Zweites Blatt
anauer
„ Einriickungsgebühr:
Die bgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Rèklameteil die Zeile 50 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckers! des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 66 Pfg., MPosi^ bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 PfK Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 102
^erufprechanschlttst Nr. 230
Samstag den 3. Mai
Ferttsprechattschlitfj Nr. 230
1913
M
Amtliches.
Candkreis ^anau.
An ^ie Herren Kreis- und Ortsschulinspektoren, die Schuldeputationen, Schul- und Gemeindevorstände des Regierungsbezirks.
Durch unsere Bekanntmachung vom 18. Oktober 1911, B. I 4690a, im amtlichen Schulblatte, Jahrgang 1911, Seite 134 Nr. 109, haben wir ersucht, fortan dahin zu wirken, daß in allen an uns gerichteten oder für uns bestimmten Schriftstücken der Angabe des Ortes, von dem es ausgeht oder handelt, regelmäßig diejenige des Kreises hinzugesetzt werde.
Die seitdem gemachten Erfahrungen lassen eine diesem Wunsche entsprechende Behandlung leider noch häufig vermissen. Denn es gehen nach wie vor zahlreiche Schriftstücke hier ein, bei denen die Kreiszugehörigkeit des Ortes, den sie betreffen oder aus dem sie kommen, nicht gleich zu ersehen, vielmehr erst durch Nachschlagen oder anderweit festzustellen ist, bevor sie auf unsere meist nach Kreisen abge- gvenzten Arbeitsgebiete verteilt und in den Geschäftsgang ' gegeben werden können. Daß dadurch unliebsame Mehrarbeit verursacht und die Erledigung verzögert wird, liegt auf der Hand.
Wir sehen uns deshalb veranlaßt, unser früheres Ersuchen zu wiederholen, erstrecken es auch auf etwaige Eingaben und Berichte der Gemeindevorstände und sprechen die 'Erwartung aus, daß nunmehr die Beteiligten unserem Wunsche überall nachkommen werden
Castel den 16. April 1913. B. I. 1767 Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen.
Vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch zur Kenntnis der Beteiligten gebracht.
Ich bitte, dem vorstehenden Wunsche der Königlichen Regierung entsprechen zu wollen.
Hanau den 29. April 1913. V. 2861
Der Königliche Lairdrat.
F r h r. L a u r.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Das Öffentliche Untersuchungsamt Hanau für die Kreise Hanau Stadt und Land, Gelnhausen und Schlüchtern (Leiter: Nahrungsmittel-, vereid. Gerichts- und Handels
Herzensirrtum.
Novelle von C. Gerhard.
Sie saß zurückgelehnt im Schaukelstuhl, ihr zierliches Füßchen im eleganten Halbschuh setzte ihn in leise wiegende Bewegung. Die Sonne umspielte die schlanke Gestalt im duftigen weißen Kleide, das feine zarte Gesicht unter dem goldglänzenden Haar mit schmeichelnden Strahlen. Ihre Wangen glühten, wie der Mohn an ihrer Brust, und immer schneller schlug sie die Blätter eines modern gebundenen Buches um.
Im Amerikaner, eine Zigarette rauchend, saß eine hünenhafte Mannesgestalt ihr gegenüber; das gesunde Gesicht unter dem kurzgeschorenen, schwarzen Haar war von der Sommersonne gebräunt, mit leidenschaftlichem Feuer ruhten seine Augen auf der Lesenden. Eine schlanke Lazerte tanzte um ihr Köpfchen, eine Biene flog surrend um die Mohnblüte, — nichts störte sie.
Die Finger des Mannes zerdrückten ungeduldig die ausgebrannte Zigarette, und endlich brach es aus ihm los: „Welch ein auserwähltes Eeiftesprodukt fesselt in einem so hohen Grade Ihre Aufmerksamkeit, Irene?"
Sie ließ das Buch sinken, ihre blaugrünen Augen strahlten.
„Ein Gedichtband unter dem Titel: „Feuerflammen", .-rwiderte sie in einem Tone, in dem verhaltene Glut zum Ausdruck kam. „O, noch niemals las ich gleich hinreißende Lieder; sie sind wie lebendig gewordene Sonnenstrahlen, wie flüssiges Feuer. Ach, wie sehr muß es beglücken, ein Dichter zu sein. Er trägt das Schöne in das Leben, er verklärt das nüchterne, öde Alltagsleben."
