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General-Anzeiger

Amtliches Organ für §tadt- and Faudlrreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme bet Sann- unb Feiertage, mit bslletiisttlche« Beilage, v-iantw-itl. R-daU-or: 6. Schreck« in Sanou

Ri. 284 Kernspr-chanschlutz Nr. 230.

Mittwoch de» 4. Dezember

Ferusprechauschltts; Nr. 230, 1912

Amtlich««.

Stadtkreis Hanau.

Milchuntersuchung.

Im Stadtkreise Hanau sind imöffentlichen Unter- suchungsamt Hanau" während der Monate Juli bis Oktober d. Js. 62 Vollmilchproben untersucht worden.

Die Untersuchung hatte folgendes Ergebnis:

Lide. Str.

Name des Händlers

Wohnort

Fettgehalt

O/o

1 *

2

3

Jung, Philipp Sauer, Wilhelm Bergmann, Ludwig

4

Huth, Heinrich

5

Mergert, Matthäus

3

Fischer, Richard

7

Grimm, Lorenz

8

Hittel, Friedrich

9

Fan, Simon

10

Hauser, Adolf

11

Schwarz, Gustav

12

Lerch, Wilhelm

13

Gaubatz, < !;'nr

14

Altvater, Wilhelm

15

Döll, Peter

16

Bils, Hugo

17

Alt, Wilhelm

18 '

Horst, Philipp

19

Sckuffratb, Adam

20

21

Seitz, Johann Peter

22

Westhof, Karl

23

Schutt, Christian

24

Jung VI., Hemrick

25

Schwarzhaupt, Philipp

26

Bär, Jean

27

Bergmann, Karl

28

Döll, Peter

29

Morauer, August

30

Rech, Gustav

31

Bergmann, Anna

32

Jung VI., Heinrich

33

Mergert, Matthäus

34

Meides, Heinrich

35

Haas, Anton

36

Müller V., Wilhelm

37

Heck, Philipp

38

Fischer, Georg

39

Gerlach, Philipp

40

Kleiß, Georg

41

Prinz, Georg

42

Hittel, Friedrich

43

44

Müller, Wilhelm

45

fr fr

46

fr fr

47

fr

48

fr

49

60

Kleis, Georg

51

fr fr

62

53

Alt," Wilhelm

Stephan, Karl

54

55

Reuß, Gregor

56

fr fr

57

fr fr

58

fr fr

59

Ihm, Wilhelm

60

61

Lißmann, Friedrich, Diehl, Bertha

62

Schwarzhaupt, Philipp

Butterstadt

3,15

Ostheim

3,95

Großkrotzenburg

3,55

Großauheim

3,0

Kleinkrotzenburg

3,5

Großkrotzenburg

4,0

Albstadt

4,6

Oberrodenbach

4,15

Großauheim

3,5

Hanmi

3,6

Kinzigheimerhof

3,08

Marköbel

3,8

Bruchköbel

3,52

Ostheim

4,3

Langenselbold

4,35

Hanau

3,95

2,65

fr

3,4 .

fr

3,7

fr

4,35 t Stall-

4,90 f proben

3,5

Roßdorf

3,75

fr

3,72

Rüdigheim

3,6

Langendiebach

3,6

Großkrotzenbnrg

3,35

Langenselbold

5,7

Hanan

2,6

Oberrodenbach

4,05

Großkrotzenburg

3,3

Roßdorf

3,9

Kleinttotzenburg

3,8

Oberissigheim

3,45

Mittelbuchen

3,75

Wachen buchen

3,05

fr

3,9

Mittelbuchen

3,4

Wachenbuchen

3,2

Bruchköbel

3,75

Mittelbuchen

3,7

Oberrodenbach

3,4

Altenstadt

2,8

fr

2,82

fr

2,7

fr

3,65

fr

3,45

fr

4,1

Bruchköbel

3,25

fr

3,45

fr

3,2

Hanau

3,0

Hanau-Kesselstadt

4,3

Heldenbergen

2,97

fr

2,0

fr

4,3

fr

4,4

fr

2,18

Hanau

3,6

Langendiebach

4,0

Hanau-Kesselstadt

3,4

Rüdigheim

3,65

Nach der Polizeiverordnung vom 10. August 1905 betretend den Verkehr mit Milch, muß der Mindest- w- ^^ Vollmilch 2,8°/o betragen, andernfalls die als Magermilch angesehen wird. Daß dieser ftett= Ziffern^^^^^ »erben kann, zeigen die fettgedruckten Hanau den 2. Dezember 1912. P 13167 Königliche Polizei-Direktion.

