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Ilotattonsdruck und Verlag der Buchdrucker«! der verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
General-Allzeiger
Amillihes Organ für Ä= und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspretsr
vierteNShrlich 1.80 Mk., monatlich 60 W» Mr Post- bezug vierteljährlich 2.10 9HL monatlich 70 Pfg.
Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,
Nr. 294 Kernsprechanschlnk Nr. 830. , Montag dell 16. Dezember Fernspr«chansch»,,tz Nr. 330. 1912
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Amtliches.
Eandkreis k>anau.
Das Hofmarschallamt Sr. Königlichen Hoheit des Landgrafen von Reffen zu Philippsruhe beabsichtigt nach eintretendem Schnee und Frostwetter zur Vertilgung von Raben und Krähen in den landgräflichen Jagdbezirken des hiesigen Kreises Ochsenblut mit Strychnin auszulegen.
Die Stellen an welchen das Gift liegt, sind kenntlich gemacht.
Ich bringe dies hiermit zur allgemeinen Kenntnis und ersuche auch die Ortspolizeibehörden für weitere, ortsübliche Bekanntgabe zu sorgen.
Hanau den 6. Dezember 1912. V 6908
Der Königliche Landrat.
Laur.
Mnfitnt md »nimm Wnltänht it
Gefunden: ^ Kinderschirm mit dem Ramen L. Zehner, 1 grauer Pompadour mit Portemonnaie mit 30 Pfg., mehrere einzelne Schlüssel.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 3,20 Mk., 1 schwarzer Kaninpelz, 1 Brosche mit weißer Schleife mit Bildnis.
Entlaufen: 1 Dachshund mit weißer Brust (hört «Ulf den Namen Peter).
Hanau den 16. Dezember 1912.
Der Kriegsbrand am Balkan.
Oesterreich und Serbien.
Wien, 15. Dezbr. Die „Neue Freie Presse", die heute ln eitel Friedenswonne schwimmt, bringt eine Zuschrift aus Belgrad, die sich den Anschein gibt, eminent friedlich zu sein, aber in Wahrheit vor dem serbisch-österreichischen Konflikt nur den großen Gegensatz zwischen Dreibund und Triple- Entente schiebt, um letztere ganz für den serbischen Standpunkt zu engagieren. Es heißt in dieser Auslassung : Sollte Oesterreich-Ungarn, etwa in der Form eines Ultimatums, eine bindende Antwort von Serbien fordern, dann würde die serbische Regierung den Ratschlägen der Triple-Entente, insbesondere Rußlands, Folge leisten und die Antwort geben, welche die Mächte für erforderlich erachten würden. Auf keinen Fall werde demnach die Hafenfrage sich zu einem
Stadttheater in Hanau.
, Zum 1. Male:
„Der liebe Augustin" Operette in 3 Akten von Leo Fall.
