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AulÜiâjts Organ für Stabt« and FandLreis Hanan.

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vierteljährfich 1.80 Mk., monatlich 66 Pfg., für Post, bezug vierteljährlich 2.10 ML, monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.

verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.

Ri. 278 RmifprtdxinWitß Nr. 230.

Mittwoch den 27. November

Fernsprechaitschltttz Nr. 23«.

1912

Die heutige Nummer mW auher dem ililerhuItuWM

14 Seiten.

Amtliche«

Landkreis Hanau. Bekanntmachung.

Ich bringe hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß dem am 21. Dezember 1868 zu Dornum geborenen, in Berlin, Kochstraße 68, wohnhaften Lotterieunternehmer, Losehändler ArnoldHaase durch rechtskräftiges Ur­teil des Königlichen Oberverwaltungsgerichts vom 20. Mai 1912 auf Grund des § 35 Absatz 2 der Gewerbe­ordnung der Losehandel untersagt worden ist.

Hanau den 22. November 1912. V 6638

Der Königliche Landrat.

F r h r. L a u r.

Durch Beschluß vom 15. November 1912 ist der frühere Handelsmann Salomon Strauß aus Marköbel wegen Trunksucht entmündigt worden.

Windecken den 21. November 1912. 29127

Königliches Amtsgericht.

........... .....'_______

WmdM «Id oertoreuk Eegeuitliude il

Gefunden: 1 schwarzes Kinderportemonnaie mit 2 Mark, 1 desgl. mit 3 Mark.

Hanau den 27. November 1912.

Politische Rundschau.

Die Reichstagsinterpellationen über die auswärtige Lage. Im Reichstage ist außer der sozialdemokratischen Interpellation über die auswärtige Lage auch eine Interpellation der Nationallibe­ralen über dasselbe Thema eingebracht worden, die folgenden Wortlaut hat:Ist der Herr Reichskanzler bereit, über die aus­wärtige Lage und die Richtlinien der deutschen Politik Auskunft zu geben?" Die beiden Interpellationen sind ebenso wie die Inter­pellation über die Teuerung auf die Tagesordnung der heutigen Mittwochsitzung gestellt worden. Die Interpellation der sozial­demokratischen Reichstagsfraktion über die internationale Lage lautet:Ist der Reichskanzler bereit, über die Stellung der ver­bündeten Regierungen zu den internationalen Fragen Auskunft zu geben?"

Prioat-Monopol und Reichs-Monopol. Vor wenigen Tagen verbreitete der LondonerExchange-Telegraph" die Nachricht, daß die Standard Oil Company für das erste Geschäftsjahr nach ihrer

3ur Ausstellung osu Elseubeinllgures in Königs Svsbulhhllndlnug.

. Von G. S. Nrff.

Herr Bildhauer G l e n z hat in unserer Stadt eine An­zahl von Elfenbeinplastiken zur Anschauung gebracht, die in der Gesamtheit, wie im einzeln, hohe künstlerische Begabung mit hervorragender Technik vereinen. Herr Gleuz bietet da­mit dem kunstsinnigen Hanauer Publikum einen bisher seltenen Genuß. Denn mag man hier auch, was die Kunst und ganz besonders das Kunstgewerbe anbetrifft, etwas verwöhnt und anspruchsvoll sein, die Scharen, die sich vor dem Schau­fenster drangen, beweisen, welch hohes Interesse man diesem für uns neuen künstlerischen Ausdrucksmiltel entgegenbringt.

Die Elfenbeinschnitzerei ist nicht bodenständig in Hanau. In dem nahen Odenwalde, besonders in den Städten Erbach und Michelstadt blüht sie schon seit über hundert Jahren, und Herr Glenz, der ein Erbacher ist und vor kurzem als Lehrer an die hiesige Königliche Zeichenakademie berufen wurde, versucht es nun, diesen neuen Zweig auch in unser Kunsthandwerk einznführen.

