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UotaNonsdruck und Verlag der Buchdruckerei der verein. eo. Waisenhauses in Hanau.

Stnrvckungsgevvhri

BtjugopteUl

vierteljährlich 1.80 9JIL, monatlich SOPfg^ ff« Post- bezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer lostet 6 Pfg.

Öse Bgefpafftite Vetitzette oder deren Raum 20 Pfg. im Neüametetl dt« Zelle 60 Pjg,

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and FandKreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: S. Schrecker in Hanau,

Nr. 302

Kernsprechanschlitf; Nr. 230

Freitag dea 27. Dezember ^gwwwMWMJwgHwmMKramHmMMWMB^^

Fernsprechattschlittz Nr. 230

1912

Amtliches.

Serfttuerunn her PM und MbarM, |i* her Automaten nnd Nusikwelke.

A. Im Monat Januar 1913 sind zu versteuern:

1. sämtliche nach Tarifstelle 481 des Stempelsteuer­gesetzes vom 31. Juli 1895 / 26. Juni 1909 stempel-

. pflichtigen Pacht- und Mietverträge (auch die nur mündlich abgeschlosienen), welche im Kalenderjahr 1912 in Geltung gewesen find,

2. die nach Tarifstelle 11a des genannten Gesetzes steuerpflichtigen Automaten und mechanische Musik­werke.

B. Die Versteuerung hat zu erfolgen:

Zu 1. Durch die dem Verpächter oder Vermieter ob­liegende Einreichung eines Pacht- und Mietverzeicknisses und Einzahlung der Steuer bei den Zollstellen oder Stempel- verteilern, welche auch die Formulare zu den Verzeichnissen unentgeltlich verabfolgen.

Zu 2. Durch Anmeldung des Automaten oder Musik- I werkeS seitens des Eigentümers oder Ausnützers bei der zu­ständigen Zollstelle.

6. Nicht oder nicht rechtzeitig bewirkte Versteuerung zieht Bestrafung nach sich.

Wegen des voraussichtlichen Andrangs bei den Zollstellen wird die alsbaldige Versteuerung empfohlen.

Hanau den 13. Dezember 1912.

Königliches Hauptzollamt. 31763

Stadtkreis Ranau.

i Mälm der NeuiMs-WticktiMN.

Zur Ablösung der hier üblichen und gewiß ebenso wie an anderen Orten lästig empfundenen gegenseitigen Neu- jahrsgratulationen sind Listen ausgelegt in der G. M. Alberti'schen und F. R. Königs Hofbuchhandlung, der Buchhandlung von August Zippelius, der Expedition des Hanauer Anzeigers" und derHanauer Zeitung", dem Stadtsekretariat, dem Meldeamt, dem Standesamt sowie auf dem Armenamt.

In diese Listen kann jedermann seinen Namen und den von ihm gezahlten Betrag selbst eintragen.

Der Erlös soll für die von der Stadt und dem hiesigen evangelischen Waisenhaus unterhaltenen armen pflege- und Waisenkinder verwendet werden. Insbe­sondere soll dadurch ein Grundstock für außerhalb der engeren Armenpflege liegende Aufwendungen, z. V. zu Weihnachtsbescherungen und dergl. geschaffen werden.

Die Namen der Zeichner werden rechtzeitig vor und nötigenfalls unmittelbar nach Neujahr in den hiesigen Zeitungen, jedoch ohne Angabe des gezahlten Betrages

Stadttheater in Hanau.

Der liebe Augustin".

Operette in 3 Akten von Leo Fall.

