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Erstes Glatt.

EinrückungsgeSühr :

Die 6gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Psg. im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60$fg, f& Post­bezug vierteljährlich 2.10 Mk.» monatlich 70 Pf- Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hana«.

Nr. 101 RetnfrrtdxiiiWilft Nr. 230.

Freitag den 2. Mai

FernspttchansâS Nr. 230. 1913

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14 Seiten.

Amtliches.

Landkreis Hanau.

Die öffentlichen Impfungen in Bischofsheim am 16. Mai d. I. sowie die Nachschauen daselbst am 23, desselben Monats finden nicht im Rathaus, sondern in der alten Schule in Bischofsheim statt.

Hanau den 25. April 1913. J.-Nr. A 2231

Der Königliche Landrat.

Frhr. L a u r.

Dienstnachrichten.

Der Nachtwächter Peter Göbel I. von Oberissigheim ist als Feldhüter der dortigen Gemeinde bestätigt worden. Hanau den 30. April 1913.

WNdm Md uetime EegèMiäude it.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 81 Pfg. und 2 kleinen Schlüsseln, 1 silbernes Halskettchen ohne Anhänger, 2 Schaufeln (im Lamboy wald), 1 goldene Kravatten- nadel mit anscheinend echten Steinen besetzt.

V e r l o e n : 2 goldene Damenringe, der eine mit grünem der andere mit weißem Stein.

Hanau den 2. Mai 1913,

PELifche Mmrdschsu.

Die Unruhen in Portugal. Der strenge Gewahrsam, in dem die wegen Beteiligung an den letzten Unruhen ver­hafteten Offiziere gehalten wurden, ist gemildert worden. Der Mannschaftsbestand der Regimenter und Kriegsschiffbesatzungen, der vorsichtshalber erhöht wurde, ist vorläufig noch nicht vermindert worden. Die Ruhe im Lande wurde nirgends gestört-

Parlamentarisches

Die neuen Formationen 8er Wehrvorlage.

mb. Berlin, 30. April. Die Budgetkommission setzte die Beratung der neuen Formationen bei der Wehrvorlage in ihrer heutigen Sitzung vor Pfingsten fort und zwar bei der Forderung der 34 neuen Eskadrons. Ein nationalliberales Mitglied tritt unter Hinweis auf die gestrigen Ausfüh­rungen des Kriegsministers für die Bewilligung ein. Es scheinen doch in der Tat für die Kavallerie-Divisionen nicht genügend Formationen vorhanden zu sein. Im Reichstag und im Volk sei allerdings keine besondere Neigung zur Vermehrung der Kavallerie vorhanden, vielleicht weil ge­rade bei der Kavallerie viele feudale Regimenter vorhanden seien. Das würde aber gerade für die neugeschaffenen Regi­menter nicht zutreffen, schon weil die Standorte sich kaum für die Entwicklung feudalen Wesens eignen würden. Ein volksparteiliches Mitglied erklärt sich als noch nicht vollstän­dig von der Notwendigkeit überzeugt. Man sollte diepri­vilegierten" Kavallerieregimenter an die Grenze schieben. Die Mitteilungen des Kriegsministers scheinen tendenziös gruppiert. Ihm seien Mitteilungen von Sachverständigen zugegangen, wonach auch in militärischen Kreisen die Ka­vallerievermehrung nicht für nötig gehalten werde, da ihre Aufgaben vielfach auf Radfahrerkompanien, Luftschiffe und Flieger übergegangen seien. Hier sei die Stelle, wo Erspar­nisse ins Gewicht fallen, Graf Waldersee sei auch der Auf­fassung gewesen, daß eine weitere Vermehrung der Ka­vallerie nicht notwendig sei. Diese Forderung sei deshalb auf das Notwendigste zu prüfen. Weit wichtiger als die Vermehrung der Kavallerie erscheine ihm die Frage der Be­waffnung und der Uniformierung. Die Vereinheitlichung wäre von größter Bedeutung (Zuruf des Kriegsministers: Das ist doch im Kriegsfall vorgesehen). Es müßte aber schon im Frieden die Vuntscheckigkeit aufhören. Die geforderte Zahl von sechs Regimentern sei auch teilbar durch zwei oder drei; vielleicht genüge ein Teil der Forderung. Die defini­tive Stellung seiner Partei hänge von weiteren Mittei­lungen ab. Ein Sozialdemokrat bestreitet die Notwendigkeit weiterer Kavallerie vollständig. Alle angeführten Gründe seien nicht stichhaltig. Die russische Kavallerie habe im rus­sisch-japanischen Kriege völlig versagt. Es ei unmöglich, daß sie in so kurzer Zeit eine völlige Veränderung erfahren habe. Man könne die Grenzen auch anders sperren als*durch Ka­vallerie; oder man möge die Jnnenkavallerie, insbesondere die feudalen Regimenter an die Grenze nehmen. Ein Zen- trumsmitalied erinnert daran, daß bei ieder Militärvorlaae

