Erste? Blatt.
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General-Anzeiger
Amtl'nhes Organ für ZtaU- nn- Fan-Kreis Kanas.
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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau
Mr. 18 Aernsprechanschlittz Nr. 230.
Mittwoch den 22. Januar
Fcr»sprecha»schl«si Nr. 230. 1913
Sie heutige Nummer mW Mn dem NnIerhgltuugsbluU
14 Seiten.
Amtliches.
Eandbreis Ranau.
Auszug
aus der vom Kreistag des Landkreises Hanau am 17. Januar 1913 festgestellten Rechnung der Kreissparkasse vom Jahre 1911.
Einnahmen:
Titel 1
Bestand nach der letzten
Rechnung
240 729,28 M.
„ II
Rückstände nach der letzten
Rechnung
11 063,35 „
„ HI
Spar-Einlagen
3 465 763,80 „
„ IV
Zinsen von ausgeliehenen
Kapitalien
398 538,78 „
„ V
Zurückgezahlte Kapitalien
1 381 347,21 „
,, VI
Rückzahlungen aus dem
Reservefonds .
„ VII
Verschiedene Einnahmen .
103,29 „
„ VIII
Vorschüsse
297,65 „
Summa 5 497 843,36 M.
Titel
»
W
Ausgaben:
I Ueberzahlung nach der letzten Rechnung
II Rückstände nach der letzten Rechnung
III Zinsen für Spar-Einlagen IV Zurückgezahlte Einlagen V Ausgeliehene Kapitalien: auf Hypothek 1 293 855,— M. gegen Bürgschaft 34 900.— » gegen Faustpfand 600,— „ an Gemeinden 178 289,70 /„ auf Wertpapiere 20 200,— „ vorübergehende
Anlagen 935 000,— „
„ VI Verwaltungskosten „ VII Ablieferungen an den Reservefonds
„ VIII Rückzahlung von auf Kündigung aufgenommenen Darlehen
„ IX Verschiedene Ausgaben ., X Vorschüsse .
345 738,85 M. 2 393 308.06 „
2 462 844,70 „
14 643,48 „
37 181,45 „
2 021,03 „
297,65 „
Summa 5 256 035,22 M.
Abschluß:
Die Einnahmen betragen 5 497 843,36 M.
Die Ausgaben betragen 5 256 035,22 „
Sollbestand 241 808,14 M.
Die Einnahme-Rückstände betragen 12 683,— M.
Der Bestand des Reservefonds beträgt 208 908,15 M.
Hanau den 20. Januar 1913. A 358
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Frhr. Laur.
Politische Rundschau.
Der Reichstag setzte gestern die zweite Lesung des Etats des Reichsamts des Innern fort. (Den Bericht stehe in der Beilage.)
Rücktritt des Generalinspekteurs des Militärver- kehrswesens. Der Generalinspekteur des Militärverkehrs- wesens, Freiherr von Lyncker, ist durch eine kaiserliche Kabinettsordre Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt ro.rben, unter Stellung â la suite des Luftschifferbataillons Nr. 2.
Admiral v. Hollmann f. In der vergangenen Nacht ist in Berlin der frühere Staatssekretär des Reichsmarine, amts, Admiral â la suite des Seeoffizierkorps, Fritz v. Hollmann, im Alter von 71 Jahren gestorben.
Das Herzogspaar von Sachsen-Koburg-Gotha traf gestern zum Besuch des Königlichen Hofes in Dresden ein.
Parlamentarisches
mb. Die Wohnungsreform im Reiche. In der Budgetkommission des Reichstags wurde gestern die hoch- wichtige Frage der Wohnungsreform und eines Reichswoh- nungsgefetzes verhandelt. Die Aussorache wurde noch nicht
zu Ende gefübrt. Es handelt sich in der Hauptsache um den Kleinwohnungsbau. Im Etat werden, wie schon seit einer Reihe von Jahren in der Regel 4 Millionen als Darlehen des Reiches angefordert.' Ein Antrag des Abg. Mumm will die Summe angemessen erhöhen, der Zentrumsabgeord- nete Jäger will es lieber bei 4 Millionen belassen, statt dessen aber einen Betrag einstellen für Bürgschaft des Reiches für zweite Hypotheken, nach dem bekannten österreichischen Muster. Das Reich habe bis jetzt 40 Millionen Darlehen für Wohnungsbauten gegeben, ohne dabei nennenswerte Verluste zu erleiden. Die Jnvalidenverstcherungsan- stalten haben über? 300 Millionen" in Darl hen auf Bauten verwendet, ebenfalls ohne irgend einen nennenswerten Schaden. Erfahrungen seien also zur Genüge gesammelt und es handle sich nur um geringe Fonds für die Bürgschaft: es genügen zunächst 1Ö0 000 Mk. einzustellen. Ministerialdirektor Lewald erklärt, daß die Reichsverwaltung bereits ähnliches erwogen habe. Der Staatssekretär des Innern habe bereits beim Reichsschatzamt Geld für derartige Hypotheken mit langjähriger Frist angefordert. Es ergaben sich aber gewisse Schwierigkeiten, Summen in den Etat einzusetzen. Die Voraussetzung dafür