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mit einem sinnigen Gedichte einleitete. Die frohe Kinder­schar quittierte mit frisch vorgetragenen Weihnachtsliedern. Nach dem letzten flottgespiellen Theaterstücken trat der Tanz in seine Rechte, welcher die Mitglieder bis in die frühe Morgenstunde in fröhlicher, harmonischer Geselligkeit zu- sammenhiell.

)( Mittelbuchen, 7. Jan. (Seltenes Gewicht). Heute schlachtete der Landwirt Philipp Heck 2ter hier einen Eber, der das seltene Gewicht von 600 Pfund und reines Schmalz von 34 Pfund aufzuweisen hatte. Der Eber stammte aus der Züchterei des Herrn Oberamtmann Schwarz, Baiersröderhof, uwb war 2^2 Jahre alt.

Langenselbold, 7 Jan. (Deutscher Flotten- verein). Am SamMtg^dnO4. ds. Mts., fand im Gast­hauszum Adler" ein Lichtbildervortrag über die Nordlands­reise des Deutschen Flottenvereins statt. Herr Gustav Winkler von Mainkur-Fechenheim führt die zahlreich Zuhörer­schaft mittelst einer großen Anzahl von Lichtbildern, die zum größten Teile wunderbar koloriert waren, im Geiste in das Land der Mitternachtssonne und teilte seine eigenen Erlebnisse in humorvoll gewürzter Rede mit. Lebhafter Beifall lohnte den Redner, den Dank der Versammlung sprach Bürger­meister Dr. Fritsch aus. Nach dem Vortrag bildete sich eine Ortsgruppe des deutschen Flottenvereins, der sofort 40 Mitglieder beitraten. Auf Vorschlag des Bürgermeisters Dr. Fritsch wurden zur einstweiligen Leitung der Orts­gruppe noch die Herren Rechtsanwalt und Notar Höfinghoff und Lehrer Biehl berufen. Weitere Anmeldungen zur Mitgliedschaft nehmen die genannten Herren entgegen.

§ Oberissigheim, 8. Ian. (Abendunterhaltung).

Am letzten Sonntag hielt, wie alljährlich, der Gesang­vereinSängerlust" (Leiter Herr Gottfr. Noyer aus Hanau) eine Abendunterhaltung mit Ball ab, welche sich eines guten Besuches zu erfreuen hatte. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nachdem ein sehr gut zusammengesetzten Salon-Orchester mit einigen Musik­stücken aufgewartet hatte, begrüßte Herr Günther im Namen des Vereins die Gäste aufs herzlichste. Hierauf sang der Gesangverein den Willkommengruß v. Eondrum. Nun trat Herr Elbrecht auf die Bühne, seine Couplets ernteten reichen Beifall. Auch die Herren Haas, Löffert und Fries erzielten mit ihren urkomischen Vorträgen schöne Erfolge. Die Sänger haben mit ihren zum Vor­trag gebrachten Chören deutlich erkennen lassen, daß sie unter ihrer bewährten Leitung einen schönen Fortschritt in der Gesangskunst gemacht haben, was auch durch reichen Beifall der Zuhörer zum Ausdruck kam. Auch die kleinen Violinisten brachten ihre drei Violinchöre mustergültig zu Gehör, was allgemein anerkannt wurde. Zum Schlüße des Programms wurde das Theaterstück s'Everl vom Waldhof"flott und gut gespielt, besonders verdienen die Damen Frl. Schlingloff als Everl und Frl. Schmidt als Bäuerin genannt zu werden, auch Herr Schäfer als vermeintlicher Brauhöfer nahm sich in seiner Rolle drollig aus. Die Vereinsleitung darf mit dem Erfolg der Veranstaltung zufrieden sein.

m. Fechenheim, 8. Jan. (A u t o m o b i l u n f a l l.) Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich hier heute nacht gegen 1 Uhr. Der Betriebsleiter Otto Höse aus Offenbach, der sich mit feinem Automobil auf dem Heimweg befand, fuhr beim Nehmen einer Kurve mit solcher Wucht gegen eine Telegraphenstange, daß die Insassen herausgeschleudert wurden. Während Höse nur geringe äußere Verletzungen davontrug, mußte seine Frau in schwerverletztem Zustande in das Offenbacher Krankenhaus ver­bracht werden. Das Auto wurde erheblich beschädigt.

