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Rotationsdruck und Verlag der Duchdruckerei der
Amtliches Gegs» für Stadt- nutz Faadkreis Hanau.
verein, ev. Waljenhaujes in Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: ©, Schrecker in Hanau.
Nr. 53 Kkr»spreck,a»k<I,l«b Nr. 230.
Dienstag den 4. März
Ferttsprecharrschlnsr Nr. 2.30,
1913
Sie Wise Kummer umW außer dem HnWungÄt 14 Seiten.
Amtliches.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß Wartegelder, Pensionen- und Waisengelder und Witwen- und Waisenrenten, sowie Witwenpensionen und im voraus zahlbare Unterstützungen und Erziehungsbeihilfen innerhalb des Deutschen Reiches im Wege des Postanweisungsverkehrs ohne Monatsquittungeg bezogen werden können, sofern die Zahlung an die Bezugsberechtigten selbst — nicht an einen Dritten (Vormund, Pfleger, Bevollmächtigten) zu erfolgen hat. Bei Waisengeldern gilt hierbei die witwengeldberechtigte Mutter als bezugsberechtigt.
Gleichzeitig wird zur Erleichterung des Zahlungsverkehrs und zur Vermeidung größerer Barbestände in eigener Verwahrung darauf aufmerksam gemacht, daß diese Bezüge auch im Reichsbankgiroverkehr durch Ueberweisung auf das eigene oder auf ein fremdes Girokonto geleistet werden können.
Die Zusendung oder Giroüberweisung erfolgt nur auf schriftlichen Antrag des Berechtigten.
Formulare zu diesen Anträgen werden bei den zahlenden Kassen unentgeltlich verabfolgt.
Cassel den 7. September 1908.
Königliche Regierung.
Schenk.
Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.
In der Gemarkung Kesselstadt sind folgende Grundstücke :
Karte 2 Nr. 3 Abt. 13 „ 7 „ 28 „ 8 „ 7 „ 28 „ 9 „ 16 Parz. 1 Nr. 17 pachtfrei geworden.
Termin zur Neuverpachtung wird anberaumt auf Donnerstag den 6. März 1913, nachmittags 3 Uhr, in dem Geschäftslokal des Bezirksvorstehers zu Hanau- Kefselstadt, Hauptstr. 3.
Pachtliebhaber werden hierzu eingeladen. Hanau den 3. März 1913. 5791
Stadthauptkafse.
Ausschreiben.
Der Bedarf an Lebensmitteln, wie Fleisch, Brot, Milch, Butter und sonstigen Bedürfnissen, wie Kolonialwaren,
Kime Gtinimiwö an meine SAMre in Oer elemal. ReatsAie in Mm. 1852 n. 1853.
Zur Jahrhundertfeier der Oberrealschule.
Von Pfarrer Hufnagel, KesselZadt.
Mit meinem vollendeten 11. Lebensjahre hatte ich unter väterlicher Leitung das Ziel der heimatlichen Dorfschule völlig erreicht. Daher wurde in meiner Eltern Rat beschlossen, mich für die nächsten Jahre wenigstens bis zur Konfirmation und der entscheidenden Berufswahl, der Hanauer Realschule zuzuführen. Mein Vater war ehemals selbst Schüler dieser Anstalt, etwa um 1830, gewesen und hat ihr für sein ganzes Leben ein dankbares und freundliches Gedenken bewahrt. Auch der Sohn sollte dem Beispiel des Vaters folgen.
So trat ich denn am 1. Montag nach Ostern 1852 „dahinten am Johanneskirchplatz" zagenden Herzens an, um '"ich dem 1. Examen in meinem Leben zu unterziehen. Unter der freundlichsten Zusprache des prüfenden Lehrers, des alten, würdigen Kirchverwalters Rühl, bestand ich das Examen und wurde in die Schülerzahl der 4. Klasse einge- reiht. Eine Schwierigkeit für mich, um in der Klasse mit- fortzukommen, galt es jedoch noch zu überwinden. Mir mangelten für diese Klasse jegliche Vorkenntnisse in der französischen Sprache. Diesem Mangel mußte baldmöglichst abgeholfen werden. Die Schule half mir freundlichst und in entgegenkommendster Weise dazu. Schon mit Beginn des Wintersemesters konnt ich nach vollständiger Durcharbeitung des „kleinen Ahn" am französischen Unterricht meiner Klasse n™t Erfolg teil- und gleich den anderen Schülern das französische Lesebuch von Lüdeking in Gebrauch nehmen. Das Hauptverdienst dabei gebührte unserem lieben, alten Lehrer Henni n g, der sich ganz außerordentlich um meine Förderung bemühte. Ihm besonders bewahre ich rwch heute ein
Seife usw. für das städtische Pflegshaus für die Zeit vom 1. April 1913 bis 31. März 1914 soll vergeben werden.