der Hauptstreit um die Kavallerie gehe. In der technischen Beurteilung sei natürlich der Reichstag im Nachteil. Da­gegen könne man als Abgeordneter immerhin auf die Er­fahrungen der Geschichte hinweisen. Im siebziger Kriege habe die Kavallerie in den Gefechten nie.eine entscheidende Rolle gespielt. Seither habe sich die Lage kaum zugunsten der Kavallerie geändert. Wenn an der Ortsgrenze nicht genü­gend Kavallerie stehe, solle man durch entsprechende Dislo­kation Abhilfe schaffen. Wozu wolle man Kavallerieregi­menter in behaglichen Garnisonen des Innern lassen.

Der Kriegsminister tritt diesen Einwendungen entgegen. Ein Ersatz der Kavallerie durch Luftschiff und Flieger sei nicht möglich, denn die Kavallerie müsse auch fechten, müsse den Feind aufhalten. Durch Dislokationen lasse sich der Mangel an der Grenze nicht beseitigen. Es sei doch not­wendig in den größeren Truppenteilen die verschiedenen Waffen möglichst wie im Ernstfalle zu mischen. Nur das gäbe die richtige Friedensausbildung. Es liege außerdem die Hauptentscheidung bei den nach den ersten Zusammen­stößen herankommenden Infanteriedivisionen, die auch ihre Kavallerie brauchen. Die Erfahrungen früherer Kriege müssen mit der entsprechenden Vorsicht nutzbar gemacht wer­den, da die Verhältnisse sich ändern, z. V. hatte die Attacke der Brigade Bredow bei Metz die Aufgabe, den Vorstoß der französischen Armee aufzuhalten. Die Aufgaben der Ka­vallerie seien nicht verschwunden, sie seien nur schwerer durchführbar geworden. Dafür brauchen wir festgegliederte Formationen. Man habe heute im Verhältnis erheblich weniger Kavallerie als 1870. Wesentlich sei auch ihre Auf­gabe in der Verfolgung des Feindes.

