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EinrSckungsgebLhr:

Die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Psg. tm Reklameteil die Zeile 50 Psg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtlilhes Organ flr Sladt- M FanNrris Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis;

Vierteljährlich 180 ML, monatlich SS Pf-, |t !^ bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich W Pfg, Die einzelne Nummer kostet 5 Kjg. ,

Verantwort!. Redakteur: & Schrecker in Hanan,

Nr. 115 firtrnfrtwfwiMmtfi Nr. 230. Dienstag de» 20. Mai

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Ferttsprechattschlutz Nr. 230.

1913

Amtliches.

Gitterrechtsregister.

Die Eheleute Oberstleutnant von Kaufmann und Melanie geborene von Baehr beide in Hanau wohnhaft, haben durch Vertrag vom 24. April 1913 die Verwal­tung und Nutznießung des Ehemannes am Vermögen seiner Ehefrau ausgeschlossen und Gütertrennung ver­einbart. 12253

Hanau den 9. Mai 1913.

Königliches Amtsgericht, Abt. 6. '------ ---- -- _______ ------------------------------ ------- -

Dienstnachrichten.

Unter dem Schweinebestand des Landwirts Philipp Schott IX. zu Niederdorfelden und des Schmiedemeisters Dittmar Wilh. Giesel zu Mittelbuchen ist* die Schweine­seuche festgestellt worden. Die erforderlichen Schutz­maßregeln sind angeordnet. V 3544

E Politische Rundschau.

Die Beratung der Militär- und Steuervorlagen. Die Budgetkommission des Reichstages nimmt heute nach der Pfingstpause ihre Beratungen wieder auf, während das Plenum noch acht Tage länger Ferien macht. Wie ver­lautet, wird die Budgetkommission stets um 10 Uhr vor­mittags zusammentreten und mit kurzer Mittagspause bis tief in den Nachmittag hinein tagen. Harte Arbeit steht ihr noch bevor; sie hat, wie bekannt, ihre Beratungen mit­ten in der Heeresvorlage abgebrochen, hat dann aber außer dieser noch die neuen Steuergesetzo zu erledigen. In fünf Sitzungen hat sich die Budgetkommission vor Pfingsten mit der Militärvorlage befaßt; in den beiden ersten wurde in Form einer vertraulichen Besprechung die allgemeine poli­tische Lage, vor allem unsere Beziehungen zum Auslande, eingehend erörtert; in den anderen wurde die Vorlage so weit gefördert, daß man die Heeresvermehrung bis auf drei der geforderten 6 Kavallerieregimenter guthieß. Die heute wieder einsetzenden Verhandlungen werden sich in erster Reihe mit den zahlreichen neuen Kommandostellen, den technischen Truppen, vor allem mit den im Extraordi- narium enthaltenen gewaltigen Forderungen, die alles in allem fast eine Milliarde ausmachen, beschäftigen. Vom Zentrum und der äußersten Linken sind auch hier wieder bedeutende Abstriche geplant. Was die Steuervorlagen anlangt, so ist seit der ersten Lesung alles beim alten ge­blieben, d. h. also, daß noch niemand weiß, was kommen wird. Wie derBerl. L.-A." hört, hat der Reichskanzler die Parteiführer zu einer Konferenz eingeladen. In klei­nem Kreise hoffe er zu einer baldigen Verständigung zu gelangen, denn die Regierung legt den allergrößten Wert darauf, daß die Heeresvorlage mitsamt der Deckungsvorlage noch vor dem Sommer verabschiedet wird.

Das Ergebnis der Wahlmännerwählen. Montag mittag wurden die Ergebnisse aus den letzten Wahl­kreisen bekannt, so daß jetzt ein Ueberblick gewonnen werden kann, der aber erst durch die in den nächsten Tagen stattfindenden Stichwahlen vollständig werden wird. In den 276 preußischen Wahlkreisen sind 393 Abgeord­nete als gewählt anzusehen, während noch 50 Stich­wahlen erforderlich sind. Bisher sind gewählt 141 Kon­servative, 48 Freikonservative, 57 Nationalliberale, 25 Volkspartei, 101 Zentrum, 12 Polen, 2 Dänen, 7 Sozial­demokraten. An den 50 Stichwahlen sind beteiligt die Konservativen 2 imal, die Freikonservativen 14mal, die Nationalliberalen 2 3m al, die Fortschrittliche Volkspartei 14mal, das Zentrum 6mal, die Polen einmal, der Land­wirtebund einmal, die Deutschsozialen einmal und die Sozialdemokraten 19mal. Die Konservativen gewinnen sieben, verlieren zehn, die Freikonservativen gewinnen einen, verlieren fünf, die Nationalliberalen gewinnen acht, verlieren vier, die Volkspartei gewinnt vier, ver­liert fünf, das Zentrum verliert und gewinnt vier, die Sozialdemokraten gewinnen einen, die Polen verlieren zwei.

