81. Slot
Samsra-
Setts 18
Hessischer Städtetag.
Von unserem Sonderberichterstatter.
II.
§§ Notenburg a. F., 30. Mai. Im großen Saale des Bahnhofs-Hotels gingen heute vormittag um 9 Uhr die Verhandlungen des 23. Hessischen Städtetages unter Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. G e b e s ch u s-Hanau vor sich. Es hatten sich 126 Vertreter fast sämtlicher Städte des Regierungsbezirks Cassel und des Fürstentums Waldeck- Pyrmont eingefunden.
Herr Oberbürgermeister Dr. G eb esch us-Hanau begrüßte die Vertreter der Städte, hieß insbesondere die Ehrengäste, so speziell die Senioren des Hessischen Städtetages, die Herren Oberbürgermeister a. D. Geheimer Regierungsrat Schüler-Warburg, Oberbürgermeister a. D. Gärtner-Rinteln, dann die Vertreter des Nassauischen Städtetages, die Herren Stadtrat Kropf-Wiesbaden und Bürgermeister Grünewald-Biedenkopf, willkommen, teilte dann mit, daß Herr Regierungspräsident Graf v. Bernstorff- Cassel mit einem späteren Zuge in Rotenburg eintreffen werde, hieß dann aber mit Worten herzlicher.Begrüßung den Landrat des Kreises Rotenburg, Landtagsabgeordneten Türcke-Rotenburg willkommen, indem er ausführte, daß Herr Landrat Türcke sich stets als Freund der Stadtverwaltungen gezeigt habe, der immer darauf ausgegangen sei, die Befugnisse und Rechte der Stadtverwaltungen zu erweitern. Redner schloß seine Ausführungen mit einem Hoch auf den Kaiser.
Den Städtetag begrüßte sodann in herzlicher Weise Herr Landrat Türck-Rotenburg. Er gab zunächst der Freude Ausdruck, daß der Hessische Städtetag das kleine Rotenburg auserwählt habe, um hier eine fördernde und anregende Aussprache zu pflegen; sie sei gerade in einer Zeit wie der jetzigen wertvoll, wo große soziale und kommunale Aufgaben von den Stadtverwaltungen erfüllt werden müßten. Die Landräte könnten und müßten in dieser Zeit den Stadtverwaltungen zur Seite stehen, um es zu ermöglichen, daß die Stadtverwaltungen ihre Aufgaben zur Zufriedenheit des Staates und zum Vesten der Bürgerschaft erfüllen könnten. (Lebhafter Beifall.)
Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s-Hanau dankte Herrn Landrat Türcke für die zu Herzen aller Stadteoer- treter gehenden Worte, die erkennen liegen, wie wichtig es sei, daß der Hessische Städtetag seiner Gepflogenheit getreu alljährlich zusammentrete und dabei alle Städte des Gebietes Hessen und Waldeck-Pyrmont berücksichtige, lediglich zu dem Zweck, um durch gegenseitige Aussprache zu allen neuen Fragen der Kommunalpolitik und zu Gesetzesvorlagen Stellung zu nehmen, sich gegenseitig kennen zu lernen und dadurch auch zu den Vertretern der hohen Staatsbehörden Fühlung zu bekommen, die durch ihre Mitarbeit und im Sinne des Herrn Landrats Türcke-Rotenburg ungewöhnlich fördernd auf die Arbeit der Stadtverwaltungen einwirken könnten. (Beifall.)
Nunmehr entbot Herr Bürgermeister v. K u p s z-Roten- burg im Namen der Bürgerschaft dem Hessischen Städtetage seinen Willkommengruß. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß man in Rotenburg den 23. Städtetag abgehalten habe, an dem die Bürgerschaft herzlichen Anteil nehme, wie aus der reichgeschmückten Stadt, der herzlichen Begrüßung am gestrigen Abend in Rotenburg hervorgegangen sei. Redner gab dem Wunsche Ausdruck, daß recht schönes Wetter während dieser Tagung anhalten möge, um den Vertretern des Hessischen Städtetages nach getaner Arbeit Gelegenheit zu geben, die herrliche Umgegend des schönen Rotenburgs noch zu genießen, auch einige industrielle Werke durch ihren Besuch noch würdigen zu können,
Herr Oberbürgermeister Dr, G e b e s ch u s-Hanau dankte Herrn Bürgermeister v. Kupsz, der sehr richtig gesagt habe, daß die Bürgerschaft durch Errichtung von Triumphbogen »«., "'■■!———””!■!-J”-!'--.—!UJLJ !_i_im^——— ■ i -.————
und Beflaggen der Häuser, aber auch durch herzliche Aufnahme der Vertreter des Städtetages ihrer Sympathie an der Tagung Ausdruck verliehen hätte. Im Namen des Städtetages dankte Redner der Bürgersachft Rotenburgs und Herrn Bürgermeister v. Kupsz.
