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Erst-S Blatt.

HlMimerK Anzeiger

Sinrvck«ngsgeb8hr:

Die ögelpaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. tm ReUameteil die Zelle 50 Pfg.

General-Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für §tât- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugsprei»:

Vierteljährlich 1.80 Mt., monatlich 60 Pfg., fit Po^ bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 7- Pf- Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.

Ri. 94 K«r»I»>recha»l<I>l»si Nr. 230.

Mittwoch btit 23. April

FcrttspreKaolchlutz Nr. 230. 1913

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14 Seite««.

Amtliches.

Stadtkreis Fjanau.

Nachdeur die Franksurterlandstraße zwischen Rosenau und Eisenbahnübergang und die Kursürstenstratze östlich der Gustav Adolfstraße mit Pflasterdecken versehen worden find, werden die Anlieger dieser Straßenstrecken auf die Vorschriften der Straßenpolizeiverordnung vom 27. März 1913/28. Mai 1909 aufmerksam gemacht.

Danach müssen die Straßen einschließlich der Bürger­steige und Rinnsteine Mittwochs- und Samstagsnachmittags längs der ganzen Frontlänge eines Grundstückes bis zur Mittellinie des Strahendammes gründlich gereinigt wer­den. Verantwortlich find die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke oder die Mieter ganzer Häuser.

Die Verpflichtung zur Straßenreinigung beginnt mit dem 30. d. Mts.

Hanau den 21. April 1913. P. 4284

Königliche Polizeidirektion.

Z. A.: Karbe.

MMifoWtr Kreisoereill Harm.

Nächste Versammlung Samstag den 26. d. Mts., nachmittags a1^ Uhr, im Gasthauszum g o l d n e n L ö w e n" hier.

Tagesordnung:

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Beschickung der Kreis-Jungviehweide.

3. Vortrag des Herrn Dr. Neumann von der Ge­schäftsstelle Cassel der öffentlichen Lebensversiche­rungsanstalten in Deutschland über:Was will und was erstrebt die öffentliche Lebensversicherung unter besonderer Berücksichtigung der Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes."

4. Festsetzung der im kommenden Sommer auszu­führenden Vesichtigungsreisen.

5. Herstellung eines Naturdenkmals in Wilhelmsbad. 6. Sonstiges.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vor­stehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau den 19. April 1913. 9961

Der Vorsitzende.

Frbr. L a u r, Landrat.

Mntae md »nimm WMw it.

Gefunden: 1 Schlüsselring mit 3 kleinen Schlüffeln, 1 weißer Anhänger von einem Kollier mit Similisteinen.

A n g'e sch w e m m t: 2 große Balken (in der Krebs­bach).

Verloren: 1 Postquittungsbuch.

Abhanden gekommen: 1 etwa 1012 Meter lange Wagenkette.

Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit braunen und schwarzen Abzeichen am Kopf, m. Geschl., 1 braune Jagd- hündin, 1 grauer Pinscher m. Geschl., 1 silbergrauer Pin­scher m. Geschl., 1 silbergrauer Pinscher mit Halsband mit Messingknöpfen, 1 schwarzer Zwergspitz mit gelber Brust.

Hanau den 23. April 1913.

Politische Rundschau.

Der Reichstag setzte gestern die zweite Lesung des Heereseials fort, wobei es zu lebhaften Auseinandersctztingen zwischen den Abg. Müller-Meiningen und den Vertretern des Kriegsminister-uiNs über den deutschen Handwerkerbund Fain. (Den Bericht siehe in der Beilage).

Die Budgetkommission des Reichstages nahm gestern eine Resolution des Zemrums auf Beratung einer Kommission zur Prüfung der Rüstungsliefernngeu an.

Die Reichstagsersatzwahl in Bamberg. Bei der Reichstagsersatzwahl für den Prälaten Dr. Schädler wurde Domprediger Leicht (Zentrum) mit überlegener Mehrheit ge­wählt.

Die Konkurrenzklausel. Die zwölfte Kommission des Reichstages zur Beratung der Konkurrenzklatüel nahm die Resolution Tnmborn-Wwdstein a.>, die eine Gesetzesvorlage fordert, durch die das Gebiet des Weltbewerbverbotes für

diejenigen Angestellten und Arbeiter geregelt wird, auf welche das vorliegende Gesetz keine Anwendung findet.