Ocffcntlichcr Wetterdienst. Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt a. M. voraussichtliche Witterung für vie Zeit vom Abend des 8. Januar bis zum »Misten Abend.

Meist trocken, zeitweiliges Aufklären, stellenweise nebelig, kalt, westliche Winde.

Zur Landtagswahlbewegung. Aus der nationalliberalen Partei.

§ Gelnhausen, 7. Januar. Am letzten Sonntag fand im großen Saale der Turnhalle eine öffentliche politische Versammlung statt, die vom Natinoalliberalen Verein in Gelnhausen veranstaltet war. Herr Rektor Schwarzhaupt, der nationalliberale Land­tagskandidat für Gelnhausen-Schlüchtern, hielt eine zündende Programmrede. Sie beleuchtete eingehend die programmatischen Gegensätze zwischen liberaler und konservativer Staatsauffassung, die besonders bei der preußischen Wahlrechtsvorlage hervorträten. Die Konservativen seien jeder wirklichen Verbesserung des be­stehenden Wahlrechtes abhold, während die Nationalliberalen zwar die Uebertragung des Reichstagswahlrechtes auf Preußen ablehnten, aber ebenso bestimmt das geheime und direkte Wahl­verfahren, sowie eine Vergrößerung des Wahlrechtes des kleinen Mittelstandes in der zweiten und dritten Klasie forderten. Denn die bisherige öffentliche und direkte Wahl befördere Heuchelei und Vergewaltigung. Die Konservativen, die sich immer als Erb­pächter monarchischer Gesinnung aufspielten, schlügen hier die feierlichen Kundgebungen des Königs in einer Thronrede ebenso in den Wind, wie seinerzeit beim Schutzzolltaris und beim Mittel­landkanal. In Steuersragen verlangen die Nationalliberalen Entfernung des Landrates vom Vorsitz in der Einschätzungskom- misston; bei seinen mannigfachen sonstigen Aufgaben könne er sich diesem Geschäft nicht mit der nötigen eingehenden Sorgfalt wid­men; daraus erfließe erbitternde Ungleichmäßigkeit der Veran­lagung. Die Konservativen seien Gegner dieser dringenden Re­form. Ebenso hätten sie seinerzeit gegen die liberalen Parteien eine Fahrradsteuer beschloßen, aber eine Steuer nur Luxuspferde abgelehnt; sie haben den Iagdpachtstempel im Interesse reicher Jäger beschnitten, aber sich auf den liberalen Antrag nicht einge­lassen, der die Herabsetzung des Mietstempels auf Geschäftslokale