müsse dann ein neues Gesetz sein, nur das ermögliche es. Die Verhandlungen schweben noch harüber, ob man in solcher Weise vorgehen könne. Abg. Mumm beantragt wie im Jahre 1904 den Betrag'zur Förderung des Kleinwohnungsbaus auf 5 Millionen zu erhöhen. Die Sozialdemokraten unterstützen die Anregung Jäger«. Der Fonds dürfe aber nicht nur den Be- amlenbaugenossenschaften allein zugute kommen, sondern auch weiteren Kreisen. Könne man einen solchen Fonds nicht schon jetzt bekommen, so sei das traurig. Ein Gesetz, wie es als Voraussetzung vom Regierungsvertreter eben gefordert worden ist, konnte bald geschafft werden, da das Gebiet begrenzt ist und Vorarbeiten in Oesterreich vorliegen. Der Redner fragt, was die Reichsregierung auf dem Gebiete der Wohnungsgesetzgebung zu tun gedenke, nachdem in der Wohnungskommission des Reichstages im Dezember schon erklärt worden sei, daß entscheidende Beschlüsse unmittelbar bevorständen. — Hierauf gab Staatssekretär Dr. Delbrück folgende Erklärung ab: er bleibe auf seinem früheren Standpunkt, daß die Wohnungsgesetzgebung den Bundesstaaten vorbehalten bleiben solle. Inzwischen hätten auf Anfrage des Reiches die Bundesstaaten in überwiegender Mehrheit erklärt, daß sie sich dem Eingreifen der Reichsgesetzgebung auf diesem Gebiete widersetzen müßte. Er, der Staatssekretär habe erwogen, ob man wenigstens allgemeine Bestimmungen, etwa der Wohnungsaufsicht, reichsgesetzlich fesilegen solle und dann andere Teile dem Bundesrat überlassen könne. Aber bei dem Versuch, eine solche Teilung der Gesetzgebungsmaterie vorzunehmen, seien nichts als Sentimente für das Reich übrig geblieben. Der Versuch habe nicht befriedigt. Nach alledem halte er es für aussichtslos, auf dem Gebiet der Wohnungsreform reichsgesetzlich vorzugehen. Damit sei aber nicht gesagt, daß man für die Wohnungsreform überhaupt von reichswegen nicht« tun könne. Bürgschaftsübernahme für Hypotheken in gewissen Grenzen bei Baugeldern für den Ban von Kleinwohnungen mit geringen Mitteln könne wohl in größerem Umfange geleistet werden. Es habe sich noch nicht die Möglichkeit fest stellen lassen, wie daS im einzelnen geschehen solle; er hoffe aber, bis zum Herbst die Grundlagen dafür »erlegen zu können. — Von politischer Seite wird die finanzielle Ausgestaltung deS Fonds für Kleinwohnungen im Sinne der Anregungen Jäger'« befürwortet. Die Genossenschaften dürften aber nicht bevorzugt werden, weil sonst die Privatunternehmer, die 99 Prozent aller Bauten herstellten, dadurch zu stark geschädigt werden. Ihnen würden die besten Mieter, die Beamten, durch die Genossenschaft weggenommen. Der Delcrederefonds müsse möglichst schnell zur Verfügung gestellt werden. Der Zentrumsführer der christ- lichen Arbeiter erklärt, er habe bereits in Frankfurt auf der Wohnungskonferenz den Anregungen seines Fraktionsgenossen Dr. Jäger bestimmte Bedenken entgegengestellt. Es sei schon schwer, im Rahmen einer Provinz die Beleihung einer Baugenossenschaft gewissenhaft durchzuführen. Die Sachen lassen sich nicht ohne Kontrolle der Einzelstaaten durchführen, die dabei finanziell interessiert werden müssen. Am allerbesten wäre es, die Versicherungsanstalten könnten sich für die Kreditgewährung einsetzen. Aber auch die Gemeinden müssen ihre Schuldigkeit tun. Da fehle es nicht so sehr an Mitteln, sondern an Einsicht und gutem Willen. In Düsseldorf habe beispielsweise der neue Oberbürgermeister die Bürgschaft für die Baugelder der Landesversicherungsanstalt durchgedrückt. Nachher habe man aber erkannt, daß man, wenn man einmal die Bürgschaft übernehme, auch die Gelder selbst gleich hergeben könne, um dadurch Einfluß auf die Bauweise zu gewinnen. Go bade die Stadt Düsseldorf 20 Millionen