Mp. Ostmarkenschutzgründe. Nachdem jetzt die Ent­spannung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland einge­treten ist, die Demobilmachung ein ehrlicheres Gesicht ange­nommen hat, die Hoffnung auf Beseitigung der akuten Rei- Lungcflächen zwischen den beiden Großmächten zunächst be­rechtigter erscheint, kann wie ein alter Generalstäbler schreibt heute angegeben werden, welche großen Einhei­ten man beiderseits auf erhöhte, sofortigen Ausmarsch er­laubende Bereitschaft gebracht hatte. Beginnen wir mit Ruß­land, und zwar von Norden nach Süden, so besaßen im Nor-- den, in der Hauptsache im Militärbezirk Wilna, gegenüber unserer allgemeinen Linie Königsberg-Craudenz als Nord­gruppe vier Armeekorps, das 2., 3., 4. und 10., sowie zwei Kavallerie-Divisionen unter General o. Rennenkampf sehr stark erhöhte Bereitschaft". Hiergegen ist bei uns auch nicht ein Zug zu einer Gegenmaßnahme geschehen. Südlich davon, verwendbar gegen unsere allgemeine Linie Thorn bis gegen Oberschlesien, aber mit linksum auch gegen Oesterreich ver­wendbar, waren auf stark erhöhte Bereitschaft, in der Haupt­sache im Militärbezirk Warschau, gebracht die Korps 6, 14, 15, 23 und.29, zwei Schützen-Brigaden und sieben Kavalle­riedivisionen, wogegen von unserer Seite wiederum keinerlei Gegenmaßregeln getroffen, von feiten Oesterreichs aber die Korps 1, 11, 10 (Krakau, Lemberg, Przemysl) auf erhöhten Stand gesetzt waren. Diese drei k. und k. Korps mit zwei Kavalleriedivisionen umklammerten aber weiter südlich, in der Hauptsache im Militärbezirk Kiew, noch fünf weitere russische Korps, das 9., 10., 11., 12. und 21., eine Schützen- Brigade, fünf Kavallerie-Divisionen instark erhöhter Bereitschaft". Gegenüber Rumänien hatte Rußland die Korps 7 und 8 und zwei Kavalleriedivisionen, eine Schützen­brigade im Bezirk Odessa auf nahezu Kriegsstärke gebracht, dahinter noch drei dauernd fast kriegsstarke kaukasische Korps und vier Kavalleriedivisionen disponiert. Im ganzen hat also Rußland, den Kaukasus nicht mitgerechnet, sechzehn Armeekorps marschbereit gehabt. Man kalkuliert eher zu niedrig als zu hoch, wenn man die während die Spannung sofort verwendbaren russischen Verbände prit 550 000 Mann ansetzt. Oesterreich-Ungarn brachte gegenüber Serbien die Korps 7 (Temesvar) und 13 (Agram) mit einer Kavallerie- Division auf erhöhten Bestand und gegenüber Montenegro die Korps 15 (Sarajewo) und 16 (Ragusa) nahezu auf Kriegsstärke. Im ganzen hatte also Oesterreich-Ungarn Rußland gegenüber nur drei Korps, zwei Kavallerie-Divi­sionen, Serbien und Montenegro gegenüber vier Korps und eine Kavallerie-Division ausrückfähig gemacht, d. h. noch nicht die Hälfte von dem, was Rußland auf den mobilen Stand brachte.

Der belgische Generalstreik. Die Zahl der Streikenden in Belgien ist durch die neu in Ausstand getretenen Ar­beiter nach zuverlässiger Schätzung auf über 420 000 Mann angewachsen. Schriftsetzer und Drucker, welche, um das Erscheinen der Tageszeitungen zu ermöglichen, die Arbeit fortsetzten, liefern die Hälfte ihrer Löhne an die Streik­kassen. Auch aus den Kreisen der nicht sozialistischen Bür­gerschaft laufen, nach einer Meldung desLok.-Anz.", Zu­wendungen für die Streikkasse reichlich ein, und besonders für die öffentlichen Suppenküchen, trotz der enormen Schä­digung, welche der Ausstand dem gesamten Erwerbsleben verursacht. Das Verkaussgeschäft jeder Art zeigt eine er­schreckende Verminderung nicht nur in Luxusartikeln, son­dern ebenso im täglichen Lebensbedarf. Bemerkenswert ist namentlich die Verringerung der Einnahmen in den Brüsseler Restaurants, Cafäs und Theatern. Zwei Schau­spielbühnen Brüssels haben in letzter Woche vorzeitig ihre Aufführungen aus Mangel an Besuchern eingestellt. Die Große Oper, die in der Woche vor dem Streik Einnahmen von 8000 bis 9000 Franken pro Abend erzielte, verzeichnete in der ersten Streikwoche nur noch Kasseneinnahmen unter 1000 Franken, gegenüber 6000 Franken Kosten einer jeden Vorstellung. Der Eisenbahnbetrieb ist im Lokalverkehr bis auf 50 Prozent zusammengeschmolzen. Auch die Straßen­bahnbenutzung ist sehr stark gesunken.

Der Kampf um die dreijährige Dienstzeit in Frank­reich. Dem©Ao bedang" zufolge, hat Ministe, Präsident Barthon eine Üwersnchnng betreffend das Ve, halten gewisser Gymnasial- unb UmüerfüäiSproft-ffoi en anneorbnet, die gegen den Gesetzentwurf über die dreijährige Di nstzeit öffentlichen und zum Teil sehr befuoen Einspruch erhoben bauen.

