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Amtizer

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei Bet verein, es, Watjenhaufe« in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristijcher Beilage.

Vezugspreia»

vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich SO Vfg^ für Pofl. bezug vierteljährlich 2.10 Tit, monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.

Verantwortl. Redakteur: E. Schrecker in Hamm

Nr. 59 K.rn!».r<cha;»lus! Nr. 2»». Dienstag beu 11. März

^crxsprechMrschlnfj Nr. 2.30

1913

Amtliches.

Stadtkreis Ran au.

Bekanntmachung.

Die Bürgerschaft wird gebeten, ihre Häuser am 13., 14. und 15. d. Mts. aus Anlaß der 100jährigen Jubelfeier der Oberrealschule zu beflaggen.

Hanau den 10. März 1913. 6421

Der Magistrat.

Hild.

Bekanntmachung

Der § 1 des Gesetzes betr. Beschulung blinder und taub­stummer Kinder ordnet an, daß blinde Kinder, welche das sechste Lebensjahr, sowie taubstumme Kinder, welche das siebente Lebensjahr vollendet haben, verpflichtet sind, den in den Anstalten für blinde und taubstumme Kinder eingerichteten Unterricht zu besuchen.

Zu den taubstummen Kindern gehören auch stumme, er­taubte und solche Kinder, deren Gehörreste so gering sind, daß sie die Sprache auf natürlichem Wege nicht erlernen können und die erlernte Sprache durchs Ohr zu verstehen nicht mehr im Stande sind.

Zu den blinden Kindern gehören auch solche Kinder, die so schwachsichtig sind, daß sie den blinden Kindern gleich geachtet werden müssen.

Eltern, gesetzliche Vertreter, sowie diejenigen, denen die Obhut über das Kind anvertraut ist, machen sich st r a f b a r, wenn sie das Kind der Schulpflicht entziehen.

Wir fordern hiermit auf, alle mit genannten Fehlern behafteten Kinder unter 15 Jahren binnen 14 Tagen auf Zimmer Nr. 37 des Rathauses anzumelden.

Hanau den 5. Februar 1913. 4233

Der Magistrat.

______________________Hild.

MWe UM FMHUWMe.

Das neue Schuljahr beginnt Montag den 31. März, vormittags 11 Uhr.

Verpflichtet zum Besuche der kaufmännischen Fort­bildungsschule sind alle im Bezirke der Stadt Hanau in Handelsgeschäften beschäftigten Gehilfen und Lehrlinge, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben; aus­genommen find diejenigen, welche den Besitz des Zeug­nisses über die wissenschaftliche Befähigung für den ein­jährig-freiwilligen Dienst nachweisen.

Kaufmännische Gehilfen und Lehrlinge, welche zum Besuche der kaufmännischen Fortbildungsschule nicht ver­pflichtet sind, können gegen Zahlung des festgesetzten Schulgeldes zur Teilnahme am Unterricht vom Kura­torium zugelasien werden.

Anmeldungen werden von Dienstag den 11. März bis Donnerstag den 13. März, von 11 bis 12 Uhr vor­mittags, Gärtnerstraße 85, entgegengenommen. Das letzte Schulzeugnis ist vorzulegen.

Hanau den 5. März 1913. 6167

Der Direktor.

Pfeifer-.

Politische Rundschau.

Aus Veranlassung des Prinzregenten von Bayern wird am 25. August in der Vefreiungshalle bei Kehlheim eine Jahrhundertfeier stattfinden, an der der Kaiser und die Bundesfürsten teilnehmen.

Der Störenfried. DieKölnische Zeitung" veröffentlicht einen bemerkenswerten Leitartikel unter dem TitelDer Störenfried", in welchem sie erklärt, daß es der deutschen Regierung nicht schwer fallen werde, die Notwendigkeit der neuen Wehrvorlage zu begründen, wenn sie nur klar und deutlich und ohne Verschleierung auf die Seite Hinweise, von der uns eine Gefahr drohe, und auf der sie alle Welt emp­finde, nämlich auf Frankreich. Das Blatt sagt:Wir unter­schätzen die Momente nicht, die aus der Neuordnung am Balkan erstehen, aber wenn man Opfer fordert, wie es jetzt geschieht, so müßten Mann und Pferd genannt werden, muß der Finger deutlich dahin zeigen, von wo uns die nächste Gefahr droht das ist Frankreich! Nie ist das Verhältnis zu unserem westlichen Nachbar so gespannt gewesen, wie heute, niemals hat sich dort der Rachegedanke so unver­hohlen gezeigt, und niemals ist es so offenbar geworden, daß man die russische Bundeshilfe und die englische Freund­schaft nur zu dem Zwecke beansprucht, Elsaß-Lothringen zu­rückzuerobern. An welcher Ecke daher die Welt auch Feuer

fangen mag, das ist ganz sicher: Wir werden mit den Fran­zosen die Klinge zu kreuzen haben. Wann das geschehen wird, kann niemand wissen."

Die chinesische Negierung beantragt die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und die Festsetzung der Friedens­präsenzstärke auf 900 000 Mann.