„Hat Ihnen das Leben ein ödes Gesicht bisher» gezeigt, Irene?" fragte er „rit sanftem Vorwurf. „Sind Sie nicht geliebt und verwöhnt von Eltern, Geschwistern, von — Ihren Freunden?"
chemiker Dr. Braunmüller) befindet sich Kanalplatz 3, Telephon 594.
Für die Arbeiten des Untersuchungsamts (Untersuchung von Nahrungsmitteln, chemisch-technische Untersuchungen jeder Art und physiologische Untersuchungen) ist ein von dem Herrn Regierungspräsidenten genehmigter Gebührentarif aufgestellt, der im Untersuchungsamt eingesehen werden kann.
Hanau den 9. April 1913. 9405
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
Die Militärpflichtigen hiesiger Stadt, jüngster Jahrgang (1893) werden hierdurch aufgefordert, ihre Losungsscheine binnen 14 Tagen auf dem hiesigen Meldeamts, Langstraße Nr. 41 I, in den Sprechstunden, vormittags von 10 bis 1214 Uhr und nachmittags von 2% bis 5 Uhr, abzuholen.
Hanau den 21. April 1913. 10229
Der Magistrat.
Hild.
Bekanntmachung.
Durch Beschluß des Magistrats vom 15. April 1913 ist für alle diejenigen Grundstücke des Stadtbezirkes Kesselstadt, deren Aborte bisher noch nicht an die Straßensiele an- ge schloffen sind, der Zwangsanschluß ausgesprochen worden. Es sind daher gemäß § 2 der Vorschriften betreffend die Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Hanau vom 9. November 1910 seitens der Eigentümer dieser Grundstücke innerhalb zweier Monate Gesuche und Pläne bei der städtischen Polizeiverwaltung (Rathaus) einzureichen.
Hanau den 25. April 1913. . 10427
Städtische Polizeiverwaltung.
Der Oberbürgermeister.
I. V.: Ehrich.
Bekanntmachung.
Der im Schlachthof entstehende Dung und die anderen Abfälle mit Ausnahme der Borsten und Klauen sind zum 1. Juli d. I. anderweitig zu vergeben.
Angebote sind umgehend auf Zimmer Nr. 36 des Rathauses anzubringen, woselbst weitere Auskunft erteilt wird.
Hanau den 16. April 1913. 10423
Der Magistrat.
Hild.
»Ja, ja aber die Tage verrinnen uns so einförmig; der Dichter gibt ihnen eine tiefere Bedeutung, hebt sie in andere Sphären. O, ich gäbe etwas darum, einen Dichter kennen zu lernen, ihm näher zu treten."
„Seine Muse zu sein," warf er mit leichtem Spott ein. Erstaunt sah sie ihn an und bemerkte die Spuren der Erregung in feinem Antlitz.
„Was ist Ihnen, lieber Gerhard? Sind Sie mir böse wegen meiner Begeisterung?"
„Wie könnte- ich? Nur bin ich der Ansicht, daß man einen Dichter nur dann hoch stellen kann, wenn er auch *ein guter Mensch ist."
„Nun, der Dichter der „Feuerflammen" ist es sicherlich. So viel schöne Begeisterung kann nur einer edlen Seele entstammen. Ach, ich möchte ihm einmal begegnen, diesem Dagobert Hatten, ihm meine Bewunderung aussprechen."
„Dazu kann Nat werden," erwiderte er langsam.
„Wie, Sie kennen ihn?" rief sie erregt aufspringend und ihre Hand auf seinen Arm legend.
„Ich kenne ihn; er ist auf Rathen zu Besuch, wie in jedem Herbst."
„Auf Rathen, wohin wir zum Samstag eingeladen sind?" fragte sie hastrg.
Er nickte.
„O, dann wird mein Wunsch erfüllt werden!" rief sie und klatschte in die Hände. „Sie, lieber Vetter, werden ihn mir zuführen. Nicht wahr, Sie lehnen es nicht ab?"
Sie sah ihn so süß schmeichelnd an, daß es ihn heiß überlief. Alles, alles-hätte sic von ihm fordern können, und er hätte es mit tausend Freuden für sie getan. Denn er liebte sie, die Feine, Schlanke, Zarte, seitdem er sie vor drei Jahren zum ersten Male gesehen, nachdem ihr Vater, der als Oberst seinen Abschied genommen, in die nahe gelegene kleine Residenz gezogen war und nach Groß- Stauffen, wo er mit seinen Eltern lebte, hinausgekommen war.
Bekanntmachung.
