Erstes Blatt.
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Ilotattonsdrvck und Verlag der Buchdrucker«! der verein, ev. Watfenhaufeg in Hanau.
Amtliches Orga« für Stadt- Md Faadkleis Kavan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugsprei-r
Vierteljährlich 1.80 Mt., monatlich 60 Pig., für Vo,r< bezug vierteljährlich 2.10 Ml^ monatlich 70 Pfg Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg,
Verantwort!. Nedakteur: E. geredet in Hanau
Nr. 45
^ernsprechattschlus! Nr
230
Samstait bcii 22. Fcbrnar
Fernf^rechattschluf; Nr. 230
1913
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18 Seiten.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Infolge anderweiter Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne wird unsere Bekanntmachung vom 28. März 1904 über die Höhe der Beiträge zur Invalidenversicherung für den Stadtkreis Hanau-Stadt geändert wie folgt:
Vom 1. Januar 1913 ab.
9. Alle in der Land- und Forstwirtschaft tätigen Personen, welche keiner der vorgenannten Krankenkassen angehören :
ä) männliche über 21 Jahre Beitragsmarken der Lohnklasie IV zu 40 Pfg.
b) weibliche über 21 Jahre Beitragsmarken der Lohn- klasse III zu 32 Pfg.
c) männliche von 16 bis 21 Jahren Beitragsmarken der Lohnklasie III zu 32 Pfg.
d) weibliche von 16 bis 21 Jahren Beitragsmarken der Lohnklasie III zu 32 Pfg.
Wenn im voraus für Wochen, Monate, Vierteljahre oder Jahre eine feste bare Vergütung vereinbart ist, so sind Beiträge derjenigen Lohnklasie zu entrichten, in deren Grenzen die bare Vergütung fällt, sofern diese Beiträge höher sind, als die nach der vorstehenden Bekanntmachung maßgebenden. — § 1247 d. R.-V.-O.
Cassel den 20. Januar 1913.
Der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nasiau. Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Landeshauptmann.
Stadtkreis fianau.
Bekanntmachung.
Aus der Boehm'schen Stiftung ist ein Stipendium zwecks künstlerischer Fortbildung zu einem Aufenthalte in Italien für das Jahr 1913 zu vergeben. Berücksichtigt werden sollen in erster Linie talentvolle Kunstgewerbler, ferner Maler und Bildhauer. Die Bewerber müssen Angehörige der Königlichen Zeichenakademie in Hanau sein oder gewesen sein. Bewerbungen sind unter eingehender Darlegung des Bildungs- gang-s mit einem kurzen Lebenslauf bis zum 15. März 1913 bei uns einzureichen.
Hanau den 13. Februar 1913. 4977
Das Kuratorium der Boehm'schen Stiftung.
Dr. Gehe sch us.
Stadttheater in Hanau.
„6in Walzertraum."
Operette in 3 Akten von Oskar Strauß.
Wer hatte das früher für möglich gehalten: es gibt Operetten, die an den vielen Wiederholungen zu Grunde gehen; und wenn sie einmal wieder in Erinnerung an die ungeheuren Anfangserfolge zu einem kurzen Scheinleben erweckt werden sollen, dan merff man plötzlich, daß das Beste daran wegwiederholt ist und her Rest guckt einem etwas triste und hohlwangig an. So ist's auch dem einst weltbeherrschenden „Walzertraum" ergangen, der uns am Donnerstag nochmals mit zwei Gästen serviert wurde, „zum voraussichtlich letzten Male", wie es melangolisch in der Vornotiz hieß. Als „Lothar" gastierte Herr Noseda vom Stadttheater in Konstanz auf Engagement. Der Herr verfügt wohl über jene trockene Komik, die nie die Distanz von ihrem Gegenstand verliert, dürfte aber sonst weder die erforderlichen äußeren noch künstlerischen Qualitäten besitzen, um ein Engagement wünschenswert zu machen. Der zweite Gast, Herr Aue vom Operettentheater in Wiesbaden, der unver- ständlicherweise für das Fach eines Cbaraenspielers in einer Bufforolle gastierte, wußte mit der Partie des „Montschi" wenig anzufangen, obgleich man den „Anfänger" deutlich genug spürte. Auch sonst war die Vorstellung nicht gerade herzerguickend. Zum Glück spielte diesmal wenigstens Fräul. Harves wieder die Partie der „Franzi", und zwar wie wir es von der beliebten Künstlerin gewohnt sind, mit so viel frischer Lebendigkeit und Anmut, daß die öfter in Gefahr befindliche Stimmung gerettet wurde.
