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vierteljährlich 1.80 Ml., monatlich 60Pfg., für Post­bezug vierteljährlich 2.10 SRL, monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer lostet 6 Pfg.

Notationsdruck und Verlag der Buchdruckeret der verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stakt- Md Landkreis Kana».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwortl. Redakteur'. E. Schrecker in Hanau.

Nr. 257 MernsprkchaElutz Nr. 330.

Freitag den 1. November

Fernsprechauschltttz Nr. 230.

1912

Die Mt Rmmn mW nutzn dem nntnlialhingsblott

14 Seiten.

Amtliches.

In das hiesige Handelsregister ist unter der Firma: Diskuswerke Frankfurt a. M., Präzifionsmafchinenbau- Gefellschaft mit beschränkter Haftung in Frankfurt a. M., Zweigniederlastung Fechenheim a. M., eingetragen worden:

Der Kaufmann Otto Lindheimer ist als Geschäftsführer ausgeschieden. Der Diplomingenieur Karl ^v r u g zu Frankfurt a. M. ist zum Geschäfts­führer bestellt.

Bergen, Kr. Hanau, den 24. Oktober 1912.

Königliches Amtsgericht. 27171

Stiwtiw unh verlorene EeseuKude it.

Gefunden: 2 alte Steigbügel.

Verloren: 1 kleines braunes Damenportemonnaie mit 29 Mark.

Zugel au fen: 1 junge schwarzbraune Schäferhimdin, L junge braune Dachshündin.

Entlaufen: 1 schwarz und weißer Jagdhund (Pvin- er), 1 grau und brauner Jagdhund (Griffon).

Hanau den 1. November 1912.

Der Kriegsbrand am Balkan.

Das Vorgehen Griechenlands.

Athen, 31. Oktbr. Vizeadmiral Kunduriotis, der Be- ehlshaber des griechischen Geschwaders im Asgäischen Neer, depeschierte dem Marineministerium:Thasos und Ambros wurden besetzt und auf beiden Inseln die griechische flagge gehißt. Heute früh ist der KreuzerKanaris" mit inigen Torpedobooten zur Besetzung der kleinen Insel -trati abgeschickt worden."

Athen, 31. Oktbr. Die griechische Regierung hat in den roberten Gebieten mehrere Kommisiariate geschaffen. Ihomatianos, Verwaltungschef im Ministerium des Innern, wurde zum Generalkommisiar mit dem Sitz in >erfidje ernannt. Eine große Zahl von Verwaltungs- und inanzbeamten find für den Dienst der neuen Kommisiariate «stimmt worden.

Die Entscheidungsschlacht.

Sofia, 30. Oktbr. Die Schlacht auf der Linie Lüleh Vur- asSarai ist sehr erbittert. Die Türken unter dem Befehl lasim Paschas sind völlig geschlagen. Sie zogen sich eiligst »gen Tschorlu zurück und ließen eine große Zahl von Toten nd Verwundeten zurück.

Konstantinopel, 30. Oktbr. Das bei Wisa kämpfende Armeekorps erhielt große Nachschübe. Außer der in Midia »landeten Redifdivision von Trapezunt sind dort die asia- schen Redifdivisionen von Malatia und Baiburt ausge- )ifft worden. Sie gelangten über das Gebirge nach Wisa, o gegenwärtig sehr starke Streitkräfte vereint sind. Wei- re asiatische Truppen werden hier heute abend wahrschein- I ch mit derselben Bestimmung eingeschifft.

Der Rückzug der Türken.

Wien, 31. Oktbr>Nach einer Meldung der Neuen Freien resse aus Sofia ist der westliche Flügel der Türken, der ;i Lüleh Burgas stand, vollständig zurückgegangen, schein- ar auf Tschorlu zu. Der türkische Ostflügel konnte sich erst behaupten, jedoch ohne Erringung eines entscheidenden rfolges. Infolge der Einnahme von Lüleh Burgas durch ie Bulgaren ist auch er auf dem Rückzüge gegen Saraj und strandscha. Die westlich von Jeniköi in Reserve gehaltenen »un türkischen Divisionen sind gegen das Zentrum der i ( chlachtfront, also westwärts gegen Tschorlu, verschoben wor- m, um den bulgarischen Vormarsch aufzuhalten. Die chlachtfront, die gestern WisaLüleh Burgas war, ist !ute TschorluSarajJstrandscha.

