General-Anzeiger
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vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich S6Pfg., fOt Postbezug vierteljährlich 240 SIL, monatlich 70 $f» Die einzelne Nummer tostet 6 Psg.
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Rotaftonebrud und Verlag der Buchdruckers des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hamm.
Nr. 268
^ernsprechanschlnst Nr. 230.
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Donnerstag den 14. November
Fernsprechanschlutz Nr. 230
1912
Amtliches.
Landkreis Hanau. Bekanntmachung.
Bei der Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner gemäß §§ 145 ff. des Versicherungsgesetzes für Angestellte sind im Wahlkreise Hanau-Land aus der Gruppe der Angestellten folgende Personen gewählt worden:
a) als Vertrauensmänner:
Wilhelm Gottlieb, Expedient, Fechenheim, Karl Decker, Werkmeister, Fechenheim, Wilhelm Lier, Handlungsgehilfe, Großauheim.
b) als 1. Ersatzmänner:
Eberhard Goldammer, Buchhalter, Großauheim, Wilhelm Klein, Werkmeister, Fechenheim, Jean Vingemer, Versicherungsbeamter, Enkheim.
e) als 2. Ersatzmänner:
Heinrich Vingemer, Handlungsgehilfe, Fechenheim, Friedrich Horst, Handlungsgehilfe, Langendiebach, Karl Lehmann, Obermeister, Großauheim.
Da bei der Gruppe der Arbeitgeber eine Wahl nicht zustande gekommen ist, sind von dem Unterzeichneten gemäß § 152 des Gesetzes folgende Personen zu Vertrauens- dezw. Ersatzmännern bestellt worden:
a) als Vertrauensmänner:
Fabrikdirektor Dr. Hoffmann, Fechenheim, Domänenpächter Kimmel, Rüdigheimerhof,
Direktor
Direktor Direktor
Pfosch, Langendiebach.
b) als 1. Ersatzmänner:
Bruchlacher, Großauheim, Karl Weckmann, Niederrodenbach,
Fabrikant Diefenbach, Fechenheim.
e) als 2. Ersatzmänner:
Oekonom Fix, Fechenheim,
Fabrikant Middelmann, Langenselbold, Bürgermeister Schlegel, Windecken.
Vorstehendes wird hierdurch gemäß § 32 der Wahlordnung vom 3. Juli 1912 bekannt gemacht.
Hanau den 13. November 1912.
Der Wahlleiter:
Karbe, Regierungs-Assessor.
kebnidm mid mrim« SeotnWt ic
Gesund en: 1 Portemonnaie mit 11 Psg. (auf der Messe), 2 Mark bar, 1 Jnvalidenkarte für Max Weimar aus Frankfurt, 1 Arbeitsbuch für Heinrich Fink aus Frankfurt.
Verloren: 1 kleines schwarzes Portemonnaie mit 5.50 Mark und einigen Konsummarken, 1 Portemonnaie mit 19 Mark (auf der Messe).
Hanau den 14. November 1912.
Der Kriegsbrand am Balkan.
Eine serbische Fanfare.
Semlin, 13. Novbr. Das Belgrader Blatt „Straza" schreibt: Nur noch wenige Tage, und die serbischen Kanonen werden verstummen, doch dünkt es uns, daß diese Kanonen wieder in Aktion treten werden, und unsere Armee, sich auf die Armee der Bundesgenossen stützend, auch aus diesem größten bevorstehenden Kriege siegreich hervorgehen wird. Denn mit uns ist nicht nur der Balkanbund, mit uns ist Gott, aber auch Rußland. Laut Verordnung des Kriegs- mini'steriums ist die Zahl der Ordensverleihungen vom Karageorgewitsch-Stern nicht wie bisher beschränkt für Tapferkeitsauszeichnungen der Offiziere, sondern auch auf die Mannschaft ausgedehnt. Heute wurden 70 gefangene türkische Offiziere, größtenteils bejahrte Männer, hierher gebracht. Aus Amerika sind bis heute nahezu 25 000 Militärpflichtige angenommen, trotzdem der Krieg zu Ende geht, werden die im Auslande weilenden Serben einberufen.
