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Maßregeln, welche das Jahr 1912 gebracht hat, einer Besprechung zu unterziehen.

Zwei Erscheinungen sind es, welche durch überragende Bedeutung stark hervortreten und an intensiver Einwirkung alle^ anderen Ereignisse des Jahres übertreffen, nämlich im Innern die rapid gesteigerte Teuerung der Lebensmittel und nach außen die k r i e g e r i s ch e n V e r w i ck l u n g c n. Auf letztere hatten wir oben bereits hinzuweisen. und wenn auch im Jahre 1912 ihre hindernden und schädigenden Ein­flüsse sich noch in mäßigem Umfange zeigten, so ist doch bei längerer Fortdauer der Unsicherheit und Spannung, welche auf alle europäischen Kulturstaaten übergriffen hat, die (befahr erheblicher und nachhaltiger Schädigungen in hohem Matze gegeben. °

Die zunehmende Teuerung derLebensmittel hat bereits im Berichtsjahre eine bis dahin nicht gekannte Steigerung erfahren und sich für die große Masse der Be­völkerung zu einer Kalamität herausgebildet. Ob die bis­her ergriffenen Maßregeln, wie erleichterte Fleischeinfuhr und städtische Fleischverkäufe, auf die Dauer Abhilfe brin­gen werden, ob die vom Reichsamt des Innern einberufene Sachverständigenkommission das Zauberwort zum Bannen des Fleischnotgespenstes finden wird, bleibt abzuwarten. Ein wirksames Mittel erblicken wir dagegen in einer Her- r-bsetzung unserer Einfuhrzölle auf Vieh und Fleisch/auf Getreide und Futtermittel, sodaß zugleich den Konsumenten die Nahrung und den Züchtern die Viehhaltung verbilligt würde. Nur anzudeuten brauchen wir die überaus vorteil- dafte Position, welche bei den bevorstehendne Verhand­lungen über neue Handelsverträge sich zugleich die Reichs- regierung schaffen könnte, wenn sie sich zu Konzessionen auf dem Gebiete der Agrar- oder besser Lebensmittel-Zölle ent­schließen und damit ein wertvolles Kompensattonsobjekt zu Gunsten unserer Exportinteressen in die Wagschale legen könnte.

Wenn auch bisher die Teuerung im allgemeinen auf den Lebensunterhalt beschränkt geblieben ist, so muß sie bei unverminderter Dauer oder gar weiterer Verschärfung naturgemäß immer mehr in Lohnerhöhungen ihren Aus­gleich finden, welche ihrerseits notwendig auf einen großen Kreis von Waren aller Art preis steigernd wirken müßten. Welche Belastung eine derartige Entwick­lung für Industrie und Handel und für den gesamten Kon­sum zur Folge haben müßte, erscheint geradezu unabsehbar. Wir meinen daher, in der Bekämpfung der Lebensmittel- 'teuerung sollte man das gegenwärtig für die Allgemeinheit wichtigste Problem erblicken, besten Lösung auch erhebliche Opfer nach anderer Richtung hin rechtfertigen kann.

Hinzu kommt, etwa seit November 1912, eine zuneh­mende Knappheit an verfügbaren Barmitteln und eine ent­sprechende Verteuerung des Geld st an des. An sich als Dokument aufstrebender Konjunktur eine nicht un­günstige Erscheinung, hat sie in Verbindung mit anderen Faktoren in diesem Jahre doch eine besondere Bedeutung gewonnen und eine scharfe Beobachtung erfordert. Schon im Februar nahm der Präsident des Reichsbankdirekto- tiums selbst Veranlassung, vor übertriebener Spekulation und guweitgehender Kreditgewährung öffentlich zu warnen, und zweifellos nicht ohne Erfolg. Mit ihrer Diskontopoli­tik hat die Reichsbank regulierend eingegriffen und in fühl­barer Weise haben die öffentlichen Kassen das Hartgeld zu- rückgehalten. Der Berliner Privatdiskont hat sich fast das ganze Jahr hindurch wesentlich höher als in 1911 gehalten und im November den Durchschnitt von 5,265 Prozent er­reicht, und dem Baugewerbe war es außerordentlich schwer, Bau- und Hypothekarkredite zur Beschaffung zweiter Hypo­theken zu gründen. Man wird von einer Beseitigung der politischen Ungewißheit aber wohl die wünschenswerte Er­leichterung der Geldverhältnisse erwarten dürfen, allerdings je früher desto besser.