Leo Fall hat in seinem neuesten Schlager „Der liebe Augustin", welcher gestern auch in Hanau einen unbestritten vollen Erfolg erzielte, einen dankbaren Ausflug nach dem Südosten Europas, dem typischen Operettenland, unternommen. Wir werden sofort bekannt gemacht mit dem Regenten Thessaliens, dessen Finanzen operettenhaft zerrüttet sind, weiter lernen wir kennen eine Prinzessin, die ihren Klavierlehrer, den lieben Augustin, liebt und dafür sorgt, daß die gemütliche Seite nicht zu kurz kommt, ferner eine Kam- merdienerstochier Anna mit ihrem Streben nach etwas Höherem. Durch den schuldenbeladenen Regenten wird der Konflikt heraufbeschworen, da er feine Richte, die Prinzessin, um sich vor seinen Gläubigern zu retten, mit einem reichen Fürsten seines Landes verlobt. Der ungeliebte Freier verliebt sich aber in Anna, die Braut des Augustm. Der so geschürzte Knoten wird kunstlos, aber liebenswürdig gelöst, die Aufklärung, daß Prinzessin und Kammerdienerstochler bei der Geburt vertauscht robben sind, geleitet die Liebenden zu ihrer und des Publikums Freude in die „richtigen" Arme. Die Musik ist wienerisch empfunden und darum sympathisch, weil österreichische Gemütlichkeit in ihrer liebenswürdig » sentimentalen Träumerei mit ^uns zu sehr wesensverwandt ist. Es wird ein wahres Schmuckkästchen reizender Musiknummern geboten, die Walzer sind voll Anmut, das volksliedmäßige ist mit Glück betont und auch der Humor kommt — besonders in dem „raiend" fomilcben Trio „Anna, was ist denn mit dir" — zu seinem Recht. Von graziösem Reiz durchzogen ist das Duett zwischen Anna und Nicola, stimmungsvoll das Duett zwischen Helene und Augustin „Ich weiß ein kleines Wirtshaus", besonders volkstümlich das melodiöse Terzett „Wo steht denn das geschrieben". Überhaupt wird 'n der Operette viel gesungen, Duette und Terzette werden
ausschließlich österreichisch-serbischen Konflikt zuspitzen können. Im äußersten Falle könne ein solcher zu einem Gegensatz zwischen Dreibund und Triple-Entente führen und letztere werde dann zu entscheiden haben, ob dieser Gegensatz im Interesse ihrer Machtstellung in Europa durch die Waffen ausgetragen werden oder, wie 1909, friedlich enden solle. Der von der serbischen Regierung eingenommene Standpunkt werde nicht nur von der Regierungspartei geteilt, sondern auch von sämtlichen politischen Parteien, von der gesamten Oeffentlichkeit von jung und alt im ganzen Volke gebilligt. Die Hafenfrage sei nicht eine spezifisch serbische Frage, sondern eine Frage der Machtstellung der beiden Mächtegruppen in Europa.
In solchem Maße ist bisher Serbien noch nicht als bloßer Annex der Triple-Entente aufgetreten. In London wird es sich entscheiden müssen, ob diese Auffassung auf Gegenseitigkeit beruht.
Prag, 15. Dezbr. „Narodni Politika" veröffentlicht eine Unterreoung ihres Belgrader Korrespondenten mit dem neuen serbischen Gesandten in Wien, Jowanowitsch, der xbie zuversichtliche Hoffnung aussprach, daß es gelingen werde, alle Schwierigkeiten zu überwinden und zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien nicht nur einen modus vivendi, sondern sogar rin Verhältnis aufrichtiger und dauernder Freundschaft herbeizuführen.
Paris, 15. Dez. Die „Agence Havas" meldet aus Belgrad: Die Unterhandlungen Serbiens und Oesterreich- UngarnS würden folgende Grundlagen haben können: Serbien werde erklären, daß es mit Oesterreich die freundschaftlichsten Beziehungen unterhalten und dabei seine vollkommene politische Unabhängigkeit bewahren wolle. Serbien werde der Autonomie Albaniens zustimmen, vorausgesetzt, daß es einen Hafen am Adriatischen Meer erhalte, zu dem es freien Zugang haben müsse; es werde sich verpflichten, diesen Hafen nicht in einen Kriegshafen umzuwandeln. Oesterreich werde betreffs der Anleihen und öffentlichen Arbeiten ein Vorzugsrecht erhalten und auch wirtschaftlich die Behandlung einer meistbegünstigten Nation genießen. Es werde schon jetzt bin Vorteil haben von der zu seinen Gunsten vorgenommenen Tarifrevision. Man versichert, daß Serbien auf dieser Grundlage bereit ist, Unterhändler nach Wien zu schicken.