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> und Werkstätten verlangte. Diese eigentümliche Mittelstands­freundlichkeit haben die Konservativen auch erwiesen, indem sie das vom Handwerk dringend gewünschte Pflichtfortbildungsschul­gesetz ablehnten. Aus ähnlichen engherzigen Gründen sind sie keine Freunde der fachmännischen Schulaufsicht in der Volksschule. Diese umfaße heute neben der eigentlichen Schulinspektion einen so gro­ßen Kreis von hygienischen und sozialen Aufgaben der Schüler­pflege, daß die ohnehin überbürdeten Pfarrer vielfach selbst eine Wohltat darin erblickten, wenn ihnen mindestens das Amt der Kreisschulinspektion allenthalben von den Schultern genommen werde. Ferner müsse den Lehrern durch Zulassung zu den Ehren­ämtern der Verwaltung und Gesetzgebung ihr volles staatsbür­gerliches Recht ebenso werden, wie einigen Unterbeamtenklaßen durch Beseitigung der entwürdigenden Arreftstrafe, gemäß dem nationalliberalen Antrag Schiffer, der ja auch die Initiative zur Beseitigung veralteter Polizeiverordnungen, die gerade den ge­werblichen Mittelstand bedrücken, ergriffen habe. Für die Land­wirtschaft halte die nationalliberale Partei an dem bestehenden Schutzzollsystem, dem sie entgegen dem Bunde der Landwirte zum Sieg verhalfen habe, unverbrüchlich fest. Aber sie verlange gerade zur Sicherung des Schutzzolles Vergrößerung des Bauernlandes durch Aufteilung von Domänen, welche die Landgemeinden ern- engen, und durch eine Beschleunigung der sonstigen inneren Kolo­nisation. Die Härten der inländischen Seuchenvorschriften müßten gemildert werden. Leider hatten Konservative und Bund der Landwirte den nationalliberalen Antrag, eine ständige Laien­kommission aus Bauern über den Umfang der Verhängung von Sperrbezirken mitreden zu lassen, abgelehnt. In vaterländischen t Fragen seien die Nationalliberalen durchaus zuverlässig. Sie hätten bei den letzten Reichstagswahlen gegen die Sozialdemokra­ten scharf Stellung genommen. Daher könnten konservative Ver­dächtigungen mit gutem Gewißen zurückgewiesen werden. Der Redner erinnerte u. a. an die Gesuche konservatvier Reichstags- kandiadten an die Sozialdemokratie um Stichwahlunterstützung; sie hätten auch in zahlreichen Füllen die Niederlage von national­liberalen Schutzzöllnerischen Landwirten, durch Stimmenthaltung und sogar durch offenes Eintreten, gegenüber Sozialdemokraten bezw. Melfen, die doch die Lostrennung Hannovers von Preußen parteioffiziell heute noch verlangen, mit Absicht herbeigeführt. Die konservative Politik mit ihrer Niederhaltung der unteren Klassen befördere geradezu das Wachstum der Sozialdemokratie, die nur durch eine liberale Politik ausgleichender Gerechtigkeit zurückge­drängt werden könne. Mit langanhaltendem Beifall bekannte sich die zahlreiche Zuhörerschaft zu diesen glänzenden Darlegunaen. Ein gleiches Intereße schenkte sie dem nationalliberalen Abg. Baurat Wochlfarth Er lehnte ebenfalls das Reichstagswahl- recht für Preußen ab. Eine Reform sei aber dringend geboten, da die beiden konservativen Parteien dank dem öffentlichen und in­direkten Wahlrecht faßt über die Mehrheit im Abgeordnetenhaus verfügen. Nachdem die Fortschrittliche Volkspartei einen Even­tualantrag eingebracht habe, der sich mit den gemäßigten Forde­rungen der Nationalliberalen decke, sei ein Zusammgehen beider liberalen Parteien bei künftigen Wahlrechtsverhandlungen sicher. Herr Baurat Wohlfarth knüpfte daran die Erwartung, daß alle liberalgesinnten Männer im Wahlkreise SchlüchternGelnhausen für Herrn Rektor Schwarzhaupt eintreten, den er nach seiner ge­nauen persönlichen Kenntnis als durchaus vertrauenswürdigen und geeigneten Mann empfehlen dürfe, um den berechtigten, be­scheidenen liberalen Wünschen im preußischen Landtag zum Durch­bruch zu verhelfen. Nachdem die Versammlung nach Befragen durch den Vorsitzenden, Herrn Nealschuldirektor Dr. Küchenthal- Eelnhausen, vor Eintritt in die Diskussion erst noch Herrn Gene­ralsekretär Brehm zu hören wünschte, hielt dieser eine kleine Nachlese hinter den Vorrednern. Er betonte die Notwendigkeit der Gleichberechtigung des konservativen und liberalen Staatsgedan­kens. Es sei bedenklich, wenn nur eine Auffaßung und sei es auch die nationalliberale das Uebergewicht im Staat erlange. Daher sei seine Partei, unbeschadet der programmatischen Gegen­satze, für eine Verständigung mit den gemäßigten Konservativen Diese aber kamen gegenüber den Heißspornen heute nicht mehr zum Wort. Die Konservativen seien die Angreisenden, und so er­fordere die Würde der Nationalliberalen eine geharnischte Gegen­wehr. Zum Beweis verlas der Redner aus einem Bericht Aus­führungen des konservativen Parteisekretärs, Herrn Aßmus, die jüngst im nahen Ostheim fielen. Darnach sollten die Nationallibe­ralennicht nur mit Worten, sondern auch durch Taten den Be­weis liefern, daß ein Paktieren mit den Sozialdemokraten nicht mehr vorhanden sei. Den Nationalliberalen müße man noch mit größerer Vorsicht begegnen, als den Sozialdemokraten; denn ihre Arbeit sei mit einem feinen Meißel zu vergleichen, der Rillen in die Marmorwand des Staates einarbeite, in die dann das Brech­eisen der Sozialdemokratie einsetze. Dies beweise die Reichstags- prasidentenwahl zur Genüge. Aus diesem Grunde sei auch die monarchische Gesinnung und Königstreue der Nationalliberalen durchaus nicht echt. Unter Zustimmung der Versammlung gab Herr Brehm der Ueberzeugung Ausdruck, daß auch alle anstän­digen Konservativen im Kreise diese unwahre und unwürdige Hetze ihres Parteisekretärs mißbilligen. Seine Angriffe zwängen aber, auf Gelegenheiten hinzuweisen, wo Führer der Konservativen und des Landbundes sich gar sehr dem Verdacht aussetzten, daß ihre eigene vaterländische Gesinnung schwanke, wenn sich Kaiser und Reich ihren übertriebenen wirtschaftlichen Forderungen widersetzten. Schon im Gründungsaufruf des Landbunves heiße es wörtlich:Ich schlage nichts mehr und nichts weniger vor, als daß wir unter die Sozialdemokraten gehen". Anfang Dezember 1898 stand in der offiziellenKorrespondenz des Bundes der Land­wirte" das aufhetzende Wort:Bei jeder Sau, die unter der Seuche hinsiechte, murmelte der Bauer die Namen unserer leiten­den Staatsmänner. Was er dabei noch dachte, das sagte er nicht Denn der Bauer ist sehr vorsichtig und hat große Scheu vor de- Staatsanwalt. . . " Dieselbe Bundeskorrespondenz rief am : März 1894 dem Kaiser zu:Wir haben die äußerst bedenklich. Erscheinung, daß der deutsche Landwirt, der bisher außer der Sozialdemokratie den Freisinn als seinen Feind ansah, jetzt ge­neigt ist, sofern er sich nämlich ehrlich ausspricht, den Kaiser als seinen politischen Gegner anzusehen." Aus demselben Lager erschallte die Drohung, wenn sich das aufs äußerste getriebeneLandvolk mit dem Proletariat