Ein konservativer Redner unterstützt die Forderungen der Heeresverwaltung. Die zahlreichen Aufgaben der Ka­vallerie, einerseits im Grenzschutz, andererseits in der Un­terstützung der Infanteriedivisionen erfordern eine aus­reichende Zahl von Formationen. Der Kriegsminister be­gründet die Forderungen noch weiter durch den Hinweis auf französische Urteile. Ganz ausgeschlossen sei es, im Grenz- ' schütz die Kavallerie durch Maschinengewehre zu ersetzen. Er führt weiter zahlreiche Gründe an gegen die Verlegung von Kavallerieregimentern aus dem Innern an die Grenze. Es wird das gerade die Aufstellung von neuen Formationen er­schweren. Der bayerische Militärbevollmächtigte begründete die Forderung der vier bayerischen Eskadrons. Ein Antrag der Bolkspartei will statt sechs neuer Regimenter, deren drei bewilligen, davon zwei im Osten und eins im Westen. Ein Zentrumsmitglied ist der Meinung, daß sich die Begründung des Kriegsministers mehr gegen eine etwaige Abschaffung der Kavallerie gerichtet habe, aber für die Vermehrung sei die Begründung nicht ausreichend. Er verweist auch auf die Ergebnisse von 1878 und den Balkankrieg, die nicht dafür sprechen, daß die Kavallerie eine erhöhte Bedeutung habe. Die zwingende Notwendigkeit für die Begründung der sechs Regimenter sei nicht gegeben. Der Kriegsminister erklärt dem gegenüber, es sei die einheitliche Auffassung sämtlicher verantwortlicher Stellen, daß diese Vermehrung notwendig sei. Er bittet dringend, die militärischen Rücksichten zu be­achten, die in den Berichten der Grenzkommandeure zum Ausdruck kommen. Die an Zahl sehr geringe japanische Ka­vallerie habe in der Schlacht bei Mukden Erfolge errungen und auch aus dem Balkankrieeg könne man ähnliches an­führen. Ein Sozialdemokrat wendet sich gegen den Antrag der Volkspartei, der nur eine Halbheit sei. Die Begründung des Kriegsministers sei nicht ausreichend. In dem letzten Kaisermanöver habe die sächsische Kavallerie völlig versagt. Ein nationalliberales Mitglied äußert sich dahin, daß doch die Verlegung von Kavallerieregimentern aus dem Innern an die Grenze ernstlich geprüft werden müsse. Es sei doch auch ein großer Vorteil, wenn diese Regimenter im Falle der Mobilmachung schon an der Grenze sich befinden. Erwägens­wert wäre das besonders für einen Teil der Eardekavallerie. Der Kriegsminister hält das nicht für möglich, da man dadurch den Armeeaufmarsch sehr erschweren würde und be­gründet dies durch vertrauliche Ausführungen. Ein pol­nisches Mitglied hält zwar die Kavallerie für eine wertvolle Waffe, aber es könnte durch Dislokationen Abhilfe geschaffen werden. Dagegen bezeichnet ein konservatives Mitglied nicht bloß die geforderten sechs Regimenter für notwendig, son­dern bezweifelt, daß diese Vermehrung ausreichend sei. Ein Pertreter der Volkspartei erklärt, seine Partei stehe in der Frage Ler Erenzverteidigung doch wesentlich anders als die Sozialdemokratie. Auch ihm seien zahlreiche Nachrichten Zugegangen, wonach im Osten erhebliche Bedenken bestehen, gegenüber der Kavallerieanhäufung jenseits der Grenze. Es können in der Tat durch den Einall von Kavalleriemaffen ungeheure volkswirtschaftliche Werte zerstört werden. Die Dislokationen allein können wobl nicht aushelfen, da in

der Tat die Regimenter im Innern für die glatte Durch­führung der Mobilmachung notwendig seien. Ein Zentrums­mitglied erklärt den Nachweis immer noch nicht für erbracht. Wenn die Not so groß wäre, dann hätte doch auch schon im letzten Jahre das in die Erscheinung treten müffen. Der Kriegsminister erklärt darauf, er gebe seinerseits die Ver­gangenheit preis; man habe im letzten Jahre ausdrücklich nur das allernotwendigste gefordert; seitdem habe sich viel verändert. Ein nationalliberales Mitglied hält die Not­wendigkeit des verstärkten Grenzschutzes für erwiesen. Das Auseinanderreißen der Korpsverbände halte er immerhin für bedenklich. Nun ließen auch vier Regimenter logisch fr gründen, für die, die nicht alle sechs Regimenter bewilligen wollen. Bei der Garde könnten zwei Regimenter herausge­zogen werden und mit vier neubewilligten hätte man dann die sechs Regimenter. Nach wiederholter warmer Verteidi­gung der Kavalleriefordsrungen der Regierung durch den Kriegsminister kommt es zur Abstimmung über die neuen Kavallerieregimenter. Das Ergebnis der durch den ständigen Wechsel der Abstimmung innerhalb des Zentrums verwickel­ten Abstimmungen war die Ablehnung der Regierungsfor- berung von sechs Regimentern. Ebenso wurde der national» liberale Antrag der vier Regimenter statt der abgelehnten sechs bewilligen wollte, abgelehnt. Diesmal nicht wie die Regi'srungsforderung mit 16 gegen 12 Stimmen (in der Mehrheit die Sozialdemokraten, die Volkspartei, Elsässer ulch Polen und die Hälfte der Zentrumsfraktion'), sondern mit 15 gegen 13 Stimmen, weil diesmal auch Erzberger mit der Mehrheit stimmte. Angenommen, wieder mit 16 gegen 12 Stimmen, wurde dann der volksparteiliche An­trag, der drei neue Regimenter bewilligt. Dr. Spahn, der als Vorsitzender der Kommission für die Regierungsforde­rung gestimmt hatte, gesellte sich jetzt zur Minderhett. Die Kommission vertagte sich in der Mittagsstunde auf Dienstag den 20. Mai. . \'