I A.: Karbe.

Bekanntmachung.

Tfrnkp 49^!r^n9 ^ A Obergejchoß des Hauses Nord- 1^ 2^ lVordergebaude). bestehend aus 2 Zimmern, Küche und Zubehör, ist sofort zu vermieten.

%5!!! ^ °uf Zimmer 35 des Rathauses von 10 bis 12H Uhr vormittags anzubringen.

Hanau den 5. Oktober 1912.

Der Magistrat.

Stld.

25077

Politische Sr»ndschau.

Personalveränderungen in der Armee infolge des neuen Mili­täretats. Im preußischen Kriegsministerium treten hinzu: Zwei expedierende Sekretäre und 2 mittlere Baubeamte (Baureglstrator und Sekretär), 1 Intendanturafseffor zur Intendantur der milit. Institute. Für die neu zu errichtende Offizierreitschule in Sol­tau und für die Funkerschule kommen je 1 Oberzahlmeister oder Zahlmeister zur Anstellung. Ferner sind vorgesehen 17 Inspektoren bei den Proviantämtern, 1 Oberinspektor und 10 Inspektoren für die Earnisonverwaltungen. 3 Stabsapotheker für die Garnison- lazarette Thorn, Chemnitz und Ulm. 1 Zahlmeister bei der Mili- tärreitanftalt in Dresden. Infolge Verrichtung der einfacheren Handleistungen bei der Krankenbehandlung der Remonten durch Futtermeister kommt eine RemonLedepot-Stabs-Veterinärstelle in Preußen in Fortfall.

Der Eindruck der Kanzlerrede in Rom.

Nom, 3. Dezbr. Die »Tribuna" schreibt, die Rede des Reichskanzlers sei optimistisch und pazifistisch und werde zweifellos die europäische öffentliche Meinung be­ruhigen. Die Rede sei pazifistisch, obgleich der Reichs­kanzler in einem gewissen Moment die Schwertspitze durchblicken lasse. Doch trage unter gewissen Umständen das Schwert mehr zum Frieden bei als zum Kriege, denn in einer Lage wie der jetzigen seien wohl Mäßi­gung und Verzicht auf egoistische Bestrebungen seitens der Großmächte, aber auch festes Auftreten und loyles Einhalten der Verträge als Schutzwehr gegenüber über­triebenen Ansprüchen anderer eine nicht geringe Friedens­garantie. Die Auslastungen des Reichskanzlers betreffend die Verbündeten bezögen sich besonders, aber nicht aus­schließlich auf Oesterreich. Auch Italien sei bei der Ord­nung der Dinge auf dem Balkan, namentlich was Al­banien betreffe, stark interessiert. Die Italiener müßten daher sich über die Zusicherungen des Reichskanzlers in dieser Hinsicht freuen.

Russischer Pessimismus.

Petersburg, 3. Dezbr. (Frkf. Ztg.) Obwohl Preß- stimmen noch nicht vorliegen, läßt sich feststellen, daß die Rede des Reichskanzlers hier einen gewaltigen Eindruck gemacht hat. Die allgemeine Ansicht ist, daß die Lage sich plötzlich bedenklich verschärft hat.

Die Botschaft des Präsidenten Taft.

