Erstes Blatt.
Die ögespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. in Reriametetl Die Zeile 60 Pfg.
General-Anzeiger
Vierteljährlich 1.80 SRL, monatlich MPfg., M PW»
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redaktenr: v. Schrecker st Kma«,
Nr. 125 Kernsprechansâk Nr. 230.
Samstag den 31. Mai
Fermsprechamchlutz Str* 280. 1913
Die heilige Mummet mW ««her hem HiMmltwhfott
18 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Steuererhebung.
Die Zustellung der Steuerzettel für das Steuerjahr 1913 ist seit einigen Tagen beendet.
Die Zahlungsfrist für das 1. Vierteljahr läuft zwei Wochen nach Empfang des Steuerzettels, für die letzten Empfänger bis etwa 9. Juni 1913 ab.
Die Rückseite des Steuerzettels beantwortet einige Fragen.
Die Zettel der Kasse I haben weiße,
„ „ „ „ II „ blaue bezw. grünliche u.
„ „ „ „ III „ gelbe Farbe.
Hanau den 28. Mai 1913. 13205
Städtische Steuerkasse.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: 1 Ausläufer oder Packer, 1 Bau- schreiner, 2 Fahrburschen, 4 Hausburschen, 1 Ladengehilfin (geht auch als Kinderfräulein), 2 Monatsfrauen, 1 landwirtfch. Tagelöhner, 5 sonstige Tagelöhner. -
Gesucht werden: 1 Etuismacherlehrling, 3 Hausburschen, 2 Schuhmacher, 1 Seifensieder, 1 Spengler und Installateur.
Hanau den 81. Mai 1913.
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Bauunternehmers Johann Heinrich Hack, Inhabers der Firma Johann Heinrich Hack in Hanau, ist Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen anberaumt auf
den 11. Juli 1913, vormittags 11 Uhr,
Homburger Kurhaustheater.
(Direktion: Adalbert Steffi er.) „Bunter Abend".
Die „Bunten Abende" scheinen in Bad Homburg mehr Zugkraft zu besitzen als Symphoniekonzerte, Theater, Vorträge und dergleichen künstlerische Spezies. Auch gestern hatte sich wieder trotz der drückenden Schwüle eine Menschenmasse eingefunden, die der Saal nicht zu fassen vermochte. Selbst auf den Galerien gab es ein ganz fürchterliches Gedränge.
Der „Bunte Abend" an sich verlief recht amüsant und brachte viel Abwechslung. Als Konferenzier leitete Georg Land mit feinem, urwüchsigem Humor den Abend ein und zeigte sich in diversen ulkigen Vorträgen als trefflich geschulter und vielvermögender Kabarettist. Heinrich Levas sang einige Lieder für Tenor. Der Sänger verfügt wohl über eine hübsche und auch genügende kräftige Stimme, aber sein Vortrag ist matt und müde und ohne jede innere Anteilnahme. Sophie Weber führte sich mit einigen stilvollen Rezitationen aufs beste ein. Direktor Stef ft er las mit der ihm eigenen Komik einige selbstverfaßte „Karlchen Mißnik-Aufsätze" vor, mit denen er eine stürmische Heiterkeit entfesselte. Auch Ludwig Fuldas treffliche „Berauschte Loreley" fand vielen Anklang. Der Stern des Abends war die beliebte Soubrette Else Trauner, die von ihrer letzten famosen „Grigri"-Darstellung noch in bester Erinnerung steht. Sie sang mit trefflicher Stimme und imponierender Gestaltungskraft einige prickelnde Chansons im Stile der Chat noir, die brausenden Beifall entfesselten. Das Publikum amüsierte sich köstlich und ließ es übrigens bei keinem der Mitwirkenden an spontaner Anerkennung fehlen. k.
Sprachest des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
Zwetgckk.ein Hanau.
Deutschefrauen, Deutschetreue?
„Namen von Straßen und Plätzen sind in einem Wort zu schreiben", so lautet ein zum Glück noch ungeschriebenes, aber in Druck und Schrift leider alltäglich tausendfach be-
vor dem Königlichen Amtsgericht, Abteilung 5, in Hanau, Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 17.
Hanau den 21. Mai 1913. 13261
Königliches Amtsgericht, Abt. 5.
Aus Hanau Stadt und Land.
Hanau, 31. Mai.
