Erstes Blatt.
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des
Gencral-Avzeiger
AAllilhes Orga« für §tât- nnh AMreis Ksitsil.
verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Bezugspreis:
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg^ Br Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk., monatlich 76 Pfg.
Dio einzelne Nummer kostet 5 Pjg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Kl. 90 Rer*frte<6<inW*f; Nr. 230.
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14 Seiten.
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Amtliches
Stadtkreis Ranau.
Der Schüler Gustav Junge, Sohn des Steinhauers Ferdinand Junge zu Hanau-Kesselstadt, Friedhofsweg Nr. 6, hat am 9. Februqr d. Js. den Knaben Paul Battenhausen, welcher in den Main gefallen war, mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet.
In Anerkennung dieser entschlossenen Tat hat der fjerr Regierungspräsident zu Cassel dem Custav Zunge «ne Belohnung von dreißig Mark bewilligt.
Hanau den 17. April 1913. P 3690
Königliche Polizeidirektion.
J. V.: Karbe.
Bekanntmachung.
Die Urwählerliste des Stadtbezirks Hanau für die Wahl zum Hause der Abgeordneten ist in der Zeit von Montag den 21. bis einschließlich Mittwoch den 23. April d. Js. in Zimmer 2 des Neustädter Rathauses (Erdgeschoß) während der Stunden von 9 bis ^il Uhr und 4 bis 7 Uhr öffentlich ausgelegt.
Innerhalb dreier Tage, nachdem die Auslegung begonnen hat und die Bekanntmachung darüber erlassen ist, können gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste bei uns Einsprüche schriftlich angebracht oder zu Protokoll gegeben werden.
Hanau den 17. April 1913. 9843
Der Magistrat.
Htld.
DieusinKchrichLen.
Der Taglöhner Johann Adam Link in Bergen ist zum Nachtwächter dieser Gemeinde bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 17. April 1913. V 2113 II
Gefunden: 1 Schlüssel im Schloßgarten. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 17. April 1913. 9849
SefüBtese lü nerloiene Segens* x.
Gefunden: 1 Radiermesser, 1 Kneifer, 1 schwarzes Schülertäschchen mit Inhalt.
Auf der Saalburg.
Die römischen Feldschanzen.
):( Bad Homburg v. d. H., 17. April. Die Saalburg und ihre Umgebung stehen augenblicklich wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses der deutschen Archäologen. Wenn auch die Saalburg selbst in ihren Hauptsachen Durchforscht ist und nur noch einzelne Teile des Kastells der archäologischen Erschließung harren, so bietet die Umgebung der Saalburg zweifellos noch ein Feld reichster Betätigung für den Forscher. Das nie erlahmende Interesse des Kaisers für die Durchforschung der römischen Epoche im Taunusgebiet hat sich augenblicklich einem Gebiet zugewandt, das noch gar nicht „bearbeitet" ist, nämlich die Umwertung römischer Forschungsergebnisse in neuzeitliche Formen, die engste Nachahmung römischer militärischer Arbeiten. Die bei der Saalburg aufgefundenen und zum Teil wieder rekonstruierten Wallschanzen werden seit Beginn der Woche von Mainzer Pionieren nachgebildet. Dieser praktische Versuch, der einem in den Kreisen der Wissenschaft längst ausgesprochenen Wunsche entgegenkommt, gibt der Wissenschaft die Möglichkeit an die Hand, alle mit der Frage der römischen Schanz- rbeiten zusammenhängenden Aufgaben technischer Natur zu lösen, auf die naturgemäß die graue Theorie die Antwort bislang schuldig blieb. Eine schwierige aber dankenswerte Aufgabe für die Pioniere des 21. und 25. Bataillons. Galt es doch für diese, an völlig neue Aufgaben heranzutreten, mit ungewohnten Geräten zu arbeiten und zu messen, mit Seitengewehr zu arbeiten. So weit heute am 4. Tage. zu urteilen ist, haben General Hildmann, Oberst Dreißig, Hauptmann Stiller, die ihnen gestellte Aufgabe nicht nur rasch, sondern auch mustergültig gelöst. An die Lösung der Aufgabe gingen die Herren ja auch um so lieber heran, als die Feldbefestigung in der modernen Kriegswissenschaft wieder zu erhöhter Bedeutung gelangt. wie der Balkankrieg
Freitag den 18. April
Verloren: 1 silbernes Halskettchen mit Herzanhänger mit weißem Stein, 1 zweireihige rote Korallenkelte, 1 silberne Damenuhr mit Sprunadeckel, 1 Trauring (ger. I. E. 09).
Hanau dm 18. April 1913.
Politische MundschM.