Im Vergleich zu solchen Schwierigkeiten besonders er­freulich zeigt sich die Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mittels Postschecks und -über-- weisung: im Reichspostgebiet betrug der Gesamtumsatz rund 30,3 Milliarden Mark (1911: 25,1), die Zahl der Konto­inhaber am Jahresschluß 75 203 (1911: 62 446), im Verkehr zwischen den Postscheckämtern in Berlin, Breslau, Köln, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Leipzig und den Ab­rechnungsstellen der Reichsbank umfaßten die Einliefe­rungen über 400 000 Schecks im Betrage von mehr als 4 Milliarden Mark, und einschließlich ihres sonstigen rein buchmäßigen, also namentlich des durch Ueberweisung von Konto zu Konto vollzogenen Verkehrs sind zusammen 15,6 Milliarden bargeldlos beglichen worden, d. h. über 51 Proz. des Gesamtumsatzes. Schließlich haben die Umsätze im Ueberweisungsverkehr zwischen allen deutschen Postscheck­ämtern und den betreffenden Stellen in Belgien, Luxem­burg, Oesterreich, Schweiz und Ungarn 94,2 Millionen Mark betragen gegen 70,7 in 1911 und zwar vom Auslande 74,9 Millionen (1911: 55,5), und nach dem Auslande 19,3 (1911: 15,17).

Hier möchten wir wiederholt dem Wunsche nach einer noch innigeren Verbindung zwischen Reichs­bank und Postscheckverkehr Ausdruck geben; namentlich erscheint eg für die Förderung des bargeldlosen Umsatzes dringend erwünscht, den Inhabern von Reichs- bankgirokonten die Möglichkeit zu verschaffen, durch gene­relle Mitteilung ihr Postscheckamt anzuweisen, daß alle eingehenden Zahlungen sofort auf ihr Girokonto überwiesen werden.

Vom Postscheck abgesehen, müssen wir uns nachdrücklich für eine W i e d e r b e s e i t i g u n g des S ch e ck st e m - pels aussprechen, der u. E. ein nicht zu unterschätzendes Hindernis darstellt für eine, im Interesse der gesamten Zahlungsverbältnisse höchst willkommene Popularisierung des Scheckverkehrs.

Auf dem Gebiete des Verkehrswesens bedarf be­sonderer Erwäbnung der mehrere Wochen herrschende

MtertStag

Wagenmangel, der in solcher Stärke noch niemals seither aufgetreten ist und namentlich im rheinisch-west­fälischen Industriegebiet zu bis dahin unerhörten Störun­gen, zur völligen Sperrung ganzer Güterbahnhöfe und zu Lagelanger Stillegung ganzer Fabriken geführt hat. Man darf hoffen, daß die verantwortlichen Dienststellen dabei sich an Erfahrungen hinlänglich haben bereichern können, um Handel und Industrie uni) insbesondere auch die mit Lohn­ausfällen beteiligten Arbsitermassen vor ähnlich schlimmen Vorkommnissen zu bewahren.

Die internationalen Handelsbeziehun- g e n des Reichs haben im Berichtsjahre wesentliche Ver­änderungen nicht erfahren. Die Handelsverträge mit der Türkei und mit Bulgarien wurden verlängert, ebenso die Geltung der Bestimmungen, welche das Verhältnis zu Großbritannien regeln; dagegen kündigte die von Kolum­bien abgetrennte Republik Panama den deutsch-kolumbi- schen Handelsvertrag, und hierin wird man eine neue Maß­nahme zu erblicken haben in dem zielbewußten Bestreben, den Panamakanal und sein Interessengebiet loszulösen von dem Einfluß anderer Mächte und ganz demjenigen der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu unterstellen. In diesem Lande, wo die Wahl des Präsidenten Wilson kaum eine Aenderung der handelspolitischen Gesamttendenz her­beiführen dürfte, ist eine Reform des Zolltarifs im Gange, in Spanien ist ein neuer Tarif mit dem 1. Januar 1912 in Kraft getreten und Belgien schreitet fort auf dem Wege der Ueberleitung seiner Wertzölle in spezifische. Nur wenige Jahre trennen uns von dem Zeitpunkt, da die geltenden Handelsverträge ablaufen, und die Zwischenzeit wird an die Reichsregierung wie an die Interessenten die außer­ordentlich wichtige Aufgabe einer gründlichen und erfolg- verheißenden Vorbereitung nach allen Richtungen hin stellen.

