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Erstes Blatt.

Hanauer K Anzeiger

Me Sgespaltene Petitzelle oder deren Raum 20 Pfg.

Ä» Rellametei! die Zelle 50 Pfg.

General-Allzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. es. Waisenhauses in Hanau.

AAtillhes Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Vierteljährlich 1.80 Ml., monatlich SS Pfg., M W bezug vierteljährlich 2.10 Ml., monatlich 70 Pf^ Die einzelne Nummer lostet 5 M.

Verantwort!. Redakteur: V. Schrecker lck Hamm,

Nl. 116 ?yernsprechauschüch Nr. 230.

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14 Seiten.

AmMches.

Stadtkreis Ranau.

Bekanntmachung

Für den Stadtkreis Hanau, als Sektion der Hessen- Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft sind als Vertrauensmänner und Ersatzmänner gewählt worden:

für den Bezirk I (Neustadt):

Herr Oekonom Heinrich Stettner 2r,

für dessen Stellvertreter:

Herr Oekonom Philipp Horst;

für den Bezirk II (Altstadt):

Herr Oekonom Friedrich Alt,

für dessen Stellvertreter: Herr Oekonom Konrad Schad.

Hanau den 17. Mai 1913. 12387

Der Sektionsvorstand.

__Hild.

Dienstnachrichten.

Bei einem im hiesigen Schlachthause geschlachteten Schwein des Jagdaufsehers Weber zu Wachenduchen sind die Backsteinblattern (Rotlauf) fostgestellt worden.

Hanau den 20. Mai 1913. V. 3543

Schmiele uni uetietene Seoenltiiaöe k.

Gefunden: 1 silberner Armreif, 1 Damenschirm ohne Griff, 1 Fenstervorhang, 6 kleine Schlüssel an gelbem Kett­chen, 20.50 Mark bar (auf der Mesie).

Liegengeb lieben bei Leuchter, Bangertstraße 13: 2 Knäuel Knüpfgarn; Empfangnahme daselbst. Desgl. im Schuhhaus Leander: 1 graues gestreiftes wollenes Tuch; (Empfangnahme auf dem Fundbureau.

Verloren: 1 3-teiliges Korallenkettchen, 1 goldner Kneifer, 1 bläuliches Damenportemonnaie mit 4.80 Mark, 1 Portemonnaie mit 2 Mark und einem Trauring (gez. L. N. 24./12. 09), 1 Federkasten mit einem Theaterbillett, 1 Zigarrenetui mit 5 Zigarren, 1 Paar Turnschuhe.

Hanau den 21. Mai 1913.

Richard Wagner.

Skizze zu seinem hundertsten Geburtstage, den 22. Mai.

Von C. Gerhard.

Am 22. Mai vor hundert Jahren wurde ein Genie ge­boren, wie es nur selten der Menschheit geschenkt wird, ein Genie, das eine neue Welt in die Welt brachte, und dessen leuchtender Glanz nicht erlöschen wird, solange der Sinn für vas Erhabene und Schone im Menschenherzen lebt.

Richard Wagner war einer der Größten unter den Großen, eine Erscheinung, wie sie die Geschichte der Musik bis dahin nur vereinzelt kannte; er war ein Mann, der den gesamten geistigen Gehalt seiner Zeit in sich aufnahm und bewegte, der großen Gedanken künstlerisches Leben verlieh. Er war ein kühner Reformator, begabt mit außerordentlicher Kraft der Phantasie und großer Schärfe des Verstandes, ein mut» voller Streiter, der voll unverrückbaren Glaubens an seine heilige Mission Not, Neid und Leid, den langen Kampf mit Unverständnis und Geringschätzung, Traft seiner ehernen Energie überwand und mit Siegerschritten hinaufstieg zum Königsthrone der Kunst. Untloht vom Feuerzauber der Liebe und Bewunderung eines ganzen Volkes, steht sein Andenken gleich dem eines Helden da, groß und hochragend, wie sein Schaffen war.