Soweit sich aus diesen Nachrichten ersehen läßt, ist der nke türkische Flügel, der bei Lüleh Burgas und östlich rnd, geschlagen worden und geht eilig auf Tschorlu zurück, er rechte Flügel leistet dagegen den heftigsten Wider- ; rnd, und es hängt von seinem Aushalten ab, ob die be­sten Heeresteile noch einmal zum Stehen gebracht wer- n können. Muß auch der recbtr Flügel zurückweichen, so i : 6t es kaum noch eine andere Möglichkeit für die Türken, r § so schnell es nur geht, die Linien von Tschataldscha zu reichen zu suchen. Die Sieaer haben jedenfalls selbst sehr

schwere Verluste und müffen nach dem tagelangen Kampf erst wieder ihre Verbände ordnen, die Munition ersetzen, die zum gemeinsamen Handeln vereinten verschiedenen Korps auseinanderziehen, um nicht auf einer einzigen Straße vorzurücken. Zur Verfolgung lassen sich nur Ver­bände verwenden, Sie nicht gefochten haben, vor allem Kavallerie. Es fragt sich nun, ob die Bulgaren überhaupt über Reitermasien verfügen, die dazu freigemacht werden können. Nach der Kriegsgliederung sind vorhanden vier Re­gimenter in yrd Brigaden und einer Division, der außer­dem noch vier Maschinengewehrabteilungen beigegeben find. Im ganzen find dies 2630 Säbel und 16 Maschinengewehre. Reitende Artillerie hat Bulgarien nicht. Vielleicht tritt jetzt wieder die Erscheinung auf, daß, wie die Japaner bei Mukden, der Sieger nicht imstande ist, die von der Theorie so eifrig geforderte Verfolgung vom Schlachtfeld aus durch­zuführen. Sie ist eigentlich nur bei Jena und bei Belle Alliance zu verzeichnen. Die von Norden nach Süden ziehen­den Zuflüsse der sNaritza würden Abschnitte geben, hinter denen die geschlagene Armee mieSer Halt machen könnte, wenn der Gegner nicht kräftig nachdrängt. Die Entscheidung für den Gang der Ereignisse liegt ausschließlich auf dem rechten türkischen Flügel, dem von der Hauptstocht aus zu Schiff dauernd Verstärkungen zugehen. Wird auch er ge­worfen, so ist die Lage der osmanischen Armee äußerst ge­fährdet, und nur die auch beim Sieger nach einem so ge­waltigen Kampf eintretende Ermübung kann die Reste retten.

Der griechische Vormarsch.

Athen, 31. Oktbr. Amtlich wird bekannt gegeben, daß die griechischen Truppen gestern Grewena widerstandslos besetzt haben

Die Schlacht bei Lüleh Burgas.

Sofia, 31. Oktbr. In der Schlacht, die mit den 150 000 Mann zählenden Hauptstreitkräften des türkischen Heeres auf der Linie Bunar HisiarLüleh Burgas seit drei Tagen allgemein im Gange ist, hat das bulgarische Heer den Feind geschlagen, und ihn gezwungen, sich aus seinen befestigten Stellungen unter stürmischem Nachdrängen der Bulgaren zurückzuziehen. Das bulgarische Heer hat die tatkräftige Ver­folgung des Feindes ausgenommen, der in Unordnung und Panik sich auf Rasbj und Tschorlu zurückzieht. Eine große Zahl von Kanonen, Fahnen, Munition und andern Kriegs- trophäen- ist den Vulgaren in die Hände gefallen, ebenso zahlreiche Gefangene. Die bulgarischen Verluste sind ver­hältnismäßig unbedeutend. Die Dörfer Aiwali bei Lüleh Burgas und Marasch im Westen von Ardianopel sind von den Türken eingeäschert, die gesamte christliche Bevölkerung ist niedergemacht worden. Auch sämtliche Dörfer in der Ge­gend von Melnik haben die Türken in Brand gesteckt.

Die Lage im Westen.