Angebote sind bis zum 19. März d. J., vormittags 10 Uhr, im Zimmer Nr. 2 des Armenamtes, Rathaus, Langstr. 43, abzugeben, wo auch die Lieferungsbedingungen in der Zeit von 8 bis 12 Uhr vormittags aufliegen.
Im laufenden Jahre betrug der Verbrauch des Pflege- Hauses u. a. etwa 7000 Laibe Brot zu 1,125 Kilogr., 18 000 Brötchen, 430 Kilogr. Ochsenfleisch, 70 Kgr. Kalbfleisch, 340 Kgr. Schweinefleisch, 20 Kgr. Speck, 620 Kgr. verschiedene Wurstwaren, 140 Kgr. Schmalz, 100 Kgr. Nierenfett, 85 Lungen, 330 Kgr. Mehl, 70 Kgr. Erbsen, 60 Kgr. Linsen, 40 Kgr. Bohnen, 190 Kgr. Kaffee, 190 Kgr. Malz, 160 Kgr.
Nudeln, 90 Kgr. Reis, 50 Kgr. Eries, 35 Kgr. Hafergrütze, 50 Kgr. Graupen, 25 Kgr. Sago, 35 Kgr. Grünkern, 80 Liter Essig, 55 Liter Speiseöl, 190 Kgr. Zucker, 4225 Liter Milch, 275 Kgr. Salz, 90 Kgr. Backobst, 430 Kgr. Butter, 4,500 Kgr. Tee, 40 Kgr. weiße Schmierseife, 90 Kgr. gelbe Schmierseife, 200 Kgr. Schmierseife. 55 Kgr. Soda, 400 Liter Petroleum, 100 Dosen Schuhfett, 35 Dosen Putzpomade, 850 Eier, 1550 Handkäse, 7000 Kgr. Limburger- und Edamer-Käse.
Hanau den 22. Februar 1913. 5777
Der Magistrat.
Glaser.
Handelsregister.
Offene Handelsgesellschaft in Firma
„Carl Lucht" mit dem Sitze in Hanau.
Der Diplomingenieur C a r l L u ch t jr. zu Hanau ist in das bisher von dem Dachdeckermeister und Installateur Carl Lucht fr. zu Hanau als Einzelkaufmann geführte Geschäft als persönlich haftender Gesellschafter eingetreten. Die Gesellschaft hat am 1. Januar 1911 begonnen.
Die dem Diplomingenier Carl Lucht jr. erteilte Prokura ist erloschen.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts, Abt. 6, in Hanau vom 28. Februar 1913. 5713
Handelsregister.
Firma: Carl Bahner in Hanau.
Das Geschäft ist auf den Kaufmann Ferdinand Schneider in Hanau übergegangen, welcher es unter der Firma:
„Carl Bähner Nachf. Inhaber Ferd. Schneider" fortführt.
Eintrag des Königlichen Amtsgerichts, Abteilung 6, in Hanau vom 27. Februar 1913. 5711 dankbares Herz für sein liebevolles Interesse, das er an mir nahm.
Die Organisation der Realschule bestand damals in zwei Vorschul- (Elementar-) und 6 Realklassen. In der 6. Klasse wurde mit dem französischen, in der 4. mit dem englischen Unterricht begonnen; der mathematische Unterricht in Geometrie erfolgte erst in der 3. und Algebra in der 2. Klasse. Besonderer Wert wurde auf einen tüchtigen Unterricht im Deutschen gelegt, welchen der damalige Inspektor Dr. Herwig hervorragend pflegte. Es herrschte in der Anstalt ein freudiger Arbeitsgeist unter Lehrern und Schülern, und ein tadelloser Geist der Zucht und Ordnung, des Fleißes und ernsten Strebens zeichnete alle aus. Eine mit Ernst gepaarte Milde in der Erziehung seitens der Lehrerschaft erzeugte bei den Schülern einen wirklich noblen Ton, im Verkehre sowohl untereinander, wie auf der Straße und im öffentlichen Leben. Daher erfreute sich die Realschule eines guten Rufes in Stadt und Land, und dieser war weithin bekannt.
Man fühlte es an allem klar und empfindsam heraus, daß hier, als im ehemaligen lutherischen Gymnasium, noch ein klassischer Geist lebendig war, dessen stolze Traditionen noch bis zu meiner Zeit sich fortgepflanzt hatten, und von dem Leiter der Anstalt Dr. Herwig, einem hervorragenden Schulmann seiner Zeit, mit Verständnis und Tatkraft weitergepflegt wurden. Leider wurde Inspektor Herwig f^on im Herbste 1852 abberufen und als Direktor der Realschule nach Cassel versetzt, wodurch eine längere Vakanz in der Leitung eintrat, deren Ende ich aber nicht mehr persönlich erlebt habe, weil sich meine berufliche L"bensbestimmung von 1854 ab nach einer anderen Richtung ausgestaltete, die mich von der Anstalt abführte.