An beiden Feiertagnachmitlagen ging wieder dieses erfolg­reichste Werk der Saison in Szene, und der lebhafte Beifall, mit dem die Operette ausgenommen wurde, zeigte, daß auch mit diskreten Mitteln, die sich hauptsächlich auf musikalische Vertiefung stützen, in dieser Kunstgattung sehr wohl eine starke Wirkung erzielt werden kann. Vom historischen Wie­nerLieben Augustin" hat ja die Operette freilich nur den Titel, aber die freie Verwendung die'er Figur ist mit glück­lichem Erfassen ihres Stimmungsgehalte» geschehen, und mit feinem Geschicke wird demonstriert, wie die innerlich verwand- len Naturelle des armen Musikanten und der Pseudoprinzessin einander zustreben und sich finden. Das ist alles glaubhaft und natürlich, mit nicht zuviel Sentimentalität und nicht zu i wenig Humor ausgeführt und füllt die ganze Handlung t so gut aus, daß das etwas grobkörnige Widerspiel 8 der Kammerdienerstochter Anna mit ihrem Höhen- I trieb und der dekadenten Serenissimussigur des f alten Fürsten Nikola nicht viel schaden kann. In musi- kalischer Hinsicht hat Leo Fall diesmal etwas geboten, das r I noch ein gutes Stück über seine bisherigen besten Werke hinausragt. Lustig und übermütig wo es hingehört, fein und gemütvoll in den elegischeren Szenen, temperamentvoll und flott in den Ensemblesätzen kurzum ein Werk, das sich der guten Tradition bemerkenswert nähert, ohne aur moderne Wirkungen zu verzichten. Dazu kommt, daß keine Partie eigentlich auf Kosten einer anderen dominiert, es wird nirgends mit gewaltsamen Effekten gearbeitet, und dies er­möglicht natürlich einen viel besseren Zusammenschluß der Gesamtivirkung, die denn auch niemals ausbleibt. Und da der dritte Akt einmal erfreulicherweise nicht gegen die beiden ersten abfällt, wie wir'» io oft bei Novitäten erlebten. jo

veröffentlicht werden, sodaß ein vollständiger Ersatz für die gegenseitigen Neujahrsgratulationen vorhanden ist.

Da diese Einrichtung sich an anderen Orten sehr be­währt hat, bitten wir auch hier recht regen Gebrauch davon zu machen.

Allen Gebern im voraus besten Dank.

Hanau den 17. Dezember 1912. 31415

Der Magistrat, Armen- Die Verwaltung des ev. und Waisenamt. Waisenhauses.

Glaser. Ewald.

Bekanntmachung.

Die in dem früheren Forsthaus Neuhof eingerichtete und am 1. April 1911 in Betrieb genommene Wander­arbeitsstätte ist in der Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 von 7371 Wanderern und vom 1. April bis 1. Dezember 1912 von 4960 Wanderern aufgesucht worden.

Ueber die Einrichtung. Unterhaltung und Verwaltung derselben ist bereits unterm 9. Juli 1911 imHanauer Anzeiger" eingehend berichtet worden. Wir weisen er­neut darauf hin. daß die Wanderarbeitsstätte mittellosen, arbeitsfähigen, außerhalb ihres Wohnortes arbeitsuchenden Männern Unterkunft und Verpflegung gewährt gegen Ar­beitsleistung. Die Beschäftigung besteht in Holzzerkleinern, Garten- und Feldarbeiten usw. Durch den mit der An­stalt verbundenen Arbeitsnachweis werden Wanderer in dauernde Arbeitsstellen untergebracht.

Mittellose, arbeitsfähige oder arbeitslose Arbeiter haben also auf der Landstraße nichts mehr zu suchen und keine Veranlassung sich dürch Betteln zu unterhalten. Wir bitten dringend keinem Wanderer mehr Geschenke (Geld, Kleider usw.) zu verabfolgen, da hierdurch die Neigung vieler Wanderer zum Dagabundenleben und zum Land­streicher nur gefördert wird. Von der Anstaltsleitun^ wer­den Karten zur Verabfolgung an die bettelnd vorsprechen­den Wanderer gegen Zahlung eines geringen Betrages abgegeben. Diese zur Abweisung der Wanderer sehr zweck­entsprechenden Karten gewährleisten denselben Aufnahme in die Wanderarbeitsstätte und sollten in keinem Haushalte fehlen.