Italien hat die den Türken abgerungenen Gebiete von Nordafrika seiner Oberhoheit unterstellt, Frankreich seinen Anteil an Marokko in Besitz genommen, in China hat eine Republik die Mandschu-Dynastie abgelöst und die Aner­kennung der Großmächte gefunden, in der Mongolei wie in Persien suchen europäische Staaten Vorteile für sich zu gewinnen, und die Kräfteverteilung auf dem Balkan und mehr noch die künftige Stellung der Türkei sind heute noch völlig ungelöste Fragen. Aber überall sehen wir deutsche Arbeit und deutsches Kapital an der Kul­tur arbeit im Wettbewerb mit anderen Nationen be­teiligt, unb je komplizierter die Konflikte, je schwieriger die Position und je höher der Preis des Ringens, desto mehr erfordert das Ansehen des Reiches wie jedes einzelnen Un­ternehmers, daß mit scharfem Blick, mit festem Mut und starker Hand die deutschen Jntrcssen gewahrt und gefördert werden.

Das Deutsche Reich hat im Berichtsjahre seinen K o- lonialbesitz erweitert durch Uebernahme der mit Ka­merun vereinigten Gebiete in Aeguatorialafrika, welche ihm nach dem Marokkoabkommen mit Frankreich vom 4. Novem­ber 1911 zugefallen sind. Ueber den Wert dieser Erwerbung läßt sich heute ein sicheres Urteil noch nicht gewinnen. Eine direkte deutsche Kabellinie von Emden über Teneriffa-Mon­rovia nach Lome und Duala ist hergestellt worden und ver­bindet die Schutzgebiete Togo und Kamerun nunmehr durch ein deutsches Kabel mit ihrem Mutterlande; eine Fortfüh­rung bis Swakopmund wird auch Deutsch-Südwestafrika an diese wichtige, schnelle und billigere Verbindung anschließen. In Deutsch-Ostasrika hat der gesteigerte Handelsverkehr eine solche Nachfrage nach größeren Zahlungsmitteln er­zeugt, daß man zur Ausgabe von 500-Rupien-Noten ge­schritten ist außer denjenigen zu 5, 10, 50 und 100 Rupien, und in Kamerun wie auf Samoa wird der Zahlungsver­kehr mit erfreulicher Planmäßigkeit von ausländischer Wäh­rung emanzipiert und dem deutschen Gelde vorbehalten. Be­gonnen ist ferner mit dem Bau von Telefunkenstationen auf unseren Südseeinseln, sodaß noch im Laufe des Jahres 1913 die drahtlose Telegraphie sie verbinden wird, ein Fort­schritt, dessenTragweite" man würdigen wird, wenn man sich vorstellt, daß die einzelnen Stationen von 1700 bis 4000 Km. voneinander entfernt sind. Endlich gedenken wir in diesem Zusammenhänge der deutschen Diaman­ten fünde in Südwest. Wenn auch die von mehreren Seiten unternommenen Versuche der Bildung eines deut­schen Abnehmersyndikates im Jahre 1912 nicht zum Ziele führten, so ist es doch andererseits gelungen, für die deut­schen Käufer Vorzüge durchzusetzen und dahin zu wirken, daß die nächste Vergebung der Jahresausbeute nicht wieder freihändig, sondern im Wege der Ausschreibung erfolgt, sodaß allen Interessenten die Beteiligung frèistehen wird. Richt unerwähnt darf an dieser Stelle das bereitwillige und verständnisvolle Entgegenkommenbleiben, mit welchem das Reichskolonialamt das deutsche Diamantenpchleiferei- gewerbe zu fördern bestrebt ist. Eine kürzlich erlassene neue Steuerordnung auf Basis der Nettoerträge erscheint ge­eignet, den Verhältnissen der Schürfunternehmungen besser : gerecht zu werden. Bemerkenswert ist, daß zum Teil infolge dieser Neuregelung, zum Teil dank besseres Fördereinrich­tungen sich die letzten Monatsziffern der ^unde erheblich gesteigert haben und daß man heute mit einer beträcht­licheren Lebensdauer der deutschen Diamantenfelder rechnet, als sich anfänglich annehmen ließ.