Die Organisation des französischen Militärflug­wesens. Das Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß des Kriegsministers über die Organisierung deS Militärflug­wesens. U. a. wird darin bestimmt, daß drei Hauvtgruppen

errichtet werden sollen, und zwar in Marseille, ReimS und Lyon, die wiederum eine Anzahl Bezirke umfassen. Jede dieser Gruppen steht unter dem Oberbefehl des betreffenden Militärgonvernenrs oder Korpskommandeurs.

Ein günstiges Handelsjahr in England. Im eng­lischen Unterhause sagte der Schatzsekretär Lloyd George bei der Einbringung des Etats: Das letzte Jahr war für den britischen Handel so günstig wie kein anderes vorher. Die Flut des Handels stieg so hoch, daß sie die drei großen und ernsthaften Hindernisse, den Kohlenstreik, die schlecht« Ernte und ben Balkankrieg mit all seinen Verwicklungen überwand, mit denen er Europa bedrohte.

Der russische Ministerrat hat zum ersten Mal die Genehmigung erteilt, vaß für Zwecke der russischen Eisenbahn Steinkohlen im Ausland im Betrage von 1^/r Millionen Pud eingekauft werden.

In Marokko halten französische Kolonnen an verschie­denen Stellen erbitterte Kämpfe zu bestehen.

Die Balkankrifis.

Sturm auf Skutari.

Cetinje, 22. April. In der vergangenen Nacht er­griffen die montenegrinischen Truppen an der Front sämt­licher Linien die Offensive. Der Vajonettkampf dauerte die ganze Nacht. Die Türken verloren au der östlichen und südwestlichen Front eine ganze Reihe von Befestigungen, auf denen nunmehr die montenegrinische Fahne weht. Heute früh unternahmen die Türken mit frischen Truppen einen Gegenangriff, wurden aber mit beträchtlichen Ver­lusten zurückgeschlagen. Unsere Verluste sind groß, jedoch noch nicht genau festgestellt. Auf allen Befestigungen um Skutari und selbst in der Stadt bemerkt man eine lebhafte Bewegung. Die Kämpfe dauern fort. Der Fall Skutaris steht bevor.

Die Vorbereitungen für den Friedensschluß.

Konstantinopel, 22. April. Die Bevollmächtigten der Pforte für die Unterzeichnung der Präliminarverhand­lungen, sowie für den endgültigen Friedensvertrag sind noch nicht alle ernannt. Der erste Delegierte wird Hakki, da Reschid, der bei den vorausgegangenen Verhandlungen erster war, dieses Amt abgelehnt hat. Zum zweiten Dele­gierten ist der frühere Finanzminister Nail ernannt worden.

Waffenstillstand.

Konstantinopel, 22. April. Die Waffenruhe, welche lauf der mündlichen Verabredung morgen abläuft, soll für die Türkei, Bulgarien und Griechenland in einen zweimonati­gen Waffenstillstand umgewandelt worden sein.

Ein Zwischenfall.

Wien, 22. April. Ein Triester Blatt meldet: Als sich gestern mittag der österreichisch-ungarische Militärattachee in Cetinje nach Cattaro begeben wollte, fand er die Grenze gesperrt und eine Straße ausgegraben. Der Militärattachee wurde von den Montenegrinern mit Steinen beworfen und beschimpft. Der Gesandte Oesterreich-Ungarns in Cetinje erhob Vorstellungen. Dazu bemerkt dieNeue Fr. Preffe": An hiesiger maßgebender Stelle wird bestätigt, daß der östereicbisch-ungarische Militärattachee, als er sich nach Cat­taro begeben woll.^, tatsächlich die Straße abgesperrt fand. Jedoch ist hier nichts davon bekannt, daß er mit Steinen beworfen und tiefes) impft worden ist.

Skutari gefallen.

W. Cetinje, 23. April. (Aus amtlicher montenegrini­scher Quelle.) Die Montenegriner Truppen sind siegreich in Skutari eingezogen.

Ein zweites Luneville?

DT. Paris, 22. April. Das Ministerium des Innern gibt heute nachmittag 3 Uhr folgende Note bekannt:

Heute morgen 7% Uhr landete unweit Arracourt, 5 Kim. von der Grenze entfernt, ein deutscher Zweidecker. Der Apparat, ein Heller-Modell mit einem Motor von 70 PS, war mit 2 Offizieren in Uniform bemannt, einem Flie­gerhauptmann und einem Jnfanteriehauptmann. Er hat das französische Gebiet 6 Klm. weit überflogen.

Die Offiziere haben erklärt, von Darmstadt gegen 5 Uhr morgens aufgestiegen zu sein, um nach Metz zu fliegen. Sic hätten im Nebel bei Dieuze die Richtung verloren und erst ersannt, daß sie sich auf französischem Gebiete befanden, als sie gelandet waren und die herzueilenden Landleute befragten. Der Unterpräfekt von Luneville hat die An»