Erstes Blatt. '
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Sie BgHpaTfenr Petttzeile oder deren Naum 20 Pfg. im NeUawetrU 6te Seite 60 Pjg,
Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei der verein. eo. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Olgân für Stabb und Landkreis Hanau
Bezugspreis»
Vierteljährlich 1.80 Mk^ monatlich MPfg^ für Postbezug vierteljährlich 2.10 ML, monatlich 70 $te Die einzelne Nummer lostet 6 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwort!. Redakteur: GL Schrecker in Hanan.
Nr. 286 F-rnsprechaEtuk Nr. 230. Freitag bCII 6. Dezember Ker»spr«cha,.schl«tz Nr. 230. 1912
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Die heutige Minmer umfobt ausser bem Unterbaltungsblatt
16 Seiten.
Gefunden' 1 Regenschirm (bei der Gewerbe- gerichtswahl), 1 Taschentuch im Pedro Jung-Garten; abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 5. Dezember 1912. 29891
©efunbene und uerlorene EeneuWude it
Gefunden: 1 Lieferbuch mit dem Namen Emilie Diehl.
Verloren: 1 Monatsfahrkarte zur Fahrt Hanau- Nord—Bruchköbel.
Zugelaufen: 1 gelbroter Hund, m. Eesch.
Hanau den 6. Dezember 1912.
Politische Rundschau.
Der Kaiser in Bückeburg. Der Kaiserliche Sonder- zug traf pünktlich um 6 Uhr 50 Min. abends in Bückeburg ein. Der Kaiser roiirbe von dem Fürsten, dem Prinzen Adolf, und dem Fürsten Hermann empfangen. Nach der Vorstellung der b.^^seitigen Gefolge fuhr der Kaiser, der Jagduniform trug, und der Fürst in der Uniform des Bückeburger Jägerbataillons in einem offenen, vierspännig â la Doumont gefahrenen Wagen nach dem Schloß, von der Menge lebhaft begrüßt. Am Schloßportal wurde der Kaiser von der Prinzessin zu Schaumöurg-Lkppe begrüßt. Am Schloßportal hatte die Ehrenkompagnie des hiesigen Jäger- Bataillons Aufstellung genommen. Um 71/2 Uhr fand Tafel im Schlöffe statt.
Kanada und die Reichsverteidigung.
Ottawa, 5. Dezbr. Der kanadische Premierminister Borden legte heute ein Gesetz vor, das die verwendbaren Seestreitkräfte des britischen Reiches vergrößern soll. Er hob dabei hervor, daß bei dem jetzigen Stande der Seemacht am meisten die Tatsache hervortrete, daß die britische Marine vor zwölf Jahren auf allen Ozeanen die Uebermacht besaß, während sie heute außer in der Nordsee nirgends in der Uebermacht sei. Er halte die Lage für ernst genug, daß Kanada dem Mutterlande eine sofortige Unterstützung gewähren müsse. Er schlage deshalb vor, daß Kanada dem König 7 Millionen Pfund Sterling für drei Dreadnoughts gebe, welche die größten und stärksten Schiffe werden sollten, die man für Geld haben und mit Hilfe der Technik bauen könne. Sie sollten in England gebaut und der Admiralität für die allgemeine Verteidigung des britischen Reiches zur Verfügung gestellt werden. Borden führte aus: „Das britische Reich ist keine große Militärmacht, seine Sicherheit beruht ganz und gar auf der Flotte. Augenblicklich ist die oberste Pflicht, die Sicherheit in den heimischen Eewäffern zu verbürgen, durch die Zurückziehung oder die Beschränkung der Geschwader in allen Teilen erfüllt. Trotzdem sind die Kosten um beinahe 50 Prozent gestiegen, aus dem einfachen Grunde, weil die fremden Mächte ihre Flotten vergrößern, besonders Deutschland. Die britische Flagge wird nicht länger die vorherrschende im Mittelmeer sein. Mit aller Anstrengung des Reiches wird es unmöglich sein, die notwendige Stärke auf diesem wichtigen Seewege vor 1915 auf 1916 wieder zu erlangen. Oesterreich mit nur 140 Meilen Meeresküste und überhaupt keinen Kolonien baut eine furchtbare Flotte von Dreadnoughts und die italienische Flotte wird noch furchtbarer sein." Borden fragt, ob es nicht an der Zeit sei, jenen früheren Zustand