Mark ausgenommen, und die Versicherungsanstalt werde nur noch ein Drittel ihrer früheren Summe herzuleihen brauchen, und es sei viel Vorbildliches geschaffen. Man sollt» im Reichsamt des Innern eine Konferenz mit sachverständigen Vertretern der Versicherungsanstalten abhalten, um ihre Ansichten über die Schaffung und die Ausgabe eines Delcrederefonds zu hören. Jedenfalls dürften die Gelder nicht den Baugenossenschaften allein zugute kommen, denn Baugenossenschaften seien nur so lange tüchtig, als sie tüchtig verwaltet werden. Das Prinzip der Einzelbeleihung im großen Umfang, wo die Gemeinden die Bürgschaft übernehmen, wäre vorzuziehen. Ein sozialdemokratisches Kommissionsmitglied erklärt, daß die Eröffnungen des Staatssekretärs traurige Aussichten für die Reichswohnnngsreform bieten. Man schiebe die Ausführung den Bundesstaaten zu. Dem gegenüber müsse doch überlegt werden, ob nicht durch ein Rahmengesetz noch in dieser Session eine Einwirkung auf die Bundesstaaten ausgeübt werden kann. Allerdings die Hoffnung, daß ein solches Rahmengesetz Annahme finde, sei nach den Darlegungen des Staatssekretärs gering. Es seien schon große Fonds bei Versicherungsanstalten usw. angesammelt. Dieses Geld sollte für die Förderung des Kleinwohnungsbaues nutzbar gemacht werden: das komme den Versicherungsanstalten selbst wieder zugute. Es sei ein Skandal, wie wenig mit Ausnahme von Rheinland-Westfalen die übrigen Versicherungsanstalten bei dieser Frage noch getan hätten. UebrigenS dürfe man nicht allein über Verständnislosigkeit der Gemeinden klagen, sondern ebenso sehr über die Verstänislosigkeit der Behörden. Nahe bei Berlin sei eine Mustersiedelung entstanden: aber, weil die meisten Bewohner derselben Sozialdemokraten seien, weigere man die Hergabe von Geld aus Reichsmitteln. Man verbiete den Beamten, dort zu wohnen und erkläre nachher, man könne kein Geld geben, weil keine Beamten dort unter den Mietern seien. Hieraus nahm Staatssekretär Dr. Delbrück noch einmal zu einer Erklärung das Wort: Es habe ihm völlig ferngelegen, die Wohnungsgesetzgebung auf Preußen oder einen anderen Bundesstaat abzuschieben. WaS Preußen betreffe, so erkläre er und könne das eine versprechen: Wenn Preußen nicht biS zum Herbst dieies Jahres einen WohnungSgesetzentwurf vorlegt, werde er sich dafür einsetzen, daß das Reich einen Gesetzentwurf vorbereitet. Eine Bürgschaft für Wohnungsbauten über den bisher gezogenen Rahmen hinaus durch daS Reich halte er aber allerdings für ungangbar und unzweckmäßig. Wenn das Reich für die Wohnungen seiner Arbeiter und gering besoldeten Beamten sorge, so sei das eine selbstverständliche Pflicht, aber im übrigen müsse die Durchführung unbedingt den Kommunen verbleiben. Die müßten die WohnungSreform insoweit durchführen, daß die Menge der Privatbauunternehmer gezwungen, sei, nachzukommen. Die Kommunen müßten einen Standard schaffen, mehr freilich nicht. Wir können von reichswegen nur die Unterlagen für eine bessere und zweckmäßigere Kreditgewährung schaffen. Die Durchführung im einzelnen müssen wir den Gemeinden überlassen, die die Dinge viel besser beurteilen können. Eine Konferenz, wie sie gewünscht werde, stehe bereits bevor; daS Reichsversicherungsamt will noch . in diesem Vierteljahr mit Vertretern der Versicherungsanstalten über di» angeregte Frage verhandeln. Die Beratung wird heute fortgesetzt.
Die Balkankrists.
Der Friedensschluß.
Konstantinopel, 21. Jan. Die Regierung hat sich end gültig zum Frieden entschlossen und die bedingungslose Uebergabe Adrianopels beschlossen. Die Antwortnote sott heute abend überreicht werden.
Die Seeschlacht.
W Konstantinopel, 21. Jan. Nach Schilderunge., türkischer Blätter und Mitteilungen von Seugen oer Seeschlacht am 18. Januar lief die türkische Flotte aus den Dardanellen aus, um den „Aweroff" rn er von Mudhros zu überraschen. Der „Aweroff^' war je cb bereits auf offener See. Wie es heisst, ist dre gr «ch)>ch Flotte von dem Auslaufen der türkischen durch einen russischen Warendampfer benachrichtigt worden. Dre Panzerschiffe „Barbarossa" und „Torgut Reig eröffneten in einer Entfernung von acht Meilen das Feuer. Ein Geschoß des „Aweroff" traf den „Barbarossa"; das Ee. schoß flog in den Speisesaal der Offiziere, wo es explodierte. Eine Anzahl Matrosen und einige Offiziere wurden hierbei getötet und verletzt. Die Explosion ver- ursachte einen Brand, der bald gelöscht war' Nach der Explosion unterbrach der »Aweroff" auf zwanzig Minuten