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Erstes Blatt.

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Vierteljährlich 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg für Post, bezug vierteljährlich 2.10 SIL, monatlich 70 Pfg Die einzelne Nummer tostet 6 Pfg«

Rotattonsdruck und Verlag der Buchdruckers bet verein, ev. Waisenhauses in Hanau,

Amtliches Organ für AM- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berantwortl. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.

9ZL 263 Zyernsprechanschlutz Nr. 23V.

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14 Seiten.

Amtliches.

Landkreis F)anau.

Demäß Artikel 2 und 3 der Instruktion für das Verfahren bei der Wahl der Kreistagsabgeordneten vom 24. 6. 85 find die Wählerlisten für die diesjährigen Kreistags-Ergänzungswahlen vom 11. November d. Zs. ab 3 Tage im Bureau des Kreisausschusses (Kreishaus, Hainstraße 10 II) zur Einsicht ausgelegt.

Hanau den 7. November 1912. A 3500

Der Königliche Landrat.

F r h r. Laur.

Nach Verlegung seines Wohnsitzes von Windecken nach Hanau hält der Kreisobstbautechniker von jetzt ab seine Sprechstunden im Kreishause ab und zwar: Dienstags von 9 bis 12 und nachm. 3 bis 6 Uhr, _ Samstags von 9 bis 12 Uhr vormittags. Schriftstücke dienstlichen Inhalts sind ebenfalls nach dem Kreishause zu senden.

Telephonanruf 51 u. 52.

Hanau den 7. November 1912.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Frhr. Laur.

Munhene Mb nerforene Segenllänhe x.

Gefunden: 1 Brosche (Schleife) mit Similisteinen, Sack mit Weizen und Kleidungsstücke (in der Bruch­köbelerlandstraße im Wald).

Liegen geblieben im Schuhhaus Wachsmuth, Fahrstraße: 1 Zollstock.

Verloren: 1 oxidierte Damenuhr, 1 gelbes Porte­monnaie mit 16,15 Mk.

Entlaufen: 1 braungetiegerter Jagdhun d.

Hanau den 8. November 1912.

Der Kriegsb-and am Balkan.

Zwei Probleme.

Aus dem Wirrwarr von schwierigen Problemen und Streitfragen, deren Lösung die Ereignisse auf dem Kriegs­schauplätze dem überraschten Europa aufgegeben haben, scheinen sich allmählich zwei als besonders wichtig und akut, klar und scharf abzuzeichnen: der serbische Zugang zur Adria und Konstantinopel. Es scheint, als stünden den bulgari-

fionaert rum Selten Der Mgrk-WMMnser.

Don der Fechtschule deS hiesigen Gardevereins war für gestern abend in der Centralhalle ein Konzert veranstaltet - worden, dessen Ertrag den Kriegerwaisen zu gute kommen soll. Und sie können zufrieden sein: die Waisen mit dem pekuniären und die M'twirkenden, die sich in den Dienst der Wohltätigkeit stellten, mit dem künstlerischen Erfolg. Ein beifallsfreudiges Publikum wohnte der Veranstaltung bet, das allerdings auch alle Ursache hatte, mit dem Gebotenen zu- frieden in sein. Nennen wir zuerst den instrumentalen Teil, der den Abend eröffnete. Herr Musikmeister Kapitain hat uns durch seine treffliche Kapelle mit der Beethovenschen Egmonlonvertüre erfreut, jenem Tonstuck, das mit Recht ein Paradestück unserer Dirigenten ist und das an G'öße deS Atems und an Schwung noch Goethes schöne Tragödie über­ragt Die Wiedergabe dieses Meisterwerks jenes klassischen Vollenders der Instrumentalmusik war in jeder Hinsicht eine Glanzleistung auf die Dirigent wie Kapelle stolz sein können. Gleichgut und mit voller Herousarbeitung der koloristisch besonders beachtenswerten Stellen bot die Kapelle auch nochAnqereihte Themen aus der Op. Madame Butterfly" Als Begleiterin mehrerer Chore, h-erber besonders des 23. Psalms, leistete das Orchester ebenfalls hervorragendes; meisterlich gelang es ihm, sich ganz unb aar mit dem Gesangskörper zu verlchm lzen. ,