in gewißem Maße wiederherzustellen. Kanada sende die Schiffe, damit sie in die Schlachtlinie des Reiches mit denen des Mutterlandes, Australiens und Neu-Seelands eingereiht würden. Die Neichsregierung habe angedeutet, sie würde den Vertreter Kanadas in London als ständiges Mitglied des Ausschußes für die Neichsverteidigung willkommen heißen. Borden verlas ein langes Memorandum des englischen Marineministers Churchill, in dem die Seemacht Deutschlands und Großbritanniens sowie diejenige der anderen Nationen aufgeführt wird und genaue Vergleiche gezogen werden. Darin heißt.es, England besitze zurzeit 18 Schlachtschiffe, Schlachtkreuzer und Dreadnoughts gegen 19 solcher Schiffe,, die sich im Besitze der anderen Mächte befänden. Im Jahre 1915 würden sich die Ziffern auf 35 respektive 51 sieden Churchill fügte hinzu, es würde jedes Vorgehen Kanadas, die Stärke und Beweglichkeit der Marine und damit den gemeinsamen Sicherheitsfaktor zu erhöhen, überall als ein bedeutsamer Beweis für die geeinte Kraft des Reiches und den erneuten Entschluß des Dominion angesehen werden, sein Teil zur Erhaltung der Unverletzlichkeit des Reiches beizutragen.
Weitere „Politische Rundschautw uoeiten Blatt.
Der Kriegsbrand am Balkan. Griechenland noch immer abseits.
Die Annahme, daß Griechenland nunmehr auch den von seinen Verbündeten geschloßenen Waffenstillstand unterzeichnen werde, hat sich bisher noch nicht erfüllt. Eine offizielle Kundgebung aus Konstantinopel vom Donnerstag besagt vielmehr:
Die Pforte hat amtlich bekanntgegeben: „Der Waffenstillstand mit Bulgarien, Serbien und Montenegro ist unter der Bedingung abgeschloßen, daß die Kriegführenden in den gegenwärtig innegehaltenen Stellungen verbleiben. Die Friedensverhandlungen beginnen ohne Aufschub. Der Kriegszustand wird anétn gegen Griechenland aufrecht erhalten. Die otto- manischen Bevollmächtigten Reschid Pascha, Oberst Ali Riza und Damad Ferid Pascha sind hierher zurückgekehrt. Es fand sofort ein Ministerrat statt, an dem zeitweise der albanesische Senator Reschid Akief und der Berliner Botschafter Osman Rizami Pascha teilnahmen. Es soll dabei auch über Albanien verhandelt worden sein. Die erste Kolonne mit Lebensmitteln für Adrianopel ist gestern morgen abgegangen.
Der Grund, weshalb Griechenland den Waffenstillstand nicht unterzeichnen wollte, hat darin gelegen, daß es nicht einwilligen wollte, daß nach dem Wunsche der Türken die Blockade über die Häfen und Küsten des Aegäischen Meeres aufgehoben werden sollte. Da aber nun die Blockade innerhalb des Waffensttllstandes weiter besteht, weiß man eigentlich nicht, warum Griechenland noch mit seiner Unterschrift zögert. Auch eine anscheinend offiziöse Auslastung des Athener Blattes „Estia" läßt nicht erkennen, worin eigentlich die Differenzen bestehen. Jenes Blatt schreibt nämlich:
Die Erklärungen des griechischen Gesandten in Paris, Romanos, daß die türkischen Bedingungen für einen Waffenstillstand den Zweck des Krieges vereiteln, haben in der inter- nattonalen Preste große Beachtung gefunden unb namentlich englische und französische Zeitungen veranlaßt, den Verbündeten den Rat zu geben, jede Uneinigkeit zu vermeiden, damit die Bundesgenosten im Frieden ebenso geachtet würden, wie sie während des Krieges gefürchtet gewesen seien. Die Erklärungen Romanos dürfen aber nicht so gedeutet werden, als ob sie eine zwischen den Balkanmächten herrschende Uneinigkeit annähmen. Es ist selbstverständlich, daß jeder der Verbündeten besondere Bedingungen stellt. Auch Griechenland, das auf einer ungeheuer ausgedehnten Linie kämpft und in den eroberten Gebieten mit den aus dem nördlichen Mazedonien geflüchteten Ueberbleibseln regulärer und