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Montag den 11. November 1912
Ansprache an die Bevölkerung über
die Bedeutung und die Ausführung der Viehzählung am 2. Dezember 1912.
Am 2. Dezember 1912 findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt; die Fragen, die hierbei an die Bevölkerung gestellt werden, sind leicht verständlich, ihre Beantwortung verursacht nur geringe Mühe.
Es werden gezählt:
auf einer weißen Zählkarte (A): die Pferde, Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen mit ihren Unterarten, ferner die Maultiere, Maulesel und Esel, das Federvieh und die Bienenstöcke; auf einer blauen Zählkarte (A 1): alle amtlich nicht beschauten Schlachtungen der Rinder mit Unterarten, der Schafe, Schweine und Ziegen.
Jeder Haushaltungsvorsteher oder sein Stellvertreter hat das ihm gehörende oder unter seiner Obhut befindliche Vieh, das in der Nacht vom 1. zum 2. Dezember 1912 auf dem Gehöfte, wo er wohnt, steht, zu zählen und in die weiße Zählkarte, unter Beachtung der Erläuterungen, wahrheitsgetreu einzutragen. Für die Zählung der in der 3eit vom 1. Dezember 1911 bis zum 30. November 1912 vorgenommenen amtlich nicht beschauten Schlachtungen dient die blaue Zählkarte (A 1).
Ueber die in den Zählkarten enthaltenen, den Viehbesitz des Einzelnen betreffenden Nachrichten ist das Amtsgeheimnis zu wahren. Die Angaben dürfen nur zu amtlichen statistischen Arbeiten nicht aber zu anderen Zwecken, insbesondere auch nicht zu Steuerzwecken, benutzt werden.
Die Ergebnisse der Viehzählung dienen daher lediglich den Zwecken der Staats- und Gemeindeverwaltung und der Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Aufgaben, wie Hebung der Viehzucht, insbesondere soll aber auch festgestellt werden, ob durch die heimische Viehzucht die für die Volksernährung nötigen Fleischmengen gewonnen werden können. Nach Feststellung der Ergebnisse durch das Königliche Statistische Landesamt in Berlin werden die Zählkarten vernichtet.
Die Erreichung des bedeutsamen Zweckes der Zählung hängt zum großen Teile von der Mithilfe der Bevölkerung ab. An diese wird daher die dringende Bitte gerichtet, Las Zählgeschäft durch bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern, Ortsbehörden usw. gegenüber zu erleichtern. Wenn auch die Zählkarte in erster Linie von dem Haushaltungsvorsteher oder heften Stellvertreter selbst auszufüllen ist, so bedarf es doch außerdem einer großen Zahl fteiwilliger Zähler, die bei der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit Lie Eigenschaft von öffentlichen Beamten besitzen. Es steht zu erwarten, daß wie bei früheren Zählungen so auch diesmal sich in genügender Zahl Personen • finden werden, die bereit sind, dieses Ehrenamt zu übernehmen; sie würden damit dem allgemeinen öffentlichen Jn- tereffe einen wesentlichen Dienst leisten.
Endlich ist noch in geeigneter Weise, namentlich durch Besprechung in den Gemeindeversammlungen, in den Schulen und durch Abdruck dieser Ansprache in den amtlichen Blättern und in der Tagespresse der Zweck der bevorstehenden Zählung zur möglichst allgemeinen Kenntnis zu bringen.
Die Aufbereitung der Ergebnisse der Zählung geschieht durch das Königlich Preußische Statistische Landesamt in Berlin SW 68, Lindenstraße Nr. 28, das zur Behebung etwa auftauchender Zweifel auf jede Anfrage bereitwilligst Auskunft erteilen wird.
Die Veröffentlichung der Ergebnisse wirL so gehalten werden, daß darin die Angaben des einzelnen Haushaltungsvorstehers in keinem Falle mehr erkennbar sind.
Berlin im Oktober 1912.
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt. Evert, Präswent.
Der Kriegsbrand am Balkan.