Eine russische Jnterivntion?
Paris, 13. Novbr. Die hiesige Presse macht unaufhörlich scharf gegen Oesterreich-Ungarn Front, indem sie mit der bewaffneten russischen Intervention droht, gleichzeitig aber große Hoffnungen auf Danews Budapester Mission baut, die von der diplomatischen Solidarität der Valkanstaaten zeuge. Meldungen aus Sofia sprechen die Möglichkeit einer Internationalisierung von Saloniki und Durazzo aus, wodurch Serbiens Ansprüchen auf einen Seehafen Genüge ge- ü schähe, ohne Oesterreichs Interessen zu verletzen. Obwohl sich hier Gerüchte von österreichischer und selbst deutscher geheimer Mobilisation halten, bleibt die Stimmung doch relativ optimistisch.
Der österreichische Standpunkt.
Ueber die Auffassung der internationalen Lage in informierten Kreisen schreibt das „Neue Wiener Abendblatt": Die Situation ist im großen und ganzen unverändert. Oesterreich-Ungarns Forderungen find bekanntlich ein Minimum, von dem es auch beim besten Willen nichts abhandeln lassen kann. Anderseits find keine Anzeichen eines Einlenkens seitens Serbiens vorhanden. Oesterreich-Ungarn will dem serbischen Export über die Adria keinerlei Hindernis in den Weg legen, es kann Serbien nur nicht gestatten, territorialen.Besitz auf albanischem Boden zu erwerben. Es ist vielfach davon die Rede gewesen, daß Serbien den ersehnten Hafen im Aegäischen Meere bekommen kann. Wir möchten Wert darauf legen, festzustellen, daß es sich da nicht um einen Vorschlag des Wiener Kabinetts handelt. Selbstverständlich hätte man bei uns gegen die Erwerbung eines ägäischen Hafens durch Serbien keinerlei Einwände; da dieser aber voraussichtlich in einem Gebiet gelegen wäre, das jetzt von den Bulgaren oder Griechen in Anspruch genommen wird, so muß es ausschließlich einer Vereinbarung der Balkanstaaten untereinander überlassen bleiben, ob jene Idee zu verwirklichen ist. Oesterreich-Ungarn hat sich prinzipiell mit territorialen Erwerbungen der Balkanverbündeten einverstanden erklärt. Bei Aufstellung ihrer Forderungen hat die Monarchie von vornherein in klarer und bündiger Weise das Mindestmaß ihrer Ansprüche fixiert. Im Bewußtsein der Güte der von ihr vertretenen Sache sieht sie der weiteren Entwicklung der Dinge mit Ruhe und Festigkeit entgegen.
Zwei verschwundene Kriegsberichterstatter.
Die auf türkischer Seite befindlichen Kriegskorrespondenten Philipp v. Schwerin und Hans o. Jessen, die für eine Stockholmer bezw. Kopenhagener Zeitung arbeiten, hatten gemeinsam am 13. Oktober Kopenhagen verlassen, um nach der Front zu fahren, und werden seitdem vermißt. Man vermutet, daß sie gefangen genommen oder erschossen worden find.
Kruppsche Granaten.
Ein auf türkischer Seite stehender Kriegsberichterstatter schreibt:
In den Schlachten bei Lüle-Burgas war die Krepierung der bulgarischen Schrapnells sehr genau und zeigte fast gar keine Abweichungen untereinander, was den Zeitzündern zugeschrieben wird. Die Franzosen sprechen auch sehr viel davon, weil sie sie nicht machen können. Es handelt sich nämlich um Kruppsche Eeschoßzünder.
Unser Panzerkreuzer „Eöben".
Der in Malta eingetroffene deutsche Panzerkreuzer „Eöben" hat wegen seiner Größe auf die dortige Bevölkerung großen Eindruck gemacht. Zahlreiche Besucher begaben sich nach Barracas.
