Erstes Blatt.
Etvrvckvngsgebvhrr
Die -gespaltene Petitzetle oder deren Raum 20 Pfg. im ReUamrteU die ZeUe 00 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei der verein, ev. Watfenhaufe» in Hanau.
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GkNtral-Anztigkr
Jintlidies Organ für StaM- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis,
vierteljährlich 180 Mk., monatlich 60 Pfg., für Post, bezug vierteljährlich 2.10 Mt^ monatlich 70 Pfg, Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: C. Schrecker in Hanau-
Nr. 285
Zyernsprechanschltttz Nr. 230
Donnerstag den 5. Dezember
Fernsprechanschlittz Nr. 230
1912
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Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung. <
In der Zeit vom 6. bis 19. Dezember d. Js. liegt auf dem städtischen Kanalbureau — Verwaltungsgebäude des städtischen Gaswerks — die Hebeliste über die für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1912 zur Erhebung kommenden Ableitungsgebühren und das für die gleiche Zeit zur Erhebung kommende Ueberwasser- geld zur öffentlichen Kenntnis aus.
Einsprüche gegen die Veranlagung find binnen einer Frist von vier Wochen vom 20. Dezember d. Z. ab vorzubringen.
Hanau den 4. Dezember 1912. 29795
Der Magistrat.
Dr. G e b e f ch u s.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des Papierwarenhändlers Paul Lauser in Hanau, Krämerstraße 12, Inhaber der Firma 8. Prior's Nachf. Paul Lauser in Hanau ist heute am 8. Dezember 1912, vormittags 11 Uhr 50 Minuten, das Konkursverfahren eröffnet.
Der Rechtsanwalt S ch o l i n g in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt.
Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 25. Januar 1913; erste Gläubigeroersammlung am 3. Januar 1913, vormittags 10 Uhr; Prüfungstermin am 15. Februar 1913, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht Abt. 6 in Hanau, Rußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 18.
Hanau den 3. Dezember 1912. 29787
Der Gerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts Abt. 6.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langenselbold Blatt 2125 und Blatt 2807 zur Zeit der Eintragung des Dersteigerungsvermerkes auf den Namen
1. der Ehefrau des Heuhändlers und Weißbinders Friedrich Hamburger Anna Katharina geb. Schlegel in Langenselbold zur ideellen Hälfte,
N e w y o r k.
Bon Sven Hedin.*)
Die Reise über den Atlantischen Ozean nähert sich ihrein Ende. Eines Morgens macht sich eine steigende Unruhe und Spannung an Bord bemerkbar, und die Reisenden werfen fragende Blicke gen Westen. In einer Stunde soll die amerikanische Küste sichtbar werden! Und richtig: dort an der Steuer^ordseite zeigt sich eine ungleichmäßige Linie am Horizont, es ist Long Island, die „lange Insel." Noch zwei Stunden, und das Schiff fährt in die Mündung des Hudsonflusses ein und landet an der Ellisinsel im Hafen von Newyork. Unabsehbare Reihen anderer großer Dampfer liegen vor den Kais; auch sie haben Auswanderer aus Europa nach Amerika gebracht und werden bald wieder umkeyren, um neue Scharen zu holen. Sie haben keine Zeit zu verlieren und müsien jahraus und jahrein hin und her fahren, um den Vereinigten Staaten täglich 3000 Menschen zuführen zu können.
Sven Hedin beschließt soeben sein einzigartiges Volks- und Jugendbuch „Bon Pol zu Pol" mit einer letzten Folge „Durch Amerika zum Südpol", aus der uns der Verlag F. A. Brockhaus das obige Kapitel zur Verfügung stellt. Diesmal führt der schwe- dilche Forscher und Erzähler feine J^geifterten Leser aus den Ganbmüften Afrikas über den Ozean nach Amerika, und unter seiner kundigen und anregenden Führung durchwandern wir die- ” vielgestaltigen Erdteil von Kanada bis hinunter zum Kap Horn, um dann auf den Flügeln des Albatros über die Südsse fort zum Südpol vorzudringen. i*anb und Leute, Gegenwart und Velgcmgenheit, Geographie und Entdeckungsgeschichte — alles lebt und) hier in packenden Bildern vor uns auf, und dieser letzte Band schließt sich in jeder Beziehung würdig seinen beiden Vorgängern („Rund um Asien" und „vom Nordpol zum Aequator") an. Neben zahlreichen schwarzen Abbildungen und sechs Karten ist er mit vier farbigen Vollbildern geschmückt und bei seinem billigen Preise von 8 Mark ein Weihnachtsgeschenk, das jeder- mann erreichbar hin dürfte.
2. der Kinder des genannten Friedrich Hamburger:
a) Johannes, b) Wilhelm, e) Marie, d) Konrad Hamburger in Langenselbold, zusammen zur anderen ideellen Hälfte eingetragenen Grundstücke:
A Blatt 2125:
Krtbl. 70 Nr. zu 243/56 rc. Hintergaffe Nr. 10
— 2,07 ar, 160 Mk. j. Nutzungswert,
a) Wohnhaus mit Hofraum,
b) Stall,
B Blatt 2807:
Krtbl. 70 Nr. zu 243/56 rc. Hofraum im Oberdorf
— 1,30 ar ,
am 31. Januar 1913, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.
