracht. Das war der iviri-