Einzelbild herunterladen
 

Erstes SUtt

M«LLvngvgeSSHr»

DU Bgelpanene Petitzei!« oder deren Raum 20 Pfg. in NeklametrÄl die Zelle M Pkg.

Ve,ugop«t«r

Vierteljährlich 1,80 ML, monatNch SOPfg^ für Post« bezug vierteljährlich 2.10 ML, monatlich 70 Pfg, Die einzeln« Nummer kostet 6 Pfg,

N-tstionsdruck und Verlag der Buchdrucker«! der vereta. ea. Waisenhauses In Hanau.

9?L 55 d^ernsprechanschlrtf; Nr.

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanam

230. Donnerstag den 6. März

Ferttsprechattschluf; Nr. 230, 1913

Sie heutige Mumer mW Mr Lm HnWtwiosW 14 Seiten.

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Ranau, Bekanntmachung.

Im Anlaß der Erinnerungsfeier an die Befreiungs­kriege sind sämtliche Bureaus des Kreishauses am Montag den 10. d. Mts. geschlossen.

Hanau den 5. März 1913.

Der Königl. Landrat und Polizeidirektor.

Frhr. Laur.

Politische Rundschau.

Der Reichstag nahm gestern den konservativen Antrag auf Schaffung kleiner Garnisonen, Gewährung von Ernte­urlaub usw. an und erledigte dann eine Reihe von Petitionen. (Den Bericht siehe in der Beilage.)

Im preußischen Abgeordnetenhause kam es zu einem Zusammenstoß zwischen dem Eisenbahnminister und dem Ge­nossen Leinert.

Das Preußische Wassergesetz ist von beiden Häusern des Landtages übereinstimmend angenommen worden. Nach den bisherigen Erfahrungen wird die Nachfrage nach dem endguliigen Text so groß sein, daß sie aus den amtlichen Beständen des Abgeordnetenhauses nicht befriedigt werden kann. Die Druckerei des Abgeordnetenhauses Berlin SW. 68, Ruierstraße 50) ist deshalb zur Herausgabe einer amtlichen Textausgabe veranlaßt worden. Preis 1 Mark, der beim Bezüge des Kommentars erstattet wird.

Der konservative Reichstagsabgeordnete v. Kap­hengst ist gestern abend im 43. Lebensjahre gestorben.

Der französische Ministerrat hat die Einführung der dreijährigen Dienstzeit genehmigt. Der Gesetzentwurf wird heute Donnerstag der Kammer vorgelegt.

Das Romanow-Jubiläum.

W. Petersburg, 5. März. Ein an den Senat anläßlich des Romanow-Jubiläums gerichteter kaiserlicher Ukas ord­net Maßnahmen zur Versorgung der Waisen und Landbe­völkerung ohne Unterschied der Konfession, ferner die Ver­wendung von 10 Millionen Rubel aus den Mitteln der Adelsagrar-Bank zur Vergrößerung des Grundkapitals gegenseitiger Unterstützungskassen des Adels und 50 Mill. Rubel zur Schaffung eines unantastbaren Fonds zur Ver-

StiittjHter in Mu.

Grigri".

Operette in 3 Akten von Bolten-Baeckers und Henriot Chance!. Musik von Paul Lincke.

Ueber die Premiere in Darmstadt wird berichtet:

Paul Lincke dirigierte seine neue OperetteErigri" bei der ersten Aufführung selbst. Hiermit istGrigri" hoffähig gewordne und Paul Lincke dazu, der zum ersten Male in seinem Leben in einem Hostheater mit einem seiner Werke erschien. Die Operette erregte viel Heiterkeit. Selbst der Großherzog, der mit seiner Gemahlin der ganzen, dreiein­halb Stunden dauernden Vorstellung beiwohnte amüsierte sich scheinbar vorzüglich und gab das Zeichen zum Beifall. Auch all die aktuellen Anspielungen auf Tripolis, Marokko und andere politische Fragen, zu denen der schwarze Ope- retten-König Magawewe Anlaß gab, wurden mit Ver­gnügen entgegengenommen.