Da die Wanderer, jetzt täglich 4050 Mann. Hauptsäch­lich nur mit Zerkleinern von Holz beschäftigt werden können, welches wieder an Private verkauft werden muß, so bitten wir zur Unterstützung der Wohltätigkeitseinrich­tung das im Haushalt erforderliche Brennholz von der Wanderarbeitsstätte zu beziehen. Die Abgabe des Holzes erfolgt in jedem beliebigen Quantum frei ins Haus zu billigen Preisen.

Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß die Wander- arbeitsstätte z.Zt.2530 Arbeiterkolonisten beschäftigt,die

bleibt ein wohltuend abgerundeter Eindruck von der Operette, der sie uns um ihrer selbst willen lieb macht. Die von Herrn Direktor S t e f f t e r vermittelte glänzende Inszenierung trägt nicht wenig zur Sicherung des Erfolges bei. Die Partie derHelene" wurde diesmal von Fräul. Arpe ge­sungen. Wir konstatieren gerne, daß eS der Künstlerin restlos gelungen ist, das durch ihre weniger glücklichen früheren Leistungen entstandene Vorurteil vollständig zu entkräften, sie führte den gesanglichen Teil ihrer Partie mit sehr anerkennenswertem Geschick, durch hatte schöne Toiletten zu zeigen und war im Spiel durchaus so, wie wir es auch bei Anlegung eines strengeren kritischen Maßstabes erwarten dürfen. Wir hoffen gerne, daß au- der Künstlerin, nachdem es ihr nun ge­lungen ist, über dentoten Punkt" in sich hinauszukommen, noch durch manche ebenbürtige Leistung. in ihrem Fach er­freuen wird. Daß Herr H i e t e l für die Rolle desLieben Augustin" alles besitzt, was ihr zum Erfolge verhelfen kann, wurde früher schon bktont. Das große Geschick, mit dem er allen Zügen seiner Partie bis ins Feinste nachgeht, der warme Charme, den er über die sympathische Mustkantenfigur ausgießt, seine Natürlichkeit und Lebendigkeit in allen Szenen, das alles hebt seine Leistung auf eine sehr respektvolles Niveau. Vortrefflich war ebenfalls wie in den früheren Aufführungen Frl. Trauner alsAnna". Hinsichtlich der übrigen Darsteller haben wir unserer früheren Besprechung nichts hinzuzufügen.

Am Altar.

Schauspiel von Paul Blumenreich.

Die Abendvorstellung des ersten Feiertags brachte das hier von früher her schon bekannte Volksstück, das im Rahmen seiner Haltung sehr geschickt aufgebaut ist und seine Wirkung niemals verfehlt. Die Effekte, die durch den Konflikt des jungen Paters Benedikt, der heim­lich Spinoza liest und sich innerlich nicht von der Welt lösen

zu allen Arbeiten im Haushalt und Gewerbe auf Stunden, Tage und Wochen zur Verfügung stehen, wenn keine ein« heimischen Arbeiter zu bekommen sind.

Wir bitten weiter, unbrauchbar gewordene Gegenstände jeder Art, welche in den Haushaltungen nur Platz weg­nehmen und als unnützer Ballast herumstehen oder liegen, sogenannte Brocken, wie alte Kleider, Schuhe und Zeitschrif­ten re. der Wanderarbeitsstätte zu überweisen. Dieselben werden jederzeit gern und mit Dank angenommen und bei Benachrichtigung sofort abgeholt. Die überwiesenen Gegen­stände finden zur Beschäftigung und Unterstützung arbeit-« und mittelloser Wanderer Verwendung.

Bestellungen auf Lieferung von Brennholz, Gestellung von Arbeitern, Abholen von Gegenständen usw. können auch durch Telephon Nr. 291 aufgegeben werden.