8. Januar

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der Städte verbindet, dann werden die Thron« krachen, und erst nach Blut und greuelvoller Verwüstung wer­den wieder geordnete Verhältniße entstehen." Solche Auslastungen die leicht aus derKorrespondenz des Bundes der Landwirte" oder dem offiziellen Organ der sächsischen Konservativen, dem Vaterlande", ums Zehnfache vermehrt werden könnten, beleuch­teten die unglaubliche Dreistigkeit, den Nationalliberalen eine unnationale Gesinnung vorzuwerfen. Auch über den Sinn der letzten Neichstagspräsidentenwahlen werde das Landvolk von den Konservatvien bewußt irre geführt. Bismarck selbst habe im Jahre 1895 den bürgerlichen Parteien empfohlen, einen Sozialdemokra­ten in ihr Präsidium zu wählen, damit er gezwungen sei, seine Ge­noßen zur Ordnung anzuhalten oder sich vor dem ganzen Lande zu blamieren. Wenn, so fuhr der Redner fort, ein Sozialdemokrat einmal im Reichstag sitze und gerade durch Verschulden der Konservativen und Bündler seien zahlreiche Rote gegen national- liberale Kandidaten hineingekommen! so verschlage es wenig, ob er als einfacher Abgeordneter wüste Reden zum Fenster hinaus halte und staatsfeindlich abstimme, oder ob er als Vizepräsident amtiere, während welcher Zeit er nicht einmal abstimmen könne. Die Hohenzollernrede Scheidemanns sei zur Zeit seiner Ä3ahl niemanden im ganzen Reichstag bekannt gewesen; dies haben auf Befragen auch alle konservativen Abgeordneten zugegeben. Erst dieTägliche Rundschau" grub sie nachträglich aus. Daraufhin und als die Sozialdemokraten auch die höfischen Pflichten nicht übernehmen wollten, hat die gesamte nationalliberale Fraktion ohne eine einzige Ausnahme bei der entscheidenden Wahl gegen Scheidemann gestimmt, sodaß er aus dem Präsidium nach ganz kurzer Herrlichkeit wieder hinausflog. Aber die Konservativen selbst haben ja verschuldet, daß im sächsischen Landtag ein Sozial­demokrat als Vizepräsident sitzt! Sämtliche Abgeornete des Bun­des der Landwirte haben ferner im Jahre 1905 im Rudolstädter Landtag für den sozialdemokratischen Präsidenten gestimmt, der jahrelang amtierte, ohne daß die Hauptleitung des Bundes der Landwirte es rügte. Wenn sie es jetzt bei Wiederholung des gleichen Vorganges tat, so ist dies nur ein taktisches Manöver, und die Landesorganisation des Bundes der Landwirte hat sich vollständig auf die Seite ihrer desavouierten Abgeordneten ge­stellt. Auch das Zentrum hat schier unzählige Male im Reich und in den Bundesstaaten für sozialdemokratische Präsidenten ge­stimmt. Wolle man nun alle diese Parteien für schlechte Patrioten halten? Dazu seien die Nationalliberalen zu gerecht; aber sie ver­langen dieselbe Gerechtigkeit von den Gegnern! Sie verlangen auch, das konservative Parteisekretäre die vollendete Landwirt­schaftsfreundlichkeit der Nationalliberalen nicht mehr verdächti­gen, nachdem der erste konservative Führer, Herr v. Heyde- brand, nach dem amtlichen Stenogramm des Abge­ordnetenhauses im Oktober 1912 wörtlich erklärt hat:Ich weiß genau, daß die Nationalliberale Partei mit uns durch­aus auf dem Boden des Schutzes der nationalen Arbeit steht. . . . Wir haben die Landwirtschaftsfreundlich­keit nicht gepachtet. Herr Brehm belegte dann u. a. noch die Re­formbedürftigkeit des preußischen Wohlrechtes mit drastischen Bei­spielen und teilte mit, daß vor wenigen Tagen in einem ver­nichtenden Gerichtsbeschluß einem Generalsekretär des Bundes der Landwirte und einem Generalsekretär der Christlich-sozialen Partei unterstellt wurde, daß -sie die Absendung gefälschter Tele­gramme und lügnerische Telephonate veranlaßt haben, um na­tionalliberale Wahlmänner vom Wahlort fernzuhalten. Unter stürmischem Beifall endete der Redner. In der Diskussion wies Herr Schwarzhaupt die wirren Angriffe eines Sozialdemokraten gebührend ab, worauf Herr Dr. Küchenthal die imposante Ver­sammlung mit einem Hoch auf Kaiser und Reich beschloß.

