Erstes Blatt
6 kneral-Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckeret der verein, ev. Waisenhauses in Hanau,
EinrSckvngsgeVKher
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Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hanau
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Ri. 265 K-rnsprechanschlutz Nr. 230.
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Montag den 11. November sernfrtedwwue Nr. 230. 1912
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Sie heutige Wummer mW außer dm HnterMiwblatt 14 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Das von der Stadt eingeführte holländische Fleisch wird heute und in den nächsten Tagen bei allen Rindsund Ochsenmetzgern (mit Ausnahme der Metzgereien von Henkel und Wohllebe) zum Preise von
84 Pfg. für ein Pfund verkauft.
Das Fleisch ist von vorzüglicher Beschaffenheit.
Hanau den 11. November 1912. 27959
Der Magistrat.
Hild. __
Der Plan über die Auslegung eines Fernsprecherdkabels in Fechenheim liegt bei dem Kaiserlichen Postamt in Fechenheim von heute ab 4 Wochen aus.
Darmstadt, 10. November 1912. 27937
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
Politische Rundschau.
Die deutsch-englischen Beziehungen.
London, 9. Nov. Der Marineminister Churchill erklärte auf dem Guidhall-Bankett, die Deutschen seien eine Nation mit tiefem Gefühl für Ehre und Billigkeit; sie verlangten nicht, daß man Tatsachen beschönige, sondern wollten fie ungeschminkt dargestellt haben. Die Beziehungen Deutschlands und Englands hätten sich während des verflossenen Jahres stetig gebessert. Diese Besserung sei stetig vonstatten gegangen zugleich mit dein Entschluß Englands, seine maritime Vorherrschaft aufzubessern. Die beste Art, die Beziehungen beider Länder gründlich, gesund und angenehm zu gestalten, wäre, damit fortzufahren und aller Flottenrivalität ein Ende zu bereiten, indem sie bewiesen, daß sie nicht übertroffen werden könnten. (Lauter Beifall.) Churchill sagte weiter, die Macht der britischen Flotte habe nie auf festerer Grundlage geruht als jetzt. Gleichviel, was die Zukunft bringe, niemand zweifle daran, daß sie alles mit Sicherheit überstehen könne.
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Die »erzenen MensW.
(Entstehung und Schicksal des erotischen Mysteriums.)
Von Otto Borugräber.
„Leipziger N e u e st e Nachrichten" (3. 7. 12) : „BorngräberS erotisches Mysterium „Dir ersten Menschen" machte auf das ausverkaufte Haus in einer eindringlichen Wiedergabe durch ein Gastspielensemble unter Franz Ludwigs Leitung starken Eindruck. Bedeutender Beifall, gegen den eine schwache Opposition nicht aufkommen konnte, rief den Verfasser oftmals mit den Darstellern hervor."
(6. 7. 12): „Das starke Pathos eines im Innersten 00m Problem der Liebe und Zeugung gepackten Denkens und darum, man kann es ruhig sagen, frommen Dichters läßt auch nicht einen Augenblick ein Gefühl der Unreinheit aufkommen. Seien wir froh, daß von Zeit zu Zeit immer wieder einer erscheint und auf den Stätten abendlicher Unterhaltung Menschheitsprobleme anregt. Auch der Dichter und Dramatiker Borngräber vermag starke.Eindrücke zu geben, wenn er von den mächtigsten Gefühlen primitiver Urmenschheit kündet."
„K ö I n i s ch e, Z e i t u n g" (Karl v. Perfall (22. 2. 10); „Das Haus war ausverkauft und man sah im Publikum fast alle Personen, die in Köln in irgendwelchen Beziehungen zur Literatur stehen. A^rngräber hat die Kraft des dichterischen WorieS. Eine eigenartige, groß angelegte Sprache) die vielfach einen prachtvoll, feierlich klingenden Rhythmus hat. Großartig bedemsam wirken Szenen wie die erste Anbetung Gottes oder die Haltung der Menschen vor der ersten Leiche in ihrem eigenen Blut. Wir haben das Werk eines bedeutenden Dichters vor uns."
„Kieler Zeitung" (29. 1. 10): „Borngräber hat mit kühner Hand gestaltet, was immer wieder die Gedanken >er Menschen angezogen, immer wieder die Schaffenslust der Künstler aeweckt hat. Während aber Byron und andere nur
Der Kriegsbrand am Balkan.