Eine Besichtigung der Einrichtung der Wanderarbeits­stätte ist gern gestattet und kann an jedem beliebigen Tage bis 5 Uhr nachmittags erfolgen. Vorherige Anmeldung ist jedoch erwünscht. 531

Der Magistrat.

Hild.

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Kaufmanns Ludwig Wolf- sohn in Hanau, Rosenstraße 16, ist heute am 23. Dezember 1912,, nachmittags 6 Uhr 8 Minuten das Konkursver. fahren eröffnet.

Der Rechtsanwalt Wiechens in Hanau ist zum Kon­kursverwalter ernannt.

Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 20. Januar 1913, erste Gläubiger­versammlung am 16. Januar 1913, vormittags 9 Uhr, Prüfungstermin am 6. Februar 1913, vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 6 in Hanau, Nußallee Nr. 17 Zimmer Nr. 20.

Hanau den 24. Dezember 1912. 31721

Der Eerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts, Abt. 8.

Hanauer Ortskrankenkasse.

Die freiwilligen Mitglieder-Beiträge für 1912 werden nur noch angenommen'

Dienstag den 24. Dezember, von 8 Uhr bis 2 Uhr, und Dienstag den 31. Dezember, von 8 Uhr bis 2 Uhr.

Hanau den 20. Dezember 1912.

Der Vorstand. 31318

Die ersten Einzahlungen für 1913 finden statt:

Mittwoch den 15. Januar Buchstaben AK, Donnerstag den 16. Januar Buchstaben LZ.

kann, mit dem alten Abt erzielt werden, sind mit der ganzen skrupellosen Naivität, aber auch mit der Kraft und Wucht des rechten Volksstücks herausgearbeitet. Der alte Kampf zwischen dem starren Dogma und der lebendigen Vernunft, fanatisch-rücksichtslos von der einen, stolz und unbeugsam von der anderen Seite geführt, endet im Leben so selten mit dem Siege des Rechts. Im Drama sind die Hilfsgeister gefügiger, im Volksstück gar wird's mit den Mitteln zur Durchführung des dramatischen Gedankens nicht so genau genommen, nur sollte die Unbedenklichkeit nicht so weit gehen, auch nur Akte von immerhin kraftvoller Struktur noch einNachspiel" auf« zupfropfen, das den starkschäumenden Trank zu einem un­freiwillig komisch wirkendsn Verlobungslimonädchen ver­wässert. Die im ganzen gutgezeichneten Figuren des Stückes bieten dankbare schauspielerische Aufgaben, die größtenteils gut gelöst wurden. Die Regie (Herr Hunold) hatte alles Wesenliche mit rechtem Gefühl erfaßt, die szenerischen Bilder waren wirkungsvoll, ganz besonder» das im vierten Akt. Eine Leistung von ganz besonderem Verdienst war der Abt des Herrn Hunold. Da kam die ganze furchtbare Konsequenz bei Herrenmenschen, der zur Erhaltung der kirchlichen Macht im Notfall rücksichtslos über Leichen geht, so glaubhaft und wahrheitsgetreu heraus, war alles so fein abgewogen und die Sprache so eindringlich wirkungsvoll, daß wir uns schlechter­dings keine bessere Wiedergabe denken können. Für den Pater Benedikt, der im Zwiespalt seiner Stellung und seines Gewissens stark und stolz der katastrophalen Befreiung ent­gegengeht, fand Herr Walter Brandt die rechten Töne : scheu und starr, gegen seine friedselige Umgebung, kühn und überschäumend in den Momenten der Leidenschaft und in der großen Szene im vierten Akt (die stürmischen Beifall auf offener Szene brachte) von wahrhafter Größe. Herr Wie­be r g blieb gut im Charakter seiner Rolle al» Graf Rhanek, vielleicht könnte er der Figur etwas mehr aufrechte Würd« geben. Eine sehr nette Leistung gab Herr K u b i tz k y al» Ottfried, auch Herr Holtz blieb der Rolle des Günther