Noch eine weitere Aufführung des „Lohengrinl"
Vom geschäftsführenden Ausschuß erhalten wir soeben folgende Mitteilung:
Vielfachen, mündlich und schriftlich an uns ergangenen Wünschen entsprechend, vor allem aber mit Rücksicht auf die Tatsache, daß eine große Anzahl unserer Mitbürger durch den unerwartet frühzeitig und rasch sich vollzogenen Ausverkauf der vier vorgesehenen Vorstellungen entweder nur einen teuren Platz, oder überhaupt kein Billet mehr erhalten konnten, ist für nächsten Dienstag oder Mittwoch eine fünfte Aufführung des „Lohengrin" zu ermäßigten Preisen ins Auge gefaßt worden. — Leider ist der Urlaub abgelaufen, den Herr und Frau Gentner eigens für ihre Hanauer Gastspiele sich genommen hatten. Beide müssen nunmehr ihre volle Tätigkeit in Frankfurt wieder aufnehmen und haben unsere Einladung für ein weiteres Gastspiel nicht annehmcn können. Es wurde deshalb bei zwei anderen auswärtigen namhaften Vertretern der bez. Rollen zwecks eines Gastspiels in unserer Stadt angefragt. Die Unterhandlungen mit den betr. Künstlern sind zwar z. Zt. noch nicht völlig abgeschlossen, werden ab^r voraussichtlich zu einem befriedigenden Resultate führend Sobald die gedachten Engagement« pj^fekt geworden sind, werden wir unverzüglich die Ramen der betr. Künstler veröffentlichen (erstmals jedenfalls schon Sonntag vormittag durch Anschlag an der Theaterkasse). — Der Billetverkauf für diese fünfte Vorstellung beginnt morgen Sonntag (lli—1) und wird, so lange die Eintrittskarten nicht vergriffen sind, Montag und Dienstag zu den bekannten Theaterkaffenstunden fortgesetzt. Bei Kaffenanfang Sonntag um 11 Uhr, sind sämtliche Theaterplätze noch frei.
* Johanneskirche. Im Hauptgottesdienst vormittags halb 10 Uhr findet die Einführung der neugewählten Kirchenältesten in ihr Amt statt.
NW^ MMMBManouMMMf UH I! HW Hl | —EUB folgtes „Gesetz", das der amtlichen Rechtschreibung ins Gesicht schlägt. Macht man doch dabei in bequemer Verallgemeinerung der telegraphischen Schreibung keinen Unterschied, ob es sich um die Zusamensetzung mit einem Hauptwort handelt, wie z. V. Lessingstraße, Sadowastraße — wir wählen hier als allgemein bekannt Berliner Straßennamen
— oder mit einem Eigenschaftswort, wie z. B. Französische Straße, Breite Straße, Bayerischer Platz, Neuer Markt, oder einem als Eigenschaftswort empfundenen und gebrauchten Wesfall eines ursprünglichen Hauptworts auf -er, wie Leipziger Straße, Pariser Platz. Diese Verwirrung des allgemeinen Gefühls für die Rechtschreibung beginnt sich bereits auch auf Ausdrücke wie Chaussee, Allee, Weg, Ufer, Brücke, sobald diese zu amtlichen Straßenbezeichnungen verwendet werden, auszudehnen, so daß Schreibungen wie die folgenden schon durchaus nicht mehr zu den Seltenheiten gehören: Charlottenburgerchaussee, Schönhäuserallee, Eroßer- weg (!), Schönebergerufer, Langebrücke. Ja, wer weiß, ob nicht schon mancher „Unterdenlinden" schreibt. „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode." Nun, will man denn durchaus „methodisch" verfahren, so schreite man auch zu waghalsigeren Schreibungen fort, wie Neuefriedrichstraße, Eroßehamburgerstraße,' denn will man folgerichtig sein, so muß man natürlich auch dreiteilige Zusammensetzungen zu einem Wort verbinden, - um das lästige Nachdenken zu sparen. Aber weshalb überhaupt nur bei Straßennamen? Schreibe man doch getrost auch Schlesischerbahnhof, Anhalterbahnhof, Brandenburgertor; nein, schließe man lieber gleich ganz allgemein und in jedem Falle Hauptwort und Eigenschaftswort durch eine eiserne Klammer zusammen und schreibe, Vossischezeitung, Hamburaischerkorrespondent, Hal- berstädterkürassiere, Königlichesschloß, Grünebäume, Villi- gekartoffeln und — damit auch die Dichtung zu Wort komme — Deutschefrauen, Deutschetreue? Und tauchen dann vielleicht allerlei Schwiergkeiten auf, etwa die Frage, wie bei Häufung von Eigenschaftswörtern vor Hauptwörtern zu verfahren sei, so sollte man sich dadurch keine Kopfschmerzen verursachen lasten, sondern die Entscheidung darüber in das Belieben jedes einzelnen stellen. Die höchste Regel sei — Regellosigkeit! Dann sind wir glücklich wieder bei der „Rechtschreibung" des Mittelalters angelangt.
R. Valleske (Landeshut i. 6^13
* Hans Sommerhoff f. Gestern früh ist Herr Rentier Hans Sommerhofs verstorben, eine Nachricht, die in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft mit aufrichtige, Trauer entgegengenommen werden wird. Der Verschiedene, ausgestattet mit reichen Geistes- und Herzensgaben, ein Mann von vornehmer, biederer Denkungsart, hat sich stets als ein eifriger Förderer der vielseitigen Wohlfahrtsbestrebungen unserer Stadt erwiesen, mit Rat und Tat, mit offener Hand alles das unterstützt, was geeignet war, der Allgemeinheit Nutzen zu bringen. Sein Andenken wird allezeit in Ehren bleiben.
