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EinrückvngsgebShr:

Die llgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Reklameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., M Pich» bezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 92 K-rièreÄaiMlich Nr. 230.

Amtliches.

Stadtkreis Ranau.

Bekanntmakyung.

Folgende Gegenstände stehen zum Verkauf:

1. Eine Schaufensteranlage, bestehend aus 2 Fenstern, je L L. 1,80:2,57 Meter groß, mit Türe, i. L. 1,13:2,95 Meter groß, Schaukasten mit inneren Abschlußtüren. Fens ^r und Türe sind mit Holzrolläden versehen.

2. 10,00 Meter Wandbekleidung, bestehend aus 1,70 Meter hohen Nut- und Federbrettern.

3. 70,00 Quadratmeter tannener Riemenboden.

Angebote sind "sbald an das Stadtbauamt, Zimmer Nr. 48, einzureichen.

Hanau den 11. April 1913. 9799

Der Stadtbaurat.

Ehrich.

Aufgebot.

Die Ehefrau des Landwirts Eduard Noll, Wilhelmine, geb. Adler, in Großkrotzenburg, hat beantragt, ihren ver­schollenen Ehemann, geboren am 18. April 1849, zuletzt wohnhaft in Großkrotzenburg, für tot zu erklären.

Der bezeichnete Verschollene wird aufgefordert, sich spä­testens in dem auf den 19. Februar 1914, vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Nußallee 17, Zimmer Nr! 17, anberaumten Aufgebotstermine zu melden, widrigen­falls die Todeserklärung erfolgen wird.

An alle, welche Auskunft über Leben oder Tod des Ver- fchvllönöF"M Erteilen vermögen, ergeht die Aufforderung, spätestens im Aufgebotstermine dem Gericht Anzeige zu Machen.

Hanau den 11. April 1913. 9997

Königliches Amtsgericht 5.

EèMm M wrlBtt« GWMM 2t.

Gefunden: 1 zerbrochenes Damèn-Fahrrad, 1 schwarzseidene Mütze.

Verloren: 1 goldene Brosche mit Granatsteinen (antike Form).

Abhanden gekommen: 1 Mülleimer (am Sandeldamm).

Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen m. Eeschl., 1 kleiner brauner Dachshund m. Eeschl. (hört auf den Namen Erdmann).

Hanau den 21. April 1913.

PZMMche Rundschau.

Der Vorfall in Nancy. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:Nach den Maßregeln, die die französische Regierung zur Korrektur der gegen deutsche Gäste in Nancy verübten Ausschreitungen getroffen hat, können wir hoffen, daß nun auch die Versuche französischer Blätter aufhören, die Vorfälle zu beschönigen oder als deutscherseits künstlich aufgebauscht hinzustellen. Insbesondere wurde behauptet, daß ein von dem Wolffschen Telegraphenbureau übernom­mener Bericht derLothringer Zeitung", dessen Angaben die Untersuchung des Staatsrats Ogier in den meisten Punkten bestätigte, in tendenziöser Absicht verbreitet wor­den sei. Wir erinnern daran, daß die erste Nachricht von derAgence Havas" stammte und die Sache so darstellte, als ob die deutschen Gäste, angeblich Offiziere, durch Ver­spottung der französischen Armee die schimpflichen Szenen provoziert hätten. Das ist auch durch die französische Unter­suchung positiv widerlegt worden. Wenn die französische Publizistik aufrichtig wünscht, daß solche Ausbrüche eines überhitzten Chauvinismus wie die in Nancy vereinzelt bleiben, wird sie selbst durch ihre künftige Haltung viel dazu beitragen können. In einer anscheinend offiziösen fran­zösischen Mitteilung wird angekündigt, daß die Ostbahn- Gesellschaft bereit sei, etwaige Entschädigungsansprüche der in Nancy insultierten deutschen Reisenden zu erfüllen. Der PariserTemps" schreibt:Die deutsche Regierung hat gestern zwei Entscheidungen getroffen, die die öffentliche ; Meinung Frankreichs gutgeherßen und die öffentliche Mei­nung Deutschlands hoffentlich nicht mißbilligen wird. Das Entgegenkommen, mit dem die deutsche Regierung den Zwischenfall von Nancy für vollständig erledigt erklärt, ist eine erfreuliche Arâwort auf Berliner Presseartikel, die trotz der französischen Strafmaßnahmen von Deutschland ver- , langten, daß es weitere Forderungen stelle. Die französische ; Regierung hat das von den Offizieren desZeppelin" ge-

Montag tot 21. April

gebene Ehrenwort nicht weiter diskutiert; die deutsche Re­gierung hat dem französischen Offizier Lamerle gegenüber dieselbe Haltung beobachtet. Dieses gegenseitige gute Vor­gehen, das weder der Haltung noch der Würde der beiden Länder Abbruch tut, bildet ein gutes Beispiel, von dem wir wünschen, daß es nicht verloren gehen möge." Mehrere, verschiedenen Parteirichtungen angehörende Blätter spre­chen den dringenden Wunsch aus, daß chauvinistische Theater und andere derartige Schaustellungen im Interesse der fried­lichen Beziehungen der beiden Länder verschwinden möchten.

