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1« November

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Alls Noth Trojans MWMrinMUWN.

(Nachdruck verboten.)

Am Abend eines langen und schönen Lebens blickt Meister Johannes Trojan noch einmal auf den ganzen Weg zurück, den seine Schicksale genommen haben. Er schreibt seineErinnerungen", die schlichte und doch reiche Geschichte eines Dichterlebens, in das in vielen bedeutenden Momen­ten die größere Geschichte des Volkes, besten Sohn dieser Dichter ist, unmittelbar eingegriffen hat. So hatte Trojan auch das Glück, dem größten Deutschen seiner Zeit, dem er seine ganze Verehrung und Liebe gewidmet hat, dem Fürsten Bismarck, persönlich nahe zu treten. Mit freundlicher Er­laubnis desVereines der Bücherfreunde" zu Berlin, in besten Verlag Trojans Erinnerungen Anfang November erscheinen werden, können wir aus den Aushängebogen des Werkes unseren Lesern bereits jetzt die anziehenden Ab­schnitte mitteilen, in denen der Dichter von seinen Besuchen beim Fürsten Bismarck erzählt.

Ein erstes Mal war er am 11. Mai 1893 bei dem Fürsten zu Gaste,' dieser hatte an dem Tage zu dem Lübecker Turnverein im grünen Walde gesprochen.Als wir ins Schloß kamen, war der Fürst noch nicht von seinem Spazier­gange zurückgekehrt. Wir nahmen die Gelegenheit wahr, uns im Salon die an den Wänden hängenden Gemälde, worunter sehr interessante Familienbilhniste waren, an­zusehen. Dann kam der Fürst, hieß uns willkommen, und es ging ins Eßzimmer zur Tafel. Es waren außer uns noch ein paar Fremde da, sowie der Oberförster und Dr. Chrysander. Ich erhielt meinen Platz zwischen dem Fürsten unb der Fürstin. Am Tisch waltete ein Ton, der einen sogleich mit Wohlbehagen erfüllte. Nichts war da zu spüren von Zwang, steifem Wesen oder Förmlichkeit. Ich freute mich über den guten Appetit des Fürsten. Einen ächtigen kalten Hirschbraten, der vor ihm stand, schälte er ordentlich mit dem Mester ab, indem er zu mir sagte:Von solchem Braten ist das Aeußere, Braune und Knusperige das Beste, Darum nehme ich mir das nach dem Hausherrnrecht." Die Fürstin, die ja eine sehr gute Hausfrau war, machte mich auf eines und bas andere, das auf dem Tische stand, in liebenswürdigster Weise aufmerksam. Besonders dringlich empfahl sie mir einen Spargelsalat, und mit vollem Recht, muß ich sagen. Die beste Würze des Mahles aber waren dieTischreden" des Hausherrn, wie ich mit einem Anklang an die LutherfchenTischreden" mich ausdrücken möchte. Er erzählte aus feinem Leben und sprach über vielerlei mit großer Lebhaftigkeit, zuweilen das politische Gebiet strei­fend. Ich erinnere mich, daß er auf das wilde Schwein zu sprechen kam.Das wilde Schwein", sagte er,ist atwas gar nicht so Schlechtes, es wird aber verkannt." Einen Augenblick schwieg er, dann setzte er hinzu:Wie ein Reichskanzler auch". Im Laufe der Unterhaltung sagte er zu mir:Ich denke darüber nach, woher Sie sein können. Ihrer Sprache nach könnten Sie vielleicht nach Ostpreußen gehören."Das stimmt beinahe, Durchlaucht", erwiderte ich,aus Ostpreußen bin ich nicht, aber nicht weit davon, aus Westpreußen her".Run, so etwas muhte es ja sein", sagte er. Dazu bemerkte ich, daß meine Sprache kaum mehr einen leisen Anflug von Westpreußisch behalten hat, denn zu Hause achtete mein Vater sehr darauf, daß wir Kinder nicht auf Danziger Art sprachen, und mit jungen Jahren schon habe ich die Heimat verlasten unD bin dann ins west­liche Deutschland gekommen.

