Erstes Blatt.
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BierteljShrNch 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg., für Post» bezug vierteljährlich 2J0 DIL, monatlich 70 Pfh Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwortl. Redakteur: 6. Schrecker tu Hanau.
Nr. 27 Rmtfo«<f)<inf<w6 Nr. 230. Samstag den 1. Februar Fcr,. sprech», .schlich Nr. 230. 1913
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, 16 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis F)aaau. Bekanntmachung
Die Haushaltspläne:
Pensionskasse für 1913,
Schulhausbaustock für 1913,
Kaserne des Eisenbahnregiments Nr. 3 für 1913,
Kaserne des Eisenbahnregiments Nr. 2 für 1913 und
Außerordentlich für 1913 liegen vom 3. Februar 1913 ab 8 Tage lang zur Einsicht der Eemeindeangehörigen auf Zimmer Nr. 35 des Neustädter Rathauses (2. Obergeschoß) aus.
Hanau den 31. Januar 1913. 3025
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Langenselbold belegene, im Grundbuchs von Langenselbold Blatt 2715 unter lfd. Nr. 2 des Bestands- verzeichnisses zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Maurers Wilhelm Metzler in Langenselbold eingetragene Grundstück:
Krtbl. 24 Nr. 2, Wiese in der Hochstadt, 4,34 ar, 1,60 Tlr. R.-E.
am 4. April 1913, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Langenselbold den 29. Januar 1913. 2973
Königliches Amtsgericht.
Liegen geblieben in der Städt. Badeanstalt am Bangert: 1 Trauring und 1 Vorstecknadel mit Similistein. Abzuholen auf dem Bureau der Armenverroaltung.
Hanau den 31. Januar 1913. 3027
Politische Rundschau.
Mp. Die kommende Heeresvorlage und ihre Geschichte. Die neue umfangreiche Militärvorlage, die bis zur übernächsten Woche an das Reichsschatzamt und alsbald an den Bundesrat zur voraussichtlich sehr schnellen Entscheidung gehn wird, sieht, wie — der „Mil.-pol. Korrespondenz"
Agnes Sorma.
Schon mit 15 Jahren wurde sie am Breslauer Stadt- theater in Kinderrollen verwendet. Ihr erstes Engagement fand sie in Görlitz. Von dort wurde sie nach Berlin gerufen, um als Naive für Newyork zu Direktor Heinrich Conried engagiert zu werden. Allein sie begann während des Probesprechens infolge nervöser Erregung so heftig zu weinen, daß sie als talentlos bezeichnet wurde. Sie erhielt hierauf Engagement in Posen und kam von dort nach Weimar. Hier vollzog sich eine einschneidende Wendung in ihrem Leben. L'Arronge machte zu jener Zeit eine Rundreise durch Deutschland um junge, begabte Schauspieler für das Deutsche Theater zu suchen. Mit sicherem Blick erkannte er das zweifellose Talent der Agnes Sorma und engagierte sie. Im Anfang über die unverhoffte Wendung in ihrem Schicksal überglücklich, befiel sie doch nach reiflicher Ueber- legung vor dem Urteil des streng kritischen Berliner Publikums eine so namenlose Angst, daß sie L'Arronge dringendst bat, den Vertrag rückgängig zu machen. Allein dieser bestand auf seinem Schein, obzwar er nicht weniger als acht Naive zur Auswahl hatte. Ihr Auftreten als „Adelheid" in „Jugendliebe" wurde festgesetzt. Und je mehr Furcht die kleine Debütantin empfand und je fester ihre Ueberzeugung wurde, sie könne und werde vor dem kritischen Urteil Berlins nicht bestehen, desto überzeugter war L'Arronge, durch die