DasDarmstädter Tageblatt" schreibt: Unter Leitung des Komponisten fand heute abend die Erstaufführung von Paul Linckes neuer OperetteErigri" vor gut besetztem Hause statt. Wir wollen heute einmal mit dem Schluß be­ginnen und von dem Erfolg der Operette zuerst sprechen. Es muß konstatiert werden, daß der Erfolg durchschlagend, ja, für eine Erstaufführung fast beispiellos war. Nach jeder einzelnen Nummer wurde stürmisch Beifall geklatscht; viele mußten wiederholt werden, und nach jedem Akte mußte der Vorhang fünf- bis sechsmal wieder aufgehen und der Kom­ponist erschienen. Und der Erfolg war nicht etwa künstlich gemacht, sondern spontan. Dieser Erfolg ist ein neuer Be­weis für den Geschmack des heutigen Publikums, das der ernsten Kunst wenig mehr zugänglich ist und die Operette durchaus bevorzugt. Nach der Erfahrung des heutigen Abends kann man aunehmen. daß mit dieser neue» Ope-

besserung der Lage des Ackerbaues an. Weiter werden Steuern und Geldstrafen verschiedener Art erlassen, Ver­günstigungen für Staatsbeamte, ihre Familien, Amnestie für bis zum 6. März begangene Preßvergehen und die Wie­deraufnahme der Studierenden verfügt, die wegen der Teil­nahme an verbotenen Versammlungen relegiert worden waren, sofern sie nicht die Abhaltung der Vorlesungen ge­waltsam verhinderten. Auch wird Amnestie für gemeine und Staatsvergehen bis zum 6. März verkündet, zum Tode Verurteilte werden zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit be­gnadigt. Russische Untertanen, die ohne Erlaubnis im Aus­lande weilen, dürfen nach Rußland zurückkehren, Strafen für Vergehen gegen die Bestimmungen zur Wahrung der Staatsordnung und der öffentlichen Ordnung werden er­lassen; den wegen politischer Unzuverlässigkeit unter Poli­zeiaufsicht Stehenden wird die Zeit der Aussicht verkürzt. Für Finnland ordnet ein Gnadenerlaß an, daß 10 Millionen Rubel zum Bau und Umbau von Heilanstalten als Iubi- läumsstiftungen verwandt, Geldstrafen bis zu 500 finnischen Mark und Gefängnisstrafen unter einem Jahr erlaßen wer­den, Amnestie für Amtsvergehen verkündigt werden soll, falls bis zum 6. März der Betreffende nicht gerichtlich ver­folgt, das Urteil nicht ausgeführt oder die Strafe nicht ver­büßt worden ist; soweit aber mit der Strafe Ehrverlust oder Dienstausschluß verknüpft ist, soll nur die Herabsetzung der Strafzeit zulässig sein.