Die Elfenbeinschnitzerei wurde in Erbach durch den Grafen Franzl. (17541823) begründet. Er hatte, wie eS in dem Fürstenhause von jeher Sitte wt., ein Handwerk und zwar die Drechslerei,erlernt. So beschäftigte er sich in seinen Muße­stunden viel mit der Anferugnng von allerlei schönen Ge- brauchsgegenständen, wie Dosen, Pfeifenköpfen, Spazierstock- griffen rc., die er zu Geschenken verwandte. Noch heute sind in dem alten Erbacher Grafenschlosse, wie auch in der neuen Kunslgewerbehalle des Städtchens einzelne Stücke vorhanden, die von dem Grafen Franz selbst ««gefertigt worden sind und von seiner künstlerischen Begabung ein gutes Zeugnis oblegen.

Es war nur natürlich, daß sich auch die nähere Umgebung deS Fürsten für seine SiebhaBerei interessierte. Besonders zu

Zertrümmerung" 52 000 000 Dollar auf 100 000 000 Aktienkapital oder 52 Prozent Dividende verteilt habe. Selbst anspruchsvolle Unternehmer werden diesen Dividendensatz bei einersterbenden" Gesellschaft für noch leidlich gesund halten. Doch wenn die Stan­dart Oil Co. ihre vom obersten Gerichtshöfe der Vereinigten Staaten verfügte Auflösung mit einer Dividendenerhöhung quittieren kann, so ist das schließlich Sache der Union; bei uns in Deutschland ist der Umstand von Interesie, daß die Standard Oil To. viel, sehr viel verdient haben muß, um eine solche Divi­dende ausschütten zu können; denn daß selbst mit dieser riesigen Dividende der St. O. To. über den Iahresgewinn des amerikani­schen Trusts restlos verfügt sein soll, glaubt keiner, der die finan­ziellen Grundsätze Rockefellers kennt. Deutschland ist der größte auswärtige Abnehmer der St. O. To.; es ist recht mäßig veran­schlagt, wenn man annimmt, 10 Prozent des Wertes der gesam­ten Fertigprodukte der St. O. To. kommen nach Deutschland. Denn Deutschland ist die eigentliche Domäne der St. O. To. gewesen und hat für diesen Vorzug auch bis vor kurzem ganz erheblich höhere Preise zahlen dürfen als andere große Konsumländer, in denen die Wettbewerber Rockefellers sich mit Erfolg behaupten konnten, wie z. B. in England. Demnach zöge die St. O. To. allein von den ausgeschütteten Gewinnen gegen 5 200 000 Dollar gleich 21 000 000 Mark aus Deutschland. Nun wäre es ja denkbar, daß sich die St. O. To. als milder und wohlwollender Herrscher auf dem deutschen Petroleummartte gezeigt und sich damit als be­rufener alleiniger Lieferant Deutschlands legitimiert hätte. Wenn wir den einst blühenden Großhandel bis auf wenige Reste ver­nichtet, die Detaillisten auf Gnade und Ungnade dem Trust aus- geltefert und Schritt für Schritt enteignet und die wenigen Kon­kurrenten des Trusts beim Import in hoffnungslosem Kampfe unterliegen sehen, so wird man von der segensreichen Tätigkeit der St. O. To. in Deutschland nicht gerade übertrieben hoch denken können. Unsere Regierung bemüht sich, den deutschen Detailhänh- Ter gegen die Aushungerung durch große einheimische Waren- Hünser zu schützen, den deutschen Getreidebauern nicht durch den deutschen Ectreideimporthandel vernichten zu lassen, und sollte vor den Wunden, die ein ausländischer Kapitaloampyr ftänbig dem deutschen Wirtschaftsleben schlägt, Vogelstrauß spielen oder gar recht undeutsche sagen wir mal Bedenklichkeit zeigen? Die Reichsregierung ist dabei, das Projett eines Petroleum-Monopols nach Genehmigung durch den Bundesrat vor den Reichstag zu bringen. Die Devise dieses Gesetzes ist, Stetigkeit und Frieden in einen Handelszweig zu bringen, der bisher für den deutschen Han­del eine Quelle steter Gefahr und großer Verluste gewesen ist. Anstelle der unersättlichen dollar=maker wird eine vom Reich kon­trollierte Vertriebsgesellschaft die Versorgung Deutschlands mit dem Brennstoff des einfachen Mannes in die Hand nehmen und, das wird wohl niemand bestreiten wollen, das Moment der natio­nalen Wohlfahrt, das dort bisher überhaupt gefehlt hat, in diesen wichtigen Zweig des Wirtschaftslebens einführen. Die zu erwar- erwähnen ist der Archivrat Kehrer, der den ersten Unterricht im Entwerfen geeigneter Muster erteilte. Von großer Bedeutung für die Entwickelung der künstlerischen Seite des Handwerkes wurde der Sohn des Archivrates, der Tiermaler Eduard Kehrer. Er sammelte eine Anzahl junger, be­geisterter Schüler um sich und betrieb mit ihnen Studien. Er verwies sie auf die Natur, als die höchste Lehrmeisterin aller Kunst. Gar oft wanderten sie hinauf in den gräflichen Wildpark Eulbach. Besonders das schlanke Edelwild mit seinem zackigen Geweih erregte die Freude der Künstler. Sie übertrugen ihre Beobachtungen in die Praxis. Damals entstanden die sogenannten Hirschbioschen, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts einen begehrten Schmuck­artikel bildeten.