Konstantinopel, 10. Rovbr. Die Gerüchte über eine Ministerkrisis sind auf den Umstand zurückzuführen, daß der Sultan vorgestern den gewesenen Scheich-ül-Jslam Mussa Kiasim und den gewesenen Minister des Innern Nadschi Adil, beide leitende Mitglieder des jungtürkischen Komitees in Audienz empfangen hat. Andererseits schien der frühere Kriegsminister Mahmud Scheffket Pascha seit zwei Tagen aus der Reserve hervorzutreten; er besuchte den ehemaligen Großwesir Hakky Pascha und andere Persönlichkeiten. Gleichzeitig ging d^; Gerücht, daß sich Mahmud Scheffket Pascha "zur Inspizierung der Armee nach Tschataldscha begeben werde, was als Zeichen dafür gedeutet wird, daß er zum Generalissimus ernannt werden könnte. Es scheint, daß dir Jungtürken die Lage auszunutzen versuchten, um FAr Macht zu gelangen. Die Regierung hatte der türkischen Presse empfohlen, Artikel zu schreiben, in denen die Bevölkerung von Konstantinopel aufgefordert wird, an der Verteidigung der Stadt teilzunehmen. Wie es heißt, wird die Regierung gegen jene Blätter vorgehen, die die Mitteilung des Scheich ül-Jslams veröffentlicht haben, in denen die Ulemas aufgefordert werden, zur Armee zu gehen, und den heiligen Krieg zu predigen. Man behauptet, die Regierung glaube, daß eine solche Sprache unbewußt denjenigen dienen könnte, welche Unruhen in der Hauptstadt hervorrufen wollten. Im allgemeinen scheint die Regierung jetzt vermeiden zu wollen, der nationalen Verteidigung den Charakter des heiligen Krieges zu geben.
Konstantinopel, 10. Novbr. Wie verlautet, sind die von den Jungtürken höheren Orts unternommenen Versuche, zur Macht zu gelangen und Mahmud Scheffkett Pascha zum Generalissimus zu ernennen, mißlungen; hierzu soll besonders die gestrige Audienz des Eroßwesiers beigetragen haben. —
Da die Bahnstrecke durch eine ungeheure Menge Leiterwagen, angeblich aus 350 Dörfern, verlegt ist, erfolgen die Truppen- und Artillerie-Transports nach Tschataldscha auf dem Schwarzen Meer zu Schiff.
Wie in türkischen Journalistenkreisen verlautet, ist das gestrige von der Regierung unterdrückte Kommunique des Scheich-ül-Jslam durch den Unterstaatssekretär dieses Departements ohne Vorwissen des Scheich-ül-Jslam den Zeitungen zugestellt worden. Der Unterstaatssekretär soll ein Jungtürke sein. Die Untersuchung ist eingeleitet worden.
Ein Kommunique der Negierung.
Konstantinopel, 10. Novbr. Die Pforte veröffentlichte heute folgendes Kommunique: Der mit den vier Balkanstaaten begonnene Krieg ist nicht zu dem gewünschten Er-
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den Konflikt zwischen den Brüdern behandeln, stellt Borngräber ihm mit kühner und überlegener Kraft noch den Konflikt zwischen der Liebessehnsucht Evas und dem erloschenen Gefühl Adams gegenüber. Und diese beiden rein menschlichen Empfindungen find mit Sicherheit zusammengeschweißt yt einer Einheit. Bewundernswert ist der rhythmische Schwung der Sprache, bewundernswert auch die gewaltige dramatische Steigerung zur höchsten, atemraubenden Wucht."
„S 1 e t t i n e r N e u e st e Nachrichten" (1.11.10): „Ein außergewöhnlich interessantes Ereignis im Hamburger Theaterleben, daß ein draußen im Reich so heiß umstrittenes dramatisches Werk wie Borngräbers erotisches Mysterium „Die ersten Menschen" im Stadttheater starken Beifall und keinerlei Widerspruch fand, daß gerade Haus,ater dem Wollen eines auf gänzlich neuen Wegen wandelnden Dichters hohen Respekt zeigten. Daß es eine der interessantesten Erscheinungen moderner Dramatik bildet, ist ganz zweifellos. Es ist in allem, in der Sprache, im dramatischen Aufbau, in der ausgelösten Dichterkraft ein Versprechen, ein io bedeutendes Versprechen, daß die Einlösung einen künstlerischen Titanen fordert. Dieses Versprechen ist Borngräber. Bollendung wird die Borngräber-Gemeiude das Werk nennen "
Kölner Aufführungen: „Otto Borngräbers erotisches Mysterium „Die ersten Meuscken" ging gestern in Köln in Szene. Man sah der Aufführung mit großer Spannung entgegen. Dank der Darstellung des Gast- ensembleS, das den Absichten des D'chiers gerecht wurde, fand das Stück vor auöverkaiiftem Hause eine glänzende Aufnahme. Ra^ den Aktschlüssen spendete das Publikum starken Bei'u rief den Dichter nach Schluß mehrmals vor die Rampc.
