Erstes Blatt.
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Dit 6ß<ipafifn? Petttzetle oder deren Naum 20 Pik im RektameteU Die Zette DO Psg, fUtaHonebrud und Verlag der Buchdrucker«! bet verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für S1aM= und LauNreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugs-reiOr
vierteljährlich 1 80 Mk., monatlich 60 Pfg-, für Post- bezug vierteljährlich 2.10 9RL, monatlich 70 Pfg Die einzelne Nummer tostet 6 Pfg.
Verantwort! Redakteur: G. Schrecker in Hanau
Ri. 287 Ke»»s»>r«cha»sck,l,i8 Nr. 330.
Samstag den 7. Dczciiibkr
Fernfprechaufchlatz Nr. 230» 1912
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Die Me Stummer »mW Mn dem HiMmltungrtlatt 30 Seiten.
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Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Die Haushaltspläne
der Mittel- unb Volksschulen für 1913,
der gewerblichen Fortbildungsschule für 1913 und der Wanderarbeitsstätte für 1913
liegen vom 9. d. Mts. ab 8 Tage lang zur Einsicht der Gemeinde- angehörigen auf Zimmer Nr. 35 des Neustädter Rathauses (2. Obergeschoß) offen.
Hanau den 6. Dezember 1912. 30131
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: Aelterer Mann (leichte Beschäftigung), 1 Bureau- diener, 3 Fahrburschen, 7 Hausburschen, 1 Hausmädchen. Gesucht wc.den: 3 Dienstmädchen, 2 Fahrburschen, 1 Schneider (für Ganzstücke).
3m Monat November erhielten Stellen zugewiesen: 1 Bau- schlosser, 6 Dienstmädchen, 1 Fabrikarbeiter, 1 Fahrbursche, 1 Gartenarbeiten 7 Hausburschen, 9 landwirtschaftliche Taglöhner, 3 Schneider, 3 Schreiner, 4 Schuhmacher, 2 Taglöhner.
Hanau den 7. Dezember 1912. 30129
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Gefunbene und verlorene Segenilönde rc.
Gefunden: 1 gelbe Pferdedecke (gez. 25).
Verloren: 1 Portemonnaie mit 6,20 Mk. (begehend aus einem 3, 2 und 1 Markstück).
Abhanden gekommen: 1 Mülleimer (in der Zindenstraße).
Hanau den 7. Dezember 1912.
Der Kriegsbrand am Balkan, Festungslehren vom Balkan.
Bei den jetzt abgeschlossenen Waffenstillstandsverhandlungen hat dis Festung Adrianopel eine große Rolle gespielt. An dieser Frage drohten die Verhandlungen eine zeitlang zu scheitern. Es ist daraus zu ersehen, welche große Bedeutung die Festungen Im Kriege spielen. Ein höherer Offizier, der selbst mehrere Jahre als Eeneralstabsoffizier in einer Festung tätig war, schreibt uns hierüber folgendes:
Man kann die Rolle, die Adrianopel in dem jetzigen türkischbulgarischen Krieg spielte, geradezu als ein Musterbeispiel für die Bedeutung der Festungen für die Kriegführung hinsteNen. Im ersten Teile des Feldzuges sicherte die Festung infolge ihrer Lage dicht an der Grenze die Mobilmachung und den Aufmarsch des türkischen Heeres. Sie hielt ferner den Vormarsch der überlegenen bulgarischen Streitkräfte auf und glich dadurch die Nachteile wieder aus, die durch die langsame Mobilmachung der Türken entstanden waren. Daß dies nicht vollkommen gelang, war die Schuld des schlechten Zustandes der Befestigungen von Kirkkilisse. Wären hier nicht nur drei minderwertige Erdschanzen vorhanden gewesen, sondern eine große moderne Festung, wie es Goltz verschiedentlich verlangt hatte, so wäre der ganze bulgarische Vormarsch schon dort zum Stehen gekommen und nicht erst vor der Tschataldscha-Stellung.. Es zeigt sich hier deutlich, daß 86 nicht genügt, einen einzelnen Punkt zu befestigen, sondern