Der vokale Teil hatte in dem GesangvereinMermanra Weiler * Herr G. W a a n e r) eine würdige Vertretung aefunben. Der von Franz Schubert ursprünglich fm Frauen- ckor gesetzte23. Psalm", jenes zartmelodio'e Toustuck, wurde in der Heubergerschen Bearbeitung für Männerchor mit Orcheflerbegleitung zum Vortrag gebracht und zwar mit einer Verve im Ton und Ausdruck, wie wir sie mckt oft zu hören bekommen. Das breite Untermalen der Gottesfurcht und Zuve'stcht ausstrahlenden Stellen kam dem Ganzen be-

8h Citdß bCH 8. 9JoÜCnibCr Fernfprechamchluß Nr. 23V.

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1912

scheu Wünschen auf Mazedonien, den griechi­schen auf die Inseln Eypern und Kreta,' den serbischen auf Altserbien keine besorrderen Schwie­rigkeiten entgegen, ja, als sei sogar die Frage, wie Rumänien entschädigt werden könne, zwar schwierig, aber doch lösbar; nur das Problem Konstantinopel und die serbischen Ansprüche auf einen Zugang durch Albanien aus das Meer scheinen ohne heftige, zum mindesten diplomatische Kämpfe, nicht lösbar.

Konstantinopel allerdings beunruhigt Europa nur des­halb, weil die Stimmung des siegestrunkenen bulgarischen Heeres den Einzug in Konstantinopel fordert. Bulgarien will Konstantinopel indes allem Anschein nach nacht be­halten. Es scheint vorläufig den russischen Anspruch und den zu erwartenden russischen Widerspruch respektieren zu wollen. Das Konstantinopeler Problem kann, wenn die Bulgaren es nicht durch einen Einmarsch aufrollen, als nicht akut bezeichnet werden, wenn von keiner Seite, weder von russischer, noch von englischer seine Lösung versucht wird. Es wird für den Augenblick lösbar, wenn es ungelöst bleibt. Das starke Aufgebot von Seestreitkräften, das Eng­land im Mittelmeer sammelt, läßt zum mindesten darauf schließen, daß England für alle Fälle bereit sein will, jeden Versuch, dieses unlösbare Problem jetzt in einem englische Interessen verletzenden Sinne zu lösen, zu verhindern. Wenn sich aber alles daüber einig ist, daß Konstantinopel türkisch bleiben muß, wird dieses Problem zur Zeit den Mächten wenig Kopfzerbrechen machen.

Anders steht es mit dem serbischen Zugang zur Adria. Oestereich-Ungarn läßt keinen Zweifel darüber, daß es einen solchen nicht zugeben wird. Die österreichische Regie­rung hat zweimal die Serben im offiziösenFremdenblatt" deutlich gewarnt, bei der ethnographischen Grenze zwischen serbischer und albanefischer Bevölkerung stehen zu bleiben und nicht nach Albanien einzurücken. Der Weg an das Meer aber führt durch Albanien. Wenn der Krieg unter­nommen wurde zur Befreiung von Fremdherrschaft mit der Devise: der Balkan den Balkanvölkern, dann können die Serben keinen Anspruch auf albanisches Gebiet machen und müssen den Albanesen das Recht der Freiheit geben, das sie für sich selbst beanspruchen. Serbien aber scheint nicht zu wollen. Serbien will an das Meer, es rechnet auf den Beistand Rußlands und Italiens, auf ersteren wohl mit mehr Recht als auf den letzteren. Die serbischen Truppen sollen trotz der österreichischen Warnungen vorrücken. Ser­bien will anscheinend ein fait accompli schaffen. Es scheint, daß Oesterreich-Ungarn sich anschickt, stärker zu beschwören. Eine Depesche derVoss. Ztg." meldet:Graf Berchtold hat den österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad, Herrn v. Ugron, nach Budapest berufen, um ihm Weisungen über