(Weitere Kriegsnachrichten befinden sich in der Beilage.)
Aus Hanau Stadt und Land.
Hana«, 14. November.
* Telegrammverkehr nach den Balkanlöndern. Sämtliche türkische Landlinien in Europa sind seit dem 6. Oktober unbenutzbar. Abgebrochen sind die Verbindungen über die türkische Grenze mit Montenegro, Serbien, Bulgarien, Griechenland seit dem 9., 17., 18., 20. Oktober. Da auch der Weg über Triest unterbrochen ist, können Telegramme nach der Tüikei bis auf weiteres nur via Constanha oder zu den im Telegrammgebührentarif angegebenen höheren Worttaxen via Rußland und via Odessa Konstantinopel angenommen werden. Sie erleiden hierbei jedoch Verzögerungen und werden nur auf Gefahr der Absender angenommen. Privattelegramme nach der Türkei dürfen nur in offener türkischer, teutscher, englischer und französischer Sprache abgefaßt sein. Privattelegramme in geheimer Sprache noch Bulgarien, Griechenland und Serbien werden bis auf weiteres nicht angenommen.
* Für die preußisch-Hessischen und die oldenburgischen Staatseisenbahnen, die Miliiâreisenbohn, die Reichs- eisenbahneu in Elsaß Lothringen (einstil, der Wilhelm-Luxem- burg-Ei'enbohn) die Cronberger-,Farge-Vergesocker ,Kerkerbach- und Kreis Oldenburger-Eisenbahn ist mit Gültigkeit vom 11. November 1912 bis 31. Januar 1913 ein Ausnahme- tarif emgkfühn für feuchtes Geireide (Weizen, Roggen, Werste und Haler) bei Ausgabe als Froch'gut in Wagenladungen an Trockenanstalten und zurück. Der Ausnahmetarif wnd nur gewährt für solche Sendungen, die an Trockenanstalien aufgegeben, von diesen nach der Trocknung an die ursprünglichen Versender nach der Aufgabestation zurückbefordeet und als Futtermittel im eigenen Betriebe der ursprünglichen Versender im Jnlande verwendet werden. Die Fracht wird be
rechnet für Wagenladungen von 10 t zu den Frachtsätzen des Spezialtarifs III, von 5 t zu den Frachtsätzen des Spezialtarifs II. Auskunft geben die Dienststellen und unser Verkehrs-Bureau.
* Kömgl. Gymnasium. Als Nachfolger des seit dem 1. Oktober d. I. pensionierten Professors Dr. Wackermann ist vom 1. April 1913 ab Professor Albert Marxhausen, seither am Gymnasium zu Fulda tätig, an das hiesige Gymnasium versetzt worden. Er war schon früher — Ende der achtziger Jahre — hier beschäftigt und steht bei allen, die ihn kennen lernten, in bester Erinnerung.
* Eoangel. Bund zur Wahrung der deutsch-pro- testantischen Interessen, Zweigverein Hanau. Nächsten Sonntag den 17. d. Mts. wird in dem großen Saale der „Concordia" von 8 Uhr ab ein Bundesabend abgehalten werden. Herr Pfarrer Knöll aus Frankfurt a. M.-Seck- bach wird einen Vortrag halten. Außerdem haben Mitglieder des Johanneskirchenchores sowie Frâul. Matthäus, eine Hanauer Sängerin, die bereits anderorts mit Erfolg aufgetreten ist, ihre Mitwirkung zugesagt. Auch wird uns der von fküherher bereits in guter Erinnerung stehende jugendliche Lylophonist Fritz H e t t durch einige Darbietungen erfreuen. Es wird gebeten, daS diesbezügliche Inserat in unserer Samstags-Nummer zu beachten.