Dem Reichstag ist folgende Resolution der Abgg. Ablaß, Bassermann, Behrens, Hitze und Trarypczinsky zugegangen : Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, anzuordnen, daß die Verwaltung des Reichsheeres bei der Vergebung von Lieferungen, die ganz oder teilweise in der Hausarbeit hergestellt werden können 1. Berufsorganisationen und Genossenschaften und Hausarbeiter und -Arbeiterinnen zu berücksichtigen, 2. solchen Lieferanten den Vorzug zu geben, die für die in der Hausarbeit hergestellte Arbeit mindestens die von den Berufs- organisationen und Geuosseuschalten den Hausarbeitern und -Arbeiterinnen gezahlten Lohne nachweislich zahlen, oder mit diesen Organisationen Tarifverträge vereinbart haben, oder deren für die Hausarbeit gezahlten Löhne von dem zuständigen Fachausschuß als angemessen bezeichnet werden.
Die Deutschland-Reise des Königs von England. „Daily Expreß" meldet, daß der Staatssekretär des Aeußeren Sir Edward Grey den König von England auf seiner Reife nach Deutschland begleiten werde. Es ist dies das erste Mal, daß Sir Edward Grey, seitdem er das Auswärtige Amt leitet, England zu einem offiziellen Besuch verläßt. König Edward ließ sich stets von einem Unterstaatssekretär des Aeußeren begleiten, niemals aber vom Staatssekretär des Aeußeren selbst. Dadurch gewinnt die Reise des Königs von England politischen Charakter.
Das Befinden des Papstes. Die gestern vormittag festgestellle Besserung im Befinden des Papstes hielt in die ersten Nachmiltagsstunden an. „Giornale d'Jtalia" glaubt, daß die Krankheit deS Papstes nunmehr bis zum Genesungsstadium gediehen ist. Unterrichtete Personen versicherten, wenn der gestern früh konstatierte Zustand heute audauere, würde man den letzten Krankheitsbericht ausgeben mit der Erklärung, daß jede Befürchtung für die Gesundheit des Papstes beseitigt sei.
Die VaLkankrists.
Nikita verlangt Truppenlandungen.
Wien, 17. April. In hiesigen diplomatischen Kreisen ist laut „Frkf. Ztg." die Nachricht angelangt, daß König Nikolaus zur Nachgiebigkeit geneigt scheint. Dagegen meldet die „Südslawische Korrespondenz" aus Cetinje, der König habe sich über die Skutarffrage und die Entschädigungs- ansprüche Montenegros dahin geäußert, die über'die monto-
lehrt. Die erste seit gestern fertiggestellte Schanze bildet ein l nahezu quadratisches Viereck von fast 100 Metern Seitenlänge. Die Pioniere bereiteten zunächst den Boden vor, rodeten die Baumstümpfe aus, eine Arbeit, die ihnen anfangs durch ihre Technik schwer fiel, dann aber von Tag zu Tag leichter von der Hand floß. Die Stümpfe wurden mit Baumstämmen. die wie ungleicharmige Hebel wirken, entfernt. Alsdann werden etwa 3—4 Meter lange und armdicke Pfähle in Entfernungen von ca. einem halben Meter eingerammt. Auf hohem Holzgerüst stehen die Pioniere und treiben mit Holzkeulen die Pfosten ein. Andere Soldaten versehen indes die Zwischenräume der Pfosten mit faschinenartigem Flechtwerk. Wenn die Stämme bis auf Mannes- Höhe eingetrieben sind, beginnt die Erdarbeit. Außerdem wird ein tiefer Graben ausgehoben, der steil gegen das Bfostenwerk aufsteigt. Von innen erhalten die Holzstämme starke Stützen, sodaß das Ganze außerordentlich fest gebaut, ungemein haltbar und widerstandsfähig wird. Die Wallfront wird durch Stellen unterbrochen, wo die Pfähle nur bis Schulterhöhe reichen, damit den Verteidigern der Gebrauch der Waffe erleichtert wird. Das gesamte Baumaterial wird den nahen Waldungen entnommen, alles möglichst in Anlehnung an die altrömische Technik. Nach Süden wird das Feldlager durch ein Tor aus festem Flechtwerk geschlossen. Aeber die Besatzung des Lagers lassen sich nur Ver- mutungen anstellen. General Hildmann ist der Ansicht, und dürfte damit wohl auch das Richtige treffen, daß das Lager einem Manipel, 120 Mann, also dem dritten Teil einer Kohorte Raum gewährte. Wenn für je 10 Soldaten ein Contubernium, ein Zelt, vorhanden war, so umschloß das Lager insgesamt 12 Zelte; wozu noch das Zelt des Manipol- führers zu rechnen wäre. Praktische an Ort und Stelle vorgenommene Versuche haben dargetan, daß es Angreifern nahezu unmöglich ist, das Lager zu erklimmen. Der tiefe Graben und die hinter diesem aufsteigende steile Erdwand ü»ld geradezu unüberwindlich; hierzu kommt noch daß die
F^r»s»>recha»kchl,is, Nr. 230. 1913
negrinische Küste verhängte Blokade der internationalen Flotte genüge nicht, um ihn zur Aufhebung der Belagerung Skutaris zu veranlassen. Der König erklärte, man werd« internationale Truppen landen müssen, um ihn zu dieser Verzichtleistung zu zwingen. Von den Großmächten werde Montenegro keine Geldentschädigungen annehmen, anders steh« es um die Frage einer von der Türkei ebenso wie an die anderen Balkanstaaten auch an Montenegro zu bezahlendes Kriegsentschädigung.