W. Petersburg, 5. März. Ein kaiserliches Manifest, wel­ches am 6. März während des Festgottesdienstes in allen Kirchen Rußlands verlesen wird, erinnert an die Ereignisse, welche der Wahl Michael Feodorowitsch Romanows voraus­gingen. Es weist auf die gemeinsamen Airstrenguugen der russischen Zaren und aller treuen Söhne Rußlands hin, die den russischen Staat geschaffen hätten. Das fest am Glauben hängende, von heißer Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft erfüllte Ruffenvolk habe alle Schicksalsschläge überstanden und sei verjüngt und verstärkt aus schweren Tagen hervor­gegangen. Das kleine Rußland der Moskauer Periode stehe jetzt in einer Reihe mit den ersten Staaten der Welt. Weiter hebt das Manifest die großen Verdienste der besten Söhne Rußlands hervor, hochverehrter Hierarchen und Kirchen­hirten als treue Mitarbeiter der russischen Zaren und die Verdienste des russischen Adels, der besonders bei der Auf­hebung der Leibeigenschaft seine VürgertugenL bewiesen habe. Die von Ruhmesglanz umgebenen russischen Kriege, die Verteidigung des Thrones und des Vaterlandes, die Rußland so oft vor dem Feinde geschützt, bildeten gegen­wärtig ein starkes Schild gegen jeden Einfall in Rußland. Das Manifest berührt sodann die Anstrengungen aller dem Zaren ergebenen Leute ohne Unterschied des Standes und der Stellung bei dem Aufbau des Staates und erwähnt die rette das Zugstück dieser Saison gefunden worden ist. Die Handlung der Operette ist sehr spaßhaft. Das Textbuch ist mit technischem Raffinement gemacht und durch allerlei Witze, auch solche von politischer Gegenwartsbedeutung (Kongo, Marokko, Tripolis und die Engländer) gewürzt. Mit wenigen Worten möge der Inhalt hier wiedergegeben werden: Der schwarze König Magawewe in Sudan hat dem französischen Konsul Gaston Deligny in Kade.ih Sangah sein Land verkauft und sich eine Pension von 250 000 Frcs. von Frankreich ausbedungen. Er hat eine w"iße Tochter Erigri; denn da ihre Mutter, eine Spanierin, die 169te Frau Magawewes gewesen ist,hat er nicht mehr abge- färbt", und sie ist weiß geblieben. Mit dieser geht Easton nach dem Muster von Mr. Linkerton inMadame Butter­fly" eine Scheinehe ein und verläßt sie, um nach Frankreich zurückzukehren. Am Tage seiner Hochzeit mit der^Nichte des Kolonialministers aber trifft der schwarze König*mit seiner weißen Tochter im Hause Gastons ein, jener, um seine Pen­sion, diese, um ihren Gatten abzuholen. Erigri, anstatt über die Mitteilung Eastons von seiner Vermählung ent­rüstet zu sein, nimmt sie lächelnd entgegen; denn, meint sie, da ihr Vater 169 Frauen gehabt hat, könne er doch wohl zwei haben. Nach diesem verblüffenden Versöhnungs-Trick kommt es aber doch zur Trennung zwischen beiden und Erigri geht. Der unternehmungslustige Direktor eines Varietetheaters, Poivre, der mit dem Skandal spekuliert, nimmt sich der Sache an und kündigt ein Debüt des Königs Magawewe und der Prinzessin Grigri, der Gattin des Staatssekretärs im Kolonialamt an. Der Zweck wird er­reicht. Das Ministerium und die Polizei legen sich ins Mittel. Magawewe bekommt seine Pension und die ge­wesene Schwiegermutter Gastons als 170 Frau dazu. Easton nimmt, nachdem seine Frau durchgebrannt ist, Erigri zur rechtmäßigen Gattin und quittiert seinen Dienst. In diese Handlung sind allerlei Episoden komischer und gro­tesker Art einqeflochten, zu denen der Impresario Voivre

Männer der Wiffenschaft, die Schriftsteller unb Künstler, die über die Grenzen Rußlands hinaus, geschätzt werden. Auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie hätten die Rußen intensive Arbeit geleistet und Initiative an den Tag gelegt, unb so zur Macht Ruß­lands beigetragen. Unzählige Verdienste der Millionen russischer Ackerbauer bildeten die Quelle des Reichtums für das Volk. Der Kaiser habe gewünscht, die Romanow-Jubi­läumsfeier würdig zu verherrlichen und deshalb diese Gna­denerlasse an den Senat gerichtet und veröffentlichen laßen.

Die Balkankrists.

Das Stärkeverhältnis an der deutsch-russischen Grenze.