Paris, 15. Dez. Die „Agence Havas" meldet ans Belgrad: Die serbische Regierung drückte angesichts des beständigen Anwachsens. der militärischen Maßnahmen Oesterreichs gestern durch die Vermittlung reichlich geboten, wodurch der sentimentale Charakter besonders hervortritt. Kurz, wir haben ein Werk vor uns, das alle Eigenschaften besitzt, das Publikum in hohem Grade zu fesseln, den Theatern volle Häuser zu vermitteln.
Die Aufführung in Hanau war in allen Teilen gut vorbereitet, sodaß der Kontakt zwischen Spielern und Hörern schnell genug hergestellt war. Die Vertretung zweier Haupt- partieen, der „Helene" und der „Anna" durch Fräul. Anita Franz vom Opernhaus zu Frankfurt und Fräul. Else Trauner vom hiesigen Ensemble, bot ebenfalls genügenden Anlaß, mit Spannung der Aufführung entgegenzuseheu. Frl. Anita Franz verstand es, durch ihr feines charmantes Wesen und ihre sympatische warm berührende Singweife alle Herzen gefangen zu nehmen. Fräulein Trauner, die zum ersten Male mit einer größeren Aufgabe betraut worden war, erzielte gleichfalls durchschlagenden Erfolg. Sie verstand es, die „eungebildete" Tochter des famos gezeichneten Kammerdieners Iasomirgott humorvoll und doch wiederum dezent zu charakterisieren und den gesanglichen Teil mit bestem Gelingen durchzuführen. An der Förderung des guten Gesamteindrucks waren auch die übrigen Vertreter der Hauptpartien redlich beteiligt. Herr Hietel war als „lieber Augustin" in Gesang und Spiel recht gut, wir sind der Ansicht, daß er mit der Durchführung dieser durchaus nicht leichten Partie die beste Leistung während seines Hierseins vermittelt hat. Dem pariserisch-blasierten Nicola lieh Herr Palitzsch eine famose Note, als Iasomirgott war Herr Otto Hunold vorzüglich, auch Herr C h r i st e a n verstand es, seinen Regenten mit Junior auszustatten. Der Rahmen endlich der den farbenprächtigen, graziösen Bildern gegeben wurde, war stilvoll und stimmungsvoll, die Meisterhand des Herrn Direktors Steffter kennzeichnend. So konnte es nicht ausbleiben, daß das Publikum seiner Befriedigung stürmischen Ausdruck gab, die Sängerinnen und Sänger nach jedem Duett und Terzett rc. herausrief und zu Wiederholungen veranlaßte. Auch Herr Direktor Steffter und Herr Kapellmeister Kähler mußten
des Gesandten in Belgrad der österreichischen Regierung ihr Bedauern über die gegen Serbien unternommenen Demonstrationen aus, besonders gegenüber Belgrad. (Notiz bei „W. B.": In Wien ist von einem solchen Schritt nicht- bekannt).
Bulgarien und die Mächte.
Paris, 15. Dezbr. Dr. Danew erklärte dem Londoner „Temps"-Korrespondenten bezüglich der Meldung des „Figaro" über den angeblichen Beitritt Bulgariens zum Dreibund: „Die französische Presse scheint etwas nervös zu sein. Sie wissen, daß es zu den Traditionen Bulgariens gehört, herzliche Beziehungen zu allen Mächten zu unterhalten. Noch vor kurzem haben uns unsere ausgezeichneten Beziehungen zu Oesterreich gestattet, in nützlicher Weise in die Beziehungen der Doppelmonarchie zu den Balkan-Verbündeten einzugreisen. Warum sollten wir diese nützliche Rolle aufgeben? Wenn wir einer Mächtegruppe beitreten sollten — was wir keineswegs beabsichtigen —, so wäre der Augenblick wahrlich recht schlecht gewählt".
' Stimmen zur europäischen Situation.