Nussifche Ansprüche.
Sofia, 10. Novbr. Der Spezialkorrespondent der „Frkf. Ztg." meldet: Aus hiesigen diplomtaschen Kreisen wird mir mitgeteilt, daß Rußland nicht nur auf Konstantinopel, sondern auch auf kleinasiatische Gebiete der Türkei Ansprüche geltend machen wolle. Uebrigens wird in diesen Kreisen auch erzählt, daß England bereits entschloßen sei, in diesem Falle zur Wahrung der Integrität der asiatischen Türkei mit der Entsendung seiner Mittelmeerflotte durch die Dardanellen zu antworten. Irgendwelche Unterlagen für diese Erwartung hat man mir nicht geben können; ich übermittelte sie deshalb nur unter starkem Vorbehalt.
Die Lage in Konstantinopel.
Konstantinopel, 10. Novbr. Wie es heißt, wird die Regierung gegen die Blätter vorge^en^te die Mitteilung des Scheich-ül-Islam veröffentlicht habm., in denen die Ulemas aufgefotdert werden, zur Armee zu gehen und den „Hei
ligen Krieg" zu predigen. Man behauptet, Lie Regierung glaube, daß eine solche Sprache unbewußt Ler Sache jener dienen könnte, die Unruhen in der Hauptstadt heroorufen wollten.
Der „Tanin" hatte für gestern einen Leitartikel vorbereitet, in dem als einziges Rettungsmittel die Uebergabe des Oberkommandos an Mahmud Schefket Pascha bezeichnet wurde. Die Zeitung wurde noch konfisziert und die Druckerei unter polizeiliche Bewachung gestellt.
Der Kommandant der Ostarmee Abdullah Pascha richtete an die Blätter ein Schreiben, nach dem sein Rückzug wegen der militärischen Gründen beschloßenen Verbindung der ersten Ostarmee, deren Kommando er hatte, mit der zweiten Ostarmee erfolgt sei.
Die telegraphischen Verbindungen mit Salonik und Kawalla sind seit mehreren Tagen unterbrochen.
Konstantinopel, 10. Novbr. Die Kommandanten der hier eingetroffenen fremden Kriegsschiffe sind gestern nachmittag unter dem Vorsitz des französischen Admirals zusammengekommen, um über den Aktionsplan zu beraten, der im Falle von Unruhen in Pera zum Schutze der Fremden-Ko- lonien zur Ausführung gelangen soll. Wie verlautet find bereits Einzelheiten über die Landung von Truppen und Maschinengewehren ausgearbeitet.
Konstantinopel, 10. Novbr. Rumänien, Spanien und Lie Niederlande haben bei der Pforte um die Ermächtigung nachgesucht, je ein Kriegsschiff nach Konstantinopel entsenden zu dürfen. Gestern abend beschäftigte sich der Ministerrat mit der Beantwortung dieses Gesuchs.
Konstantinopel, 10. Novbr. Das den „Meßageries Mari- times" gehörige Paketboot „Eaucase", das gestern Konstantinopel verlaßen sollte, erhielt den Auftrag, die Abreise bis zum Eintreffen eines anderen Schiffes derselben Gesellschaft zu verschieben. Es scheint, daß alle Botschafter bemüht sind, stets große Schiffe ihrer Nationalität zur Verfügung zu haben.
Der Kampf um Adrianopel.