Eine neue Reichstagsnachwahl. Durch den plötz­lichen Tod des Zenlrumsabgeordneten Frhrn. v. Thünefeld ist bekanntlich im Reichstagswahlkreis Weilheim eine Nach­wahl notwendig geworden. Der Wahlkreis ist sicherer Besitz der Zentrumspartei; doch birgt er auch beträchtliche Bestand- teile der übrigen Parteien. 1912 fielen auf das Zentrum 14 852 Stimmen gegen 3794 sozialdemokratische, 3121 libe­rale und 1609 bauernbündlerische Stimmen.

Das dritte Dienstjahr in Frankreich. Der Kriegs­minister brachte in der Kammer einen Gesetzentwurf ein, in bem ein Kredit von über 400 Millionen für die Einbehaltung der Zahresklasse 1910 gefordert wird. (Murren auf der äußersten Linken. Jaurès rief: Mit welchen Mitteln?) Der Gesetzentwurf wurde an die Kammilsion vermiesen.

Die englischen Suffragetten und insbesondere Frau Pankhurst haben den Mittelpunkt ihrer Agitation nach Paris verlegt, wo eine Art Verschwörung gegen die englische Re­gierung angezettelt werden soll. Die Ausweisung der über­spannten Damen seitens der französischen Regierung dürfte die Folge einer Anzeige seitens der englischen Regierung von diesem Treiben sein.

Die Negierung von Nicaragua hat wegen der drohenden Lage im Innern den Belagerungszustand verhängt.

Der französische Kriegsminister hat in der Kammer eine Kreditforderung von mehr als 400 Millionen für die Dienstverlängerung eingebracht.

Der chinesische Ministerrat beschloß die Umwandlung der inneren Mongolei in drei chinesische Provinzen.

Opiumkämpfe in China. In der hinesischen Provinz Hunan ist es zwischen Landleuten und Soldaten, die die Opiumkulturen vernichten sollten, zu einem Zusammenstöße gekommen. Die Soldaten steckten ein Gebäude in Brand, in dem etwa 100 Bauern eine Versammlung abhielten. Viele kamen in den Flammen um.

Ueber das militärische Problem in Frankreich.

Paris, 18. Mai. D^er frühere Ministerpräsident Cail­laux hielt auf dem Bankett der radikal-sozialistischen Partei über das militärische Problem eine Rede, in der er u. a. folgendes ausführte: Ich bin der Ansicht, daß die inter­nationale Lage neue Pflichten schafft, die wir erfüllen müssen, indem wir unser Augenmerk darauf richten, die früher eingerichtete militärische Verfassung, die auf der Organisation eines Nationalheeres und nicht Berufsheeres beruht, zu ergänzen. Daraus, daß eine andere Nation, deren wachsende Bevölkerung ^ver unsrigen schon bedeutend über­legen ist, die Neigung hat, auf das Berufsheer Hinzusteuern, folgt nicht, daß wir sie nachahmen müssen, indem wir uns auf Nachahmungen versteifen. Es ist unvermeidlich, daß wir unseren Nachbarn mit Rücksicht auf ihre numerische Ueberlegenheit einen Vorteil sichern. Maßregeln müssen getroffen werden zur genauen Ausführung des Gesetzes von 1905, durch das die Reserven verbessert und eingeübt, die militärische Vorbereitung organisiert, die Befestigungen im Osten vergrößert und ausgedehnt, die strategischen Linien vermehrt, die Bestände verjüngt und durchgebildet werden, und die Besoldung der Offiziere aufgebessert wird. Es ist bedauerlich, daß man keine von diesen Reformen vorge­schlagen und sich auf ein Projekt beschränkt hat, durch das der aktive Dienst zu einer Last wird, welche der Nation ein ergänzendes Dienstjahr aufbürdet und ihr eine Vergröße­rung der Steuern und eine Verringerung der Produktion bringen würde. In allen Ländern hat die Kraft der Lei­stungen ein gewisses Maß, das man nicht überschreiten kann. Wir können das Regierungsprojekt nicht annehmen, und betonen nur, daß man der Militärverfassung eine Ergän­zung für den aktiven Dienst hinzufügen muß, um der Gefahr des Mangels an Zusammenhalt zwischen den Altersklassen zu begegnen und um die Ausbildung der berittenen Waffen sicherzustellen. Wir sind entschlossen, das Budgetdefizit nicht größer werden zu lassen. Wenn das Defizit zunimmt, wird es den Kredit Frankreichs, der eine so große Hilfe in ernsten, delikaten Umständen war, bedrohen. Wir werden verlangen, daß neue Ausgaben mit Hilfe von progressiven Steuern auf das Einkommen oder den Kapitalbesitz gedeckt werden.