* Berlin, 15. Dezbr. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrundschau: Der abgelaufenen Woche darf man nachsagen, daß sie keine Verschärfung in die europäische Lage gebracht ^at ; von der morgen beginnenden möchtèn wir wünschen; daß sie den Erwartungen gerecht wird, die sich an die bevorstehende Einleitung der Friedensunterhandlungen und die Botschafterbesprechung in London knüpfen. Der Versuch, zwischen der Pforte und den Balkan- Regierungen in unmittelbarer Verhandlung einen vertragsmäßigen Ausgleich der durch den Krieg nicht entschiedenen Streitpunkte herbeizuführen, wird von allen Großmächten mit Sympathie begleitet. Für dm Verlauf der Botschafterbesprechung kann es wohl als günstiger Umstand gelten, daß die Balkanpolitik Oesterreich-Ungarns jetzt in manchen Kreisen gegen früher ruhiger gewürdigt wird.
Wien, 15. Dezbr. Den Wechsel in der Leitung der Kriegsämter besprechend betont das „Fremdenblatt", die Ernennung der beiden bereits erprobten Männer bedeute die Aufrechterhaltung der Kontinuität und habe mit politischen Angelegenheiten nichts zu tun. Abgesehen davon, daß militärische Personalveränderungen nicht die allgemein« Politik eines Staates änderten, könne auch beim besten Willen kein politischer Anlaß ausfindig gemacht werden, der den Wechsel in der Armeeleitung bedingen würde. Man werde vielmehr aus der Fortsetzung der bisherigen Militär - sich dem Publikum wiederholt zeigen und den Dank entgegennehmen für die wohlgelungene Aufführung.
* Stadttheater. Beifallsstürme, wie sie gestern das ausser« kaufte Haus durchbrausten, sind seit den Tagen der „Dollarprinzessin" im Stadttheater nicht mehr zu verzeichnen gewesen. Die Première der Operettennovität „Der liebe Augustin" gestaltete sich zu einem Triumpf' Es mußten ausnahmslos sämtliche Gesangsnummern wiederholt werden und man darf sagen, daß der glückliche Komponist Leo Fall hier ein Werk geschaffen hat, das seine Operetten „Dollarprinzessin" und „Fideler Bauer" fast noch übertrifft. „Der liebe Agustin" dürfte daher auch hier in Hanau der Saisonschlager werden und noch viele Hörer erfreuen. Die nächste Wiederholung, verbunden mit dem nochmaligen Gastspiel des Frl. Anita Franz ist morgen Dienstag, wieder bei gewöhnlichen Operettenpreisen. Am Mittwoch ist nachmittags die Erstaufführung des diesjährigen Weihnachtsmärchens „Schneewittchen" bei ganz kleinen „Kinder- preisen". Herr Direktor Steffter wird diesmal selbst das Stück inszenieren und den „Kleinen" einen schönen Genuß bieten. Die 8-Abonnenten erhalten am Mittwoch abend die erste Wiederholung des prächtigen, urkomischen Volksstückes „Hasemanns Töchter" von Adolf L'Arronge. In der Hauptrolle des „Anton Hafemann" gastiert Herr Fritz Odemar vom Frankfurter Schauspielhaus. Fritz Odemar, ein Künstler ersten Ranges unl zu den besten Vertretern dieser Rolle zählend, war jahrelang ein hochgeschätztes Mitglied der Hofbühne in Hannover, folgte dann einem Rufe als Regisseur und 1. Komiker an das Kölner Schauspielhaus und wurde auch hier während seiner sechsjährigen Tätigkeit außerordentlich gefèiert. Seit dem Beginn dieser Spielzeit gehört er in gleichen Eigenschaften zum Verbände des Frankfurter Schauspielhauses und hat sich bereits in der kurzen Zett seiner dorttgen Tätigkeit durch seine urwüchsige Komik und goldenen Humor in höchstem M je die Sympathien des Publikums erworben. Mit seinem Gastspiel am Mittwoch wird sich der illustre Künstler vortrefflich einfiihren und die schöne Rolle zu bester Geltung bringen.