Die Lage in Mexiko. Aus Mexiko über Newyork wird von Aufständen in verschiedenen Teilen des Landes berich­tet. Die Rebellen rüsten sich zum Angriff auf Acaprieta. Das amerikanische Kriegsdepartement bereitet die eilige Entsendung von weiteren 8000 Mann an die Grenze vor. Nach einer Depesche aus Laredo (Texas) haben am Sonntag 1200 Mann Negierungstruppen unter General Vlanguet den ganzen Tag mit Rebellen um den Besitz von Saltillo im Staate Coahuila gekämpft. Schließlich gaben die Rebellen die Stadt preis und flüchteten ins Gebirge.

Sie neue NiiitkkmlM.

Ueber den Inhalt der neuen Militärvorlage sind in der Presse in den letzten Tagen verschiedene Angaben gemacht worden, so über die Vermehrung der F r i e d e n S Präsenz­stärke, die fast durchweg den Tatsachen nicht entsprechen. Auf Grund besonderer Informationen kann derBerl. Lok.- Anz." folgendes darüber mitteilen:

Die gesamte Vermehrung wird 68 000 Köpfe jährlich betragen, innerhalb zweier Jahre 4000 Offiziere, 15 000 Unteroffiziere und 117 000 Mann, was ungefähr 1,018 Prozent der Bevölkerung gleichkommt.

Aus diesen Mannschaften werden zunächst einmal die 18 Regimenter, die nur zwei Bataillone haben, ihr drittes Bataillon erhalten; außerdem werden durchweg die Kompanien verstärkt werden, die­jenigen der Grenzkorps sollen sogar auf einen höheren Etat gebracht werden. Neue Infanterieregimente werden nicht gebildet, /wohl aber werden die übrigen Truppen­gattungen neue Kontingente erhalten. So bestätigt es sich, daß 6 neue Kavallerieregimenter werden angefordert werden, die in der Hauptsache den Grenzkorps zugeteilt werden sollen. Ein Blick in das Buch über die Armee­einteilung belehrt uns, daß die neue Vorlage auch dem VIII. Korps ein Kavallerieregiment bringen dürfte. Den dringenden Wünschen, unserer Feldartillerie die nötige Bespannung zu geben, wird auch nachgegeben werden: fast 30 000 Pferde werden verlangt, so daß künftig jede Batterie auch zu Friedensübungen schon mit sechs Geschützen und einigen Munition s - wagen ausrücken kann. Dem Verlangen, dauernd Kavallerie - Divisionen zu formieren, hat man nicht nachgeben können, man begnügt sich mit der Forderung des Kommandeurs, seines Adjutanten und Generalstabsoffiziers. Auch ist eine Vermehrung der Uebungen von Kavalleriedivisionen in Aussicht ge­nommen. Wir haben schon neulich erwähnt, daß die neuen Rüstungen unter dem Gesichtswinkel eines

starken Grenzschutzes im Osten vorgenommen werden ein Teil der einmaligen Aus­gaben wird bekanntlich zur Verstärkung unserer Festungen verwendet; dementsprechend müssen unsere Festungs­anlagen auch mit ausreichender schwerer Artillerie versehen werden. Die Vorlage sieht die Bildung eines halben Dutzend neuer Fußartilleriebataillone vor, denen auch selbständige Maschinengewehrab­teilungen zugeteilt werden sollen. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß für die schwere Artillerie des Feldheeres ebenfalls eine Vermehrung der Bespannungs­abteilungen vorgesehen ist. Die Zahl der Schein- werferkompagnien, die die Vorlage bringt, wird ebenfalls erheblich sein, auch die Lücken unseres Trains werden durch Aufstellung mehrerer neuer Formationen aus­gefüllt werden. Selbstverständlich muß mit all diesem auch eine weitere Vermehrung der technischen Trup­pen Hand in Hand gehen. Heliograph und Funkentele­graphie nehmen jetzt so viel Kräfte in Anspruch, daß mit den bestehenden fünf T e l e g r a p b e n b a t a il l o n en längst nicht mehr auszukommen ist, diese sollen fast ver­doppelt werden, während das P i o n i e r w e s e n auch um ein halbes Dutzend neuer Kompagnien vermehrt wer­den soll.

Nebenher muß natürlich auch das Unterrichts- wesen seine Ergänzung finden: sämtliche militärischen Unter­richtsanstalten werden vermehrt werden. Um schon recht­zeitig die nötigen Offiziersstellen besetzen zu können, wird eine Beschleunigung der Ausbildung der Kadetten und Fähnriche eintreten. Alles in allem käme man ft^ Koch die Offiziere mit einen ßarten

Avancementsschub rechnen können, denn um nicht im Kriegsfälle die Befehlsverhältnisse in der aktiven Truppe zu zerreißen, werden eine Reihe höherer Offiziers­stellen für die Reserveformationen jetzt schon gefordert werden. Daneben hält man selbstverständlich an der Forderung erheblicher Mittel für Zwecke unserer Luftflotte fest.