85 auf eine zweckmäßige Anlage des gesamten Landesverteidi- gungssystems ankommt. In ähnliche Weise ist bei uns in den lebten Jahren nicht nur Metz allein ausgebaut worven, sondern auch Diedenhofen neu befestigt worden, so daß an d> r . t eine befestigte Linie entstanden ist, die im Kriegsfälle durch provisorische Werke leicht verstärkt und weiter ausgedehnt werden kann. 3m weiteren Verlauf der Operationen hat Adrianopel starke Kräfte der Bulgaren und Serben gefesselt und sie der eigentlichen Feldarmee entzogen. Vor Adrianopel liegen etwa 4—6 Divisionen. Diese Truppen hätten bei den Kämpfen um die Tschataldscha-Linie von entscheidender Bedeutung sein können. Ebenso waren die Bulgaren gezwungen, ihre ganze schwere Artillerie vor Adrianovel in Stelluna au brinaen. Sie fehlte ihnen
in sehr empfindlicher Weise von Tschataldscha. Gerade die mangelhafte Artilleriewirkung ist schuld gewesen, daß die bulgarischen Angriffe abgeschlagen wurden. Adrianopel sperrte außerdem die einzige auf diesem Kriegsschauplatz vorhandene Bahn, die für den Nachschub des bulgarischen Heeres von außerordentlicher Bedeutung war. Verpflegung und Munition mußten durch Landtrans- porte der Armee zugeführt werden, was bei den schlechten Wege- verhältnisien und der ungünstigen Witterung sehr schwierig war. Die Armee hat deshalb vor Tschataldscha Mangel gelitten, und diesem Umstande ist es mit zuzuschreiben, daß die Bulgaren auf die weitere Durchführung ihrer Offensivoperationen Verzicht leisteten.
Der Besitz von Adrianopel muß auch auf den schließlichen Frieden von Einfluß sein. So lange sich die Festung behauptet, können die Türken mit gutem Recht verlangen, daß ihnen der Platz und seine Umgebung im Frieden belasten wird. Ist sie aber erst einmal gefallen, werden die Bulgaren sie schwerlich wieder herausgeben. So ist die Behauptung der Festung gleichbedeutend mit dem Besitz der Provinz, in dem sie liegt. Aehnlich kann sich kein Gegner, der in Ostpreußen eingevrungen ist, rühmen, diese Provinz in Besitz zu haben, ehe er nicht Königsberg ercbert hat. So blieb auch Belfort den Franzosen erhalten infolge seiner heldenmütigen Verteidigung und seines langen Widerstandes. Aus diesem Grunde haben auch jetzt bei dem Waffenstillstände die Bulgaren nicht au gelassen, daß die Festung neu verproviantiert wird. Die Einschließung geht weiter. Die Bulgaren hoffen, daß Mangel an Lebensmitteln den Platz zur Uebergabe zwingen wird. Aus diesem Grunde ist auch der Beginn der Friedensverhandlungen so weit hinausgeschoben. Glückt es den Bulgaren, sich vorher in den Besitz dieser Festung zu setzen, so ist ihre militärisch-politische Lage sehr viel günstiger. Akan sieht daraus aber auch, wie wichtig es ist, daß die Festungen, namentlich die an der Grenze gelegenen, schon im Frieden vollkommen ausgerüstet sind und nicht nur für die Kriegsvesatzung, sondern auch für die gesamte Bevölkerung genügend Lebensmittel besitzen. Man darf sich nicht darauf verlasten, daß die Vorräte erst bei der Armicrâ dorthin gebracht werden. Sie müssen beständig da lagern. Die Konserven, Gefrieranstalten, große Mehl- und Eetreidemagazine bieten die Möglichkeit, die Verpflegung auf eine lange Zeit rechtzeitig sicherzustellen.
