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Hanauer K Anzeiger

Lt» bgespaltene Petitzelle oder deren Raum 20 Pfg.

im Râmetell die Zelle 50 PiL

General-Anzeiger

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich SSPfg^ ß^>

Rotationsdruck und Verlag der Duchdruckerei verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Orga» für Stadt- und Faudkreis Kauau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: S. Schreck« in Hanau.

9?L 118 ryernsprechanschlttf; Nr. 230.

Freitag den 23. Mai

Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1913

Amtliches.

Bekanntmachung.

Ich habe anstelle des verstorbenen Bürgermeisters a. D. Ebert in Bischofsheim, Kreis Hanau, den Gastwirt und Gärtner Johann Jakob Becker in Bergen zum Lokalbeobach­ter für den Lokalbeobachterbezirk Nr. 1 (Bergen) ernannt. Cassel den 30. April 1913. V. 3600

Der Ober-Präsident.

I. V.: Dyes.

Bekanntmachung.

Der Königliche Rentmeister Lucke in Hanau hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehilfen Paul Westphal während der Dauer des ihm vom 21. bis 27. d. Mts. erteilten Urlaubs zu feiner dienstlichen Ver­tretung bevollmächtigt.

Cassel den 17. Mai 1913.

Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen u. Forsten.

Stadtkreis Hanau.

Nach einem auf Grund einer Entscheidung des Oberver­waltungsgerichts zu Berlin ergangenen Erlasse des Herrn Ministers des Innern ist in East- und Schankwirtfchaften der Ausschank von Getränken durch die Schaltcreinrichtung nur noch dann zulässig, wenn hierüber ein ausdrücklicher Vermerk in der Konzessionsurkunde ausgenommen ist.

Bei der Bewerbung um die Konzession zum Betriebe der Gast- oder Schankwirtschaft wird daher die Genehmigung zum Schalterausschank, falls ein solcher beabsichtigt ist, stets ausdrücklich zu beantragen und die Schaltereinrichtung in den Vorlagen zu kennzeichnen und zu beschreiben sein.

Im Interesse der Herbeiführung eines beschleunigteren Verfahrens ersuche ich die Interessenten um Beachtung vor­stehenden Hinweises bei Stellung von Gast- und Schankwirt- schaftskonzessionsanträgen.

Hanau den 22. Mai 1913. P. 5970

Königliche Polizeidirektion.

I. A.: Karbe.

Eèlmdeiie und »Mm iütWt it.

Gefunden: 1 weißes Kinderkäppchen mit blauem Bande, 1 Portemonnaie mit 45 Pfg., 1 desgl. mit ( 40 Mk.

Liegen geblieben bei Jean Sponsel jr

Die MM-AMMMr in Sonnn.

Lohengrin".

Romantische Oper in 3 Akten von N. Wagner.

Richard Wagners 100. Geburtstag festlich zu begehen, hat sich auch unsere Vaterstadt mit freudigem Stolze ge­rüstet. Von Pompentfaltungen, von Reden und Festessen ist Abstand genommen worden. Eine ernste Tat, die Ausführung eines seiner Bühnenwerke, sollte beweisen, daß man einen großen Mann nicht höher ehren kann, als wenn man Ge­legenheit vermittelt, sich in den Geist seiner Schöpfungen ver- tiefen zu können. Lohengrin, das volkstümlichste Werk des großen Meisters, des größten Künstlers seines Jahrhunderts, ist gewählt und bestimmt worden, mit seinen zauberhaften Klängen uns zu jenen Höhen zu führen, zu denen nur echte Kunst geleiten kann. Ein Sohn unserer Stadt, Herr Dr. Adolf S t ü b i n g , war es, der die Anregung zur Auf­führung dieser Oper gegeben, der mit der Einsetzung seiner ganzen Kraft, mit großem musikalischen Verständnis sich der schwierigen Aufgabe der Einstudierung unterzogen hat, der un­ermüdlich tätig gewesen ist, dieWagner-Gedenkfeier zu einer seiner Vaterstadt würdigen zu gestalten. Die gestrige erste Auf­führung der Oper im hiesigen Stadttheater, die mit einem von Frau Carola Buchholz-Hoffmann gesprochenen Prolog ein­geleitet wurde, zeigte, daß Mühe und Arbeit nicht vergebens gewesen ist. Das Theater war ausverkauft, ein vielhundert- köpsiges Publikum huldigte, indem es sich zu den Höhen künstlerischer Begeisterung emportragen ließ, freudig dem Genius des großen Meisters, der vor 100 Jahren der Welt geschenkt worden ist.