Wien, 10. Novbr. Der Kriegsberichterstatter Ler „Reichspost" meldet aus dem bulgarischen Hauptguartier vom 9. November: Die gemeldete Einnahme zweier türkischer Positionen auf der Südostfront des ALrianopeler Fortsgürtels durch die Bulgaren erfolgte in der Nacht vom 7. zum 8. November. Nach einem furchtbaren Artilleriefeuer wurde eine Brigade, der weitere Reserven folgten, zum Sturm auf die beiden Forts Kartaltepe und Palastep angesetzt. Trotz der türkischen Scheinwerfer und des Esschoßhagels, der den Angreifern entgegenschlug, gelang es der bulgarischen Infanterie schließlich, die beiden Forts zu stürmen. Die Vulgaren zogen sofort Verstärkungen nach, namentlich Artillerie, wiesen alle Gegenangriffe der Türken zurück und begannen die genommenen Posittonen auf die Kehlfront gegenüber Adrianopel zu befestigen. Von den eroberten Forts wurde besonders Kartaltepe sehr stark befestigt. Das Fort liegt auf einem 143 Meter hohen Hügel und beherrscht sowohl die Stadt, wie die sich anschließenden Gürtelwerke. Die Einnahme dieser Forts sowie die gleichzeitig erfolgte Erstürmung des Forts Karkastepe machen die weitere Verteidigung aussichtslos. Die Kapitulation der Festung wird stündlich erwartet.
Der griechische Feldzug.
Athen, 10. Novbr. Der Justizminister Raktiwan als Vertreter der griechischen Regierung ist mit zahlreichem Verwaltungspersonal nach Salonik abgereist. Raktiwan bleibt Minister.
Die Gesamtzahl der türkischen Kriegsgefangenen beträgt 29 000 Mann. Dazu kommen noch 2000 Mann von Montenegro nach Griechenland geschickte Kriegsgefangene.
Athen, 10. Novbr. Der Kronprinz von Griechenland gestattete den gefangenen türkischen Offizieren in Salonik gegen ehrenwörtliche Versicherung, am Krieg nicht mehr teilzunehmen, Len Degen zu behalten.
Das Rote Kreuz.
Rom, 10. Novbr. Das italienische Rote Kreuz entsandte nach Griechenland und Montenegro je ein vollständiges Kriegslazarett von fünfzig Betten mit 200 Kisten Sanitätsmaterial. Die Abreise der Expeditionen des italienischen Roten Kreuzes nach Bulgarien und Serbien steht unmittelbar bevor. In der Türkei, und zwar in Konstantinopel und Salonik, sollen zwei italienische Lazarette errichtet werden.
Russische Unterstützung der serbischen Wünsche.
Paris, 10. November. Der „Temps" veröffentlicht folgendes Telegramm seines Petersburger Korrespondenten: „Die russische Diplomatie scheint entschlossen zu sein, die serbische Forderung, die auf einen Hafen am Adriatischen Mèeer abzielt, mit allen Kräften zu unterstützen. Die öffentliche Meinung in Rußland billigt dieses Verhalten der russischen Diplomatie vollkommen. Nichtsdestoweniger ist die Hoffnung auf eine friedliche Regelung dieser Frage noch nicht geschwunden. Es wäre also verfrüht, von einem
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russischen Ultimatum an Oesterreich zu sprechen, worüber gestern bereits hier Gerüchte verbreitet waren. Ein Äon® flHi ist aber vorauszusehen, wenn Oesterreich aus seiner Absicht besteht. Man kann zwar nicht behaupten, daß dieser Konflikt unausbleiblich ist, obgleich man in hiesigen Kreisen von einem solchen Konflikt wie von etwas Unausbleiblichem spricht, angesichts der Tatsache, daß die russische Diplomatie, wenn sie gegenüber Oesterreich-Ungarn eine veränderte Politik einschlägt, riskiert, allen Einfluß auf die Balkan- staaten zu verlieren. Alle Balkanverbündeten werden sich nochmals vereinigen, um die serbischen Forungen zu unterstützen. Dieser Konflikt bildet den Hauptgegenstand des letzten Ministerrates, der am vergangenen Freitag stattfand, und in dem Maßnahmen besprochen worden sind, um eine, friedliche Lösung dieses Konfliktes herbeizuführen.