Im Auftrage des Nassauischen Städtetages begrüßte Herr Bürgermeister Grünewal d-Alsfeld in Oberhessen den Hessischen Städtetag; er gab dem Wunsche Ausdruck, daß es möglich werden möchte, daß wieder einmal eine gemeinsame Tagung beider Städtetage vor sich ginge. (Lebh. Veif.)
Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e sch u s -Hanau entgegnete, daß der Beifall der Versammlung die Ausführungen des Redners wirkungsvoll unterstrichen und damit zum Ausdruck gebracht habe, daß männern wieder eine gemeinsame Tagung abhalten möchte. Dem werde gewiß dadurch alsbald Rechnung getragen werde, daß bereits ein Antrag des Herrn Oberbürgermeisters Troje-Marburg vorliege, wonach im Jahre 1915 ein gemeinsamer Städtetag in Marburg abgehalten werden sollte, wo der Hessische und der Nassauische Städtetag gemeinsam tagen könnten. Nach den Ausführungen des Herrn Bürgermeisters Grünewald- Alsfeld dürfte an der Annahme des Antrages Troje-Marburg wohl kaum noch zu zweifeln sein. (Beifall.)
Es wurde nun in die geschäftlichen Verhandlungen eingetreten. Der Vorsitzende des Hessischen Städtetages Herr Oberbürgermeister Dr. E e b e s ch u s-Hanau gab bekannt, daß Herr, Oberbürgermeister a. D. Müller-Cassel aus dem Vorstand des Hessischen Städtetages ausgetreten sei, nachdem er sein Amt als Oberbürgermeister in Cassel niedergelegt habe. Redner schlug im Namen des Vorstandes des Hessischen Städtetages vor, Herrn Oberbürgermeister a. D. Müller- Caffel zum Ehrenmitglied des Hessischen Städtetages zu wählen; diesem Anträge des Vorstandes wurde einstimmig durch Zuruf entsprochen; Herr Oberbürgermeister Müller- Cassel wurde durch ein herzlich gehaltenes Telegramm von dieser Ernennung verständigt. Dann teilte der Vorsitzende mit, daß Herr Oberpräsident Wirkl. Geheimer Rat Exzellenz Hengstenberg, dienstlich verhindert sei, an den Verhandlungen des Hessischen Städtetages teilzunehmen. Dann wurde mit lebhaftem Beifall die Mitteilung des Vorsitzenden aufgenommen, daß die Stadt Sontra sich gestern als Mitglied des Hessischen Städtetages angemeldet habe. Damit sei die Zahl der dem Hessischen Städtetag angeschlossenen Städte auf 60 gestiegen, so daß nunmehr fast alle hessisch- waldeckischen Städte dem Hessischen Städtetage angehören. (Lebhafter Beifall.)
Dann erstattete Herr Stadtrat Brunne r-Cassel den Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr. Dieser führt aus, daß im abgelaufenen Jahre Angelegenheiten, die ein ungewöhnliches Interesse zu beanspruchen geeignet gewesen wären, an den Hessischen Städtetag' nicht herangetreten seien. Auf der vorjährigen Tagung in Bad Wildungen habe den Hessischen Städtetag die Frage der
Regelung der Friedhofsverhältnisse in Kurhessen beschäftigt. Es handelte sich dabei einmal um das Mißverhältnis, das darin bestehe, daß die politische Gemeinde die Dsgräbnisplätze zu beschaffen und zu unterhalten habe, während ihr die Verwaltung der Friedhöfe nicht oder doch nur in sehr beschränktem Maße zustehe; ferner um das Recht der Anlage eigener öffentlicher Begräbnisplätze und um die Möglichkeit der Umwandlung der bestehenden kirchlichen Friedhöfe in Eemeindefriedhöfe. Herr Bürgermeister Jochmus-Cassel habe seinerzeit mit dem Ministerial-Rese- renten verhandelt^ der es nicht als ausgeschlossen bezeichnet hatte, diese Mißstände, die er selber zugeben mußte, im Wege der Verwaltung zu beseitigen. Diese wichtige Angelegenheit ruhe aber immer noch in der Ministerial-Jn- stanz, die irgend eine Entscheidung noch nicht getroffen habe. Redner befürchtete, daß bei der Schwierigkeit, die diese I Materie in sich berge, auch eine Entscheidung so bald nicht
erfolgen werde. Der Hessische Städtetag müsse sich daher mit Geduld wappnen.
