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Notationsdruck und Verlag der Buchdruckeret btt verein, ev. Waffenhaufe» in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Orga» für AM- und Landkreis Kana».
Bezugspreis?
Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg^ fS, Pofi- bezug vierteljährlich 2.10 Ml^ monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 6 Psg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwortl. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau
Mk, 4 itmiforeflanWnff Nr. 230.
AmMchcs.
Stadtkreis Fyanau. Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: 1 Vureaudiener, 1 Fahrbursche, 2 Hausburschen, 1 Kellner, 2 Putzfrauen, 1 Schuhmacher, 4 Tagelöhner.
Gesucht werden: 1 Heizer und Maschinist (aushilfsweise), 1 Schmied.
Hanau den 4. Januar 1913. 577
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Mmèm md Berlorene tanW ic.
Gefunden: 1 rote wollene Kindermütze, 1 schwarzer Grimmerboa, 1 gelbe Gürtelnadel mit grün- und blauschimmerndem Stein.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 3 Mk.
Zugelaufen: 1 schwarzer Dachshund w. Geschl., 1 graubrauner Pinscher mit weißer Brust m. Geschl., 1 brauner Dachshund m. Geschl.
Hanau den 6. Januar 1913.
Politische Rundschau.
Der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amts. Wie verlautet, ist der Botschafter in Rom, v. Jagow, für den Posten des Siaatssekreiärs in Aussicht genommen.
Für die bevorstehenden Landtagswahlen ist für die gesamte Provinz Sachsen zwischen derNationalliberalen Partei und der Fortschrittlichen Volkspartei eine beide Parteien bindendes Wahlabkommen geschloffen. Danach gewährleisten sich beide Partien ihren bisherigen Besitzstand und haben für die übrigen Wahlkreise die Kandidaten in Uebereinstimmung miteinander aufgestellt.
General der Infanterie von Eichhorn, Generalinspekteur der 7. Armee-Inspektion L la suite des Leib- Grenadierregiments König Friedrich Wilhelm III. ist unter Belassung in diesen Stellungen zum Generaloberst befördert worden.
Generalfeldmarschall Graf Schliessen f. Der frühere Chef des Generalstabes der preußischen Armee, Generalfeldmarschall Graf v. Schlieffen ist vorgestern nachmittag im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben.
Demission des portugiesischen Kabinetts. Ministerpräsident Duarte Leite bot dem Präsidenten Arriaga die Demission des Kabinetts an, die angenommen wurde. Arriaga betraute den Führer der Revolutionspartei mit der Bildung des neuen Kabinetts.
Stavttheater in Hanau.
Gastspiel Ern st von Possart.
„Nathan der Weise."
Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Lessing.
Inter den poetisch-dramatischen Werken der deutschen Literatur gilt Lessings „Nathan" nicht als eines der größten; an rein menschlichem Gebalt aber, in der eminenten Kunst der Realisierung einer Jdealgestalt steht keines höher. Es ist die Lehre von der Religion unbedingten Edelmenschentums, das von den konfessionellen Verschiedenheiten nicht berührt wird; von der höchsten Menschenpflicht: gut zu sein, wie es in der prächtigen Parabel von den drei Ringen so schön formuliert ist: „Es eiire jeder seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe nach!" Lessing hat diese Gesinnung gegen jede Formreligion (die durchaus nicht anlichrist- sich ist) in die Brust eines Juden gelegt, und damit seiner Tendenz einen Nachdruck gegeben, der die Ausgestaltung des Gedankens packend und rührend zugleich macht. Dieser Nathan, der sich in seinem überlegenen Menschentume von den alltestamentarischen Härten frei gemacht hat und sein Leben uud.seine Taten von der st ä r k e r e n Gottheit der Liebe und Güte leiten läßt, der ein (an Stelle seiner sieben durch Christenhand verbrannten Söhne angenommenes Christenmädchcn mit all' seiner reichen Zärtlichkeit übergießt und es durch seine Erziehung zu den Hohen wahren Adeltums führt. Dieter Nathan ist im Grund? nicht Jude und nicht Christ, das ist der gute Mensch schlechthin, der Elitemensch, den der Zufall der Geburt nicht von seinen Lichtzielen ablenken kann. Lessing hat dielen hohen Gedanken mit einer bewundernswürdigen Schlichtheit und Klarheit durchgeinhrt, ohne animose Ausfälle (auch der Patriarch ist kaum von dieser Seite aufzufassen) uiib erzielt gerade durch biefe strenge Zurückhaltung eine a. ßerordeuUlch
Montag den 6. Januar