Auf die Einzelheiten der gestrigen Aufführung übergehend, wenden wir uns zunächst dem Chore zu. Dein Chor ist eine Aufgabe gestellt, welche weit abseits liegt von dem Ge­biete des Chorgefanges, in welchem die Beteiligten für ge- wâbnlich tätig sind in ihren Gesanavereinen. Schon die

Hammerstr. 2: 1 schwarzer Sammetgürtel mit schwarzer Schnalle; Empfangnahme auf dem Fundbureau.

Verloren: 1 silberne Herrenuhr mit Nickelkette, 1 Brille.

Hanau den 23. Mai 1913.

Die Hochzeitsfeier am Kaiserhof.

Die Hochzeitsgäste.

W. Berlin, 22. Mai. Heute vormittag 10 Uhr ist der Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, dessen Gemahlin und Prinzessin Olga auf dem Anhalter Bahnhof einge­troffen. Der Herzog trug österreichische Uniform. Der Ehrendienst, bestehend aus dem Gouverneur des Jnvaliden- hauses General der Infanterie Freiherr v. Hammerstein- Loxten und dem Kommandeur des Husaren-Regiments Zie­len brandenburgisches Nr. 3, Oberstleutnant v. Baumbach, war den Eltern des Bräutigams entgegengereist und hatte sich in Teltow gemeldet. Die Ehrenkompanie auf dem Bahn­hof stellte das erste Garde-Regiment zu Fuß, die Eeleits- eskadron das Earde-Kürassierregiment. Zum Empfang waren der Kaiser, die Kaiserin, die Prinzen und Prin­zessinnen des königlichen Hauses sowie zahlreiche Würden­träger und die Staats- und Militärbehörden anwesend. Nach herzlicher Begrüßung der Fürstlichkeiten begab man sich im Ealawagen über den Potsdamer Platz, die Sieges­allee und Unter den Linden nach dem Schlosse. Unterwegs wurden den Fürstlichkeiten lebhafte Huldigungen bereitet. Der Einzug in das Schloß erfolgte durch Portal 5. Trom­peter der Ehrenwache der Garde du Korps bließen den Prä­sentiermarsch. Im Schlosse fand Empfang und großer Vor­tritt statt. Die Großherzogin Luise von Baden hatte sich ebenfalls ins Schloß begeben und begrüßte hier die cumber- ländischen Herrschaften. Das Kaiserpaar geleitete den Her­zog und die Herzogin in die für sie bestimmten Gemächer, in die Wohnung Friedrich Wilhelms IV. Das Wetter ist sehr schön.

W. Berlin, 22. Mai. Prinz Waldemar von Dänemark ist mit seinen Söhnen Aage und Axel heute früh auf dem Stettiner Bahnhof eingetroffen. Prinz Heinrich von Bayern ist um 8 Uhr 25 Min. auf dem Anhalter Bahnhof einge­troffen und wurde vom Prinzen Oskar empfangen. Zur Teilnahme an der Vermählungsfeier traf die Großherzogin Luife von Baden um 9 Uhr 5 Min. auf dem Anhalter Bahn­hof ein, wo ihr ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Der Kaiser, die Kaiserin, die Prinzessin Eitel Friedrich, die Prinzessin August Wilhelm, Prinz Adalbert waren zur Be­grüßung erschienen. Ferner trafen mit dem gleichen Zuge ein: der Fürst und die Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern sowie das Prinzenpaar Max von Baden.