Soweit die Entwickelung der w ir tsch a ftl i ch e n In­te r e s s e n t e n - O r a a n i s a t i o n e n hier erörtert wer­den soll, ist hinzuweisen auf die Gründung solcher in folgen­den Gewerben: Dachziegelsabrikation, Werkzeug- und Werkzeugmaschinenhandel, Fabrikation holzfreier und fett­dichter Papiere; ferner auf die Gründung eines Verbandes zum Schutze des deutschen Grundbesitzes und Realkredits und auf den Zusammenschluß der Holzhändlerverbände der mittelrheinischen und rheinisch-westfälischen Gruppe. Auf­gelöst haben sich die Kalkverkaufsstelle in Frankfurt a. M. ' und die Vereiniauno der Vuchdruckereibefitzer von Hanau.

4. März

Schließlich werfen wir noch einen Blick auf das Gebiet der S o z i al p o l i t i k. Im letzten Jahresbericht versuch­ten wir einen Ucberblick darüber zu geben, wie in Deutsch­land nach Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung diese Fürsorgegesetzgebung am weitesten von allen Kultur­staaten ausgebaut sein würde. Heute möchten wir ergän­zend einige,, dem Reichsarbeitsblatt entnommene Ziffern anführen. Die Krankenversicherung erstreckt sich: in Deutschland auf etwa 33 Proz. der Bevölkerung

England

ff

ff

30

ff

ff

Dänemark

ff

ff

24

ff

ff

ff

ff

der Schweiz

ff

ff

21

ff

ff

ff

ff

Norwegen

ff

ff

17

ff

ff

ff

ff

Frankreich

ff

ff

13

ff

ff

ff

Oesterreich

ff

ff

12

ff

ff

ff

ff

Schweden

ff

ff

11

ff

ff

ff

ff

Holland

ff

ff

8

ff

ff

ff

ff

Belgien

ff

ff

6

ff

ff

ff

ff

Ungarn

ff

ff

4

ff

ff

ff

ff

.Italien

ff

ff

3

ff

ff

ff

Die Unfallversicherung umfaßt in Deutschland 37 Proz. der Bevölkerung, in England 29 Proz., in Oester­reich 11 Proz.,, in allen anderen Ländern weniger. Auch bei der Invaliden- und Altersversicherung steht Deutschland mit 24 Proz. obenan. Im Jahre 1910 wurden an Krankengeld gezahlt:

in Deutschland

357,4 Millionen Mark

Oesterreich

56,2

ff

ff

Frankreich

24

ff

ff

Ungarn

14,3

ff

ff

Italien

4

99

99

Belgien

3,6

ff

»

Im Jahre 1911 wurden auf Grund der gesetzlichen Unfall­versicherung gezahlt an Entschädigungen:

in Deutschland 164,4 Millionen Mk. an 907 917 Verletzte in Oesterreich 17,3 Millionen Mk. an 75 189 Verletzte in Frankreich 1,3 Millionen Mk.

Nirgends ist jedenfalls der Versicherte so gut gegen die Be­rufsgefahren pekuniär gesichert wie im Deutschen Reich. Es entfallen durchschnittlich auf einen Erkrankten:

Deutschland Ungarn Frankreich Belgien Italien Oesterreich

rn in in in in in

62,70 Mk., d. h. pro 44,30 Mk., d. h. pro 40, Mk.,

36, Mk.,d.h.pro

32, Mk.,

31,20 Mk., d. h. pro

Krankheitstag 3,20 Mk.