Graf Franz vereinigte die Erbacher unb Michelstadter Dreher zu einer Zunft und stellte ihnen einen Zunftbrief aus. Er selbst legte den von ihm ernannten Meistern zwölf seiner eigenen Arbeiten vor und wurde auf Grund derselben zum Ehreumeister der Zunft ernannt. Nach und nach breitete sich die Kenntnis des schönen Handwerkes weiten auS. Eine immer größere Anzahl von Lehrlingen fand sich bei den Meistern ein, um sich die Technik deS Beinschneidens anzu­eignen. Als Rohmaterial verwandte man anfänglich aus­schließlich Hirschhorn, später auch Elfenbein, dem man aber durch einen braunen Lackünerzug die Farbe des Hirschhorns gab. Erst als von England auS die Ware in Naturfarbe mehr und mehr begehrt wurde, behielt man die reine Elfen- beinfarbe bei.

Emer der hervorragendsten Schüler, die auS dieser ersten Kunstperiode beroorgegongen sind, war der Schnitzer Fried­rich Hartmann in Michelstadt. Nachdem er seine Lehr­zeit bei einem der besten Meister vollindet hatte, besuchte er die Akademie der bildenden Künste in München, nm sich noch weiter fortzubilden. Merkwürdigerweise hat er aber, wie mir sein Sohn, der die von dem Vater begründete Firma noch weiter führt. mitteilt«. Än Hauptwerk, das ihn zu *

tenden Aeberschiisse, die ihrem Wesen nach das Plus darstellen, das die Standard Oil To. durch ihr skrupelloses Geschäftsgebaren über Gebühr aus Deutschland herausgezogen hat, sollen dazu dienen, die Petroleumpreise stetig zu erhalten und durch Erhöhung der Zuwendungen an die Veteranen, wofür die Ergebnisse nach § 19 des Entwurfs verwendet werden sollen, dem unwürdigen Zustand ein Ende zu setzen, daß die alten Kampfer für die Einigkeit un­seres Reiches Not leiden.

Gräfin Marie von Flandern f. In Brüssel ist die Gräfin von Flandern gestorben. Die Gräfin von Flandern, die Mutter der belgischen Königs, ist am 17. November 1845 geboren und hat somit ein Alter von 67 Jahren erreicht. Die Gräfin war am Samstag heftig an Influenza erkrankt, am Sonntag hat dann noch eine Lungenentzündung hinzu. Die Krankheitsberichte lau­teten von Anfang an sehr ernst. Am Montagabend gegen 10 Uhr konnte eine leichte Besierung konstattett werden. Der Rückschlag trat jedoch bald ein, und am Dienstag früh verschied die Gräfin nach einem Krankenlager von nur drei Tagen. Der König der Belgier wurde am Montagnachmittag von dem Ernste des Zustan­des seiner Mutter unterrichtet. Er begab sich sofort aus dem Brüsseler Stadtschlosie in das gräfliche Palais. Das Konigspaar weilte die ganze Nacht am Krankenlager.