Sie MerWrseier in Berlin.

DT. Berlin, 10. März. Die Hundertjahrfeier der Er­hebung Preußens und der Befreiungskriege wurde heute vor­mittag durch einen Festgottesdienst im Dom eingeleitet. Das Gotteshaus war in allen Teilen von einer festlich geschmückten Gemeinde dicht gefüllt; es überwog natürlich das militärische Element. Ebenso hatten sich in den Mittel-. und Seiten­schiffen Deputationen sämtlicher Garderegimenter und auch zahlreicher Linienregimenter, an ihrer Spitze der preußisch« Kriegsminister von Heeringen mit den Höchstkommandierenden der preußischen Armee, dem Chef des Generalstabes Grafen Moltke, dem Chef des Militärkabineits des Kaisers Freiherr von Lynker, dem kommandierenden General des Gardekorps von Plettenberg, dem Generalfeldmarschall Grafen v. d. Goltz eingefunden. In einer Eeiienempore neben der Kaiserloge hatte das ganze preußische Staatsministerium Platz ge­nommen : Der Ministerpräsident von Bethmann-Hollweg in der Uniform eines Generalmajors der Kavallerie mit dem Bande des schwarzen Adlerordens, Vizepräsident des preußi­schen Staatsministeriums Delbrück in der Uniform eines Majors, Staatssekretär des Reichsmarineamtes von Tirpitz in der Uniform eines Großadmirals, die übigen Minister trugen ihre goldstrotzende Ministeruniform. Es waren er­schienen Eisenbahnminister von Breitenbach, Minister des Innern von Dallwitz, Justizminister Dr. Beseler, der Mi­nister für Handel und Gewerbe Dr. Sydow, Finanzminister Dr. Lentze, Kultusminister von Trott zu Solz. Hier hatten auch die Repräsidenten der preußischen Volksvertretungen, der Vizepräsident des preußischen Abgeordnetenhauses Dr. Porsch und der Präsident des Herrenhauses von Wedel-Piesdors Platz genommen. Hinter dem Staatsministerium nahmen der Rektor der Universität Graf Baudiffin, der Präsident der preußischen Akademie der Künste Ludwig Mansfeld, Direk­toren der übrigen Berliner Hochschulen in ihrer Amtstracht Platz. Auf eine Ausschmückung des Domes hatte man ver­zichtet. Am Altare waren die Feldzeichen und Fahnen sämt­licher Garderegimenter und auch solche von einigen Linienregimentern ausgestellt, so z. B. der Leib-Regi­menter Nr. 8 aus Frankfurt a. d. Oder, des Grenadierregiments Nr. 11 aus Breslau und 10 aus Schweidnitz. Die Offiziere des ersten Garderegimentes in ihren historischen Grenadier­mützen hielten hier die Ehrenwache. Kurz vor 11 Uhr er­schien der Kaiser mit der Kaiserin, der Kronprinzessin und der Prinzessin Viktoria Luise. Sie traten an die Brüstung der Kaiscrioge und verharrten einige Minuten in stillem Gebet. Dann setzte mit mächtigen Akkorden die Orgel ein und die Feier begann. Der Domchor fang den 43. Psalm: Rüste mich Gott und führe meine Sache wider das un- heilige Volk und errette mich. . .". Wieder setzte die Orgel ein und mächtig durchbrauste der ChoralLobet den Herren" den Raum. Dann trat Oberhoiprediger Ohli vor den Altar und sprach, während die Gemeinde sich erhob, das Gebet, das in die Bitte ausklang, daß Gott uns jetzt auch helfe, wie er dem Paterlande vor hundert Jahren geholfen hat. Wieder setzte der Domchor ein und sang:Erhaben, oHerr, über Alles! . . Die Gemeinde antwortete:Der Herr ist noch nimmer von feinem Volke geschieden". Inzwischen hatte D. Dryander die Kanzel bestiegen. Seiner Festpredigl hatte er den Text des Psalms 77 zu Grunde gelegt. Ick seiner Einleitung erinnerte er an die großen Gedenktage, die wir jetzt feiern, gestern der 25jährige Gedenktag Kaiser Wilhelm des Großen, heute den Geburtstag der Königin Luise, den hundertjährigen Stiftungslag des Eisernen Kreuzes, dann gedachte er weiter der eisernen Zeit. Er erinnerte in herzlichen Worten an die Königin Luise als den Schutzgeist Preußens. Nach der Predigt sang die Gemeinde wieder einen Choral, es folgte eine Schriftverlesung. Das Nieder­ländische Dankgebet, von her ganzen Gemeinde gesungen, be­endete die Feier. Der Geistliche sprach den Segen, dann verließen die Majestäten die Kirche und begaben sich zum Lustgarten.

Der Tagesbefehl des Kaisers, den dieser bei der Feier im Lustgarten verlas, hatte den folgenden Wortlaut:

An mein Heer l

Zum hundertsten Male kehren die Lage wieder, daß Preußen sich anschickte, fremdes Joch abzuschütteln. Sieben Jahre hatt, das Volk unter der eisernen Faust des Er-