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Avtattonsdruck und Verlag der Buchdruckerei Eef verein, eo. Watsenhausts in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Vezugoprew, vierteljährlich 1.80 Mk^ monatlich 60 Pfg^ für Post, bezug vierteljährlich 2.10 ML, monatlich 70 Pjg, Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.
verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanan.
Ri. 50 Kernspr-chanschlutz Nr.
Freitag den 28. Februar
230.
Fcr»iprccha»schl<ch Nr. 230. 1913
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14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.
Die auf heute nachmittag 5 Uhr anberaumte öffentliche Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung findet nicht statt.
Hanau den 28. Februar 1913.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
I. V.: Schroeter.
Dienstnachrichten.
Die Landwirte und Weißbinder Leonhard Peter 3r und Wilhelm Noll in Oberrodenbach sind zu Ortsschätzer-Stellvertretern der Gemeinde Oberrodenbach bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 27. Februar 1913. V 1183H
Unter dem in Frankfurt a. M.-Praunheim, Gräbe- straße 14, untergebrachten Schweinebestande des Karl Krämer zu Frankfurt a. M., Basaltstraße 17, ist die Schweinepest und Schweineseuche festgestellt worden.
Hanau den 27. Februar 1913. V 1445
SeMM M verlorene eegeultänäe et.
Gefunden: 1 Päckchen mit 3 weißen einfachen und 2 Stehumlegekragen, 1 Schlüsselring mit 2 kleinen Schlüsseln (der eine mit Nr. 12 gezeichnet), 1 gelber Perlen-Rosenkranz.
Verloren: 1 Safe-Schlüssel Nr. 14 und Fabrik- Nr. 12854, 1 Portemonnaie mit einem Zehnmarkstück.
Entlaufen: 1 junger weißer Foxterrier m. Geschl. mit braunem Kopf und schwarzem Schwanz.
Politische Rundschau.
Größere Truppenübungen im Jahre 1913. Das Kaisermanöver findet vom 10. bis 12. September beim 5. (Posen) und 6. Armeekorps (Schlesien) statt. Diese beiden Korps erledigen vorher vier bis fünf Tage Brigade- und Divistonsmanover und zwei bis einen Tag Korpsmanöver oder Manöver der Divisionen gegen markierten Feind. Die Paraden finden statt: des 5. Armeekorps am 26. August bei Posen, des 6. Armeekorps am 29. August bei Breslau. Eine wichtige Aenderung gegen früher bedeutet die Bestimmung, daß bei acht preußischen Armeekorps (Garde, 1., 3., 10., 16., 18., 20., 21.) und wahrscheinlich auch beim Sächsischen und Württembergifchen Kontingent Manöver im Korpsverbande gegen markierten Feind unter Leitung des
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Ein zahlreiches Publikum hatte sich gestern abend im Saale der „Cenlralhalle" eingefunden, woselbst Frau Frieda Appel-Schultz, unsere einheimische Sopranistin, ein Konzert gab. Die 11 Lieder rc., welche die Konzertgeberin bot, bildeten eine Perlenschnur mit herrlichen Kleinoden. Hierbei hatte die Sängerin Gelegenheit, den Glanz und die Schönheit ihrer prächtigen, vorzüglich geschulten Sopranstimme zu zeigen. Zartester Duft süßesten Wohlklangs lag über den zur Darbietung gekommenen Gesängen, besonders wohlgelungen und packend war „Ave maria" von Joh. Seb. Bach-Gounod (mit Klavier-, Cello- und Harmoniumbegleitung). Die Liedauswahl war eine recht glückliche, alle Vorträge der geschätzten Künstlerin begegneten großem Interesse und fanden lebhaften Beifall. An diesem Konzertabend beteiligten sich als Mitwirkende die Herren Heinrich Appunn (Cello), Chr. Gerb. Eckel, Frankfurt (Klavier», Konzertmeister Herm. Hock, Frankfurt (Violine) und Karl Fr. Appel (Harmonium), wodurch die Veranstaltung einen vielseitigen Genuß vermittelte, der dauk- bcn ausgenommen wurde. Den Konzertflügel wie auch das Harmonium hatte das Hof-Pianofortelager August Kraushaar in Hanau zur Verfügung gestellt.
M MmmmO. Von Mra Forst.
Der lange trübe Stadtwinter läßt uns leicht die lebendige Fühlung mit der Natur verlieren. Aber nun ist es Februar, der Monat, der bei uns schon Taae des allerersten
Generalinspekteurs einer Armeeinspektion stattfinden. Durch diese Maßnahme wird die Stellung der Armeeinspekteure, unserer Armeeführer im Kriege, wesentlich mehr als bisher in den Vordergrund gerückt. Sowohl für die die Aufgaben stellenden Generalinspektcurc wie für die führenden kommandierenden Generale wird diese Neuerung, die dem Ernstfälle Rechnung trägt, außerordentlich lehreich werden, denn der Kampf des Armeekorps im Rahmen der Armee wird im Zukunftskriege die Regel sein. Die diesjährigen Bestimmungen schreiben weiter vor, daß bei allen Armeekorps — mit Ausnahme des 5. und 6. — zwei- bis dreitägige Korpsmanöver stattzunnden haben; auf diese Tage kommt der erwähnte Kampf gegen markierten Feind in Anrechnung.