Eigenart Richard Wagners, die einzelnen Phasen der Ge­fühle und Empfindungen mit dem Mittel gänzlich unge­wohnter, kühner Modulationen auszudrücken, macht die Be­herrschung der verschiedenen Chorsätze äußerst schwierig. Dazu kommen noch die hohen Anforderungen, welche Wagner an die einzelnen Stimmen stellt hinsichtlich der Ausnutzung des Stimmumfanges. Der Komponist rechnet auch in seinen Chören mit planmäßig ausgebildeten und sachgemäß gefestigten Stimmen, deren spezielle Schulung für seine An­sprüche eine Ermüdung ausschließt. Ferner erscheint der Chor sehr oft als achtstimmiger Doppelchor, bei welchem jeder ein­zelne seinen Mann stellen muß und veranlaßt durch die Anregungen, welche die Handlung erfordert oftmals ganz isoliert dasteht und abgelrennt von stützenden Nachbarstimmen ganz auf sich selbst angewiesen ist. Es darf daher nicht Wunder nehmen, daß die am Lohengrinchor beteiligten Sänger und Sängerinnen sich der gewaltigen Mühe und Arbeit von über 80 Proben unterziehen mußten und wenn man ferner bedenkt, daß die meisten der Beteiligten tagsüber von früh bis spät ihrem Berufe nachzugehen haben und dann abends von 6 bis 12 Uhr auf und hinter der Bühne stehen mußten, so ist einem derartig hohen Interesse an der Sache und einer solchen Hingabe für dieselbe die größte An­erkennung zu zollen. Wir haben gestern abend beobachten können, daß, abgesehen von kleinen Unebenheiten im 2. Akt, die zur Aufwendung gekommene Mühe reichen Erfolg ge­zeitigt hat.

Ungleich schwieriger wie die Chorpartien sind selbst­redend die Rollen der S o l i st e n. Bei den fünf Hauptrollen (Lohengrin, Elsa, König Heinrich, Telramund und Ortrud) kennt ja Wagner überhaupt keine Grenzen in Tongriffen, Deklamation und Rhythmus, die höchsten Anforderungen werden von ihm au alle Ausdrucksmittel der Gesangskunst gestellt, die größte musikalische Sicherheit ist eine selbstver­ständliche Voraussetzung, auch wo der Chor oder das Or­chester in Tonart, Harmonie und Takt ganz andere Wege

Die Ankunft des Zaren.

W. Berlin, 22. Mai. Etwa 1^ Stunden nach dem Ein« treffen des Herzogs von Cumberland traf auf dem Anhalter Bahnhof der russische Kaiser ein, der heute zum ersten Male in Berlin weilt. Der Ehrendienst, dem Generaladjutant General der Infanterie v. Moltke, der Inspekteur des Ma­rine-Bildungswesens Vizeadmiral v. Dombrowski, der Kom­mandeur des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 Oberst Schach von Wittenau, der Kommandeur des 2. Garde-Dragoner-Regiments Kaiserin Alexandra von Ruß­land und Oberstleutnant Frhr. v. Zedlitz und Leipe ange­hören, war bis Küstrin-Neustadt entgegengereist. Kaiser Wilhelm in der Uniform seines russischen Leib-Earde-Gre- nadier-Regiments schritt dem Zaren entgegen, der die Uni­form des Alexander-Regiments trug, und begrüßte ihn überaus herzlich. Während der Vorstellung der Prinzen und Prinzessinnen und des beiderseitigen Gefolges spielte die Regimentsmusik des ersten Garde-Regiments zu Fuß, das auch die Ehrenkompanie gestellt hatte, die die üblichen Ehrenbezeugungen erwies. Dann erfolgte die Abfahrt der Fürstlichkeiten in offenem Wagen, vor und hinter dem je zwei Züge der ersten Eskadron des zweiten Garde-Dragoner- Regiments ritten. Die Equipage begleitete rechts der kom­mandierende General des Gardekorps Frhr. v. Plettenberg, links der Oberstallmeifter Frhr. von Reischach. Der Zug nahm den Weg durch die Koniggrätzer-Straße, über den Potsdamer Platz, durch die Bellevuestraße, die Siegesallee, die Charlottenburger Chaussee und das mit Flaggen und Girlanden geschmückte Brandenburger Tor nach Lem Schloß. Unterwegs wiederholten sich dieselben Ehrenbezeugungen wie Tags vorher bei dem englischen Herrscherpaar. Beim Kreuzen der Friedrichstraße setzte das Abfeuern des Ehren­saluts von 101 Schüssen ein. Dann rollten die Wagen über den Platz Am Lustgarten durch das Portal 5 in das Schloß.

