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Die Sgefpaktene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im KeUameteU die Zette 60 Psg.
Blerteljâhrllch 1.86 DL, monatlich 60 Pfg., für Post, bezug vierteljährlich 2dO ML, monatlich 70 Kf- Die einzelne Rümmer kostet 6 Psg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker«! der verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint füglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hana«.
9/L 279 Aernsprechanfchlits; Nr. 230.
Donnerstag den 28. November
Fernfprechanschlutz Nr. 230. 1912
Amtliches.
Landkreis hanau.
Landwirtschaftliche Winterschule Gelnhausen.
Aufnahme als Schüler finden bis zum 1. Dezember d. Zs. junge Leute im Alter von 15 bis 20 Jahren. Bei der Aufnahme ist das Schulzeugnis,' die Geburtsurkunde und ein Leumundszeugnis vorzulegen.
Das Schulgeld beträgt 30 Mk. Der vollständige Lehrkurfvs umfaßt 2 Winterhalbjahre.
Kost und Wohnung finden die Schüler bei guten Bürgersfamilien.
Anmeldungen sind sofort an den Direktor der Anstalt Herrn W a g n e r-Eelnhausen zu richten.
Strebsamen jungen Leuten kann, wenn sie sich zur Teilnahme an 2 Winterkursen verpflichten, eine Beihilfe aus Kreismitteln und vom landwirtschaftlichen Kreieoerein hier in Aussicht gestellt werden.
Hanau den 27. November 1912. A 3646
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Im Äfijlyiuß an die Bekanntmachung über Veröffentlichung der Vorschlagslisten für die Wahl der Beisitzer für das Gewerbegericht bringe ich hiermit zur Kenntnis, daß die mit Ordnungsnummer IV bezeichnete Liste der Arbeitgeber vom Handwerker- und Gewerbe- ausschuß eingereicht worden ist.
Hanau den 26. November 1912. 29177
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
I. V.: D a r t m u h.
Bekanntmachung.
Pferdeversicherungsverein für den Landkreis Hanau.
Es sind in letzterer Zeit verschiedene Krankheits- und Todesfälle von frischgeschorenen Pferden vorgekommen. Die Mitglieder werden deshalb ersucht, bei der vorgerückten Jahreszeit keine Pferde mehr scheren zu lassen und in Zukunft nicht mehr nach dem 20. Oktober.
Die Herren Vertrauensmänner werden gebeten, dieses den Mitgliedern mitzuteilen.
Ravolzhausen den 27. November 1912.
Der Vorsitzende.
Clauß. 29213
M.8SÜ... 1 ■■! -——--———-——---.
Stadttheater in Hanau.
„Der Zigeunerbaron".
Operette in 3 Akten von Johann Strauß.
Als eS der Menschheit einmal ganz schlecht ging und die gute Laune sich unauffindbar irgendwohin verkrochen hatte, da schenkte der Weltgeist, der im letzten Grunde jedes Manko wieder ausgleicht, den Menschen einen Stimmungserwecker allerersten Ranges: Johann Strauß. Und dieser hin- wiederum hatte ein Separatgeschenk für die unfroh Gewordenen, eine Zaubergabe, die sieghaft jeden in den Bann schlug, der auch nur eine Andeutung von musikalischem Nerv besaß, die mit schwingenden Geigensaiten eines großen ©onnengläubigen durch alle Welt zog, daß das Frohbehagen plötzlich wieder air§ allen Win kein hervorschante und im herzlustigen Rhythmus leichter Walzermelodien die Menschen von neuem das Vergnügisein lehrte. Seither ist's merklich besser geworden in der Welt, der fröhliche Hexenmeister steht uns immer wieder bei, wenn uns das Leben einmal die gute Laune abivnrgen will, und vor einem Strauß'schen Walzer müssen sich noch immer die Griesgramteufel ohnmächtig verkriechen. Es gibt .wohl kaum einen Menschen, der sich diesem Zauber entzöge, kaum einen, der unmusikalisch genug wäre, auf die mitreißende K,ast dieser einschmeichelnden Weisen nicht zu reagieren. Die â rauß'schen Operetten sind uns Gemeingut geworden, das wir liebend hüten und nie werden wir mübt werden, ihren Zauber wieder auf uns wirken zu lassen.
Der „Z i g e u n e r b a r o n", eines der populärsten Werke von Strauß, ist uns auch hier kein Fremder mehr. Das etwas reichlich gestreute romantische Salz der Handlung beeinträchtigte kaum den Geschmack an den reichen Melodien- werken, die überall hervorquellen. Mit der Inszenierung durch Herrn Direktor S t e f f t e r dürfen wir wohl zufrieden sein, sie stand der dem Werke an und für sich inne.
Gefunden beim Gruppengraben auf dem Friedhof in der Erde versteckt: 1 goldener Ring (585) mit Stein sowie 1 unfertige Brosche (anscheinend Gold), beide Gegenstände waren in einer Cigarettenschachtel verpackt. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.
Hanau den 27. November 1912.