Die Kämpfe in Tripolis,

Benghasi, 19. Mai. Durch ein Funkentelegramm sind folgende Einzelheiten über den von General Mambretti am 16. Mai gegen Sidi Garda und Ras el Ain unternom­menen Zug eingetroffen. Der erste Teil der Operation hatte einen glänzenden Erfolg. Die stark verschanzten Be­festigungen von Sidi Garda und Ras el Ain, die hartnäckig verteidigt wurden, wurden unter bedeutenden Verlusten von den Italienern im Sturme genommen. Bei einem zweiten Zusammenstoß wurde ein plötzlicher sehr heftiger Angriff auf den linken Flügel der Italiener gemacht, wäh­rend diese sich von dem am Morgen bestandenen Kampfe ausruhten. Das erklärt auch die sonstigen schweren Ver­luste bei Beginn des zweiten Vorstoßes. Während die Sol­daten sich in die Stellungen begaben, um in ihre Abtei­lungen einzutreten, unternahm der Feind einen wütenden Angriff. Infolge des Eingreifens der Reserven kam das Vorgehen des Feindes ins Stocken, sodaß die Italiener Zeit gewannen, sich zu ordnen. In diesem Augenblick nahm das Gefecht eine Weirdung zu Gunsten der Italiener. Die Ver­luste der Italiener betragen 7 Offiziere und 72 Soldaten tot, 29 Offiziere und 250 Mann verwundet, die Mehrzahl leicht. Am 17. Mai unternahmen die italienischen Trup­pen erneut Erkundigungszüge außerhalb der befestigten Linien, bis sie mit dem Feinde in Fühlung kamen. Dieser »oa >ick mit Verlusten zurück.

Luftschiffahrt.

Prinz Heinrich-Flug 1913.

Die Preisverteilung.