Das hervorragendste Ereignis, welches die ehemalige Realschule im Jahre 1852 ganz besonders und das damalige Hanauer Schulwesen im allgemeinen scharf berührte und die öffentliche Meinung sehr erregte, war die polizeiliche Auflösung der Rödigerschen -Privatschule. Diele Schule aalt
Aufgebot.
Die Ehefrau des Ackermanns Wilhelm Wacker III., Louise Marie geb. Lenz zu Langenselbold, vertreten durch Rechtsanwalt Höfinghoff daselbst hat das Aufgebot folgender angeblich abhanden gekommenen 3l/j°/o Schuld« Verschreibungen der Ständischen Leihbank zu Hanau
1. Lit. £ N. 490 über 200 Mark,
2. Lit C N. 1039 über 500 Mark,
3. Lit. D N. 588 über 300 Mark,
4. Lit. C N. 567 über 500 Mark beantragt. Der Inhaber einer jeden der Urkunden wird aufgefordert, spätestens in dem auf
den 18. September 1913, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer Nr. 13, anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunden erfolgen wird.
Hanau den 17. Februar 1913. 5709
Königliches Amtsgericht, Abt. 2.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Bäckermeisters Bernhard Mayer früher in Langenselbold, jetzt in Offenbach am Main, ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf
den 1. April 1913, vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hierselbst bestimmt.
Langenselbold den 2. März 1913. 5769
Königliches Amtsgericht.
®eii*ne miß Btriorene Seoenltiiniie it.
Gefunden: 1 goldener Kneifer mit Etuis mit der Aufschrift Schlesicker-Ströhlein, Frankfurt a. M., Kaiserstraße 17, 1 Eliederarmband mit 3 Steinchen, 2 Schlüssel am Scharnier, 1 Brille, 1 dunkelbrauner Kindermuff.
Geländet aus dem Main: 1 Wagen.
Verloren: 1 Blusennadel in Herzform mit kleinen Brillanten und Perlen besetzt, 1 Portemonnaie mit etwa 10 Mk., 1 goldene Halskette mit rundem Anhänger, 3 Schlüssel an einer Schnur.
Zugelaufen: 1 kleiner brauner Dachshund m. Geschl.
Hanau den 4. März 1913. damals allgemein als eine Konkurrenzanstalt gegen die staatliche Realschule und war von den Söhnen der Bürgerschaft außerordentlich stark besucht.
Der Hanauer Chronist schreibt über den Vorgang der polizeilichen Auflösung: „Die Schule des Herrn Rödiger wurde auf Anordnung des Ministeriums des Innern am 23. November 1852, vormittags 9% Uhr, polizeilich geschlossen" und bemerkt noch weiter dazu: „Herr Rödiger, welchem ein Reisepaß von der hiesigen Behörde verweigert wurde, weil er wegen der Badischen Volksbewegung in Untersuchung steht, hat sich am 6. Dezember d. J. von hier heimlich entfernt und ist nach Genf in der Schweiz gereist."
Dieses in der Hanauer Schulgeschichte einzig dastehende Ereignis habe ich miterlebt. Es war, wenn ich^nicht irre, an einem Freitag, daß wir nachmittags von 2—3 Uhr englischen Unterricht haben sollten. Die Unterrichtsstunden in unserer Schule hatten schon längst begonnen, aber unser Lehrer, Mister Hammerschmidt, war noch nicht da. Wir waren das von ihm sonst nicht gewöhnt. Da uns anderseits keine Mitteilung über seinen Verbleib gemacht worden war, so schickten wir einen Kameraden namens «chüfer in die Wohnung des Lehrers, um ihn zu rufen.
Schäfer kehrte alsbald atemlos zu uns zurück und meb bete die Vorgänge, die sich soeben in der Rödigerschule bei ihrer polizeilichen Auflösung abgespielt hätten; die Schuler seien nickt aus ihren Klassen gewichen und diese gatten von der Polizei mit Waffengewalt geleert werden müssen. Diese Nachricht verbreitete sich alsbald unter den Lehrern und Schülern unserer Schule und verursachte eine derartige Jlui regung daß es mit der Weiterführung des Unterrichts an diesem Tage vorbei war. Die gleiche Aufregung herrschte auch in der Stadt und bildete wochenlang, meist mit erfundenen Schauermären vermischt, das Tagesgespräch.
Dieses Ereignis bedeutete für die ehemalige Realschule einen neuen und wichtigen Abschnitt in ihrer Entwicklung. Mit dem Schulbeginn nach Neujahr 1853 trat der bei