Langenselbold den 2. Dezember 1912. 29768
Königliches Amtsgericht.
Dienstnachrichten.
Unter den Pferden der Firma Casfella & Eo. ist die Brustseuche ausgebrochen.
Hanau den 3. Dezember 1912. P 13286
Politische Rundschau.
Zur Rede Bethmann Hollwegs.
Sofia, 4. Dezbr. Das Regierungsorgan „Mir« bespricht die Rede des deutschen Reichskanzlers und hebt den Wunsch Deutschlands hervor, gute Beziehungen, insbesondere auch auf wirtschaftlichem Gebiet, mit den Balkanstaaten zu unterhalten, die auf demselben Wege schreitend wie die kleinen deutschen Staaten vor ihrer Einigung, nicht umhin könnten, fich am Deutschen Reiche ein Beispiel zu nehmen. Wenn Deutschland den anderen Großmächten Hilfe leiste in dem Bemühen, ein für alle Mal nach dem gegenwärtigen Kriege die Frage der Nationalitäten und deren Ansprüche auf dem Balkan zu regeln, indem es jedem der Balkanvölker eine friedliche und regelmäßige Wirtschaftsentwicklung sichern helfe, dann könne es erwarten, in den Balkanstaaten neue Freunde und Bundesgenossen zu finden.
Die Portugiesen gehen gegen die Royalisten noch immer mit drakonischen Strafen vor. Wie aus Tuy (Spanien) telegraphiert wird, hat das Kriegsgericht zu Chaves (Portugal) die poriuqiesischen Ronalisten Marquis d'Abrantes.
Unser Auswanderer hat seine Sachen rechtzeitig zusammengepackt und sich vorn einen guten Platz gesichert, von dem aus er nun seine Reisegefährten beobachten kann. Solch ein Menschen- : gewühl ist ihm noch nie vorgekommen, und solch eine Eilfertigkeit hat er noch nie gesehen. In den Gängen drängen die Reisenden hin und her, rufen einander in allen möglichen Sprachen, schleppen i 'hre verblichenen bunten Reisetaschen heran und keuchen unter ihren mit festen Stricken umschnürten Bündeln. Deutsche und Schweden, Kroaten und Galizier, polnische und russische Juden, alles in buntem Durcheinander, einige gut gekleidet und mit Ueberziehern versehen, andere in zerrisienen Kleidern unb mit groben Halstüchern statt eines Kragens.
I Ueber dem Newyorker Hafen erhebt sich die riesenhafte Status der Freiheit, eine Frauengestalt, die in ihrer Rechten eine Fackel hält. Wenn auf der Erde Dunkelheit herrscht, wirst sie ein blendendes Strahlenbündel elektrischen Lichtes auf die Wasierflächen, die Hafenkais, die Häuser und die Schiffe.
Sobald aber Fritz zum erstenmal seinen Fuß auf amerikanischen Boden setzt, sieht er gleich, daß es mit der vielgepriesenen ; Freiheit auch hier nicht allzuweit her ist. Gr und alle seine Reise- ' geführten werden, genau so wie daheim die MilttNrpferda, mit , Nummern versehen und in großen Scharen in einen gewaltigen ^aal hineingetrieben. Dann wird einer nach dem anderen, wie Bet der Musterung, aufgerufen, nach der Art seiner Beschäftigung und dem Ziel seiner Reise gefragt und schließlich non einem Arzt , untersucht. Wer an Schwindsucht ober andern Krankheiten leidet oder infolge zu hohen Alters und großer Gebrechlichkeit voraussichtlich nicht mehr lange arbeitsfähig fein wird, erhält ohne Gnaden den Befehl, sich mit dem nächsten Dampfer wieder in seine Heimat zurückzuverfügen! /
Die übrigen, die die Prüfung glücklich bestehen, fahren in kleinen Dampfern vom Hafen nach Newyork hinein, wo sie unter den fast fünf Millionen Einwohnern wie Spreu im Winde verschwinden. Aber aus welchem Lande sie auch stammen mögen, 1 immer finden sie in Newyork reichlich Landeleute, denn diese Stadt ist ein Musterbuch aller &<4M^.^ Man spricht
Vicomte Palmella und Labradie zu sechs Jahren Gefängnis und zehn Jahren Verbannung oder zwanzig Jahren Verbannung, je nach Wahl, verurteilt. Einem weiteren Lissaboner Telegramm zufolge ist Oberst Vasconcellos, der sein Poriefenille als Minister der öffentlichen Arbeiten niedergelegt hatte, auch aus dem Olfizierkorps ausgeschieden.