Die Bevölkerungsbewegung. Die Zahl der Ge­burten ist wie in Preußen auch im Großherzogtum Hessen im Jahre 1912 we-ter zurückgegangen, von 33 209 Lebend­geborenen im Jahre 1911 auf 32 339 in 1912. Die Säuglingssterblichkeit hat sich von 12,9 im Jahre 1911 (auf 100 Lebendgeborene bezogen) auf 10,1 verbessert. Vor 40 Jahren betrug sie noch die doppelte Größe.

Die Valkankrifis.

Die Entwicklung zum Frieden.

Berlin, 20. April. DieNorddeutsche Allgemeine Zei­tung" schreibt in ihrer Wochenrundschau: Die Friedensaus­sichten haben sich im Laufe der Woche weiter befestigt. Die Balkanverbündeten haben sich über die Antwort an die Mächte verständigt und man erwartet, daß sie binnen kur­zem die Friedensvermittlung annehmen werden. Vor Tscha- taldscha herrscht seit dem 14. April auf Grund einer münd­lichen Vereinbarung der Armeekommandanten Waffenrrche. Tatsächlich ist auch vor Skutari ohne eine derartige Verein­barung ein Stillstand in den Kämpfen eingetreten. Daß die Serben endgültig von der Beteiligung an der Belage­rung zurückgetreten sind, kann als ein weiteres Zeichen für die Entwicklung zum Frieden betrachtet werden. Die Ver­handlungen der Botschafter in Petersburg über den bulga­risch-rumänischen Ausgleich stehen vor dem Abschluß. Das Ergebnis dürfte für beide Teile annehmbar sein.

Konstantinopel, 20. April. In amtlichen Kreisen der Pforte wird erklärt, die einzige Schwierigkeit für den Ab­schluß des Friedens komme von der Seite Montenegros. Man hoffe jedoch, daß die Friedenspräliminarien in der Mitte der nächsten Woche, wahrscheinlich in London, unter­zeichnet werden.

koloniales.

Kameruner Neuigkeiten.

Aus Duala wird derDeutschen Kolonialzeitung" vom 7. März 1913 geschrieben:

Duala wird europäisch! Fast wird hier so viel gebuddelt in den Straßen wie in Berlin. Ueberall sieht man Wasser- leitungs- und Kanalisationsgräben und -Rohre und lange Reihen von Laternen zeigen in dunklen Nächten, wo es gefährlich ist, zu gehen. Zwar haben einige Straßen auch große Laternenpfähle mit Petroleumglühlampen, aber diese schönen Lampen brennen meist gerade dann nicht, wenn es nötig wäre. Wenn die Regenzeit ordentlich einsetzt, müssen die Erdarbeiten wohl größtenteils eingestellt wer­den, da die 35 Meter tiefen Kanalisationsgräben dann ständig voll Wasser sein werden. Zeugen ruhmreicher Ver­gangenheit lagen einige Wochen lang, von wenigen nur beachtet, auf dem Bojenplatz am Strande: einige Kanonen von der Feste Eroß-Friedrichsburg, die-derEber" von dort mitgebracht hatte, damit sie mit dem Woermanndampfer nach Hamburg geschickt würden. Wehmut und Stolz zugleich fühlt man beim Anblick dieser alten Mörser, die künftig im Zeughause in Berlin erzählen sollen von alter großer Zeit. Möge es niemals wieder geschehen, daß ein Stück deutsch gewordenes Land nachher in fremde Hände füllt.

In der letzten Zeit ist viel geredet worden über die ge­ringe Berücksichtigung Kameruns gegenüber anderen Kolo­nien inbezug auf Straßen und Eisenbahnen. Das kleine Togo hat über 300 Klm. Eisenbahnen, das beinahe zehnmal so große Kamerun etwa 250 Klm. In Ostafrika wird die Mittellandbahn bald den Tanganjika erreichen. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis man mit der Bahn von Duala nach dem Tsadsee fahren kann: Vielleicht 100 Jahre! Die Nordbahn mit ihren 160 Klm. kommt gerade aus dem Urwaldgebiet heraus, aber das ganze Land am Manenguba hat Tsetse; Viehzucht ist also dort nicht gut möglich. So­lange die Bahn nicht wenigstens die Hochländer von Ba- mum und Bamenda erreicht, wird sie eine in gewisser Be­ziehung verfehlte Anlage bleiben. Um der Nordbahn größere Bedeutung zu geben, plant man den Bau einer Zweigbahn

FerM>rechattschlittz Nr. 330, 1913

von Mujula oder Mundeck nach dem Memefluß, die gutes Plantagenland erschließen soll. Hoffentlich hat die Tsad- seereise des Gouverneurs auch den Erfolg, daß der Plan der Fortführung der Nordbahn in die gesunden, viehzucht­treibenden Hochländer des Bamendabezirks wieder ernstlich ausgenommen wird!