Proben in seiner Voraussetzung bestärkt, daß sie voll und ganz genügen würde. Er behielt recht, die kleine Debütantin, die noch niemand kannte und noch niemand gesehen hatte, siegte auf allen Linien. Nachdem Agnes Sorma eine lange Zeit nur die obligaten Lustspielbackfische zugeteilt erhalten hatte, bewies sie durch Verkörperung der „Ophelia" auch ihre Reife für das klassische Drama und von nun an erfaßte sie mit sicheremGriff nebst den sentimentalen Rollen auch die Charakterrollen und war ebenso vortrefflich als Salondame und tragische Heldin wie
zufolge — in Bundesratkreisen verlautet, u. a. auch grundsätzliche Aenderungen in unserer Wehrordnung vor, die eine völlige Umwälzung auf dem Gebiete der Ausbildung bei allen Truppenteilen mit zweijähriger Dienstzeit bedeuten sollen. Der gleiche Plan eines sehr weitgehenden Ausbaues unsrer Wehrkraft bestand bereits für die im Juni 1912 vom Reichstage angenommene Heeresvorlage, ist aber damals an der Kostenfrage gescheitert, die diesmal hundert Millionen weit übersteigen wird, und über die mit dem früheren Reichsschatzsekretär Wermuth keine genügend zeitige Einigung erzielt werden konnte. Da der Kanzler sich erst sehr spät entschloß, sich von dem „starken Manne" seines Kabinetts zu trennen, ist General v. Heeringen gezwungen gewesen, erhebliche Teile der damals schon vom Großen Generalstabe und von den kommandierenden Generälen für notwendig erachteten Forderungen jurückzustellen. Jetzt halten auch Herr v. Bethmann und das Auswärtige Amt einen weiteren Aufschub für nicht länger möglich und mit der „Verschiebung auf dem europäischen Schachbrett" für vereinbar. Alle maßgebenden Stellen sind seit etwa drei Monaten einig, militärischen reinen Tisch auf lange Zeit hinaus machen zu müssen. Trotzdem nach dem Gange der Ereignisse den Herrn Kriegsminister keinerlei Vorwurf treffen kann, die Interessen der Landesverteidigung nicht mehr vor dem Reichstag vertreten. Der grüne Tisch und parlamentarische Kampf sind auch, nach seiner eigenen Erklärung an ben Kaiser, niemals seine Neigung gewesen. Als Kommcmhierender des 2. Armeekorps in Stettin erlebter seine „glücklichste Zeit als Soldat". Voraussichtlich wird der General in der Chefstelle einer Armee-Inspektion — wahrscheinlich der unlängst freigewordenen Zweiten oder der Sechsten, die jetzt dem Generalfeldmarschall Freiherrn o. der Goltz untersteht — dem Heere «och lange wertvolle Dienste leisten können.
Mp. Haarbüsche für die Feldartillerie. Die preußische Feldartillerie ist die einzige von allen berittenen Waffen und die einzige von allen Feldartillerien der deutschen Armee, die nicht durchweg mit dem Haarbusch als Paradestück ausgerüstet ist. Nur die Garde-Regimenter, die reitenden Abteilungen und die Regimentsstäbe derjenigen Regimenter, zu denen diese Abteilungen gehören, tragen zum Paradeanzug einen weißen oder schwarzen Haarbusch. Da nun im Herbst des Jahres zwanzig reitende Batterien mittleren Etats umgewandelt werden, so trägt man sich — wie wir hören — an maßgebender Stelle mit dem Gedanken, diese Gelegenheit dazu zu benutzen, um der gesamten Feldartillerie gewissermaßen als Entschädigung für den Verlust so vieler reitender Batterien, den Haarbusch zu verleihen.
Das Lob des Ü-Pulvers.