Das gespannte Verhältnis, das nun schon seit Monaten zwischen Oesterreich und Rußland herrscht, und das beide Mächte veranlaßt hat, größere Truppenmaßen an der Grenze zusammenzuziehen, erweckt ganz von selbst das In­tereße an der Frage, wie das Stärkeverhältnis an der deutsch-russischen Grenze ist. Denkt man sich zu beiden Seiten der ganzen langen Grenze von Memel bis Myslo- witz einen Eeländeabschnitt von ungefähr 100 Klm. Breite, so stehen in diesem Abschnitt auf deutscher Seite: 115 Zn- fanteriebataillone, 89 Eskadrons, 108 Batterien Feldartille- rie, 38 Batterien Fußartillerie, 24 Pionierkompanien, 5 Maschinengewehrabteilungen und 1 Luftschifferkompanie. Auf russischer Seite sind dagegen vorhanden: 152 Bataillone Infanterie, 152 Eskadrons und Kosaken-Sotnien, 65 Feld- artillerie- oder Mörserbatterien, darunter 23 reitende, 58 Festungsartilleriekompanien, 31 Pionier- und 'Sappent« fontpanien, 4 Luftschifferkompanien. Hierbei ist aber noch zu bemerken, daß die russischen Feldbatterien im Kriege aus 8, die Mörser- und reitenden Batterien aus 6 Geschützen bestehen, und daß jedes Infanterieregiment unb jede Ka­valleriedivision im Kriege über ein Maschinengewehrkom­mando von 8 Gewehren verfügt. Man sieht, daß die Rußen ,was die Zahl anbelangt, stark im Ilebergewicht sind, und besonders starke Kavalleriemassen in der Nähe der Grenzen bereit halten. Daß diese dazu bestimmt sind, so­fort nach Ausbruch eines Krieges die deutschen Grenzen an möglichst vielen Stellen zu überschreiten und die deutsche Mobilmachung durch Zerstörung von Brücken, Eisenbahnen und Telegraphen so viel als möglich zu erschweren, ist klar. Das wird ihnen, rein theoretisch betrachtet, auch durchaus gelingen, denn die Grenze ist sehr lang und liegt ganz frei ba. Außer Thorn versperrt keine Festung und kein Sperr­fort den Zugang, auch gibt es auf deutscher Seite Strecken, auf denen auf weite Entfernungen nach dem Innern hin, keine Garnison zu finden ist. So liegt z. V. zwischen Tilsit und der schwarze König mit seinen vorgeschrittenen An­sichten von Kultur und Sitte reichen Stoff bieten. Im dritten Akte, der im Bllhnenfoyer des VarietesApollo­garten" spielt, wird uns so eine Art von Vorspiel zu einer Variete-Vorstellung vorgeführt. So gibt es den ganzen Abend viel zu sehen und zu lachen. Die Musik ist im echten Operettenstil gehalten. Soli, Duette, Terzette und Quin­tette, meistens als Tanznummern behandelt, wechseln mit effektvollen Chören ab. Sie einzeln zu benennen, würde zu weit führen. Sie bewegen sich fast durchweg in dem gefällig-graziösen Stil und den Marsch- Sezw. Tanzrhyth­men der Operette, und die Melodien, die sich ohne weiteres erfaßen laßen und anfprechen, sind eine Konzession an den Geschmack des großen Publikums, das solche Musik vor allem goutiert. Wiederholt werden mußten im ersten Akt das Terzett, im zweiten Akte das Tanzduett zwischen Pantoufle und Pvonne, während die Lieder am Telephon und das Quintett -dieses Aktes das Originellste der ganzen Operette sind. Wahrhaft frenetischen Beifall erntete das groteske Tanzduett zwischen Magawewe und Madame Brocard: Wenn die jungen Knospen sprießen", das im dritten Akte nochmals wiederholt wurde.

Der Kaiser bei bea HeiiMbeiiemm. Berliner Brief.

Ihre Eindrücke über den kürzlich abgehaltenen Kongreß der Heimarbeiterinnen hat eine Teilnehmerin anschaulich in einem Privatbrief niedergelegt. Wir bringen diese Zuschrift, die recht viel Beherzigenswertes enthält, hier zum Abdruck. Sie lautet:

Der Verbandstag des Gewerkoereins der Heimarbeite­rinnen Deutschlands währte drei Tage. Es war eine an­strengende Zeit. Man wurde aber durch die Verhand­lungen selbst und die Menschen, die man kennen lernte, belob nt. Ich habe immer wieder gewünscht, es möchte»