Straßburg, 19. Mai. Im Sachsenkafino verteilte gestern abend Prinz Heinrich persönlich die Preise. Den Ehren­preis des Kaisers erhielt Canter. Er hatte die zweitbeste Flugzeit und hatte die Aufklärungsübungen mit gutem Er­folge erledigt. Leutnant v. Hiddessen, der die beste Flug­zeit hatte, hatte die Aufklärungsübungen nicht vollständig erledigt. Den Preis für beste Leistungen bei den Auf­klärungsübungen, den Prinz Heinrich-Preis der Lüfte, er­hielt gleichfalls Canter, die übrigen Preise die folgenden Flugzeugführer: A. Flugzeugführer, die alle drei Etappen der Schnelligkeitskonkurrenz durchflogen hatten: v. Hid« dessen (Flugzeit 10, 28, 5) den Ehrenpreis des preußischen Kriegsministeriums; Canter (1.35) den Preis des baye­rischen Kriegsministeriums; Ingenieur Schlegel (17.37.9) den Preis des Frankfurter Automobilklubs; Lt. Zoll; (17.59.9) den Preis des Geh. Kommerzienrats Oßwald'; Lt. Carganico (19.30) den Preis der Nationalflugspende; Lt. Beaulieu (29.2) den Preis der Nationalflugspende; In­genieur Thelen (36.17) den Preis der Nationalflugspende; Lt. Kastner (50.33) den Preis der Südweftgruppe des D. L. F. V.; Coerper (52.58) den Preis der Südwestgruppe des D. L. F. V. B. Flugzeugführer, die zwei Etappen ganz, die dritte jedoch nur zum Teil durchflogen haben: Lt. Frhr. v. Thüna den Ehrenpreis des Kaiser!. Statt­halters Grafen Wedel; Lt. Frhr. v. Haller den Ehrenpreis des Fürsten Sari Anton von Hohenzollern; Ingenieur Su- velack den Ehrenpreis der Südwestgruppe des D. L. F. V.; die Leutnants Zwickau, Sommer, Engwer, Heiler, Vier­ling, Weyer und alle Paffagiere erhielten eine Erinne­rungsmedaille. Die Geldpreise der Nationalflugspende wurden wie folgt verteilt: 5000 Mark an die Deutschen Flugzeugwerke Leipzig-Lindenthal für das Flugzeug des Leutnants v. Hiddessen, 3000 Mark an die Aviatikgesell- schaft zu Mülhausen für das Flugzeug des Ingenieurs Schlegel, 2000 Mark an die Gothaer Waggonfabrik. Außer­dem erhielten die verschiedenen Flugzeugbesitzer Barent­schädigungen bis zu 6000 Mark, je nach der Zahl der zu­rückgelegten Etappen. An Preisen für die besten Leistun­gen bei den Aufklärungsübungen wurden verteilt: Lt. Can­ter den Prinz Heinrich-Preis der Lüfte, dessen Beobachter Lt. Böhmer den Ehrenpreis des Großherzogs von Baden; Oberlt. Geyer und dessen Beobachter Lt. Prinz Ehrenpreise der Südwestgruppe des D. L. F. V.; Lt. Frhr. v. Haller den Preis des Fürsten zu Wied unb dessen Beobachter Frhr. von Könitz den Preis der Damen der Stadt Homburg; Oberlt. Vahrends und dessen Beobachter Lt. v. Wilberg Preise Ser Südwestgruppe des D. L. F. V.; Ingenieur Thelen den ^reis des Fürsten Hatzfeld, dessen Beobachter Kapitänlt. Weiß einen Ehrenpreis der Südwestgruppe des D. L. F. V.; Lt. Coerper und dessen Beobachter Oberlt. v. Schröder Ehrenpreise der Südwestgruppe des D. L. F. V.; Lt. Jolp und dessen Beobachter Lt. Fehling desgleichen; Lt. Carga- nico und dessen Beobachter Lt. Kock desgleichen; Lt. Frhr. v. Thüna und dessen Beobachter Frhr. v. Falkenhayn des­gleichen; Lt. Hiddessen den Ehrenpreis des Herrn Dr. med. Leitz und dessen Beobachter Lt. Behn den Preis der Firma Hensoldt; Lt. Donnevaert unb dessen Beobachter Lt. Mar­sow Ehrenpreise der Südwestgruppe des D. L. F. V. Der Führer des LuftschiffesSachsen", Dr. Eckener, erhielt Sen Ehrenpreis des Herrn Majewski und sein Beobachter Major Hübner den Preis des Prinzen Max von Baden. Für die besten Leistungen auf der Strecke Homburg-Neustadt er­hielt Lt. Frhr. v. Thüna den Preis des Prinzregenten Lud­wig von Bayern. Für die besten Leistungen zwischen Wies­baden und Gießen erhielt den Ehrenpreis des Großherzogs von Hessen gleichfalls Lt. Frhr. v. Thüna, den Ehrenpreis der Stadt Gießen Lt. Carganico und den Ehrenpreis der Stadt Pforzheim Lt. Blumarch, der mit dem Flugzeug des Lt. Sommer abgestürzt war.

Ein französischer Freiballon in Lothringen gelandet. Zwischen Chateau-Salins und Vic ist ein in Lille aufge* stiegener Freiballon mit drei Insassen, die photographische Apparate, Notizbücher unb Landkarten, aber nichts Ver­dächtiges mitführten, gelandet. Die Rückreise und Rück­sendung des Ballons wurde ihnen gestattet.

Aus dem BallonZürich" stürzte in der Nähe von Landsberg am Vach am Sonntag eine Frau Dr. Eggmann aus Vern. Sie war sofort tot.