Deutschland in Waffen.

Der deutsche Kronprinz gab einem militärischen Prachtwerk, das soeben bei der Deutschen BerlagSanstalt in Stuttgart erschien, ein beachtenswertes Geleitwort mit auf den Weg, das gewiß nicht nur in militärischen Kreisen mit Interesse gelesen werden wird.

Kronprinz Wilhelm erklärt zunächst Zweck und Wesen des BuchesDeutschland in Waffen", zu dem vortreffliche Künstler Bilder aus dem militärischen Leben geschaffen haben Die Texte haben sachverständige Offiziere geschrieben. In der Vereinigung von Wort und Bild soll ein anschaulicher Ausschnitt gegeben werden aus dem täglichen Dienst, der in Heer und Flotte geleistet wird.Die Arbeit im Dienste des Vaterlandes" ist es, von der, wie Kronprinz Wilhelm sagt, das Buch erzählen will. Dabei kommt er auf die Not­wendigkeit und die Pflicht zu sprechen, die Deutschland zwingen, Heer und Flotte auf der größten Höhe der Schlag­fertigkeit zu erhalten. Er erinnert an den waffenfrohev Geist der alten Germanen und den Geist der ruhmreichen Väter, aber auch an den der Krieger von Südwest. Dieser Geist müsse gepflegt werden.

Die Lebensauffassung des internationalen Weltbürgertums und der Friedensutopisten bezeichnet er als undeutsch. Bei der raschen wirtschaftlichen Entwicklung seit 1871 sieht Kron­prinz Wilhelm viele Schattenseiten. Die übermäßige Be­wertung des Geldes erfüllt ihn mit Sorge:

Die Sucht nach dem Besitz möglichst großer Geldmittel droht alte und ehrwürdige Begriffe zu verschieben. Dinge, die früher nicht als Jair oder besser gesagt, nicht als -an­ständig' galten, werden stillschweigend geduldet: dem hitzigen Gelderwerb wird alles geopfert. Die alten Ideale, ja selbst Ansehen und Ehre der Nation können in Mitleidenschaft ge­zogen werden: denn zum ungestörten Geldverdienen braucht man Frieden, Frieden um jeden Preis. Und doch lehrt uns das Studium der Geschichte, daß noch immer alle diejenigen Staaten, bei denen rèin kaufmännische Interessen in Ent­scheidungsstunden den Ausschlag gaben, elend zu Grunde ge­gangen sind".

Kronprinz Wilhelm folgert die Forderung daraus, Kom­fort und Luxus nur als angenehme Beigaben des Lebens zu betrachten, die an sich keine selbständige Berechtigung haben, als etwas, was wir lachend in die Ecke werfen müssen, wenn wir das Schwert ergreifen müssen. Die Geschichte und die allerjüngsten Ereignisse sind ihm ein Beweis dafür, daß die Sympathien mit einem tapfer kämpfenden Heere gehen. Und seine Ueberzeugung ist es, daß die diplomatische Geschicklichkeit nur eine Zeitlang Konflikte hinzuhalten, bis­weilen freilich auch lösen könne. Letzten Endes werde aber doch das Schwert der ausschlaggebende Faktor bleiben. So font int der deutsche Krouvrin; in diesem Geleitwort ;u der