* Evangelisches Vereinshaus. Morgen abend 8 Uhr wird Herr Pfarrer Göbels im Evangelischen Vereinshause, Nußallee 22, den Gottesdienst halten. Zederman« ist freundlichst eingeladen.
* Der „Freundschaftsbund junger Mädchen" bittet alle jungen Freundinnen, am Sonntag nachmittag halb 3 Uhr recht pünktlich und vollzählig an derEberhirdschule zum Abmarsch nach dem Forsthause zu erscheinen. Die Vorfreude auf das Waldfest wächst, und iS ist zu hoffen, das wir mit den lieben Eltern und Gönnern des Bundes einige ungetrübt frohe Stunde« »erlebe« werde«. Eberhardstraße 2 l.
* Geschichtsverein. Der „Friedberger Ge- schichtsv erein" beabsichtigt am 8. Juni einen Ausflug nach Aschaffenburg und hat den Hanauer Verein eingeladen, sich ihm anzuschließen. Ankunft in Aschaffenburg gegen 9 Uhr. Genaueres wird im Laufe der nächsten Woche bekannt gegeben werden.
* Jubiläum. Der Briefträger Herr Wilhelm Senkel kann morgen den 1. Juni auf eine 25jährige Dienstzeit zurückblicken. Wir wünschen dem Jubilar, daß er noch lange Jahre in körperlicher Frische sein Amt bekleiden möge. Der Post- und Telegraphen-Unterbeamten-Verein Hanau beehrt den Jubilar durch Ueberweisung eines Diploms.
* Notburga-Verein Hanau. Der lange geplante Mai« Ausflug findet morgen statt. Abfahrt nach Gelnhausen ai Ostbahnhof 2 Uhr 22 Min., darauf Besichtigung der Stadt und Ausflug in die Umgegend. Rückfahrt abends 8 Uhr 26 Min. Alle Mitglieder sowie der Schutzvorstand und Gönnet des Vereins werden nochmals zur Beteiligung eingeladen.
* Hanauer Straßenbahn. Monatskarten, gültig für Juni 1913, sind in den Geschäftsräumen Leipzigerstr. 9a zu haben. Nebenkarten werden nicht mehr auSgegeben. Zum Verkauf der Monatskarten find die Geschäftsräume am 31. Mai bis abends 6 Uhr und am 1. Juni von 10 bis halb 12 Uhr vormittags ununterbrochen geöffnet.
sans Zur Frostspannerplage. Von einem Obstzüchter wirds uns geschrieben: Die Klage über das maffenweise Auftreten der Raupe des großen Frostspanners, welche die Sammelstelle für Pflanzenschutz in Friedberg gestern in ihrem geschätzten Blatte veröffentlicht und die jedes Jahr mehr oder weniger wiederkehrt, sagt mir nichts neues, denn trotzdem auch der Hanauer Kreisobstbauverein meines Mistens seit Jahren energisch für das Anlegen von Klebgürteln im Herbst eintritt, ist er doch mit seinen Arbeiten nicht überall durchgedrungen, das zeigen mir die vielen Bäume, die ohne Klebgürtel stehen. Auch ich war anfänglich dem neuen, radikaleren Verfahren, wie man sagte, nicht gerade hold, denn ich hatte mir bereits die Wahrnehmung zunutze gemacht, daß das Umgraben der Baumscheiben im Herbst nicht nur förderlich für den Wuchs und das Gedeihen des Baumes war, sondern auch ein wichtiges Hilfsmittel gegen den Frostspanner. Als ich aber versuchsweise trotzdem einige Klebgürtel anlegte, machte ich eine neue, überraschende Entdeckung: an den Bäumen mit umgegrabener Baumscheibe fand ich bei der Untersuchung des Gürtels nur 14 Weibchen des Spanners, die bekanntlich nicht fliegen können und den Stamm emporkriechen, bei den im Felde an anderer Stelle stehenden Bäumen ohne Baumscheibe aber bedeutend mehr, eine Tatsache, die nicht nur für das Anlegen der Klebgürtel sondern auch für das stetige Lockerhalten der Baumscheibe spricht- In diesem Frühjahre haben sich meine Klebgürtel wieder gut bewährt, denn während ich verschiedentlich kahl gefressene fremde Bäume sah, zeigen meine Bäume nicht die geringsten FraßsteNen. Die Klebgürtel und den dazu gehörigen Raupenleim beziehe ich seitdem ich Mitglied vorgenannten Vereins bin, durch besten Schädlingssammelstelle im Landratsamt. Von einem Bekämpfen durch Spritzen, verspreche ich mir jetzt keinen Erfolg mehr, denn bei diesem gefräßigen Feinde unserer Obstbäume gilt einzig v o r b e u * gende Arbeit durch Anlegen der Jnsektenfanggürtel.
* Blühende Trauben. Im Garten des Restaurants „zum Nahetal" Paradeplatz befinden sich jetzt im Mai schon blühende Trauben. Gewiß eine aroße Seltenheit.