Er war der Vollender der neuromantischen Richtung in der Tonkunst, dessen Begründer Berlioz war, der einzige wahrhaft berufene und hervorragende Dramatiker der ganzen Schule. Sein Ziel, dem er mit allem Feuer und aller Kraft seiner Natur zustrebte, war die Wiedergeburt der antiken, klassischen Tragödie im Geiste der modernen Kunst. Er er­hob die Oper zu einem wirklichen Drama, in dem die Musik nur zur sinnvollen Betonung der Worte diente, und ver­schaffte ihm eine höhere dramatische Einheit, indem er alle an die bedeutsamsten Momente der Handlung sich anknüpfen­den musikalischen Motive als verbindende Elemente behandelte. Erzeugte er damit eine außerdentliche Steiaeruna der Svan-

Mittwoch den 21. Mai

Der ImMkWWWM in der iMIlion.

mb. Berlin, 20. Mai. Die Budgetkommission des Reichstages trat heute, eine Woche vor Wiederbeginn der Arbeit des Bollhauses, zur Fortsetzung der Beratung des Heeresergänzungsetats wieder zusammen. Die Kommission nahm zunächst ohne Debatte die Vermehrung der Fußartillerie von 48 auf 55 und der Pionierbataillone von 33 auf 44 an. Sodann fand eine längere Besprechung über das

Luftschiffwesen

statt. Ein volksparteiliches Mitglied äußerte zu den Forderungen auf Vermehrung der Verkehrtruppen ver­schiedene Wünsche, insbesondere auch auf Auskunft über die Bewährung der verschiedenen H a l l e n t y p e n sowie der verschiedenen L u f t s ch i f f syst e m e. Nicht erwünscht sei der rasche Wechsel in den Kommandos gerade der Verkehrs­truppen. Ein Regierungsvertreter erklärt, das Zeppelinschiff gelte auf Grund seiner bisherigen Leistungen als bestes Schiff. Es sei aber bisher ohne Kon­kurrenz gewesen, und es werde nun, da auch der S ch ü t t e- L a n z erfolgreich auftrete, wohl weitere Verbesserungen durchführen. Die beiden Typen unterscheiden sich schon durch die Form; der Schütte-Lanz hat die Spindelform gewählt, die ja bekanntlich an sich vorzuziehen, deren Ausführung aber bisher praktischen Schwierigkeiten begegnet sei. Ein Mangel sei allerdings auch das Material des Zeppelin­schiffes für Landungen, wo beim'Zeppelinschiff leicht De- formation eintritt. Die Holzkonstruktionen seien von Schütte- Lanz in sehr zweckmäßiger Weise durchgeführt worden. Allerdings sei das S^ütte-Lanz-Schiff sehr schwer, sodaß der Auftrieb nur gering sei. Es habe leider auch keinen großen Aktionsradius. Der Zeppelin habe einen weitaus größeren Auftrieb, und das sei von Wert, da man ja auch noch Armierung an bringen wolle. Die Hallen- frage sei sehr schwierig. Seit starre Schiffe ver­wendet werden, müsse man zu der drehbaren Halle über­gehen, weil bei den festen Hallen die starren Schiffe bei der Einfahrt leicht beschädigt werden. Stuf weitere Anfragen äußert sich der Regierungsvertreter dahin, daß bis jetzt noch keine Schlußentscheidung gefällt werden kann darüber, ob die Gondeln fest mit dem Luftschiff verbunden Serben, wie bei Zeppelin, oder lose, wie bei Schütte-Lanz. General Wandel gibt dann im einzelnen Aufklärung über die beab­sichtigten O r g a n i s a 1 t o n 8 ä n d er u n g en bei den Verkehrstruppen. Mit Rücksicht auf die höhere Gefährdung der Eisenbahnlinien im Zeitalter der Luftschiffe müsse die Zahl der ausgebildeten Truppen in einem Eisen- bahnregiment vermehrt werden. Ebenso liege eS bei der Vermehrung der Telegraphenbataillone um drei Bataillone und bei der Vermehrung der Funkenformationen. Man nung und Erregung der Hörer, so erzielte er durch die von ihm geschaffene, erhöhte Selbständigkeit des Orchesters, durch die geniale Wahl und Mischung der Instrumente zauberhafte Wirkungen.