Jedes Betreten des Exerzierplatzes bei Großauheim ohne Erlaubniskarte ist streng verboten. Bei Zuwiderhandlung wird von jetzt ab unnachsichtlich Bestrafung nach § 8 des R.-Ees. vom 3. 7. 93 herbeigeführt. Die Beaufsichtigung des Exerzierplatzes sowie der Forstschutz ist dem Eemeindeförster Herrn Schleicher in Großauheim übertragen.
10401 König!. Garnisonverwaltung.
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Mündelsicher.
Reichsbankgirokonto. — Postscheckkonto Nr. 6279.
Hauptstelle: im Kreishaus, Hainstraße Nr. 10.
Nebenstelle: Marktplatz Nr. 15.
Tägliche Verzinsung der Spareinlagen zu 3% %.
Die Ueberweisung von Spareinlagen Abziehender an eine andere Sparkasse und die Einziehung von Spareinlagen aus auswärtigen Sparkassen erfolgt kostenfrei.
Darlehen gegen hypothekarische Sicherstellung zu 4% % Zinsen mit und ohne Tilgungszwang, gegen Bürgschaft und Verpfändung von Wertpapieren zu zeitgemäßen Bedingungen. 8591
Der Vorsitzende des Vorstandes.
F r h r. L a u r. ' /
Leihbank mit Landesrenterei
Hanau, Steinheimerstraße 16/18
Mündelsicher, unter Garantie des Bezirksverbandes des Regierungsbezirks Castel.
Reichsbankgirokonto. Postscheckkonto Frankfurt a. M.
Nr.
Ausgabe von 4°/0 Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse zu Cassel, AnnahmevonSpar-Einlagen zu 3s/4°/o Zinsen Konto-Korrent-Verkehr, Scheck- und Ueberweisungs- Verkehr,
Annahme von Wertpapieren zur Verwahrung und Verwaltung.
Darlehen gegen Hypotheken, Darlehen gegen Verpfändung von Wertpapieren (Lombard-Darlehen).
Die Landeskreditkaffe zu Cassel ist amtliche Hinterlegungsstelle für Mündel, vermögen.
Der Pfänderverkehr ist jetzt von dem übrigen Verkehr bei der Leihbank und Landes - Renterei völlig abgetrennt. 1207
Er liebte sie, die so ganz verschieden von ihm war, mit all^r Glut seines unentweihten Herzens. Zuweilen glaubte er sich wiedergeliebt, wenn sie ihn mit ihren schimmernden Augen betörend ansah, wenn sie ihn mit weicher Stimme trotz ihres sehr losen Verwandtschaftsgrades „lieber Vetter" nannte, wenn er ihr, Begleiter auf Spaziergängen und Ritten sein durfte, und er wiegte sich dann in dem berauschenden Traume, sie bald sein eigen zu nennen.
Seit vierzehn Tagen weilte sie auf Eroß-Stausfen zu Besuch, und er huldigte ihr mit der Ritterlichkeit seines Wesens. Ihr Interesse für seine Tätigkeit, für den vielgestaltigen Betrieb des großen Majorates »entzückte ihn; sogar ihre kleine Bizarrerien, für die sein Vater ein gutmütig spottendes Lachen hatte, vervollständigten für ihn nur ihr reizvolles Bild.
Lebhaft von dem Dichter plaudernd, dessen sämtliche Werke sie sich kommen lassen wollte, schritt Jrenâeben ihm dem Schlosse zu. Der Efeu schlang sich um seine lichtgrauen Mauern, vor dem Portale ruhten auf hohem Postamente zwei steinerne Löwen, welche die Stauffens im Wappen trugen. Es war ein stolzer, prächtiger Besitz.
Oft schon hatte Gerhard sich Irene als die einstige Herrin hier gedacht, sie heimlich sein Prinzeßchen, seine Königin, sein Weib genannt, und nun wars ihm, als entglitte sie ihm wie ein holdes Traumbild.
Und mit versonnenem Eesichtsausdruck ging sie in den nächsten Tagen umher; sie spielte nicht Tennis, sie ruderte nicht aus dem See, sie lehnte es sogar ab, mit Gerhard auszureiten, wozu sie sonst immer mit Lust bereit gewesen; entweder sie las in Hattens Büchern, oder sie dachte an die * nahe Begegnung mit ihm.
Wunderschön sah sie am Gesellschaftsage im zartrosa Kleide aus, und Gerhards Blick hing bewundernd an ihr. Sie schwieg'; nur als der Wagen auf die Rampe des Herrenhauses in Rathen fuhr, bat sie Gerhard dringend: „Sie brinaen ibn mir bald, nicht wahr?"