Unser Generalstab hat in den letzten Jahren in seinen Veröffentlichungen immer wieder darauf hingewiesen und ist bestrebt gewesen, in der ganzen Armee richtige Anschauungen über den Einfluß der Festungen zu verbreiten. Die letzten Kriegsereig- nisse haben ihm in allen Punkten recht gegeben.
Rumänische Vorstellungen gegen griechische Ausschreitungen.
London, 7. Dezbr. „Daily Telegraph" meldet aus Bukarest vom 6. d. Mts.: Der rumänische Gesandte in Athen hat gegen die angeblichen Ausschreitungen griechischer Truppen in Mazedonien Vorstellungen erhoben. Der Ministerpräsident antwortete, er habe keine Kunde von den Vorfällen, werde aber eine Untersuchung einleiten und die Schuldigen exemplarisch bestrafen. Ein spezieller Beamter ist zur Untersuchung nach Mazedonien abgegangen.
Weitere Nachrichten vom Balkan im 2. und 5. Blatt.
Luftschiffahrt.
Dauerfahrt des Luftschiffes Schütte-Sanz.
Mannheim, 7. Dezbr. Das Luftschiff Schütte-Lanz ist gestern abend 8.30 Uhr zu einer Dauerfahrt aufgestiegen. Es ist beabsichtigt, 16 Stunden in der Luft zu bleiben. Das Flugziel ist vorläufig Berlin. Führer des Luftschiffes ist Luftschiffkapitän Honold. Die Besatzung ist die übliche. Als Vertreter der Ab- nahmekommission befindet sich Hauptmann o. Jena an Bord. Bis heute morgen halb 9 Ubr ist noch keinerlei Nachricht über die Fahrtrichtung oder den Aufenthalt des Luftschiffes bekannt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es nach glücklich absolvierter Fahrt seinen ständigen Aufenthalt in Berlin erhalten wird.
Gelnhausen» 7. Dezbr. (Privattelegramm.) Gestern abend nach 11 Uhr wurde hier ein Luftschiff gesichtet, das nur teilweise von Zeit zu Zeit erleuchtet war.
Mus Hanau Stadt und Land.
Hanan, 7. Dezember.
Morgen Sonntag sind die Berkaufsläden bis 7 Uhr abends i geSsfun
* Evangelischer Männerabend. Der nächste evang. Männer- abend wird am Mittwoch den 11. Dezember in der Eoncordia siattfinden. Herr Divisionspfarrer Krüger wird über den Jesuitenorden reden.
* Wetterkursus. Das Meteorologisch-Geophysikalische Institut des Physikalischen Vereins in Frankfurt a. M., Abteilung öffentlicher Wetterdienst, beabsichtigt am 10. und 11. d. M. in Bischofsheim für die Volksschullehrer der Kreisschulinspektionen Hanau- Kesselstadt und Langenselbold einen gemeinsamen Wetterkursus abzuhalten.'
* Annahme von Verwaltungsanwärtern. Schüler höherer Lehranstalten, die die mittlere Beamtenlaufbahn einschlagen und Ostern 1913 ihre Ausbildung beginnen wollen, werden schon jetzt auf dem hiesigen Landratsamte angenommen. Nach den jetzt bestehenden Vorschriften über die Annahme rc. der Regierungs- supernumerare werden die Anwärter, die eine über das vorgeschriebene Mindestmaß (Reife für Obersekunda) hinausgehende höhere Schulbildung in normalem Alter erworben haben (Prima oder Oberprima), sofern sie sonst für den prattischen Dienst geeignet sind, bei der Einberufung bevorzugt und dürfen demgemäß außerhalb der Reihenfolge der Vormerkungen angenommen werden.