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Bekanntmachung.
Am Donnerstag den 27. d. Mts., vormittags 10 Uhr, findet im unteren Saal des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Kaufmannsgerichts statt.
Hanau den 20. Februar 1913. 4897
Der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts.
J. D.: Bartmuß.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: 2 Fahrburschen, 3 Hausburschen, 1 Schreiner, 2 Schuhmacher, 6 Taglöhn'er.
Gesucht werden: 1 Bäcker, 1 Damenschneider, 5 Dienstmädchen, 2 Küchenmädchen, 1 Modellschreiner, 1 Putzfrau, 3 Schneider, 1 Diamantschleiferlehrling, 4 Gärtnerlehr- ltnge, 1 Graveurlehrling, 5 Silberarbeiterlehrlinge, 2 Schmiedelehrlinge, 5 Schneiderlehrlinge, 2 Schreinerlehrlinge.
Hanau den 22. Februar 1913. 4979
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Polizeiverordnung.
Auf Grund der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 wird nach Beratung mit dem Gemeindevorstand für den Ee- meindebezirk Rückingen folgende Polizeiverordnung erlaßen :
§1.
Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der Vackordnung vom 12. November 1912 für die Gemeinde Rückingen werden, sofern nicht auf Grund anderer gesetzlichen Bestimmungen höhere Strafen verwirkt sind, mit Geldstrafe bis zu 9 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle eine entsprechende Haft tritt, bestraft.
§2.
Die Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Bekanntgabe in Kras»t. 4911
Rückingen den 23. Februar 1913.
Die Ortspolizeibehörde.
Traudt.
Nutz- und Brennholzverkauf.
Königliche Oberförsterei Wolfgang.
Am Montag den 3. März d. I., von vormittags 10 Uhr ab, soll im Gasthause „Zum Forsthaus" bei Hanau a. M. aus den Jagen 99, 101, 102, 109—118, 120 und der Totalität des Schutzbezirks Lamboybrück verkauft werden:
* Stadttheater. Herr Bruno F. Makay vom Schauspielhaus Frankfurt, welcher für heute abend als „Laertes" verpflichtet war, mußte infolge einer Repertoiränderung absagen. Am heutigen Abend wird deshalb anstatt „Hamlet" die köstliche Schwanknovität „D a s F a m i l i e n k i n d" mit Herrn Direktor Steffter als „K. K. öfter. Oberleutnant Hanslick" gegeben. Da bereits eine größere Anzahl Plätze zu kleinen Preisen verkauft sind, so bleiben diese auch für „Das Familienkind" bestehen; es ist dies also ein günstige Gelegenheit, die lustige Novität kennen zu lernen. Morgen Sonntag abend gastiert im Abonnement A Frl. Anita Franz vom Frankfurter Opernhaus als „Angele" in der Operette „Der Graf von Luxemburg". Das Werk ist von Herrn Direktor Steffter vorbereitet und in den weiteren Hauptpartien mit den Damen Harves und Wald sowie mit den Herren Christean, Hietel und Palitzsch besetzt. — Ein weiteres Gastspiel des Frl. Franz findet am Dienstag als „Eva" in der Operette „Eva, das Fabrikmädel" von Franz Lehar statt.
Homburger Kurhaustheater.
Der „Taunusbote" schreibt: Friedmann-Frederichs reizender Schwank „D a s F a m i l i e n k i n d" fand vorgestern im Kurhauetheater eine sehr glückliche Wiedergabe. Regie und Darsteller wandten restlos ihre Kräfte auf, um eine stilvolle und wirksame Aufführung zu erzielen. Das gelang denn auch in hohem Maße. In der Hauptrolle der pedantischen, sittenstrengen Amalie Wiesenburg entfaltete Franziska Hesse ihr ganzes Können und schuf eine typische Charakterfigur von feinsten Strichen. Walter Brand fand sich in der Rolle des verlodderten Romanschreibers und Lebemenschen ebenfalls gut zurecht und gab mit Alide Ballin, die ihre Partie bis in alle Einzelheiten sauber herausge- arbeitet hatte und mit wohltuender Frische und Natürlichkeit
Nutzholz:
Eichen: 92 Abschnitte Kl. A u. B 2—5 = 86 hu, 6 rm Nutzscheit 2,5 m lang in Rollen,
Rotbuche: 25 Abschnitte K? B 3—5 = 11 hn,
Akazien: 16 Abschnitte Kl. B 3—5 = 5 hn,
Fichten: 55 Bauhölzer 4. Kl. = 8 hn, 324 Stangen 1—4. Kl.,
Kiefern: 83 Sägeblöcke 1.—3. Kl. — 121 hn, 142 Bauhölzer 1.—4. Kl. = 151 hn, 135 rw Nutzscheite in Rollen 1. u. 2. Kl.