(„Berliner Lokal-Anzeiger", 22. 2. 10.)
folg gelangt. Die Ostarmee hat die Notwendigkeit erkannt, sich auf die Verteidigungslinie von Tschataldscha zurückzuziehen, wo sie ihre Konzentrierung vollendet. Da diese Verteidigungslinie sozusagen das Tor der Hauptstadt bildet, ist die Anwesenheit des Feindes vor dieser Linie von großer Bedeutung, denn schon die Möglichkeit eines Mißerfolges in dem Kampfe vor den Toren der Hauptstadt ist geeignet, die Aufmerksamkit auf sich zu ziehen. Die Regierung verabsäumt nichts hinsichtlich der Verteidigung und Wahrung der Rechte und Interessen der Türkei, sie mußte aber auch zu diplomatischen Maßnahmen greifen, um die Hauptstadt des Reiches zu schützen. Die erste Bedingung hierfür ist, daß jedermann seine persönlichen Meinungen und Ange- I legenheiten opfert und Handlungen vermeidet, die in gewöhnlichen Zeiten nur geringen Schaden verursachen würden. Die Regierung konnte es nicht unbeachtet lassen, daß einzelne Personen eigennützige Zwecke verfolgen und einige leichtsinnige Köpfe falsche Gerüchte verbreiten, die geeignet wären, die Verteidigung der Hauptstadt zu durchkreuzen. Diese Gerüchte haben einige auswärtige Staaten veranlaßt, das Ersuchen zu stellen, daß nach Konstantinopel provisorisch Kriegsschiffe entsandt werden. Die kaiserliche Regierung hat, obwohl sie alle Maßnahmen ergriffen hat, für gut befunden, diesem Ersuchen stattzugeben. Das zeigt jedoch, daß die Verbreitung falscher Nachrichten ein Verrat, ja sogar ein Verbrechen ist. Die Regierung ist entschlossen, diejenigen streng zu bestrafen, die wissentlich oder unwissentlich derartige Gerüchte in die Welt setzen oder verbreiten und ernste Maßnahmen gegen jeden Versuch zu ergreifen, Beunruhigung hervorzurufen. Die gegenwärtige Regierung wird in dem Wunsche, dem Wohle Les Vaterlandes zu dienen, ohne Zögern handeln. Schließlich richtet das Kommunique an die Presse die Aufforderung, nur ernsten Artikeln in ihren Spal- ten Raum zu geben.
Die Haltung der Mächte.
Eine Rede des Premierministers Asquith.
London, 9. Nov. Auf dem Lvrd-Mayors-Bankett in der Guildhall sagte Premierminister Asquith heute abend in Erwiderung eines auf die Minister des Königs ausgebrachten Toasts folgendes:
Wir leben in einer bedrängten Zeit und find Zuschauer großer und weltbewegender Ereignisse. Es ist eine Genugtuung, die Versicherung geben zu können, daß, soweit unser Land in Frage kommt, seine Beziehungen zu den andern Mächten ohne eine einzige Ausnahme niemals freundschaftlicher und herzlicher waren. Die Großmächte wirken in enger Fühlung und mit einer Offenheit und Aufrichtigkeit des Meinungsaustausches zusammen, die bemerkenwert und beinahe unverständlich ist für die, welche glauben, daß die Mächte, weil sie auf Grund gewisser Absichten in verschiedene Gruppen geteilt waren, es jetzt noch sind und deshalb in einer Zeit europäischer Krisis in gegenüberstebenden Lagern sein müßten. Nichts ist weiter von den Tatsachen entfernt Die Mächte sind in manchen Kreisen getadelt worden, well es ihnen nicht gelang, den Krieg abzuwenden. Sie haben immer wieder ehrlich und ernstlich durch diplomatischen Druck und, ohne zu Gewalt ihre Zuflucht zu nehmen, versucht, geordnete Zustande und eine gute Verwaltung in den europäischen Provinzen der Türkei zu schaffen.
Es waren indes Gewalten im Werke, die sich der Kontrolle diplomarischer Einwirkung entzogen; die Balkanstaaten hatte ihre Pläne zur Reife gebracht, hatten ihre Rüstungen vollendet und sich zu gemeinsamen Vorgehen verbunden. Sie entschieden sich dann, daß Gewalt das einzige wirkungsvolle Heilmittel sei. Sie selbst und sie allein waren vorbereitet, von diesem Mittel Gebrauch zu machen. Sie haben die Sache selbst in die Hand genommen. Die Dinge können niemals wieder sein, wie sie waren, und es ist überall Sache der Staatsmänner fast accompli anzuerkennen und zu akzeptieren. Die Karte des östlichen Europas soll umqestaltet werden, und im weitern Verlaufe mag es sein. daß die Ideen und vorgefaßten Meinungen in der Politik, wie sie entstanden waren in einer Aera, die jetzt vergangen ist, modifiziert oder sogar alle miteinander über Bord geworfen werden müssen. In einem Punkte ist, glaube ich, die allgemeine Meinung Europas eines Sinnes: daß den Siegern nicht die Früchte geraubt werden dürfen, die ihnen so teuer zu stehen kamen. Es ist, so viel ich sehe, keine Neigung vorhanden, die Größe des Streites zu verkleinern oder über die entscheidende Kraft des Erfolges zu streiten. Wir in England haben kein uns mittelbares Interesse daran, welche politische und terrilos riale Verteilung schließlich gemacht wird. Es sind ander«! Mächte vorhanden, deren spezielle Beziehungen geographis scher ökonomischer, ethnologischer 4nb historischer Natur zu