Politische Rundschau.
Luftflottengesetz. Die „Tägl. Rdsch." kündet jetzt als bestimmt an, daß die Regierung ein Lustflottengesetz vorbereite, daß die Erbauung von Luft-Dreadnoughts vorsehen soll.
Ueber eine Sitzung der nationalliberalen Reichstagsfraktion berichtet die „Nat.-Lib. Kor." das folgende: Bei dem Wiede Zusammentritt des Reichstages fand sich auch die nationalliberale Fraktion fast vollzählig zu ihrer ersten Fraktionssitzung zusammen. Unter den wenigen Fehlenden befindet sich leider auch der Abgeordnete Heckmann, der von seinem im Bergwerk erlittenen Unfall noch immer nicht wiederhergestellt ist. Die Fraktion erörterte eingehend die vorliegenden Fragen der inneren und vor allen Dingen der äußeren Politik und gelangte zu dem Entschluffe, zu letzterer eine Interpellation einzubringen, um auch ihrerseits die Verbindung zwischen der Volksvertretung und der Reichsregie- rung herzustellen. Man erwog weiterhin, ob und in welcher Art es geraten sei, in der gleichen Richtung mit der neuen Einrichtung der kleinen Anfragen vorzugehen. Bei Besprechungen der inneren Fraktionsaugelegenheiten wurde davon Kenntnis genommen, daß der Abgeordnete Held gegen den Schriftsteller Kerr, sowie gegen den Redakteur der „Hilfe", Heile, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt hat. Endlich wurde als neuer Hospitant der Fraktion der Abgeordnete Schroder-Elbinq begrüßt.
Der französisch-spanische Marokko-Vertrag ist gestern nachmittag unterzeichnet worden.
Die Vereinigten Staaten gegen das Reichspetroleum-Monopol. Der „Sun" berichtet, der Kongreß werde ein Gesetz erlassen, das der Regierung Vergeltungsmaßregeln ermögliche, falls Deutschland die Standard Oil Co. vertreiben wolle, wie es jetzt den Anschein habe. Senator Curtis hat den Entwurf ausgearbeitet und Staatssekretär Knox hat an Curtis einen Brief geschrieben des Inhalts, daß nach Ansicht des Staatsdepartements dieses Problem gelöst werden könne mittels eines Amendements zu Sektion 2 des Gesetzes von 1909, das genügend Dehnbarkeit gewährt, um die Tarifsätze entsprechend zu erhöhen. Das mag die Auferlegung von Zuschlagszöllen von fünf bis fünfundzwanzig Prozent nötig machen für einzelne Artikel oder auch für die ganze Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten. Auch die Verzollung der Artikel auf die Freiliste konnte als Verwohnenden Wirkung überall fördernd zur Seite. Die Besetzung der Titelrolle mit Herrn Schramm vom Frankfurter Opernhaus erwies sich, wie vorauszusehen war, als außerordentlich glücklicher Griff, denn der geschätzte Künstler gab einen Zigeunerbaron, der in jeder Hinsicht als vorbildlich anzusprechen ist. Die herrliche Stimme des Gastes, die in jeder Lage von blendender Kraft und Fülle ist, und das gewandte, markante Spiel fesselten in höchstem Maße und sicherten der Vorstellung einen unbestrittenen starken Erfolg. Der zweite Gast des Abends, Fräulein Wegener vom Leipziger Stadltheater, zeigte als „Sassi" gesanglich wie darstellerisch Unsicherheiten, die vielleicht auf eine Indisposition zurückzuführen sind, wir wollen daher ein weiteres Eingehen auf ihre Leistung für heute noch zurückstellen. Auch Fräul. P r a n ? als „Arsena" schien uns weniger gut disponiert als sonst. Die Rolle der Zigeunermutter wurde diesmal von Fräul. Harves gespielt, die damit einen neuen Beweis ihres vielseitigen Talentes gab. Fräul. Wald als „Mirabelle" war recht gut. Den „Canero" spielte Herr Hunold zur Zufriedenheit, während Herr Palitzsch als „Zsupan" durch etwas deutlichere Aussprache dieser dankbaren Partie manchen üerloren gegangenen Effekt retten könnte. Den „Grafen Homonay" hatte Herr Christian offenbar etwas zu „preußisch" anfgefaßt. Herr Hi et el brachte die kleine Partie des „Ottekar" gut zur Geltung. Die langfingrigen Zigeuner wurden durch die Herren Möller, Wehr, Nadelreich, Dahlmeyer, Hübner und K u° bitzky wirkungsvoll gespielt. Nur mit dem Chor stand es manchmal arg, als ob die darstellerische Disziplin ein wenig von dem Zigeunergeist des Stückes infiziert worden wäre. Der musikalischen Leituug des Herrn Kapellmeister Kähler gebührt vollste Anerkennung. -1-.
geltung erscheinen für eine derartige beleidigende Behandlung. Selbst ein Einfuhrverbot könnte in schweren Fällen nStig werden. .