IM- Hilft MMfkiM der WWMm
Auch bei den jüngsten Beratungen zum Kultusetat im preußischen Abgeordnetenhause hat sich die n a t i o n a ! l i> berale Fraktion zahlreicher Wünsche der Volksschul« lehrer nach Kräften angenommen. Leider hat ihr Antrag zur Beseitigung überfüllter Klassen erhöhte Mittel zu bewilligen, keine genügende Berücksichtigung gefunden. Auf diesem Gebiete wäre schleunige Abhilfe am Platze; denn eS gibt in Preußen immer noch Volksschulklassen, besonders in der Provinz Posen, in denen gleichzeitig von einem Lehre, bis zu 150 Kinder unterrichtet werden müssen. Dabei mir) der Arbeitskraft deS Unterrichtenden ungebührlich viel zuge mutet, und selbstverständlich kann er auch bei der größter Hingabe die ihm anverlrauten Kinder nicht intensiv ausbil den. Auch der Antrag der nationalliberalen Abgg. Dr Friedberg u. Genossen, den Lehrern den Zugang zum Nni- verfitäiöftubium im Interesse der Schule zu gestatten, Harr noch der Erfüllung. Schließlich hat die Fraktion in bei Landtagssitzung vom 14. April d. J. mit Nachdruck vev langt, daß auch den E l e m c n t a r l c h r e r n eublid das passive kommunale Wahlrecht z u gebil ligt werde. Da cs sich hier um eine besonders laut erhobene, berechtigte Forderung der Lehrer handelt, seien einig« Ausführungen des nationalliberalen Fraktiousreduers, Abg v. Bülow, im Wortlaut gebracht:
„Wir sind der Ansicht, daß so überwiegende Gründ« für die Gewährung des passiven kommunalen Wahlrechtes an die Elementarlehrer sprechen, daß wir dies den Lehrern schuldig zu sein glauben. Bereits 1911 war eine dahin- zielende Petition des Magistrates von Stettin im Hause verhandelt worden. Die Kommission hatte Ueberweisung als Material beantragt, das Plenum hat aber in dieser Sache beschlossen, die Petition der Staatsregierung zuc Berücksichtigung zu überweisen. Es wäre inkonsequent, wenn wir heute anders handeln würden, da in der Zwischenzeit gar keine Gründe eingetreten sind, die eine andere Behandlung der Sache rechtfertigen würden. Die meisten deutschen Bundesstaaten haben bereits den Elementarlehrern das passive Wahlrecht für die Kommunen eingeräumt, so Bayern, Baden, Sachsen, Mecklenburg und dis Thüringischen Staaten; aber auch in Preußen selbst, iv
Verteidiger in ihrer geschützten Stellung auf weitere Entfernungen durch die Wurfgeschoße sich der Feinöe erwehren konnten. Das jetzt in Angriff genommene zweite Lager dürfte ebenfalls in diesen Tagen vollendet werden. Den Pionieren fällt es von Tag zu Tag sichtlich leichter, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Man merkt es, wie sie mit Feuereifer an die Arbeit herangehen. Die gestern vom Kaiser zur Besichtigung der Befestigungsanlagen geladenen Archäologen von Ruf sprachen ihre größte Anerkennung über die naturgetreue Nachahmung der Schanzen aus, namentlich aber waren sie erfreut über die Art, wie sich die Pioniere der alten Techniken bedienten und diese trefflich zu handhaben wußten. Die Schanzen bleiben natürlich erhalten und werden nach ihrer Fertigstellung der allgemeinen Besichtigung freigegeben, um allen Kreisen Gelegenheit zu bieten, sich ein Bild von römischer Kriegskunst zu entwerfen.
Die Schanzarbeiten auf der Saalburg.
DT. Bad Homburg, 17. April. Auf Einladung de; Kaisers nahmen gestern zahlreiche hervorragende deutsch« Archäologen an der Besichtigung der Schanzarbeiten auf der Saalburg teil, u. A. Professor Dr. Dragendorff, Generalsekretär des archäologischen Institutes in Berlin, Geheimer Hofrat Professor Dr. Fabricius aus Freiburg i. Br., Professor Dr. v. Domachewski, Geheimer Hofrat Professor Dr. v. Duche, Professor Dr. Schoenemauu aus Bad Homlsrirg, Professor Dr Blümlein und Baurat Jacobi. Schon beider F'ühstückstafel, zu ber die Herren geladen waren, ging die Unterhaltung ausschließlich um die Saalburg und die Schanz, arbeiten. Gegen 2 Uhr fuhr der Kaiser mit seinen Gästen zur Saalburg und von hier begaben sie sich zu Fuß nach der Arbeitsstätte. Auf der Waldlichtung hatten sich inzwischen Hunderte von Stauern, namentlich aus dem Usinger Land, cmgesanden. Ebenso stellten Frankfurt, Mainz und Wiesbaden außerordentlich viele Besucher und schließlich waren «;»u Schüler Oberer Schulen aus den Nackbarstädten atn