Der Zar will die Romanow-Feier durch eine Freuden- und Glücksbotschaft an sein Volk und eine umfassende Amnestie begehen.
Der russische Ministerrat hat die von den Kadetten eingebrachten Gesetzentwürfe über die Vereins- und Versammlungsfreiheit, die Unantastbarkeit der Person und die Reform der Wahlen zur Reichsduma für unannehmbar erklärt.
Die Vorgänge in Mexiko. Präsident Huerta übermittelte dem eigens für den Zweck zusâmmeugetretenen Abgeordnetenhaus ein von ihm entworfenes Amnestiegesetz, das für alle eines politischen Vergehens Beschuldigten gelten soll, die sich innerhalb 15 Tagen nach dem Erlaß den Behörden stellen. — General Felippe Angeles ist zum Militärattachee der mexikanischen Gesandtschaft in Brüssel ernannt worden, während Oberst Viktor Hernandez in gleicher Eigenschaft nach Paris geht.
Die Balkankrifis.
Die allmähliche Entspannung.
London, 27. Febr. Das Reutersche Bureau erfährt aus diplomatischen Quellen, daß die Lage hinsichtlich Albaniens augenblicklich folgende ist: „Obgleich ein Einverständnis unter allen Mächten über die Hauptfragen der Abgrenzung Albaniens in Aussicht steht, macht es doch die Fortsetzung des Kriegszustandes, besonders die Kriegslage um Skutarr augenblicklich sehr schwierig, endgültige formelle Entscheidungen zu treffen. Sobald der Friede einmal geschlossen ist, werben die Erörterungen der letzten Wochen und die dabei gemachten Vorschläge, welche schon eine wesentliche Entspannung herbeigeführt haben, wahrscheinlich sofort zu einer freundschaftlichen Regelung führen. Trotz des Geistes der Versöhnlichkeit und Solidarität, von denen die Mächte bei diesen Verhandlungen Beweise gaben, darf man nicht erwarten, daß eine grundsätzliche Uebereinstimmung hinsichtlich bestimmter Teile Albaniens sich in formelle entscheidende Verabredungen umsetzt, bevor die Lage, welche durch die Fortsetzung des Krieges geschaffen ist, einen weniger unsicheren Charakter annimmt".
Noch keine Demobilisation.
DT. Paris, 27. Febr. Nach einer Petersburger Meldung des „Temps" ist es trotz der in Wien abgegebenen Ver- sehnsüchtigen Tiefatmens kennt —: „Riecht die Luft nicht schon — nach Frühling?"
Nun ist heut ein Tag gewesen, klar und doch leise verschleiert wie ein Madonnenlächeln, wie das unsäglich weiche Lächeln der Madonna, die geweint hat . . . Aber nun kann sie viel tiefer und reiner lächeln, weil sie Tränen kennt. Nun legt sich die Ruhe auf ihr Haupt und auf ihre Augen. Cie sitzt auf einem Baumstumpf am Waldrand. Neben ihr reißt der angeschwollene Bach Schollen aus dem Lehmboden los. Ungeduld, wilde Ungeduld gurgeln und rauschen die trüben Wellen. Und vor ihr liegt das Wiesenland; um die Tümpel herum, die in mattem Metallglanz den Himmel spiegeln, hat das Herbstgras einen rostbraunen Schimmer — das gibt den einzigen lebhaften Ton vor dem blauvioletten Walde und dem weichen Weißgrau und blaffen Karmin des Westhimmels. Ganz ruhig ist die Silhouette des Hintergrundes — die breite Mauer eines Parks, aus dessen Wipfel- massen einzelne Steineichen schlanker aufstreben, und weiter die hinter dem Wiesenland im Winkel zusammenrückenden ferneren Waldsäume.
Die blaffe, schöne Frau sitzt in ihrem ruhevollen Schauen. Ueber ihr in den hohen Eichenkronen zwitschert ein Vogel- stimmchen gan zleise. Ganz zart — „Ziewiep, Ziewiep —". Der kleine Vogel denkt an den Frühling, an grünes, dichtes Sommerlaub und an ein Nestchen mit fünf kleinen Eiern in einer Schlehdornbecke. Die schöne, heilige Mutter lächelt.