Aus Nah und Fern. Eine Kirche niedergebrannt.

* Birstein, 8. Jan. (Privattelegramm.) Heute nacht zwischen 10 und 12 Uhr brannte die hiesige, 1701 erbaute Dorf- kirche bis auf den Grund nieder, die Glocken wurden dabei eben­falls zertrümmert. Als Ursache des Feuers vermutet man die Hei­zungsanlage, die gestern gelegentlich einer Beerdigung in Tätig­keit war. Das Pfarrhaus blieb von dem Feuer verschont.

DT .Frankfurt a. M., 7. Jan. Der Musikkritiker Bauer würde in einem Cafe von den drei Brüdern Post, die in Frankfurt ein Konservatorium haben, beschimpft, weil er ein von den Brüdern Post veranstaltetes Konzert abfällig kritisiert hatte. Der Kritiker hat gegen die drei Herren Klage erhoben.

Altenburg, 7. Jan. In dem Nachbarorte Haselbach stieß man bei Bohrungen auf ein in hellen Flammen stehen­des Kohlenflöz. Der Brandherd liegt direkt unter der Stein­zeugwarenfabrik Gebrüder Nordmann. An der Eindämmung deS Brandes wird eifrig gearbeitet.

Aus aller Welt.

In Zahlungsschwierigkeiten geraten. Solingen,?. Januar. Die hiesige Engrosfirma für Lebensmittel von Julius Siederts, die allein in Solingen 12 große Filialen unterhält, ist in Zahl- lungsschwierigkeiten geraten und hat ihre Gläubiger auf Donners- tag nachmittag ins Hotel Burghof in Elberfeld zu einer Ver­sammlung eingeladen.

Schwierige Verhaftung. Rostock, 7. Jan. Als heute vor­mittag in dem etwa 20 Minuten von Rostock entfernten Gehlsdorf Gendarmen den Sohn des Försters Jochen^wegen Heiratsfchwtn« dels verhaften wollten, setzte dieser sich zur Wehr und feuerte mehrere Revolverschüße ab, von denen drei den Gendarmerie- wachtmeister Burmeister in der Lunge und am Unterleib ver­letzten. Burmeister mußte sofort in die Universitätsklinik gebracht werden; seine Verletzungen sind lebensgefährlich. Der Täter flüch­tete, nachdem er die Schüße abgegeben, wurde aber von dem Gen­darmeriewachtmeister Gräber eingeholt. Als er sich auch hier zur Wehr setzen wollte und bereits seinen Revolver erhoben hatte, wurde er durch mehrere Schüße unschädlich gemacht.