Eine artilleristische Organisationsänderung? Die Verwendung der Fußartillerie u. a. als „schwere Artillerie des Feldheeres" hat diese Waffe der FeldartillerK wieder nahegebracht. Es wird daher jetzt — wie die „Mil.-pol. Korrespondenz" hört — die Frage einer Wiedervereinigung der Feld- und Fußartillerie, die jedoch naturgemäß sonst getrennte Waffen bleiben sollen, unter einer gemeinsamen General-Inspektion der Artillerie mit Nachgeordneten Inspektionen der Feldartillerie und der Fußartillerie (die es bereits gibt) erwogen. Hierzu schreibt ein höherer Feld- artillerieofsizier: Seit 1889 hat die Feldartillerie, deren Brigaden, je eine pro Armeekorps, den Generalkommandos unterstellt wurden, ihre Geueralinsvektion und ihre 4 Inspektoren verloren. Die Einheitlichkeit der artilleristisch-technischen Ausbildung sollte durch einen Feldartillerie-Jnspekteur, Generalleutnant, beaufsichtigt werden. So ist es auch geblieben, als 1899 bei der Neugliederung der Feldartillerie jede Division eine Feldartillerie-Brigade, im allgemeinen zu 12 Batrien erhielt. Die Stellung des Inspekteurs der Feldartillerie erlaubt diesem keinerlei Einflußnahme auf die taktische Verwendung der Waffe. Es ist ihm zudem schon rein materiell und zeitlich unmöglich, in jedem Jahre auch nur den Schießübungen der Hälfie der Brigaden beizuwohnen. Maßgebend für die Beurteilung der Artilleritaktik, und auch des Schießens, sind daher stets oder in den überwiegenden Fällen die kommandierenden Generale, von denen man, da höchst selten einer von ihnen aus der Feldartillerie hervorgegangen ist, volles Verständnis für die Schießtechnik kaum verlangen kann. Die Unterstellung der Feldartillerie unter eine Generalinspektion würde ohne jeden Zweifel auf die Schießausbildung der Waffe einen sehr fördernden Einfluß haben, vorausgesetzt, daß man für höchstens je fünf Armeekorps einen Feldartillerie-Jnspekteur, für Preußen also deren vier, hinzufügte, der den Schießübungen aller Brigaden in seinem Bereiche, wenigstens an einigen Tagen, beiwohnen und die Besichtigungen im Schießen leiten könnte.
Die Balkankrisis.
. Die Pforte und die Mächte.
Konstantinopel, 5. Jan. In informierten diplomatischen Kreisen verlautet, daß der Schritt der Mächte zu Gunsten des Friedens bei der Pforte unmittelbar bevorstehe. Die Botschafter ständen bereits im Meinungsaustausch.
Konstantinopel, 5. Jan. Die Pforte beauftragte ihre Botschafter, den Mächten in einem Rundschreiben zu erklären, daß die Türkei, um ihren Wunsch darzutun, den Frieden zum Abschluß zu bringen, alle möglichen Opfer bringen und auf alles Gebiet westlich vom Wilajet Adrianopel verzichten w rde, aber gezwungen sei, auf den
tiefe und nachhallige Wirkung. Die alte Parabel von den drei Ringen, schon von Boccaccio gekannt und verwertet, ist nicht sowohl der Mittelpunkt der Handlung als die Sonne, die sie beleuchtet, in jedem Falle aber eine so herrliche Schöpfung, daß sie uns immer von Neuem mit unmittelbarer Gewalt packt. Als dramatisches Kunstwerk ist der „Nathan" allerdings für unsere heutigen Begriffe nicht mehr ganz einwandfrei, aber Lessing hat in diesem Falle auch keine hohen dramatischen Ambitionen gehabt, denn er sagte selbst einmal: „Ein Stück von so eigener Tendenz ist nicht reich genug an eigener Sch ö n h e i t ". Worauf es ihm in seinem dramatischen Gedicht in allererster Linie ankam: in einem typischen Werke das Grund- wesen des echten Humanismus zu veranschaulichen. Das ist ihm restlos und herrlich gelungen. Darum ist der „Nathan" auch, wie alle wirklich großen Schöpfungen der Literatur, noch heute so aktuell, daß wir ihn niemals auf uns wirken lassen können, ohne ein Wehen aus unserer eigenen Zeit zu spüren.
Eine so in sich gefestigte und so reich vom Dichter aus- gestaUete Figur von einem Ernst v. Possart dargestellt zu sehen, ist ein Genuß, für dessen Vermittlung wir unterer Direktion nicht genug danken können. Da ist jede kleinste Nuance im Stimmungsgehalt der Dichtung aus's feinste hcranSgearbeitet, ohne daß die großen monumentalen Linien auch nur einen Augenblick verwischt wurden. Professor Dr. Ernst v. Poffart ist allgemein als unerreichter Nathandarsteller besannt, aber doch stehen wir mit Staunen vor solch' gewaltiger Kunst, die uns ganz der Gegenwart entrückt und uns vergasen läßt, daß wir ein Spiel vor uns haben, beim alles in dieser Darstellung ist Seele, ist Verlebendigung des liefen Gedankens, so daß die souveränen K u n st mittel des berühmten Gastes vollständig in der Wirkung ausgehen. Die herrliche Sprechkunst, die selbstverständliche Sicherheit in der Anwendung der retardierenden und steigernden Mittel, das unendlich feine Gebärdenspiel.