Es kam allerhand Warmes und Kaltes auf den Tisch, und zu trinken gab es Bordeaux, Moselwein, Sekt, baye­risches Bier und Braunschweiger Mumme. Von der Mumme wurde etwas dem Viere zugesetzt, das gab ein ganz gutes Getränk. Es stand auf dem Tische auch eine Flasche mit Kornbranntwein, von dem schenkte der Fürst sich selbst und mir ein Gläschen voll und sagte:Es ist fünfziger Korn was sehr Gutes". Nachdem wir getrunken hatten, i^ BKI» II

sagte er:Was meinen Sie? Von dem, glaube ich, können wir noch einennehmen", und schenkte noch einmal ein. Dann fügte er hinzu:Ich habe auch älteren noch, von dem be­kommen Sie aber nichts".

Gegen Ende des Mahles ersuchte der Fürst die Tisch­gesellschaft, die Gläser mit Champagner zu füllen. Dann hielt er eine kleine Rede auf das Blatt, desten Redakteur ich damals noch war.Dies Blatt", sagte er,hat mich anfangs nicht zum besten behandelt, nachher aber um so besser". Darin hatte er recht. Als ich am Anfang der sechziger Jahre bei dem Blatt politisch zu dichten anfing, habe ich wie die anderen manchen Vers gegen Bismarck gemacht, nachher aber viele für ihn. Der Fürst sagte noch etwas Gutes über das Blatt, dann schloß er mit einem Toast auf dasselbe.Darf ich", fragte ich ihn,meinen Kollegen einen Gruß von Eurer Durchlaucht mitnehmen?" Ja", erwiderte er,einen recht freundlichen".Auch dem Zeichner", fügte die Fürstin hinzu,der auf den und den" sie nannte einige Namen, die ich nicht behalten habe die schönen Bilder macht".

Als abgegesten war, kam der Kaffee, die jungen Grafen Rantzau boten Zigarren an, und dem Fürsten wurde seine lange Pfeife gebracht und angezündet. Bald darauf stand man auf und wir empfahlen uns dem Fürsten und der Fürstin, sehr befriMgt von dem Erlebten. Wir konnten uns wohl sagen, daß mancher für das, was uns zuteil ge- wor >en war, gern ein großes Stück Geld gegeben hätte, wenn er es dafür hätte bekommen können. Aber es liegt etwas von ausgleichender Gerechtigkeit darin, daß die besten Dinge für Geld nicht zu haben sind."

Als Trojan im September des Jahres 1897 bei seinem alten Freunde, dem Oberförster Lange, zu Besuch eintraf, da erfuhr er von diesem, daß kaum Aussicht auf einen Be­such beim Fürsten vorhanden sei, weil dieser sich gerade recht schlecht befand. Trotzdem gab Trojan seine Karte tm Schlosse ab, und siehe? nach kurzem kam ein Diener vom Schloste gelaufen, der Trojan im Namen des Fürsten bat, sogleich zum Esten zu kommen. Im Schloste wurde er mit großer Freundlichkeit vom Fürsten begrüßt.Sie kommen zur rechten Stunde", sagte der Graf Rantzau zu mir,der Fürst hat uns eben ein Gedicht von Ihnen vorgelesen." Es war ein Gedicht, in dem es sich um gewisse Beunruhigungen in Regierungskreisen handelte, und die Schlußverse lauteten:

Doch wie sich auch die Zukunft mag gestalten,

Mich kümmert heute das nicht allzusehr, Vorläufig bleibt es alles ja beim Alten.-- Wenn nur beim Alten es geblieben wär'!"

Ich traf eine kleine Gesellschaft an. Es waren da außer dem gräflich Rantzauschen Ehepaar eine Frau v. Kotze, eine Baronin v. Merck und eine andere Dame^noch, ein vor­nehmer Herr aus Oesterreich und ein Dottor der Medizin, der Vertreter Schweningers. Der Fürst sah sich in der Gesellschaft um, dann sagte er:Der seltenste East hier ist Herr T., der soll meine Tochter zu Tisch führen." Darauf bot ich der Gräfin Rantzau meinen Arm und führte sie ins Eßzimmer und an ihren Platz am Tisch. Der Fürst saß mir gegenüber.

Ich war sehr erschrocken über das Aussehen des Fürsten. Wie sehr hatte er sich verändert, seit ich ihn nicht gesehen hatte. Sein Antlitz war ohne Farbe, sein Kopf schien auf­fallend klein geworden zu sein, wie man es bei denen findet, die, wie der Förster sagt, für den Einschlag gezeichnet sind. Aber seine äugen leuchteten in alter Weise, und wenn er redete, vergaß man es völlig, daß er alt und schwach und krank war. Er sprach über vielerlei und über alles treffend und gut, und als Pilze auf die Tafel kamen, hielt er einen kleinen Vortrag über Edelpilze, der von gediegenen Kenntnisten auf diesem Gebiete zeugte. An einer anderen Stelle habe ich einmal erzählt, wie sehr er darum besorgt war, daß ich auch Gutes zu trinken bekam.