Zugleich Dichter und Komponist, hob er die edelsten Schätze der nationalen Dichtung und Sage, schuf seine Texte in einer den Stoffen angemessenen Sprache und bewies bei der Inszenierung seine echt dramatische Begabung.

Begegnen wir ihm in seinen ersten Bühnen-Werken, in Die Feen" undDas Liebesverbot", noch ganz auf dem Felde der alten Oper, so bedeutet seinRienzi" bereits einen außerordentlichen Fortschritt in seinem Schaffen. Mächtiger noch offenbarte sich seine Eigenart imFliegenden Holländer". Hier weicht er schon von der herkömmlichen Forin der ge­schlossenen Einzelnummern ab und bedient sich zur Charak­terisierung von Personen und Situationen der Leitmotive. Der romantische Zauber, der über dem Werke liegt, die glänzende musikalische Zeichnung des dämonischen Helden, der opfermutigen Senta, die stimmungsvolle Tonmalerei stempeln die Oper zu einem Meisterwerke ersten Ranges.

Einen Schritt weiter geht Wagner in seinemTann­häuser", dem er den echt dramatischen Charakter zu geben lvußte, imLohengrin", diesem weihevollen Tongedichte und in den geistreichen, an Humor und Witz übersprudelnden Meistersingern".

Tritt in den letzgenannten Werken das Leitmotiv bereits immer mehr in den Vordergrund, so bricht Wagner in Tristan und Isolde" völlig mit der Tradition, indem er Musik gänzlich in den Dienst der dramatischen Grundidee stellt. Aus den Tiefen der inneren Seelenvorgänge ent­wickelte er die ergreifende Handlung.Tristan und Isolde" ist der höchste Ausdruck seiner künstlerischen Individualität.

In den darauf folgenden großen Werken derNibelungen- Trilogie" und dem Bühnenweihfestspiel:Parsifal" gab er seinen Kunstprinzipien in höchster Vollendung Ausdruck. Sein Ideal die Umwandluna der in Italien entstandenen.

Fcrnspr-chankchwk Nr. 230. 1913

brauche dazu insbesondere aktive Mannschaften, da die Mann­schaften des beurlaubten Standes die Uebung zu verlieren pflegen. Die Vermehrung der Luftschiffbatail- l o n e von drei auf fünf, sei durch die lebhafte Entwicklung des Luftfahrwesens veranlaßt. Das erste Bataillon habe nur mit Fesselballons zu tun, die übrigen mit den Lenk­schiffen und Flugmaschinen. Ein Ueberblick über die A n * strengungen der Franzosen auf dem Gebiete des Luftschiffwesens zeige, daß die Anforderungen der Regierung nicht zu hoch gespannt seien. Ein volkspartei­liches Mitglied wünscht näher« Auskunft über die Der teilung der neuzubauenden Luftschiffe auf die verschiedenen Typen, weiter darüber, ob die Luftschiffwerke, die sich verpflichten, nicht für das Aus­land zu bauen, entsprechende Entschädigung durch Bau­aufträge bekommen. Gegen die Doppelhallen werden man­cherlei Einwendungen erhoben. Notwendig seien bessere sanitäre Verhältnisse auf dem Flugplatz Johannistal. Der Kriegsminister erwidert hierauf, daß die Militärverwaltung den größten Wert darauf lege, daß die sanitären Einrichtungen auf dem Flugplatz Johannis­thal möglichst gute seien. WaS den raschen Wechsel in den Kommandostellen betrifft, so handle essich um eine sehr junge Truppe mit besonderen Anstrengungen, die vielfach aus Ge­sundheitsrücksichten neue Veränderungen erfordern. Ein Sozildemokrat bezweifelt die Notwendigkeit einer so großen Zahl von lenkbaren Luftschiffen. Die ganze Sache sei noch garnicht über das Versuchsstadium hinausgekommen. ES gehen ja bisher die Luftschiffe der Militärverwaltung a l l e verloren. Man wisse auch noch nichts Genaue« darüber, wie sich eigentlich die Militärverwaltung die Verwendung Ler Luftschiffe als Waffe denke. Die Verweirdung der Ma­schinengewehre sei doch sehr gefährlich mit Rücksicht auf die Bildung von Knallgasen.