Parlamentarisches

mb. Die Abgeordnetenhauskommisiiou für das Echleppuumo» Polgesetz nahm in ihrer gestrigen Sitzung das Material über den gegenwärtigen Verkehr auf dem Dortmund-Emskanal und der Rhein-Weserstraße, sowie über die Einwirkung des künftigen Kanalbetriebs auf diese Wasserstraßen entgegen, das, von einem Regierungskommisiar vorgelegt wurde. In einer Erörterung über diese Mitteilungen soll erst nach ihrer Drucklegung eingetreten werden. Der Minister der öffentliche« Arbeiten berichtete sodann über seine Reise in das Industriegebiet. Bei der Konferenz tu Essen waren sämtliche wirtschaftliche Körperschaften von Rhein­land und Westfalen vertreten gewesen. Er habe zunächst über bie Mittel zur Abwendung der gegenwärtigen Not und über die Kit» tel berichtet, solche Zustände künftig zu verhindern. In der De­batte seien irgendwelche Schärfen nicht zu Tage getreten, insbe­sondere habe der Oberpräsident der Rheinprovinz in keiner Weise es nötig gehabt, gegen den Ton oder die Forderung der Irtter- effenten zu protestieren, wie das von der Rheinisch-westfälischen Zeitung bettchtet worden war. Die Stockungen seien insbesondere von der Ruhr-Sieg-Dahn ausgegangen und seien von Tag zu Tag schlimmer und umfangreicher geworden und nach dem Osten vor- gebrungen. Die Maßregeln der Eisenbahn seien von Nutzen ge­wesen. Man habe in den letzten Tagen bis zu 28 060 Wagen täg­lich stellen können. Man habe ferner durch Ableitungen von der Ruhr-Siegbahn, durch Herbeischaffung von Personal und Loko­motiven in das Ruhrrevier nützen können. Das Personal habe sich einem der ersten Elfenbeinschnitzer überhaupt stempelt, bereit- vor seinem Eintritt in die Kunsthochschule geschaffen. Es ist ein großer Humpen mit Deckel, der von dem Laubwerk eines WaldbaumeS umrankt ist, das sich in wundervollen Linien vom Fuße bis zur höchsten Spitze des Deckels entwickelt. Zwischen der zarten Verästelung zeigen sich reizende Durchblicke in ba< Waldinnere, in dem Hirsche mit zackigem Geweih und andere Waldtiere ihr Wesen treiben. Jede einzelne Figur, jeder Zweig, ja, jedes Blatt am Baume ist mit solcher Feinheit bis ins Kleinste durchgeführt, daß man nicht weiß, worüber man am meisten staunen soll, über bie Geduld, die die Aus­führung einer solchen Arbeit erforderte, oder über bie Ge­schick! ich Hit der Menschenhand, die solche Werke hervorzu­bringen vermag. Hartmann hat sich durch diese Arbeit, die ihn Jahre hindurch völlig absorbierte, das Geld erworben, das ihn zum Besuche der Kunsthochschule befähigte. Bis vor kurzem befand sich der Pokal im Kunstgewerbemuseum zu Frankfurt a. M. Neuerdings ist er jedoch auf Anttag an die Stifter, die in Wien wohnen, zurückgegeben worden.

Gegenwärtig haben sich in der Industrie in Erbach zwei verschiedene Zweige der Technik herausgebildet, die Bein- und die Elfenbeinschnitzerei. Ein gewisser Unterschied ergibt sich schon aus dem Rohmaterial, das verarbeitet wird. Knochen ist ziemlich spröde, Elfenbein weicher, plastischer. Daraus folgt, daß man die feinsten Arbeiten nur aus Elfen­bein Herstellen kann, da Knochen ziemlich leicht abspringt. Aber ein weit bedeutenderer Unterschied ergibt sich auS dem Werte des Materials. Tierknochen sind billig und in de» großen Schlachthäusern überall zu haben. Namentlich bie südamerikanischen Fleischextraktländer könnten ganze Schiffs­ladungen liefern. Deshalb verwendet man daS Material zur Herstellung allerlei billiger Sachen, Broschen mit Name«, Buchstaben, Blumen, Vorstecknadeln, Hutnadeln, auch kleiner Tierfiguren rc. Man muß wirklich darüber staunen, wie man solch nette Sachen, die in einheimischen und noch mehr in fremden Verkehrsorte« überall zur Schau geftellt mabt*,