Ferrtsprechauschlutz Nr. 230* 1913
Besitz Adrian opels zu bestehen, das für die Verteidigung bei Hauptstadt nötig sei. Die Pforte könne die Inseln des Archipels niemals aufgeben. Um aber ihre Friedensliebe zu beweisen, verzichte sie auf ihre Rechte auf Kreta. Die Pforie hofft, daß die Mächte die Logik der Beweisgründe anerkennen.
Eine Unterredung mit König Carol.
Brüssel, 5. Jan. Im Antwerpener „Matin" berichte, der aus Bukarest zurückgekehrte belgische Konsul über eine Unterredung mit König Carol. Dieser erklärte, daß er trotz der starken Gegenströmung im Lande den Frieden erhalten wolle. Er hoffe, auch dann für Rumänien den Frieden zu retten, wenn die Feindseligkeiten wieder ausgenommen würden. Der König riet der Türkei schon vor Jahren, Kreta an Griechenland abzutreten, aber erfolglos. Die Autonomie Albaniens wünschte er längst, da Rumänien durch kutzowalachische Elemente daran interessiert sei. Der König betonte das gute Einvernehmen mit Oesterreich-Ungarn, das während der Balkankrise bestand.
Die militärischen Maßnahmen Oesterreichs und Ruhlands.
Den „Leipz. Neueste Nachr." wird gedrahtet: Die „Neue Fr. Preffe" schreibt: „Wie in hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, haben zwischen Rußland und Oesterreich über die Rückgängigmachung der militärischen Maßregeln gar keine diplomatischen Verhandlungen stattgefunden, wohl aber sei die Frage in nichtoffizieller Weise freundschaftlich erörtert worden. Oesterreich scheine indes nicht gesonnen, die wegen der Haltung Serbiens getroffenen militärischen Maßnahmen rückgängig zu machen, bevor nicht Serbien offiziell zu erkennen gegeben hat, daß es die Forderungen Oesterreichs in der albanischen Frage zu erfüllen bereit ist. Bisher habe zwar die Botschafterkonferenz in London den Standpunkt Oesterreichs gebilligt, eine amtliche Erklärung der serbischen Regierung liegt jedoch bisher nicht vor. Dasselbe Blatt erfährt weiter: „Die Meldung des Pariser „Temps", daß Oesterreich an Rußland mit dem Vorschlag herangetreten sei, Rußland in der Dardanellenfrage zu unterstützen, wenn Rußland dafür in der albanesischen Abgrenzungsfrage dem österreichischen Standpunkt Rechnung trage, wird an hiesiger maßgebender Stelle als durchaus unrichtig bezeichnet.
Oesterreichs militärische und finanzielle Lage.
Wien, 5. Jan. Wie der „Köln. Ztg." telegraphiert wird, war der Hauptzweck des gestrigen gemeinsamen Ministerrats, daß die beiden Finanzminister einen Ueberblick über die verbrauchten und nod) erforderlichen Geldmittel für die gegenwärtige besondere militärische Bereitschaft gaben. Amtlich werden über den Verlauf des Ministerrats nur allgemeine Mitteilungen gemacht, wenn man aber halbamtlichen Auslastungen glauben darf, ist sein Ergebnis insofern nicht unerfreulich, als die Angaben des Kriegs-
das mühelose Ausfällen der Höhen und Tiefen der Dichtung — das ist ein Genuß, den uns eben kein Anderer als ein Poffart zu geben vermag. Von einem solchen Meister interpretiert, lebt der '„Nathan" doppelt lebendig in uns fort.
Von unseren hiesigen Künstlern gebührt vor allem Fräulein Arens das Lob, die schlichte, hebe Gestalt der Recha fein ausgearbeitet und mit gutem Verständnis für deren künstlerischen Gehalt dem Dichter nachgeschaffen zu haben. Die übrigen Darsteller: Fräulein Ballin (Siltah), Fräulein Wald (Daje), die Herren Brandt (Seladin), Holtz (Tempelherr), H u n a l d (Derwisch), Palitzsch (Patriarch Wieberg (Klosterbruder), fanden sich mit ihren Aufgaben im ganzen recht befriedigend ab.
Posse und Operette.
Nachdem am gestrigen Nachmittag die Posse „Auto- liebchen" vor einem beifallsfreudigen Publikum gegeben war en war, fand darauffolgend am Abend eine Wiederholung er prächtigen Operette „Der Hebe Augustin s a , ein ausverkauftes Haus mit sich gebracht hatte. ?y • Franz au« Kranksur, a. M. miete in b« ¥«« ^ „Helene" wiederum durchschlagenden Erfolg. , , Sri. Else Trauner al« .Anna' bie Maur « Würdig»»» für ihre hübsch.» Darbietungen. *« « irrtet der übrig.» H-upw-rN-n hatten °" £"Ä.£ Abend« reichen Am.il. A-eisellas ist diese beliebte Operette als der Hauptschlager der Saison zu bezeichnen.
Humoristtsches.
Matkematil auf dem Lande. Tourist: .Was, das sott ri« - ME ^atürli, war -ersten«- denn Sh
"""Abw-b-^ Ar-undin: „Dem lieber Wiftelprinz schielt fas — Mutter: „Ach, das tut er nur, wenn er was sieht, das ihw
nicht gefällt!"