Der Kriegsmini st er betont in seiner Erwiderung den Wert der Aufklärung durch die Luftschiffe. Auch als Waffe werde das Luftschiff eine nennenswerte Rolle spielen. Ein Vertteter der Volkspartei wünscht im Gegensatz zur Sozialdemokratie, daß man auf dem Gebiet des Luftfahr­wesens auf der Höhe bleibe und deshalb keine Opfer scheue. Generalarzt Schulz macht Mitteilung über die Verwen­dung der Sanitätsautomobile. Es seien schon eine Reihe von Automobilen in Verwendung, und im Kriege würden natürlich weitere requieriert werden. Besondere Ope- rationsautomobile seien zur Zeit noch zu kompliziert, als daß sie im Kriege zweckmäßige Verwendung finden könnten. Ein Nationalliberaler weist auf die bisherigen Erfolge der Luftschiffe im Aufklärungsdienste hin; für später seien weitere Erfolge zu erwarten. Die bisherigen Erfolge sprechen durchaus für drehbare Hallen, trotz der erhöhten I»y

in Frankreich ausgebildeten Kunstform der Oper zum musi­kalischen Drama, zu einem spezifisch deutschen Kunstwerk, die Vermählung von Poesie und Musik unter Beihilfe aller Schwesterkünste war Wahrheit geworden.

Über wie lang und schwer, wie reich reich Kämpfen mit der gemeinen Not, mit Neid und Uebelwollen war der Weg ge­wesen ! auf dem Wagner diese Früchte seines Genies reifen ließ! Nur ein Großer konnte ihn unbeirrt gehen und trotz wuchernder Dornen und drohender Abgründe zum erhabenen Ziele kommen. Ein Blick auf des Meisters Leben lehrt, daß der Mensch im letzten Grunde sein Schicksal selbst prägt.

Keine Wunderkindschaft verriet in dem am 22. Mai 1813 in Leipzig als Sohn des Polizeiaktuars Wagner geborenen Knaben den künftigen großen Komponisten. Der spät be­gonnene Klavierunterricht vermochte ihn nicht befondeâ zu interessieren, doch die bunte Welt der Bühne, der er durch seinen Stiefvater Geyer nahe trat, zog ihn mächtig an und veranlaßte ihn zur Schöpfung eines Trauerspiels. Aber sein jugendliches Ideal, ein Dichter zu werden, wurde durch die Bekanntschaft mit WebersFreischütz" und Beethovens Egmont- Musik von dem heißen Wunsch verdrängt, eS jenen Meistern gleich zu tun. Mit der Energie, die ihn während seines ganzen Lebens zu großen Taten führte, studierte er zugleich mit Philosophie und Aesthetik an der Universität Leipzig Contraplinkl bei Weinlig und hatte die Frrude, die Früchte dieser Studien, eine Ouvertüre und eine Symphonie, im Ge­wandhaus mit Beifall aufgeführt zu sehen.

Nun verließ er die Heimat; aber ob er als jugendlicher Musikdirektor am Magdeburger, am Königsberger, am Rigaer Stadttheater wirkte und daneben seine ersten OpernDie Feen" undDas Liebesverbot" verfaßte, denRienzi" kon­zipierte, ob er mit seiner jungen Frau Minna geb. Planer und einem gewaltigen Hunde nach Paris ging immer be­gleitete ihn Frau Sorge und blieb ihm treu, immer aber auch das heiße Streben, Großes zu leisten, immer das Be­wußtsein. es zu können, und das Vertrauen auf seinen Stern.