Krankheitstag 2,60 Mk.

Krankheitstag 1,60 Mk.

Krankheitstag 1,80 Mk.

Zugleich ergibt sich vergleichsweise aus diesen Ziffern, um wieviel stärker bei uns das U nter n eh mertum in Industrie und Handel belastet ist, als in den anderne Kulturstuaten. Nun kommt noch die A n g e st el l- ten-Versicherung hinzu, welche bereits im ersten Jahre eine Beitragssumme von rund 150 Millionen Mark erforderlich machen wird und von Jahr zu Jahr entsprechend mehr durch das Anwachsen der Versichertenzahl und die Steigerung der Gehälter, sodaß nach Ablauf der ersten 10 Jahre die Re'chsversicherungsanstalt für Angestellte über ein Vermögen von schätzungsweise 2,5 Milliarden Mark verfügen wird. Diese Summe muß zu 25 Proz., also mit etwa 600 Millionen Mark in Reichs- und Staatsanleihen angelegt werden, während der Rest von fast 2 Milliarden Mark voraussichtlich in der Hauptsache für Hypotheken Ver­wendung finden wird. Auf dem Kapitalmärkte mag eine solche enorme Ansammlung verfügbarer Gelder immerhin fühlbare und willkommene Erleichterungen bringen. Aber bestehen bleibt auf der anderen Seite doch auch die Tatsache, daß jährlich mindestens 150 Millionen Mark aus den Taschen der Unternehmer und Angestellten, d. h. also aus der unmittelbaren Betätigung zum Sparen, Verbrauchen oder Verwerten herausgezogen werden.

Wir weisen zur Bemessung dieser Jahresbeitragssumme von 150 Millionen und der übrigen Versicherungsbeiträge beispielsweise darauf hin, daß den öffentlichen deutschen Sparkassen im Jahre 1910 an neuen Einlagen 4,195 Milli­arden Mark zuflossen und 3,615 Milliarden Mark. durch Rückzahlungen entzogen wurden, d. h. sich bei ihnen eine Nettozunahme an Guthaben von wir dürfen in diesem Zusammenhang wohl sagen auch nur etwa 580 Millionen Mark ergab. Wir wollen hiermit zeigen, welch erheblichen Eingriff in die Volkswirtschaft im ganzen und in viele Tausende von Einzelwirtschaften die Belastung bedeutet, welche nach dem gegenwärtigen Stande unserer sozialen Versicherung die erforderlichen Veitragsleistungen mit sich bringen.

Stets haben wir den Standpunkt vertreten, daß ein u n» schätzbar er Segen für unser Volksganzes ausdiesem gewaltigen Fürsorgewerk hervor- auellen muß. Aber angesichts des überaus raschen Aus­baues aller seiner Teile und andererseits mit Rücksicht auf die internationale Konkurrnzfähigkeit unserer Industrie müssen wir heute doch denjenigen Recht geben, welche sich zu dem wohlgemeinten Rat für verpflichtet halten, man möchte in dem Tempo der sozialpolitischen Maßnahmen nunmehr bei uns mehr Maß halten.

Wir wiesen schon weiter oben auf die Gefahr erheblicher Störungen und nachhaltiger Schädigungen hin, welche beilängererDauerderpolitischenUnsicher- h e i t herbeigeführt werden würden, und ein Blick auf unsere Hanauer Edelmetallwarenindustrie z. B. zeigt uns, daß ihr, die als Luxusbranche in kritischen Zeiten natürlich besonders empfindlich ist, ein Teil des Weihnachtsgeschäfts bereits verloren gegangen ist und man auch ernstlich für ihr Frühjahrsgeschäft fürchten muß. Schon jetzt arbeitet sie teilweise mit verkürzter Dauer, und die daraus sich ergeben­den Lohnausfülle wirken wieder auf andere Gewerbezweige recht fühlbar zurück, sodaß eine Branche nach der anderen hier in die Folgeerscheinungen des Valkankrieges hinein- gezogen würde.

Nicht anders, nur an Umfang unS Intensität ungleich