sonders gut zu statten. Der gute Eindruck, den wir so von vornherein von der Chorleistung empfingen, wurde noch be­kräftigt durch die tiefempfundene, die poetische Grund­stimmung unvergleichlich schön darlegende Wiedergabe des LiedesDu bist die Ruh" (Gedicht von Friedr. Rückert) und das Abendfrieden und sehnsuchtsvolle« Verlangen so treu widerspiegelndeStilles Gedenken" (I. Pache). Eine gute Leistung war auch das volkstümliche, sehr zum Herzen sprechendeAuf der Wacht".Waldesstille" von L. Maurer (ehemaliger Inspektor deS kaiserlichen Orchesters in Petersburg), daS im Manuskript vorlag und nicht ohne besondere Schwierigkeiten ist, befriedigte durch­aus, ebenso das OthegravenscheMailied". Mit dem wuchtigen, echte germanische Kraft ausströmenden Chor mit OrchesterbegleitungHeldenzeit", der mit gewaltiger Stimme zu dem Hörer sprach, fand der choristische Teil und damit das Konzert einen glanzvollen Abschluß.

Als letztes, darum aber nicht geringstes, sei der Solistin des Abends, Frau Hedwig S ck a ck o aus Frankfurt ge­dacht. Ihre erhabene Kunst ist uns, die wir in nächster Nähe des Wirkungskreises der Künstlerin wohnen, nicht neu, darum aber nicht weuioer begehrenswert, der lebhafte Bei­fall, den ihre Darbietungen gestern abend fanden, beiveist dies am besten. Frau Schacko stellt das Ideal des gesell- icha^lich-vornehmen Liedgeianges dar. Ihre herrliche Stimme kommt überall zur vollen Geltung, mag es in den, ariosen Grsangston oder in dem herzlichen, einfachen Volksliedchen sein. Außer ihrer A>ie der Rosina ausDer Balbier von Sevilla", gefiel uns besonders das russische Nachligallenlied über alle Maßen, gnade in bieiem kleinen, unendlich feinen Merkchen zeigte sich die hohe Kunst der Frau Schacko in ihrem Glänzn Ihre Lieder von Hildach und Dorn waren ebenfalls nickt wenig die Ursache des Beifalls, der nicht eher enden wollte als bis sie sich zu einer Zugabe verstand, wo- ran die Künstlerin gut ta', denn: Kleine Geschenke erhalten I die Freund!cka ft! Die exquisite Kunst des Herrn G.. Alt-

die künftige Politik 8er Monarchie Serbien gegenüber zu erteilen. Oesterreich-Ungarn wird eine Besetzung von Ge­bietsteilen, die zum geographischen Albanien gehören, unter keinen Umständen dulden. Eine Festsetzung Serbiens an der Adria wird, wie hier erklärt wird, Oesterreich-Ungarn zur Aufwerfung der Machtfrage nötigen." Hier scheint, wenn die Serben nicht ein Einsehen haben, sich die Situ­ation von 1908 zu wiederholen. Dann werden sich wie da­mals alle Augen auf Rußland richten. Wird Rußland die Spekulation auf russische Hilfe zulassen oder rechtzeitig tn Belgrad zur Ruhe mahnen? Wir hoffen das letztere. Serbien wird sich wohl schließlich mit anderweitigen Ge- bietserwerbungen zufrieden geben.

RußlandOesterreich.

Petersburg, 7. Novbr. DieBörsenzeitung" bringt heute abend einen außerordentlich scharfen Artikel gegen Oester­reich. Der Artikel gibt zweifellos die Stimmung der Re­gierungskreise wieder.

Ein bulgarischer Bericht über die Schlacht bei Lüle-Burgav.