irregulärer Truppen zu tun hat, konnte nicht umhin, seine speziellen Einwendungen den türkischen Bedingungen entgegenzusetzen. Daß sich eine Verschiedenheit in der Würdigung der Folgen des Waffenstillstandes, die für jedes Land verschieden sein können, unter den Verbündeten geltend macht, bedeutet keineswegs das Vorhandensein einer Uneinigkeit. Wenn Griechenland auf der Fort- dauer der Blockade in der Aegäis beharrt, so geschieht dies insbesondere auch im gemeinsamen Interesse der Verbündeten, denn, was Griechenland betrifft, würde ihm die Einstellung der Blockade der Dardanellen keinen Nachteil bringen. Was den Standpunkt der Verbündeten gegenüber den Friedensbedingungen anlangt, so haben wir Grund zu glauben, daß die unter ihnen angeknüpften Verhandlungen zu einer gemeinsamen Lösung führen, die den Zweck des Feldzuges sichern und die volle Uebereinstimmung zwischen den Verbündeten ergeben wird. Die Meldungen der „Neuen Freien Preste" über einen Kampf zwischen Griechen und Bulgaren bei Serres find vollständig erfunden. Die freundschaftlichen Beziehungen zu den Verbündeten und ihren Armeen haben niemals eine Unterbrechung erfahren.
Hiernach muß man annehmen, daß doch die Differenz zwischen Bulgarien und Griechenland den Grund für die Zurückhaltung der griechischen Regierung abgibt. Ihr Bestehen leugnen, ist nach den außerordentlich scharfen Erklärungen des bulgarischen Generals Theodorow über die Einnahme von Saloniki einfach lächerlich.
Athen, 5. Dezbr. Wie die „Agence Havas" erführt, darf die Tatsache, daß Griechenland den Waffenstillstand nicht unterzeichnet hat, nicht als ein Beweis für eine Uneinigkeit unter den Verbündeten ausgelegt werden. Griechenland habe besonderen Wert darauf gelegt, daß die Unternehmungen seiner Flotte nicht unterbrochen würden, und zwar auf dem Jonischen Meere, damit nicht der türkischen Armee in Epirus die Verproviantierung ermöglicht werde, auf dem Aegäischen Meere, damit die Türkei keine Truppen nach Thrazien transportieren könnte. Indem sich Griechenland aus diesen Standpunkt stellt, hat es mehr die Interessen aller Verbündeten im Auge gehabt, als feine eigenen, denn sämtliche Verbündete und gleichzeitig die Friedensaussichten würden durch eine Verstärkung der Garnisonen in den Dardanellen und in Tschataldscha geschädigt worden sein. Auch tm Einvernehmen mit den Verbündeten bat Griechenland eine andere Hal
tung einnehmen können als diese. Was die jetzigen Friedensverhandlungen anbetreffe, so wiste man — und der letzte italienisch-türkische Vertrag fei ein Beweis dafür, daß solche Verhandlungen keinem Waffenstillstand voraufzugehen brauchen. Nach amtlichen Meldungen werden griechische Bevollmächttgte an den in London stattfindenden Verhandlungen teilnehmen.
Der Balkanbund vor dem Zerfall.
Semlin, 5. Dezbr. Eine gut informierte Persönlichkett wm Belgrad erzählte dem Mitarbeiter der „Leipziger N. Nachr", daß die Existenz des Balkanbundes nicht mehr eine lange Dauer haben werde. Serbien spiele zwar nach Möglichkeit die Vermittlerrolle zur Aufrechterhaltung des Bundes, aber ernste Differenzen zwischen Bulgarien und Griechenland werden den Balkanbund bald sprengen. Auch zwischen Serbien und Bulgarien ist bereits eine gewiste Rivalität bemerkbar, weil sich nach serbischer Ansicht Bulgarien als die führende Hauptmacht auf dem Balkan aufspielen wolle, welche Rolle aber Serbien für sich beansprucht. Ferner beginnt Bulgariens allzu freundliche Haltung gegenüber Oesterreich-Ungarn in Belgrad bereits böses Blut zu machen. Man glaubt, daß schon bei den bevorstehenden Friedensverhandlungen die Streitigfeiten zwischen den bisher verbündeten Balkanstaaten zum offenen Ausbruch kommen werden.