* Prüfung. Unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Hild unterzogen sich gestern die städtischen Oberassistenten Herren Busch, Kißeberth, Scherzberg und Roediger der Sekretärprüfung, welche sie mit Erfolg bestanden. Weiter bestanden die Assistentenprüfung die Herren Albert/Deyer, Gregor, Hamburger, Leonhardt, Löser, Münch, Schmidt und Stahl.
* Stadttheater. Am heutigen Samstag wird zu g a n z kleinen Preisen als Sondervorstellung für die Schüler und Schülerinnen hiesiger Lehranstalten das Drama „E u d r u n" gegeben. Plätze zu dieser Vorstellung, welche abends 6 Uhr beginnt, sind noch an der Theaterkasse erhältlich: auch Erwachsene haben bei gleichen Preisen (30, 40 Pfg.) Zutritt. Morgen Sonntag ist nachmittags bei kleinen Preisen die melodiöse Operette „Früh- l i n g s l u f t" und abends außer Abonnement bei gewöhnlichen Preisen das Gastspiel Lina Donninger vom Frankfurter Opernhaus, welches bei den herrlichen Stimmitteln, über welche Frl. Donninger verfügt, einen hohen Genuß bietet. Die Künstlerin singt die Partie der „Saffi" in der Johann Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron", letzterer wird von Herrn Earl Reinhardt gegeben, dem anläßlich seines ersten hiesigen Gastspiels ein schöner Erfolg beschieden war. In Anbetracht des bei der letzten „Autoliebchen"-Aufführung völlig ausverkauften Hauses geht diese Posie am Dienstag nochmals bei volkstümlichen Preisen in Szene. Die ft.-Abonnenten erhalten am Mittwoch die Lustspielnovität „Die Ahnengalerie" von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Beide Autoren sind als erfolg reiche Bühnenschriftsteller schon mehrfach hervorgetreten, ersterer namentlich mit seinem überall gegebenen Lustspiel „D a s L e u t- nantsmündel". — Marzell Salzer gibt am kommenden Freitag seinen diesjährigen „Lustigen Abend" und wird wieder ein auserlesenes, neues und köstliches Programm bieten: am Sonntag den 15. Dezember ist dann im Abonnement A. die Première des neuesten Operettenschlagers von Leo Fall, betitelt „Der liebe Augustin".
* Gewerbegerichtswahl. Bei der am Mittwoch stattgefundenen Gewerbegerichtswahl wurden von den Arbeitnehmern insgesamt 2135 gültige Stimmen abgegeben, hiervon entfallen auf die Liste der christlich-nationalen Arbeiter 157, auf diejenige der freien Gewerkschaften 1978 Stimmen. Nach dem Stimmenverhältnis erhalten die christlich-nationalen Arbeiter einen und die freien Gewerkschaften 8 Beisitzer. Von den Arbeitgebern wurden insgesamt 308 Stimmen abgegeben, von denen auf die Liste der Vereinigten Arbeitgeberverbände 192 und auf diejenige des Handwerker- und Gewerbcausschusies 116 Stimmen entfallen. Die erstere Liste erhält somit 6, die letztere 3 Beisitzer.
* Jungdcutschlandbund» Gruppe Hanau. Am Sonntag den 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr, Versammlung auf dem Kasernenhofe des Eisenbahnregiments Nr. 3.
* Ein strenger Winter wird von den „Sachverständigen", den Meteorologen, angekündigt. Im Oktober gingen bereits in Rußland so gewaltige Schneemasien nieder, wie sie seit 100 Jahren, dem berüchtigten und für die große Armee verhängnisvollen Jahre 1812, nicht mehr zu verzeichnen gewesen sein sollen. Im Laufe von 24 Stunden fiel vor 14 Tagen in Montenegro drei Fuß hoher Schnee. Und was man in Rußland bereits erfahren, kündigt sich in England und Belgien auch schon an. Ganze Scharen von Wintervögeln ziehen gen Süden.