Die Anerkennung des Papstes. Aus Rom wird gemeldet: Die Acta Apoatolicae Sedis veröffentlichen einen Brief des Papstes an den Kardinal Fürstbischof Dr. Kopp, in welchem er den deutschen Bischöfen seine Genugtuung auS- drücki über die Ergebenheit, mit der sie die Eneyklika über die christlichen Gewerkschaften ausgenommen hätten. Gleichzeitig spricht der Papst den Wunsch aus, daß am Konstantinfeste alle Katholiken ermuntert werden, die Freiheit der Kirche eifrig anzustreben.
Der Kriegsbrand am Balkan.
Türkische Vorsichtsmaßregeln.
Konstantinopel via Konstantza, 4. Dezbr. Trotz der Verhandlungen versäumt die Regierung keineswegs die weiteren Verteidigungsarbeiten in der Tschataldscha-Linie. Es wird vielmehr eifrig an dem Barackenbau für Mannschaften, an der Anlage von Flatterminen, Pulverkammern und der Herstellung von Stacheldrahthinderniffen gearbeitet. — Wie weiter aus Konstantinopel berichtet wird, hat bet Kriegsminister ein Dekret veröffentlicht, durch welche- du Gestellungspflichtigen, die das 19. Lebensjahr erreicht haben, zu den Fahnen berufen werden.
*• Bulgarische Kriegsbeute.
Eine amtliche bulgarische Verfügung ordnet die Einsetzung eines Kriegsrates in SerreS an, der über Zivil- und Militär- personen aburteilen foS, die sich Freveltaten haben zuschulden kommen lassen. Die bulgarischen Truppen erbeuteten auf der Linie Dedeagatsch—Saloniki 37 Lokomotiven und 300 Waggons, wodurch der Dienst auf der Linie Serres- Drama—Dedeagatsch vollkommen fichergestellt ist.
Der Kampf um Skutari.
Cetinje, 4. Dezbr. Ueber den am Montag ausgefochtenen Kampf bei Skutari wird nachträglich noch ge. meldet: Das Gefecht war sehr erbittert. Nur dank bem Eingreifen der Zeta-Brigade gelang es den Montenegrinern, ihren Rückzug zu decken. König Nikolaus befand sich in der Gefechtslinie; er fuhr abends über Rjeka nach Cetinje zurück. Die Verluste der Montenegriner sollen viel größer sein, als die Montenegriner angeben. Die Zensur wird jetzt schärfer gehandhabt. Der König verteilte an die Truppen Geld und Me- daillen, um die Kampflust zu heben.
hier nicht weniger als siebzig verschiedene Sprachen, und ein Drittel der ganzen Einwohnerschaft ist im Ausland geboren. Es gibt ganze Straßen, die fast nur von Deutschen bewohnt find, wie z. B. die Avenue A; in Brooklyn, dem Stadtteil, der auf Long Island liegt, haben sich die Schweden angesiedelt, das Stadtviertel „Klein-Italien" zählt fast mehr Italiener als Neapel, in der Ehinesenstadt leben 5000 Chinesen, und ebenso haben die Juden aus Polen und Rußland ihre besonderen Quartiere. Und alles ist von so ungeheurer Ausdehnung, daß man sich, wie Fritz bald merft, trotz der einförmigen und einfachen Anlage des ganzen Straßengewirrs in Newyork doch keineswegs so leicht zurechtfindet, als er glaubte, während er noch draußen auf den Wellen des Atlantischen Ozeans schaukelte.
Vorerst beschließt er, sich die Sache ruhig mit anzusehen, denn et ist zum Glück nicht mittellos nach Amerika gekommen. Erst will er sich eingewöhnen, vor allen Dingen die Sprache so weit lernen, um sich verständlich machen zu können, unb bann erst sich In den Kampf ums Dasein stürzen. In seiner Herberge hat er zahlreiche Landsleute gefunden, und ein Bahnarbeiter aus Breslau, der gerade stellenlos ist und einige Tage feiern möchte, macht sich ein Vergnügen daraus, ihn herumzuführen und das neu angekommen» „Grünhorn" mit seiner amerikanischen Weisheit zu „knicken".
„Newyork ist wohl sehr alt", meint Fritz, „sonst hätte es nicht so groß werden können."
„Keineswegs! Mit europäischen Städten verglichen, ist es da» reine Kind. Dor 300 Jahren zählte es noch nicht 100 Einwohner Aber jetzt wird es an Größe nur von London übertroffen."
„Das ist doch sonderbar. Wie kommt es nur, daß diese Stadt so groß geworden ist? Bremen ist ja dagegen das reine Spielzeug. Solch ein Leben und Treiben habe ich noch nie gesehen. Ueberall steht man ja ganze Wälder von Schiffsmasten und Dampferschornsteinen, und auf allen Kais wird mit entsetzlicher Eile Fracht eingenommen und gelöscht."
„Ja, das kommt daher, daß die ganze Bevölkerung bei Bet» reinigten Staaten mit ungeheurer Schnelligkeit zugenommen hat, Während des vorigen Jahrhunderts hat ü« kch alle trvaugtg ^i