Washington, 3. Dezbr. Präsident Tafts Botschaft an den heute eröffneten Kongreß beginnt mit einer Ermahnung zur Einigkeit und Stetigkeit in der äußeren Politik, die weit über Parteikonflikte gestellt und von den Differenzen der inneren Politik vollständig getrennt werden solle. Die Be­ziehungen zu allen fremden Mächten ruhten auf der festen Basis des Friedens, der Harmonie und der Freundschaft. Ein festeres Bestehen auf Gerechtigkeit gegenüber amerika­nischen Biirgern und Interessen, wo immer dies verweigert worden sei, und stärkere Hervorkehrung der Notwendigkeit der Gegenseitigkeit in kommerziellen und anderen Beziehungen hätten nur dazu gedient, das freundschaftliche Verhältnis der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern zu stärken, indem dadurch diese Freundschaften nicht auf Wünsche, sondern auch auf ein festes Fundament realer Bande gestellt wo.lden seien. Der Präsident verbreitet sich dann über die besondere Notwendigkeit einer weitblickenden auswärtigen Politik, da diese in enger Verbindung mit dem auswärtigen Handel des Landes stehe. Die Politik der gegenwärtigen Negierung sei in ihren Bestrebungen offen darauf gerichtet, den amerikanischen Handel nach dem Grundsätze zu ver­folgen, daß die Negierung der Vereinigten Staaten jede erlaubte Unterstützung allen legitimen und nützlichen ameri­kanischen Unternehmungen gewähren wollte. Die Botschaft erwähnt dann mit Bedauern, daß der Kongreß die Schieds­verträge mit Großbritanien und Frankreich nicht ratifizierte. Hinsichtlich Chinas sei es dauernd das Ziel gewesen, die Verwendung amerikanischen Kapitals bei der Erschließung Chinas zu fördern, indem es auf alle wesentlichen Reformen hinwirkte, zu denen sich China den Vereinigten Staaten und anderen Mächten gegeüber verpflichtet habe. Die Versendung ch'nesischer Staatseinkünfte an ausländische Bankier? in Ver­bindung mit der Schaffung gewisser industrieller Unter­nehmungen, wovon diese Reformen abhingen, hätten das Ätaatsdepartement veranlaßt, die Beteiligung amerikanischer Bürger an solchen Unternehmungen zu verlangen. Die gleiche Politik zur Förderung internationalen Einvernehmens unter den Mächten, die ähnliche Vertragsrechte besitzen sei hmsichtlich der Anleihe für die Reform der chinesischen Wahrung befolgt worden.

Parlamentarisches

Die Verkehrsstockungen im Ruhrgebiet.

Berlin, 3. Dezbr. Im Abgeordnetenhaus? begann heute die Beratung über die Verkehrsstockungen im Ruhrrevier. Auf der Tagesordnitng steht der Bericht über die Essener Konferenz, sowie die Intervellation König i.Ztr.). Der Be°

richterstatter Hirsch-Essen ergänzt den Bericht durch das in­zwischen neu vorliegende Material. Der Interpellant König (Ztr.) schildert in längerer Begründungsrede die Notstände. Der Minister von Breitenbach verbreitet sich hierauf im Sinne seiner Ausführungen im Herrenhaus über den heutigen Stand der Lage und die eingeleiteten Maßnahmen zur Abhilfe.

Stimmungsbild aus dem Reichstag.