Brennholz:
Eichen : 153 rm Scheit, 174 rm Knüppel, 1410 Wellen Reis 2. Kl.,
Buchen: 106 rm Scheit, 35 rm Knüppel, 3270 Wellen Reis 3. und 4. Kl.,
Kiefern : 165 rm Scheit, 200 rm Knüppel, 8050 Wellen Reis 2. und 3. Kl. 4933
Politische Rundschau.
Der Reichstag führte gestern die zweite Lesung des Etats der Reichseisenbahnen zu Ende.
Das preußische Abgeordnetenhaus hat einstimmig endgültig das Wasiergesetz nach den Beschlüssen des Herrenhauses angenommen.
Die Militäroorlage. In parlamentarischen Kreisen verlautet, wie aus Berlin gemeldet wird, daß die neue Militärvorlage dem Reichstage kurz vor den Osterferien zugehen werde und daß ihr noch vor Beginn der ersten Beratung im Plenum eine Vorlage folgen werde, die zur Deckung ihrer Kosten bestimmt ist.
ngc. Von den Höfen. Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe vollendet am Sonntag den 23. Februar sein 30. Lebensjahr. Er ist unvermählt. — Prinzessin Alice von Griechenland, geborene Prinzessin von Battenberg und Gemahlin des Prinzen Andreas von Griechenland wird am Dienstag den 25. Februar 28 Jahre alt. Die Prinzessin hat sich während des Balkankrieges mit großem Opfermut an der Pflege der verwundeten und kranken Soldaten beteiligt. — Wilhelm II., König von Württemberg, vollendet am Dienstag den 25. Februar sein 65. Lebensjahr. — Ferdinand L, Zar der Vulgaren wird am Mittwoch den 26. Februar 52 Jahre alt.
Der Landwirtschaftliche Lokalverein zu Elbing hat folgende Entschließung gefaßt: „Anläßlich der im Land- wirtschaftsratc gehaltenen Rede des Kaisers fühlen wir uns veranlaßt, Herrn Helmuth Sahst folgendes Vertrauensvotum auszustellen : Herr Rittergutspächter Sohst ist seit sechzehn Jahren ordentliches Mitglied des Elbinger Landwirtschaftlichen Lokalvereins und seit einer Reihe von Jahren als stellvertretender Schriftführer Vorstandsmitglied. Dom
spielte, ein höchst amüsantes Geschwisterpaar. Als Heinz Wiesenburg, der Mustetneffe mit dem „reinen" Vorleben, gab Wilhelm Holtz etwas ganz Apartes. In seiner Darstellung lag System und Vertiefung, die ihn lebendig und sympathisch machte. Bruno Palitzsch hatte in der Rolle des heruntergekommenen Barons, der noch immer so sehr am Standesgemäßen hängt, reichlich Gelegenheit, sich auszubreiten und von seinen eigentümlichen Allüren Gebrauch zu machen. Er wirkte diesmal nicht aufdringlich und „gemacht", sondern gab eine sehr humoristische Figur, die höchstens an der allzu großen Schneidigkeit der Sprache etwas litt. Helly Michel konnte als das „sittsame" Varonstöchterlein nicht mehr geben. Ihr Spiel war fein durchdacht und voll Wärme und Anmut. Die Bravourleistung des Abends schuf allerdings Direktor Steff- ter in der sehr grotesk gezeichneten Rolle des „ganz koloffa- len" Oberleutnants Hans lick. Diese so leicht zu Uebertreibungen reizende Partie gab der Künstler mit feiner De herrschung und Gemessenheit und verriet dabei eine ganz erstaunliche Vühnenroutine, die den letzten Schimmer des Nur- Spiels tilgte. Ihm entging keine Pointe, die er nicht ausgenützt hätte. Frischer Humor und heitere Komik sprudelten aus seinem Spiel, sodaß man schließlich hineingerissen wurde in das lustige Milieu. Auch die kleineren Rollen waren mit Anny Melwitz, Emmy Hübner, Fritz Möller und Viktor Deß gut besetzt. So gab es ein flottes Gesamtspiel, dem das vollbesetzte Haus mit immer steigendem Beifall folgte. Direktor Steffter im besonderen durfte sich reichster Anerkennung erfreuen.
Im Hanauer Stadttheater wird e^md dieser Schwank wiederholt.