Paris, 30. Jan. Bei der Besprechung über den Budgetposten Pulver in der Kammer bekämpfte der Abgeordnete in derb komischer Charge und als Liebhaberin. Sie verblieb am Deutschen Theater, wirkte dann einige Jahre am Berliner Theater und kehrte dann wieder ans Deutsche Theater zurück. Ueberall feierte sie Triumphe, sowohl in der Klassik wie im modernen Drama. „Desdemona", „Susanne" in „Die Welt, in der man sich langweilt", „Kordelia", „Cy- prienne", „Jüdin von Toledo", „Frou-Frou", „Edritta", in „Weh dem, der lügt", „Lorle", „Marie", im „Compagnon", „Dora", „Gretchen", „Kätchen", „Bezähmte Widerspenstige", „Madame Sans-Gene", alles umspannt ihr außerordentliches Talent. Es ist schwer zu schildern, wie diese Künstlerin ihre Aufgabe erfaßt und löst. Ihre Darbietung muß man selbst sehen und hören. Wenngleich Agnes Sorma schon in der ersten Szene zu interessieren versteht, so muß man sie doch mehrere Male gesehen haben, um inne zu werden, mit was für einer hervorragenden Schauspielerin man es zu tun hat. Ein Haupterfolg ihres ergreifenden, packenden Spiels, wobei sie niemals über das Maß des Erlaubten hinausgeht, liegt in ihrem Mienenspiel, welches, wenn es der Moment erfordert, ihre Züge bis ins Abschreckende zu verzerren vermag, so daß man nicht in solchen Augenblicken das liebe Gesicht zu erkennen imstande ist. das die Künstlerin noch wenige Minuten vorher gezeigt hat und in dieser Verwandlungsfähigkeit liegt ein großer Teil des geheimnisvollen Reizes, den sie auf das Publikum ausübt. Geradezu erschütternd sind auch die plötzlichen Uebergänge vom Weinen zum Lachen. „Der Grundzug ihres Mesens ist" wie Eugen Zabel im ,Goldenen Buch des Theaters' erwähnt, „eine zartbesaitete, leicht erregbare Weiblichkeit, für die sie einen Ton von außerordentlicher Frische und Natürlichkeit zur Verfügung hat. Agnes Sorma hat sich eigentlich auf kein spezielles Gebiet der Literatur beschränkt. Wohl bezeichnete sie ein Teil der ernsten Fachkritik als eine der 'auserlesensten Ibsen-Spielerinnen, nannte - selbst „die beste deutsche Nora". Allein mit demselben Rechte könnte man sie nach ihren Leistungen als „Esther", „Edrit-
Danielou das Fabrikationsmonopol und übte lebhafte Kritik an den der Marine gelieferten Pulversorten. Marineminister Baudrin unterbrach den Redner und widersprach energisch. Er versicherte, daß in der Fabrikation Fortschritte gemacht worden seien, und fügte hinzu: Wenn außergewöhnliche Verhältnisse es erforderten, werde die französische Marine imstande sein, mit ihrem Pulver zu kämpfen und wirksame Dienste zu leisten. Feststellungen, welche in der Vergangenheit wahr sein konnten, seien es jetzt nicht mehr. (Beifall.)
Aus Hanau Stadt und Land.
Hana«, 1. Februar.
* Abendmahlsfeier. Am morgigen Sonntag wird sowohl in der Marienkirche als auch in der Johanneskirche Feier des hl. Abendmahls stattfinden, in der Marienkirche im Anschluß an den Morgen-, in der Johanneskirche im Anschluß an den Abendgottesdienst. Die Vorbereitung wird in beiden Kirchen unmittelbar vor der Abendmahlsfeier gehalten werden.
* Zwei Hundertjährige. Heute vor 100 Jahren fand die Eröffnung der jetzigen Oberrealschule als Großherzogliche Bürger- und Realschule statt. Auch die ältere Schwester, das Kgl. Gymnasium, kann auf einen hundertjährigen Lebensabschnitt zurückblicken. Geht auch die Gründung der Anstalt zurück bis zum Jahre 1607, so erfuhr doch die Hohe Landesschule, wie sie vordem hieß, ein aus Pädagogium und akademischen Oberbau bestehendes Gymnasium illustre, damals eine gründliche Reorganisation, und am 1. Februar 1813 wurde das neue Großherzog- liche Gymnasium des Departements Hanau in den alten Räumen aufgetan. Zur Vollendung des ersten Säkrtlums wünschen wir beiden Anstalten von Herzen Glück.