* Musikalischer Schülerabend. Am Mittwoch den 4. Dezember, abends 7 Uhr, veranstaltet Herr Mustklehrer Rich. K ü ch l e r in den Sälen der „Centralhalle" einen musikalischen Abend für die Schüler der Oberstufe. Wie aus dem Programm ersichtlich, kommen Kompositionen von Schubert, Mozart, Beriot, Godard, Bohm, Seitz und Grieg zum Vortrag. Außerdem sind noch vier schöne Violin-Chöre vorgesehen und nach Schluß des Konzertes Tanz für di« Schüler der Oberstufe. Der Reinertrag wird dem hiesigen Waisenhaus überwiesen. Karten sind bei den Schülern und Herrn Küchler, Altstraße 12, erhältlich.
* Stadttheater. Morgen, Freitag, ist bei kleinen Preisen die letzte Aufführung der Gesangspoffe „A u t o l i e b ch e n", am Samstag findet im Abonnement A das einmalige Gastspiel des berühmten Komikers Carl WilliamBüller statt. Derselbe spielt den „A n t o n H a f e m a n n" in dem heiteren Volksstück „Hasemanns Töchter" von L'Arronge, eine seiner hervorragendsten Leistungen. Am Sonntag geht nachmittags die famos« Wiener Operette „Die Landstreicher" in Szene und abends im Abonnement B die Gesangspoffe „DerWalzerkönig", eine der besten älteren Possen, welche sich einen dauernden Ehrenplatz im Repertoir aller Bühnen erhalten hat und immer w eder das Publikum erheitert. Spielleiter ist Herr Palitzsch. Die nächste Wiederholung der Operette „F r ü h l i n g s l u f t" ist am Montag bei kleinen Preisen.
* Hofbrauhaus Hanau vorm. C. Ph. Nicolay, Akt.-Ges., Hanau. Der Bericht des Vorstandes lautet: Das mit dem 30. September 1912 abgelaufene 16. Geschäftsjahr stand unter der Einwirkung der außergewöhnlichen Verteuerung aller Rohmaterialien. Wenn sich die Absatzverhältnisse auch befriedigend gestaltet haben — es wurden trotz der ungünstigen August- und September-Witterung rund 1700 Hektoliter mehr verkauft — so reichte diese Absatzzunahme doch nicht aus, um einen vollen Ausgleich für die erhebliche Steigerung der Herstellungskosten herbeizuführen, zumal guch verschiedene größere, in den letzten Jahren zurückge- stellte Reparaturen an den Vetriebseinrichtungen, am Fuhrpark und an den Eisenbahnwagen vorgenommen werden mußten. Besonders sei auch noch auf die enormen Lasten hingewiesen, die unser Gewerbe an Staats- und städtischer Brausteuer zu tragen hat; erreichten doch im abgelaufenen Geschäftsjahre diese Abgaben für unser Unternehmen in der Höhe von 206197 Mark mehr wie den dreifachen Betrag des zur Verteilung kommenden Reingewinns. Der Produktionsverteuerung durch Verwendung minderwertiger Rohmaterialien und durch Herabsetzung der guten Qualität unserer Biere entgegenzutreten, kam für uns selbstverständlich nicht in Frage, und so mußte das Gesamtergebnis, wie schon im letzten Bericht hervorgehoben wurde, erheblich hinter dem vorjährigen Erträgnis zurückbleiben. Das neue Geschäftsjahr hat uns wieder normale Hopfenpreise gebracht, doch haben die Preise für Gerste und Malz, sowie auch die Haferpreise eine abermalige Verteuerung erfahren, sodaß sich die Herstellungskosten unter Berücksichtigung' des geringeren Gehaltes der diesjährigen Gerste wohl kaum niedriger stellen werden. Der Bruttogewinn für das Geschäftsjahr 1911/12 beträgt einschließlich Mark 20 428.53 Gewinnvorstrag 162 353.38 Mark (i. V. 207 815.50 Mark). Hiervon sollen zu Abschreibungen verwendet werden: 61362.95 Mark (i. V. 68 764.42 Mark), verbleibt so- nach ein Reingewinn von 100 990.38 Mark (t. V. Mark 139 051.08). — Der Dividendenvorschlag lautet, wie bereits mitgeteilt, auf 8K Prozent, wie im Vorjahr«.
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