Er erkundigte sich auch danach, was mir vorgefetzt wäre, und als er hörte was es war, wurde er ganz ungehalten. Es mußte für mich von dem Grünhäuser heraufgeholt wer­den, den der Freiherr v. Stumm ihm geschenkt hatte. Das war der beste Wein, den er im Keller hatte. Der Wein war in der Tat sehr gut, nur betrübte es mich, daß der Fürst selbst nicht mit davon trinken konnte. Der Doktor erlaubte es nicht. Zwischenein unterhielt mich auch meine gräfliche Tischdame mit allerhand aus dem Gebiete der Literatur und beschämte mich dabei nicht wenig, denn sie hatte von modernen Sachen weit mehr geleseß als ich.

Nach dem Essen wurde ins andere Zimmer gegangen und geraucht und Bier getrunken. Der Fürst schenkte mir selbst ein. Er nahm Platz auf dem Sofa und vor ihn wurde ein Stuhl gesetzt mit einem Kisten, auf das er seine Füße legte. So saß er da, wie ihn Allers gezeichnet hat. Ich mußte mich neben ihn setzen. Er rauchte seine lange Pfeife und nahm von einem Stoß Zeitungen, der auf dem Tische lag ,eine nach der anderen herunter, um hineinzusehen und sie dann wegzuwerfen. Dabei sprach er mit mir haupt­sächlich über meine heimatliche Provinz, deren Verhältnisse er natürlich sehr genau kannte. Um halb elf Uhr empfahl ich mich dem Fürsten und wurde von Pinnow mit einer Laterne denn es war rabenschwarze Finsternis draußen durch den Park nach der Oberförsterei zurückgeleitet. Unterwegs dachte ich bei mir: dies ist das letzte Mal, daß du Bismarck gesehen hast."

Literarisches.

Sven -e-in löst fein Versprechen ein. Der SchlußbanZ seines hervorragenden Werkes .^ranshimalaya, Entdeckun- gen und Abenteuer in Tibet" wird im November bei Brock­haus erscheinen, der letzte Teil seines Berichtes über die ebenso erfolgreiche als abenteuerliche Entdeckungsreise, während der kühne Forscher jahrelang völlig verschollen war. Der Band enthält die zwei großen Abschnitte, die Hedin in den ersten Bänden aus Raummangel ausgelasten hatte: den Marsch von der neuentdeckten Indusquelle durch unbekanntes Land bis Ladak, den achten Aufstieg zum Transhimalaja und den erlösenden Rückzug nach Indien, ferner ein Kapitel über Lamaismus und Katholizismus rc. Auch wer die ersten zwei Bände desTranshimalaja" noch nicht kennen sollte, wird den neuen Band mit Freude er­warten. Er bildet ein abgeschlossenes Ganze und gewährt Belehrung und Genuß in reichem Maße.

Schiffsnachrichten.

(Mitgeteilt vom Vertreter des Norddeutschen Lloyd in Bremen, M. Schuster, Fahrstraße Nr. 1.)

Der Dampfer des Norddeutschen LloydKronprinzessin Cecilie* ist am 29. Oktober wohlbehalten in New-Dork an- gekommen.

Eine bewährte Methode zur Desinfektion der Mund- und Rachenhöhle. In der rauhen Jahreszeit ist die Gefahr der Erkältung und die Aufnahmefähigkeit für die Bakterien der sogenannten Erkältungskrankheiten am größten. Infektionskrankheiten, wie Diphtherie, Scharlach, Typhus und andere, werden bekanntlich dadurch heroorge- rufen, daß die Keime mit der Atmungsluft, durch die Nahrung oder Hände in der Mundhöhle gelangen. Als Schutz vor der Ansteckung bewähren sich die Formaint- Tabletten der Firma Bauer und Cie., Berlin. Sie machen beim Aufsaugen im Munde den Speichel zum Desinfektions­mittel, das in alle Fältchen der Schleimhäute eindringt und die dorthin gelangten Krankheitskeime vernichtet. Wir ver­weisen ausdrücklich auf den der heutigen Numme beiliegenden Prospekt.

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