* Wieder ein Hanauer! Der neue Chef des 2. Panzergeschwaders, Konteradmiral Reinhard Scheer (ein Sohn des verstorbenen Professors Dr. Scheer in Hanau. D. Red.), gilt in Flottenkreisen als einer der befähigsten jüngeren Flaggoffiziere, der gerade in die höheren Kommandostellen in recht jugendlichem Alter einrückte. Dies bezieht sich vor allem auch auf sein bisheriges Kommando als Direktor des Allgemeinen Marinedepartements im Reichsmarineamt. Der neue Geschwaderchef trat im Frühjahr 1879 in den Flottendienst. Zum ersten Mal erhält ein Angehöriger dieses Jahrganges den Befehl über ein vollzähliges Pan- zergeschwader. Nach dem Besuch der Marineakademie kn den Jahren 1895 bis 1897 war er mehrere Jahre im Reichsmarineamt tätig, zuletzt als Chef der Zentralabteilung. Seine Patente zum Korvettenkapitän datieren vom 9. April 1900, zum Fregattenkapitän vom 27. Januar 1904, ta", „Rachel" usw., als eine der besten Grillparzerspielerinnen und nach ihrer „Ophelia", „Cordelia", „K^harina" usw. als eine her hervorragendsten Shakespeckieinterpre- tinnen bezeichnen. Agnes Sorma begab sich auch nach Paris, woselbst sie im Renaissancetheater — es war dies die erste Theateraufführung, in welcher öffentlich seit dem Krieg 1870 auf einer französischen Bühne zu einem französischen Publikum deutsch gesprochen wurde — als „Nora" auftrat. Diese bedeutende Leistung wurde mit stürmischem Beifall belohnt unb die französische Kritik beschränkte sich nicht nur auf internationale Höflichkeitsphrasen, sondern fand Worte unbedingten Lobes. Auch der berühmte Dichter und Kritiker Catulle Mendes und der Direktor der Comedie Francarse, der liebenswürdige Causeus und Theaterfachmann Jul« Claretie, stimmten in die Bewunderung ihrer Kollegen für die Kunst der Agnes Sorma ein. Sorma, die schon eine Tournee durch die größten Städten der Vereinigten Staaten unternommen hatte, durchzog Holland, Norwegen, Schweden, Rußland, Griechenland, Rumänien und ganz Italien mit großem künstlerischem Erfolg. Sie berührte auch Wien, wo sie als „Nora" debütierte. Hier kam jedoch ihr neurasthenischer Zustand, hervorgerufen durch die Anstrengungen ihrer mehrmonatlichen Tournee, so heftig zum Ausbruch, daß sie, von einer Nervenkrankheit befallen, auf arzt lichen Nat das Gastspiel abzubrechen genötigt wa^ Erst rm Februar 1901 konnte sie in Berlin ihre künstlerische Tätigkeit (mit „Giuditta" in „Zwillingsschwester ) wieder aufnehmen. „Es gibt unter den heutigen Darstellerinnen manche" bemerkt Heinrich Hart, dieser ebenso scharfe, wie £ geistvolle Kritiker, am Schluß einer der genialen Künst- i lerin gewidmeten Besprechung, „die in gewissem Sinne geistreicher spielt, manche auch, die an Temperament die Sorma vielleicht noch übertrifft. Aber keine ist ursprünglicher, quell- frischer, wurzelfester, keine hat so viel Anspruch darauf, eine geborene Schauspielerin zu heißen, wie unsere Agnes' Und. das aerobe desbalb. weil io gar nichts Komödienhaftes. io