mb. Berlin, 3. DezLr. Ehe sich der Reichstag heute wieder der hohen Politik zuwandte, beschäftigte man sich mit einigen kurzen Anfragen. Man erfuhr durch eine Anfrage des fortschrittlichen Führers Dr. Müller-Meiningen, daß das längst erwartete Theatergesetz, das den mißlichen Zuständen im Bühnenwesen ein Ende machen soll, nun wirklich in Aus- sicht st ht, und daß im Januar eine Kommission von Ver­tretern der beteiligten Kreise sich zu rascher Arbeit zusammen­finden wird. Auf eine andere Anfrage konnte der Ministerial­direktor Dr. von Jonquières alle diejenigen beruhigen, die eine Einschleppung der Cholera aus dem Balkan befürchteten. Nach ihm liegt keinerlei Anlaß zur Beunruhigung vor. Trotzdem sind alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Einige heitere Minuten hatte der Reichstag dann, als der Abg. Mumm von der Wirtschaftlichen Vereinigung den Reichs­kanzler anfragte, ob ihm bekannt sei, daß das Bühnenweih- spiel Parsifal nächstens schutzfrei werde, und nb ihm bekannt sei, daß von verschiedenen Seiten der Versuch gemacht werde, die Schutzfrist zu verlängern. Der Staatssekretär des Reichs­justizamts Dr. Lisco konnte unter allgemeiner Heiterkeit fest­stellen, daß dem Reichskanzler beide Tatsachen nicht unbekannt seien. Er fügte hinzu, daß im übrigen die verbündeten Re­gierungen noch keine Stellung zu der Frage eingenommen haben. Dann wurde die Aussprache über die auswärtige Politik fortgesetzt. An erster Stelle sprach der würtlem- bergische Volksparteiler Dr. von Payer, der in bemerkens­werter Weise die Friedenspolitik der deutschen Regierung rühmte und ihre Erfolge gerade in den Tagen der letzten Spannung unumwunden anerkannte. Er rückte deutlich er­kennbar von den phrasenhaften Uebertreibungen des Herrn Ledebour ganz gehörig ab. Auch den sozialdemokratischen Volksversammlungen mit ihren Mafsenprotesten gegen den Krieg mißt er nicht die geringste Bedeutung bei. Mit Freuden begrüßt er es, daß der Dreibund zu neuem Leben erwacht zu sein erscheine, und das HauS stimmte ihm zu, als er der Regierung zurief, daß sie bei einer Friedenspolitik die ganze Menge des

Volkes fast ausnahmslos immer hinter sich haben werde. Die Reihe der Redner aus dem Hause wurde burd) den Unter-Staatssekretär des Auswärtigen Amtes unterbrochen, der auf eine Anfrage von gestern mitteilen konnte, daß durch den spanisch-französischen Marokkovertrag deutsche Interessen nicht verletzt werden. Rach einer kurzen Rede eines Polen, der über die preußische Enteignungspolitik sprach und sich dabei einen Ordnungsruf holte, kam Dr. David (S.) zu Worte, der mit ungeheurem Material von Zeitungsausschnitten arbeitete und bei seiner Beweisführung fast sämtliche führenden deut­schen Blätter zitierte. Beachtenswert war seine Erklärung, daß auch die Sozialdemokraten den Dreibund aufrecht er> halten wollen, freilich in jedem Falle nur als Verteidigungs­bündnis. Zum Schluß predigte er in einer bilderreichen Sprache den allgemeinen Weltfrieden. Das Zentrum schickte noch den Fürsten zu Löwenstein vor, der sich mit Herrn David in ein Religionsgespräch einließ, und der dann der Sozialdemokratie die Pistole auf die Brust setzte und sie aufforderte, nun endlich einmal offen und klar zu sagen, wie sie sich die Dinge im Falle eines Krieges denke. Ob Sie Revolution machen wolle und wie sie durch die Revolution einen Krieg verhindern wolle. Der Redner verlangte vor allem bei der Neugestaltung der Dinge auf dem Balkan auch die Wahrung der religiösen Freiheit. In seiner humoristischen Art ließ sich dann der Konservative, Dr. Oertel, vernehmen. Er schmückte seine Rede mit ein paar Dutzend Witzen und witzigen Anspielungen aus. Der Kern seiner Ausführungen war der, daß auch seine Partei korrekte Beziehungen mit England wünscht, und daß sie sich freut, wenn der Staats­sekretär des Auswärtigen Vertrauen zu England hegt, daß sie aber leise Zweifel hat, ob auch diese vertrauensselige Stimmung von England erwidert wird. Der nationalliberale Freiherr v. Richthofen nahm sich der deutschen Instrukteure an, denen man jetzt unberechtigter Weise den türkischen Zu­sammenbruch in die Schuhe schiebt. Zum Schluß stieg noch eme Rede des Vorsitzenden in der sozialdemokratischen Partei d eS Abgeordneten Haase, der in den üblichen starken Aus­drücken schwelgte. Dann schloß die Aussprache über die aus­wärtigen Angelegenheiten. Die dazu vorliegenden Inter- pellationen wurden für erledigt erklärt. Morgen wird die Aussprache über die innere Politik mit der Etatsrede des Staatssekretärs eingeleitet werden.