Zwecks Erkundung über einen eventuellen Weiterbau der Mittellandbahn von Paunde nach Ngaundere und weiter ist vor einiger Zeit der Ingenieur Thevost auf Expedition gegangen, die sich bis Garua erstrecken soll. Wenn nur ein Teil aller Eisenbahnpläne in den nächsten Jahren Wirk­lichkeit würde, könnte man hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.

Auf der Nordbahn verkehren jetzt täglich ein Zug nach Manenguba und einer zurück. Zu beiden Seiten der Bahn­linie werden jetzt bis zu GO Meter Entfernung alle Bäume umgehauen. Es kommt nämlich verhältnismäßig häufig vor, daß ein Tornado einen Urwaldriesen über die Schienen wirft, sodaß mehrere Stunden bis zur Entfernung des Hin­dernisses vergehen.

Auf der Strecke der Mittellandbahn bis Edea gehen wöchentlich zwei Züge hin und zurück, und die Besichtigung der mächtigen Brücken über den Dibamba und den Sanaga sowie der namentlich in der Regenzeit so großartigen Sa­nagafälle ist jetzt leicht gemacht.

Mit den Baggerarbeiten an der Barre im Kamerun» flusse wird demnächst begonnen werden. Dann wird wohl auch bald der Bau der neuen Kaimauer angefangen wer­den, an der in Zukunft die Dampfer anlegen sollen. Die Aufschüttungen am Strande, die Hafenbauten und die An­lage einer besonderen Europäerstadt werden in einigen Jahren das Bild Dualas vollständig verändern.

AW OeiO Wente im Alislsiide.

Wie zur Zeit der alten Hanse, so ist auch heute noch das Ausland eine hervorragende Schule für die Ausbildung des jungen deutschen Kaufmannes. Im allgemeinen wird man sich kaum eine Vorstellung davon machen, wie viele deutsche Handlungsgehilfendraußen" ihr Glück versuchen und, wenn auch nicht immer mit Reichtümern beladen, so doch mit erweitertem Blick und vermehrten Kenntnissen in die Heimat zurückkehren. Junge deutsche Kaufleute findet man eigentlich überall; nicht nur in unseren Kolonien, nicht nur als Angestellte deutscher Firmen und Filialen in den fernsten Ländern, sondern auch im Dienste ausländischer Firmen, die auf sprachenkundige Korrespondenten angewiesen sind. Junge Kaufleute, die drei oder vier Sprachen wirk- lich beherrschen, findet man unter den Angehörigen fremder Völker äußerst selten; zumal der Engländer liebt es durch» aus nicht, sich mit dem Erlernen fremder Sprachen abzu» quälen. Nur dadurch wird es verständlich, daß gerade England von deutschen Handlungsgehilfen geradezu über» schwemmt ist. In London besonders zählt man mehrere Tausend deutscher Handelsaugestellten. Etwa ebenso groß dürfte trotz des augenblicklichen chauvinistischen Rummels ihre Zahl in Paris sein. Auch in Spanien, zumal in Madrid und Barcelona, in Italien, besonders in Mailand, in den Hauptstädten von Dänemark, von Rußland, von Rumänien, Belgien, der Türkei leben überall hunderte junger deutscher Kaufte'^-, In allen diesen Städten und noch vielen anderen befinden sich starke Zweigorganisationen der beiden großen kaufmännischen Verbände, die in Hamburg ihren Sitz haben, des Vereins für Handlungs-Kommis von 1858 und des Deutschnationalen Handlungsgehilfen - Ver­bandes. Beide Verbände legen auf ihre AuSlauds-Gliede» rungen den allergrößten Wert.' So hat der letztgenannte der beiden Verbände seine Mitglieder in England, in Italien, der Schweiz usw. zu besonderen Gauen zusammengefaßt, die nach einheitlichen Gesichtspunkten arbeiten. So geben beide Verbände b e s o n d e r e Z e i t s ch r i f t e n für ihre Mitglieder im Auslande heraus. Der Deutschnationale Han'dlungsgehisten-Verband ist jetzt noch einen sehr bedeut­samen Schritt weiter gegangen: er hat in Parrs eine be­sondere, b e r u f s a m t l i ch geleitete Geschäfts­stelle gegründet, deren Hauptaufgabe es sein wird, den deutschen Handlungsgehilfen geeignete Stellen nachzuweisen unb ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Kein anderes Volk hat kaufmännische Vereine, deren Organi- mnonssä^en in solcher Weise auch das Ausland umfassen. Für die Ausbreitung des deutschen Handels leistet ein Verband, der nach so großen Gesichtspunkten arbeitet, zweifellos wich­tige Plonlcrdienste.