Der österreichisch-serbische Konflikt.
Semlin, 5. Dezbr. Aus Kreisen österreichisch-ungarischer Untertanen erfahren die .Leipz. N. Nachr." bezüglich des Konfliktes mit Serbien, daß die Situation sich insofern wieder verschärft hat, als die serbische Preste wieder einen maßlos gereizten Ton gegen Oesterreich-Ungarn anstimmt, und der russische Gesandte in Belgrad, Hartwig, die serbische Regierung fortwährend darin bestärtt, daß Rußland für die Forderungen Serbiens jedenfalls mit Waffengewalt einstehen werde. Der Gesandte Hartwig wird damit wohl gegen die Jnstruttionen der russischen Regierung handeln, aber es ist sehr auffällig, daß er trotzdem von Belgrad nicht abberufen wird. Oesterreich-Ungarn wird anscheinend noch einige Zeit die bisherige Politik des geduldigen Abwartens fortsetzen, aber gleichwohl ist auch in jedem Augenblick eine überraschende Wendung zu erwarten, falls Serbien die Provokationen fortsetzt.
Serbiens Hoffnungen auf Ruhland.
Wien, 5. Dezbr. Die „Südslawische Korrespondenz" erfährt von informierter Seite aus Belgrad, daß Serbiens politische« Ziel unzweideutig die Niederwerfung Oesterreichs mit russischer Hilfe ist. Serbien steuere offen auf den Krieg los. In eine» kriegerischen Konflikt hofft man allein die Interessen Serbien» gewahrt, weil man bestimmt damit rechnet, daß Rußland, ob er wolle oder nicht, in den Krieg hineingeristen werde. Wenn auch anfänglich besiegt, werde Serbien durch den Triumph der russischen Waffen die südslawischen Provinzen in Oesterreich-Ungar» erringen.
Friedliche Aussichten.
Wie das offiziöse Wiener „Fremdenblatt" feststellt, fei der Dreibund aufrichtig und ehrlich bemüht, die Entstehung weiterer Komplikationen aus dem Balkankriege zu verhindern. Wichttge Anzeichen gestatteten auch den Schluß, daß die Tripelentente ähnlichen Bestrebungen huldige. Das „Fremdenblatt" führt weiter für seine Behauptungen eine Anzahl Beweise aus den letzten Tagen an; vor allem den Vorschlag Greys, der allseitig sympathisch ausgenommen worden sei, sowie die Auslastung der „Rossija", welche zeigte, daß das offizielle Rußland sich nicht der Einsicht verschließe, daß die gegenwärtig schwebenden Fragen einer friedlichen Lösung entgegengeführt werden müßten. Schließlich erklärt das „Fremdenblatt", man könne danach hoffen, daß die jetzige Krise mit diplomatischen Mitteln gelöst werden würde. Ueberraschungen ernster Natur schienen daher, wie die Dinge heute lägen, nur von einer außerhalb der beiden europäischen Mächtegruppen liegenben Seite entstehen zu können.
Kriegsnervosität in Paris.
Paris, 5. Septbr. Wie es heißt, verbringen feit längerer Zett die Delegierten der Korpsstäbe, die permanent zum Kriegsmini- sterium kommandiert sind, ablösungsweise die Rächte im Ministerium, jeden Augenblick der Mobilmachung gewärtig, um besondere Anordnungen des Großen Generalstabes für ihre Korps in Empfang zu nehmen. Falls die jetzt eingetretene Entspannung anhält, soll diese Maßnahme aufgehoben werden. Hier eingelaufenen Nachrichten zufolge sind Serbien und Oesterreich nunmehr entschlosten, ihre Differenzen einer europäischen Botschafter- konferenz vorzulegen und auf eine private Regelung zu verzichten. Die hierdurch herbeigeführte Beseitigung der Kriegsgefahr vsr- ursacht in Paris ein Gefühl großer Erleichterung.
Der französische Ministerpräsident über den Balkankrieg.
Ministerpräsident Poincars erklärte am Donnerstag in der Sitzung der Kammerkommission für die auswärtigen Angelegen- beiten. er sei gehalten, sich große Zurückhaltung outiuettefle«.