Die braune Ackererde liegt und strömt kräftigen Duft aus und begehrt, aus allen feuchten, schweren Schollen atmend, nach Keimen, nach Samen, nach zarten kleinen Würzelchen, die sie nähren will mit den Lebenssäften all ihrer geheimen Adern und Quellen. Sie liegt und dehnt sich förm-
sicherung, demobilisieren zu wollen, noch nicht gewiß, o^ Rußland mit sofortiger Demobilisierung antworten wird. Diese soll von der Art der österreichischen Demobilisierung abhängig gemacht werden. Vermindere Oesterreich seine in Galizien zusammengezogenen Truppenmassen, so halte Rußland diese Maßnahme für nicht genügend, um den Jahrgang zu entlassen, den es über die Zeit hinaus unter den Fahnen behalten hat. Die russischen Maßnahmen sind vielmehr im Herbste erfolgt, als Oesterreich seine Truppen an der Grenze von Bosnien und der Herzegowina verstärkte, um dadurch in seinem Sinne auf die Regelung der Balkanverhâltniffe einwirken zu können und, erst wenn diese Grenzverstärkungen zurückgezogen werden, dürste Rußland mit der Entlastung des einbehaltenen Jahrganges antworten.
Unstimmigkeiten zwischen den Valkanverbündeten?
DT. Athen, 27. Febr. Der serbische Oberst Pavlowitsch erklärte dem Berichterstatter eines griechischen Blattes: „Griechenland und Serbien, deren Interessen fast indentisch sind, müssen sich in Zukunft gegen einen gemeinsamen verbrecherischen Feind zusammenschließen." Er meint damit offenbar Bulgarien und erzählt, daß Bulgarien den Waffenstillstand von Tschataldscha abgeschloffen habe, weil die Mehrzahl der bulgarischen Geschütze infolge der starken Regengüsse in dem aufgeweichten Boden eingesunken seien. Die bulgarischen Unterhändler hätten einen anderen Ort für di« Besprechung mit der Türkei gewählt, um dies Mißgeschick nicht bekannt werden zu lassen. Dies erkläre auch das bul- garische Entgegenkommen gegenüber den Türken.
Die Türkei und England.
Konstantinopel, 27. Febr. In einer Besprechung der Frage der Inseln betont der „Tanin", daß England nicht nur gemeinsam mit den anderen Großmächten, sondern auch allein durch den Zypern-Vertrag die Integrität des türkischen Reiches in Asien garantiert habe. Da die Inseln des Archipels dem astatischen Kontinent angehörten, so müsse England jetzt diesen Vertrag anwenden. Das Blatt weist auf die türkenfeindlichen Demonstrationen Englands hin, wie zum Beispiel auf die Entfernung der türkischen Fahne auf Kreta und deren Ersetzung durch die griechische.
Aus aller Wett.
Gattenmord und Selbstmord aus finanziellen Schwierigkeiten. Der bei der galizischen Karpathen- Petroleum-Aktiengesellschaft in Wien angestellte Fabrik- direktor Banting erschoß heute nachmittag seine Frau und dann sich selbst mit einem Jagdgewehr. DaS Motiv der Tat scheint in finanziellen Schwierigkeiten begründet zu sein.
Schiffsuachrichten.
Hamburg, 21. Febr. Der Dampfer „Graf Waldersee" von der Hamburg - Amerika - Linie ist gestern in Philadelphia und der Dampfer „Patagonia" vorgestern in St. Thomas eingetroffen.
lich vor frischester Kraft, vor gewaltigem, lebensstarkem, lebenspendendem Mutterwillen.
Die große Mutter, die Königin der Schmerzen, die Königin der reinsten Liebe sitzt in all der Sehnsucht nach Werden, die rings um sie ist, und lächelt.
Ich gehe heim mit einer tiefen Ruhe in mir. Heim durch den weichen Abend, die violette Luft, unter dem dämmernden, reichgetönten Himmel. Wie Du heilst, Natur. Wie Du kühlst. Wie Du Ruhe gibtst, Ruhe.--- JO. fühle nur halb traumhaft, daß ich einen Körper habe. Die El.^er machen ihre Bewegungen wie schwebend. Ich fühle nur den weichen Rhythmus, der in diesem Abend, dieser Luft, dreien
Farben und Tönen ist. — . .
Dann schaue ich mir die Menschen an, die mir auf x baumbestandenen. Straße nach der Stadt begegnen. Au ) re einfachen Naturen fühlen instinktiv die Harmonre dre,ev Abends. Die Arbeiter gehen gemächlich, vor sich Ijinjummenb oder mit leisem Pfeifen fährt, immer langsam, ern Radler vorbei Vor einem Hause steht ein Trupp Mädchen, . $ 3 lauschend, wie die langgezogenen Töne einer Flöte rn den Abend hinausziehen. Der Spieler übt nur, es rst durchaus nichts künstlerisch Vollendetes, aber dre einfachen Mädchen- Herren soüren es daß eben diese Tone in dreien Abend hineinpaffen. Kein rohes Wort, kein lauter Zuruf kling unter den Leuten auf, die aus Fabrik und Ke^chaft heim kehren. Der weiche Abend hüllt sie alle in ferne Schierer, das Madonnenlächeln ist über ihnen allen. °