W. Berlin, 22. Mai. Zum Empfang des Zaren war der Kronprinz in der Uniform seines Kleinrussischen Dragoner- Regiments Nr. 14, Prinz Friedrich LeopoL in der Uniform seines Libauischen Infanterie-Regiments und der König von England in der Uniform seines preußischen Kürassier- Regiments Graf Geßler (Rheinisches) Nr. 8 erschienen. An- wesend waren u. a. noch Prinz Eitel Friedrich, Adalbert Friedrich Wilhelm, Albert zu Schleswig-Holstein, der Reichskanzler, die Staatssekretäre v. Tirpitz und o. Zagow, Polizeipräsident v. Iagow, Kriegsminister v. Heeringen, der Chef der Eeneralordenskommisfion v. Jacobi, der Kom­mandeur des Gardekorps, Freiherr v. Plettenberg, General­oberst v. Plessen, Generaloberst v. Kessel, General der In­fanterie Freiherr v. Lyncker, Admiral v. Müller, der Chef des Zivilkabinetts Geheimrat v. Valentini, der Komman­dant von Berlin Generalmajor v. Bonin, Eisenbahnpräsi- geyt, müßen die Solisten oft ganz plötzlich mit ihren selb­ständig charakterisierten Gesängen dazwischentreten. Dieses vorgenannte fünfgliedrige Solistenensemble erscheint hier in der Besetzung von berufsmäßig ausgebildeten Ge­sangskräften, dem als sechster Solist Lie Gestalt desHeer­rufers" mit seinen mehr gesanglichen Partien Herr Albert Bauer angegliedert ist, dessen schöne Stimmittel eine für den vorliegenden Zweck offensichtlich eingehende, sichere und ausgezeichnete Schulung erfahren haben, sodaß wir es hier mit einer Leistung zu tun haben, die einem Sänger, der ja als solcher kein Fachmann ist, alle Ehre macht. Die vorher kurz gekennzeichneten großen Schwierig­keiten, denen die fünf Hauptsolisten vollständig gewachsen sein müssen, finden bei demK ö n i g", bei der E l s a" und beiL o h e n g r i n" in den mensch­lich ungemein sympathischen Erscheinungen dieser Rollen Ausdruck, währendOrtrud" undTel ra­nk und" kurzer Hand als die bösen Geister ange­sehen werden und für gewöhnlich rasch der Abneigung des Zuschauers anheimfallen. Dabei sind aber gerade diese bei­den Rollen für den Gang der Oper von eminenter Bedeu­tung und, objektiv betrachtet, sind es in ihrer Art ebenfalls volle und ganze Charaktere, welche Wagner mit einem ge­rüttelten und geschüttelten Vollmaßs seine musikalischen, tech­nisch außerordentlich schwierigen Charakterifierungskunst ausgestattet hat. Der zweite Akt, der Höhepunkt der Oper, steht und fällt mit der musikalischen, gesanglichen und schau­spielerischen Qualität der Vertreter dieser beiden Rollen.

DerLohen g r i n" wurde von Herrn Car! Gentner vom Frankfurter Opernhause gegeben. Der Künstler ist im hiesigen Konzertsaale wie auch auf der Bühne kein Unbe­kannter. Für die durchaus lyrisch gehaltene Partie deS Lohengrin" kam ihm sein eWebiges, schmelzreiches Organ recht zu statten. Das SchwaBnlied gelang ihm vorzüglich, der Gralserzählung verlieh er die entsprechende deklamatorisch, Form. die Szenen vor der Kirche unb im Brautaemach bU-