Der Dalai Lama fordert die Selbständigkeil Tibets. Nach einem Telegramm der „Deutschen Kabel- grammgestllschaft" verlangt der Dalai Lama gegen eine jährliche Zahlung von 5 Millionen Dollar an die Regierung iu Peking die finanzielle und administrative Selbständigkeit Tibets, das ausschließlich tibetanische Beamte und eigenes Heer erhalten soll. In Peking wird vermutet, daß England diese Forderungen veranlaßt habe.
Der Kriegsbrand am Balkan.
Keine Schwenkung der Politik Oesterreichs.
Wien, 27. Novbr. Eine offiziöse Kundgebung des „Pester Lloyd" tritt entschieden der Austastung entgegen, als hab« die Politik Oesterreichs eine Schwenkung vollzogen. Oesterreich habe in Belgrad keinen Zweifel über seinen Standpunkt gelasten. Die ganz falsche Darstellung, als ob in der österreichischen Politik sich eine Wendung vollzogen habe, erhöhe bloß die Gefahr, daß man in Serbien an eine Schwäche der Monarchie glaube und Hoffnung auf eine Nachgiebigkeit Oesterreichs erweckt werde. DaS wäre die größte Gefahr für den Frieden. Die Mitteilung schließt: „Bei allem guten Willen, an unserer Politik der Mäßigung festzuhalten, werden wir unS von niemand den Zeitpunkt vorschreiben lassen, wenn wir andere Seiten aufziehen müsten. Das wird allein davon abhängen, ob wir von anderer Seite dazu gezwungen werden."
Eine unmittelbare Gefahr nicht mehr vorhanden.
Wien, 27. Novbr. DaS „Neue Wiener Sagblatt* schreibt: Die Lage wird hier als unverändert und stationär bezeichnet. Ein« unmittelbare Gefahr ist nicht vorhanden, doch ist die Lage derart, daß sie binnen wenigen Stunden durch Elemente, über die anscheinend niemand volle Kontrolle hat, in eine Krise umschlagen kann, wie sie selbst auf dem Höhepunkt der Annexionskrise und des Agadirzwischenfalles nicht für den europäischen Frieden bedrohlich zu verzeichnen war."
Kundgebungen gegen Oesterreich in Belgrad.
Semlin, 27. Novbr. Mehrere zum außerordentlichen Waffendienst einberufene österreichisch-ungarische Untertanen serbischer Nationalität durchzogen die Stadt mit Schmâhrufen auf die österreichische Armee. Die Polizri schritt ein, worauf die Demonstranten, mit Heugabeln ausgerüstet, Radau machten. Nach einem blutigen Kampfe, in dem ein Demonstrant durch einen Säbelhieb tödlich verwundet wurde, gelang es, alle zu verhaften. Di« Serben rücken überhaupt mit großem Unwillen ein, die Deutschen hingegen mit lauten Freudenkundgebungen.
Literarisches.
„Schönheit ist der Sieg des Lebens über die Materie : Die Beseeltheit" — mit diesem lapidaren Wort begrenzt Egger-Lienz den Begriff der Schönheit in einer Sammlung von knappen und charakteristischen Aeußerungen bedeutender Künstler über die Schönheit, die in der soeben erschienenen „Schönheitsnummer" des „Salonblatt" veröffentlicht werden. Diefe neueste, wundervoll ausgestattete Sondernummer der vornehmen Wochenschrift stellt eine der reichsten und schönsten Leist,mgen der deutschen Zeitschriftenwelt dar. Künstler und Kunstgelehrte erörtern unter Begleitung von reichem er- läuternden Bilderschmuck die Auffassung der Schönheit, wie fie unsere Zeit aus der langen einheitlichen Entwicklung der Kunst zweier Jahrtausende durch Zuhilfenahme ihres eminenten Naturerfassens abgeschlossen hat. Gelehrte und Fachleute umreißen das weite Gebiet der Schönheitspflege von dem hohen, innerlichen Standpunkt aus, den man heute im Zeitalter der vornehmen sportlichen Erziehung durch die künstlerische und rhythmisch-harmonische Körperausbildung zu erlangen vermag. Daß das „Salonblatt" es verstanden hat, diese „Schönheitsnummer" (Preis 1.20 Mk. inkl. Porto) reich mit künstlerisch vollwertigem, zum Teil farbigem Bilder- schmuck auszustatten, versteht sich bei dem hohen künstlerische« Ruf dieser Wochenschrift von selbst. Enthalten ist in dieser „Scbönheitsnnmmer" ein Preisausschreiben mit einem PreiS- betrag von 5000 Mk., dessen Bedingungen aus der Nummer zu ersehen sind. Das „Salonblait" abonniert man bei alle« Postaustalten, Buchhandlungen und dem Verlag, Dresden-^.. 3.
Albumblätter.
Wenn leise dein Gewissen spricht, Zum Lassen ober Tun dich mahnt, Dann überhör' die Stimme nicht, In Demut folge und in Treu«; Denn sicher, ehe du'S geahnt, Erfaßt zu spät dich bitter« Dene.