Gerichtssaal.
r-. Marburg, 10. Novbr. Ein hochbetagtes Geschwister» paar «ns dem Burgwalddörfchen Roda, der 58 Jahre alte Auszüger Joh. Müller I. und feine 5 Jahre ältere Schwester, die Witwe Elisabeth Kahler nahmen heute auf der Anklagebank Platz. Die letztere wurde beschttidigt, bei Leistung eines Offenbarungseides vor dem Amtsgericht in Rosenthal verschwiegen M haben, daß ste bei der Sparkasse in Wetter noch 1000 Mk. stehen hatte. Ihr Bruder, den sie das Buch damals überschreiben ließ, wurde der Beihilfe beschuldigt. Die Greisin gab an, daß sie ihre Blutsgroschen vor den ihr attf einem Prozeß erwachsenen Kosten habe in Sicherheit bringen wollen, ihr Bruder dagegen sei unschuldig. Der letztere wurde auch freigesprochen, während die alte Frau 8 Monate ins Gefängnis muß.
Futzballsport.
Resultate vom Sonntag:
Nord kreis:
Hamm 93 : Fußballverein Frankfurt 0 : 2.
Sportklub Bürgel : Viktoria Hanau 1 : 2.
Germania Frankfurt: Kickers Offenbach 1 : 5
Südkreis:
F. C. Pforzheim : Union Stuttgart 4 : 2.
B. f. B. Stuttgart : Kickers Stuttgart 3 : 2.'
Phönix Mannheim : Pfalz Ludwigshafen 8 : 0.
' 1903 Ludwigshafen : D. f. R. Mannheim 1 : 3.
Olympia Darmstadt: Phönix Ludwigshafen 2 : 0.
Ostkreis:
M. T. V. München : Spielvereinigung Fürth 1 : 5. 1860 München : Kickers Würzburg 5 : 2.
Pfeil Nürnberg: F. C. Nürnberg 1 : 3.
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Kronprinzenpokalrunde: Westdeutschland : Süddeutschland 2 : 1.
FC. Erblindung durch kLustliche Düngemittel. Die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden macht hie Landwirte auf die Gefahren der künstlichan Düngemittel für das Auge auftnAckfam. Wiederholt sind in den letzten Jahren von feiten der Augwärzts Falls veröffentlicht worden, wo durch Eindringung von künstlichen Düngemitteln schwere Schädigungen der Augan, ja Erblindung entstanden. Es zeigen sich habet schwere Entzündungen der Lider, sowie Aetzungen und Geschwüre der Hornhaut. Etrmr solchen Fall beschrieb Dr. Angstein. Bei dem Patienten, einem Landwirt, war daß Augenlid sehr stark geschwollen und die Hornhaut völlig getrübt. Der Mann hatte 5 Zentner Thomasschlacke, SuperphoSphat und Kainit mit der Hand gestreut, öfters gegen den Wind. Schon am ersten Tage der Beschäftigung waren hit Augen entzündet, trotzdem setzte er seine Beschäftigung noch 8 Tage lang fort. Das Bild entsprach völlig dem einer Aetzung. Versuche an Kaninchen ergaben, daß, als man Superphosphat einstreute, sich eine dichte Trübung zeigte, während die anderen Mittel weniger eingreifend« Verletzungen erzeugten. Schlimmer verlief ein Fall der von Dr. Heßberg beschrieben wurde. Auch hier war das Lid hochgradig geschwollen, die Hornhaut eiterte stark, war mit Geschwüren bedeckt und stark getrübt, auch die Regenbogenhaut war schmutzig eitrig belegt, die Hornhaut schmolz schließlich ein, das ganze Auge oereiterte, sodaß Erblindung eintrat Diese Fälle geben Veranlassung, immer wieder auf bie Gefahren der künstlichen Düngemittel für das Auge aufmerksam zu machen. Das Ausstreuen sollte mit dem Winde, nicht gegen den Wind erfolgen. Auch empfiehlt sich das Tragen von Schutzbrillen. Auf alle Fälle ist eine Berührung her Augen mit den Händen zu vermeiden.
Einsetzen von Fensterscheiben
Glaserei Schultz Söhne, Hospitalstr. 43, Fernspr. 1057. 1450z