Dieser Ansicht widersprach sehr entschieden Herr Bur, germeister W e i ch e l-Eroßalmerode; er vertrat die Meinung, daß das Wappnen mit Geduld in dieser wichtigen Frage gar keinen Zweck habe; im Gegenteil, fortgesetzt müsse gebohrt und durch Einreichung neuer Eingaben dem Ministerium vor Augen geführt werden, daß man in Hessen auf die baldige Regelung dieser wichtigen Frage den größten Wert lege. In der Tat gäbe es auch keine Frage in der Stadtverwaltung von einer ähnlichen Wichtigkeit als es gerade die Frage der Schaffung besonderer Gemeindefriedhöfe sei, die überhaupt erst den Gemeinden ein Selbstverwaltungsrecht über die Friedhöfe einräume. Jetzt habe die politische Gemeinde absolut nichts zu sagen, sondern sie dürfe nur zahlen, die Friedhöfe erweitern und unterhalten, alles andere aber, was mit dem den Städten gehörigen Grund und Boden geschähe, sei dem Selbstbestim- mungsrecht der Stadtverwaltungen entrückt. (Lebhaftes Sehr richtig und Beifall.) ~ *
Herr Bürgermeister Schlegel- Windecken (Kreis. Hanau) beschwerte sich sehr entschieden über den schleppenden Geschäftsgang, der bei dieser besagten Ministerialinstanz zu Hause zu sein scheine; so habe die Stadtgemeinde Windecken, die unter der Konfessionalität und der dadurch besonders schwierig gewordenen Verwaltung des Friedhofs von Windecken empfindlich zu leiden habe, schon mehrfach bei dieser Ministerialinstanz den Antrag gestellt, ihr die Genehmigung zur Anlegung eines Gemeindefriedhofes zu geben. Obwohl nun dieser Antrag auf das eingehendste begründet worden sei, so habe nichtsdestoweniger die Ministerialinstanz es nicht für notwendig befunden, auf dieses Gesuch seit einem Jahr und fünf Monaten der Gemeinde Windecken eine Antwort zukommen zu lassen. Unter diesen Umständen müsse er ganz entschieden die Anregung des Herrn Bürgermeister Weichel-Eroßalmerode unterstützen, der Ministerialinstanz noch einmal seitens des Vorstandes des Hessischen Städtetages die Verhältnisse der Friedhofverwaltungen in Kurhessen darzulegen und unter Anführung der zahlreichen Mißstände auf eine alsbaldige Regelung der Friedhofsner- Hältnisse in Kurhessen mit aller zu Gebote stehenden Entschiedenheit zu dringen. Mit Geduld habe man sich doch nun gerade lange genug gewappnet. (Lebh. sehr richtig und Beifall.) Der Städtetag beschloß sodann im Sinne der beiden Herren Bürgermeister, den Vorstand zu beauftragen, von neuem mit Eingaben an die Ministerialinstanz heranzutreten, um eine einheitliche Regelung der Friedhofsverhältnisse in Kurhessen endlich herbeizuschaffen.
Aus Nah und Fern.
r. Marburg, 30. Mai. Der Gau III b des Allge- meinen Deutschen Automobilklubs und der Kurhessifche Verein für Luftfahrt, Sektion Marburg, veranstaltet am nächsten Sonntag mit Unterstützung des Offizierkorps des Kurhessischen Jägerbataillons Nr. 11 eine kriegsgemäße Ballonverfolgung durch Kraftfahrzeuge. Es sind im ganzen acht Preise ausgesetzt. Der Aufstieg der Ballons erfolgt vormittags um 10 Uhr vom hiesigen Flugplatz aus.
Schiffsnachrichten.
(Mitgeteilt vom Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen.
M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1.)
Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hannover" ist am 29. Mai wohlbehalten in New-Dork angekommen.
Der Dampfer „Franken" des Norddeutschen Lloyd ist am 28. Mai wohlbehalten in Galveston eingetroffen.
N-w - Novk, 29. Mai. Der Dampfer „Potsdam" von der Niederländisch - Amerikanischen - DampfschiffahrtsGesellschaft ist gestern hier eingetroffen.
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