Die offiziöseAgence Bulgare" veröffentlicht einen Be­richt über die Kämpfe auf der Linie Lüle-BurgasBunar- Hissar zwischen dem 29. Oktober und dem 2. November:

Danach war die türkische Armee über 120 000 Man» Infanterie stark und zählte 65 Eskadronen und 300 Ge­schütze. Während der fünftägigen erbitterten Kämpfe griff der türkische rechte Flügel unaufhörlich den linken bulgarischen Flügel an. Den Bulgaren gelang es jedoch, durch einen tapferen Angriff, dank der mächtigen Ar­tillerie, den Feind zum Rückzüge zu zwingen; er wurde mit einem mörderischen Feuer verfolgt. Am dritten Tage nahm das bulgarische Zentrum, von Artillerie unterstützt, energisch die Offensive auf. Die Infanterie ging im Bajonettangriff gegen die uneinnehmbar scheinenden Be- ' festigungen vor. Es gelang ihr, diese zu besetzen, wo­rauf sie sich an die Verfolgung des Feindes machte, der unter dem Feuer der bulgarischen Artillerie sich in Panik zerstreute. Am fünften Tage ging der linke Vulgaren- flügel, durch friste Truppen verstärkt, zum entscheiden­den Angriff vor. Er zersprengte den Feind auf der ganzen Linie, sodaß dieser die starken Stellungen aufgab und flüchtete. Die Bulgaren erbeuteten 42 Schnellfeuer­geschütze, mehrere Fahnen, 150 Waggons mit Lebens­mitteln und Munition und zwei Lokomotiven. Außer­dem wurden 2800 Gefangene gemacht. Die bulgarischen Verluste betrugen 15 000 Tote und Verwundete. Die Verluste der Türken betrugen mehr als 40 000 Mann. In dieser Schlacht, die sich mit der bei Mukden verglei­chen läßt, wurde die türkische Armee fast gänzlich ver-

vater am Klavier verstärkte den Eindruck, den die Lieder hinterließen, ungemein.

Nrn» und Liederndeud

im Hanauer Stadttheater.

Die Stadttheaterdirektion hatte für gestern abend das Künstlerpaar Karl Gentner und Elsa Gentner-Fischer vom Frankfurter Opernhaus für ein Gastspiel gewonnen, das, wie wir von vornherein be- I merken wollen, den erwarteten künstlerischen Erfolg zuver- zeichen hatte, während in anderer Richtung der Erfolg ausge­blieben ist, da der Besuch viel zu wünschen übrig ließ, was sich aus der Fülle der gegenwärtigen öffentlichen und Ver- einsveranstaltungen ergibt. Ergänzt wurden die Darbie­tungen des Künstlerpaares durch die verstärkte Ulanen- kapelle, sodaß sich ein vielseitiger Genuß ergab. Frau Elsa G e n t n e r - F i s ch e r bot im ersten Teil Hallenane a. d. OperTannhäuser" von Wagner, im zweiten Teil »Wid­mung" von Schumann,Der Bekehrte" von Stange,Wie­genlied" von Schubert, Herr Karl Gentner wartete auf mit Lohengrins Herkunft (Gralserzählung) C d. Oper Lohengrin" von Wagner, später mit »Heimweh von Wol;, Schließe mir die Augen beide" von Heidrich. Das Kunstler­paar bot zum Schluß Duett a. d. Op »Ieffonda" von Spohr. Außerordentlich stark war der Verfall, der den prächtigen Darbietungen des geschätzten, in unseren Konzertsalen be­reits durch früheres Auftreten bestens bekannten Künstler- paares gezollt wurde. Ebenso müssen wir Herrn Kapell­meister Kähler unsere Anerkennung zollen, der am Diri­gentenpult seines Amtes mit Geschick und Umsicht waltete.

Von den Ehrungen, die den Gefeierten zu teil wurden, hat die Ulanenkapelle einen guten Anteil zu beanspruchen. Sie löste die ihr zugefallene Aufgabe in mustergültiger Weise und bot bei den Gesängen, sowohl in der Wagner-