Belgrad, 31. Oktbr. Vom türkischen Heer hört man hier, daß seit der Flucht aus Uesküb zwischen den Befehls­führern wegen der weiteren Kriegführung Zwist entstanden sei. Zeki Pascha habe kurzerhand die Entlastung sämtlicher Trupen angeordnet. Einige türkische Offiziere versuchten jetzt auf eigene Faust Weles (Köprülü) zu verteidigen. In Uesküb sollDjavid Pascha, der als Befehlshaber der Bitoljer (Monastirer) Korps auf Fortsetzung des Widerstandes drängte, von einem tückischen Ofizier erschosten worden sein. Das serbische Hauptquartier ist gestern von Wranja nach Uesküb verlegt worden. Tetowo (Kalkandelen) hat sich widerstandslos den Serben ergeben. In den größeren Ort­schaften übergeben die aus den Umgebungen zusammen­strömenden Arnauten jetzt den serbischen Truppen unaufge­fordert ihre Waffen. Das dritte serbische Aufgebot hatte bisher keine Kanonen. Dank den Niederlagen des türkischen Heeres, das etwa 300 Geschütze gegen die Serben verwendet hatte, find nur noch 34 in seinem Besitz. Alle übrigen haben die Serben erbeutet und werden zur Bildung der Artillerie j für das dritte Aufgebot dienem Die türkischen Krupp-Ge­schütze sollen sehr gut, dagegen die türkische Munition alt und sehr schlecht sein. Man wird daher neue Munition hier anschaffen, und die alte eroberte nur für Uebungen ge­brauchen. Einige Abteilungen Verwundeter, die mit den , ersten Transporten angekommen sind, haben in den Bel- grober Hospitälern inzwischen volle Heilung gefunden. Sie rücken schon wieder zu ihren Kommandos ab. Bisher um­faßt das von den serbischen Truppen eroberte Gebiet im Sandschak Nowi Basar und im Wilajet Uesküb mehr als die Hälfte des Königreichs Serbien.

Rjeka, 31. Oktbr. Heute vormittag 10 Uhr 50 Min. traf die amtliche Meldung ein, daß Ipek von den Truppen des !

Generals Wukotitfch genommen worden Jet. König Ni­kolaus begab sich mit den Militärattachees nach Antivari, um sich über den Fortgang der Operationen am Tarabosch zu informieren. Kronprinz Danilo ist nach dem Haupt­quartier in Gruda zurückgekehrt.

Die Haltung der Mächte.

London, 31. Oktbr. (Unterhaus.) Der Liberale King fragte, ob vom Auswärtigen Amte Schritte unternommen würden, um zu verhindern, daß Finanzleute den Kriegfüh­renden auf dem Balkan Geldmittel liefern. Staatssekretär Grey erwiderte, die Antwort laute: Nein. Er glaube, daß es in solchen Fällen gebräuchlich sei, die Finanzleute ihren eigenen Weg gehen zu lasten. King richtete weiter folgenbe Anfrage an die Regierung: 1. ob die Großmächte vor Aus- bruch des Krieges auf dem Balkan übereingekommen seien, den Statusquo aufrechtzuerhalten, 2. ob ein solcher Beschluß den Valkanstaaten mitgeteilt worden sei, 3. ob infolge der Erfolge der Verbündeten weitere Mitteilungen über diesen Gegenstand zwischen den Großmächten ausgetauscht worden seien, und ob es die Politik Großbritanniens und der Groß­mächte sei, die territoriale Herrschaft der Türkei über Maze­donien aufrechtzuerhalten, was auch das Ergebnis des gegenwärtigen Kriegs sein möge. Sir Edward Grey erwi­derte: Die Antwort auf die beiden ersten Fragen ist be­jahend, und das steht nicht im Widerspruch zu den Erklä­rungen, die die Balkanstaaten selbst am Vorabend des Krie­ges abgegeben haben. Was die dritte Frage anbetrifft, fd find Mittielungen zwischen allen interessierten Großmächten ausgetauscht worden über die Veränderung der Lage, die sich aus dem Verlauf des Krieges ergibt, und im Hinblick darauf wäre es im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ratsam, irgend­eine Erklärung über die Polittk der britischen Regierung und der andern Mächte zu machen, die, wie ich mit Vergnü­gen sagen kann, den von Anfang an angenommenen Kurs, sich untereinander zu verständigen, beibehalten. Das Haus kann versichert sein, daß ich Erklärungen abgeben werde, sobald es möglich ist. Aber ich hoffe, das Haus wird die Schwierigkeit würdigen, gesondert Erklärungen über unsere eigenen Ansichten abzugeben, in dem Augenblick, wo es unser erstes Ziel ist, uns in Verbindung mit den andern Mächten zu halten und eine Einigung unter ihnen zu fördern?

Eine Vermittlung der Mächte?

Wien, 31. Oktbr. Nach der Neuen Freien Presse ver­lautet in Kreisen der Balkandiplomatte, daß die vier Balkanstaaten nicht beabsichtigen, auf einen Waffenstillstand einzugehen, sondern nur in Friedensverhandlungen mit der Türkei selbst eingutreten und nach getroffenemAbkommen nur mit der Türkei selbst ohne Vermittlung der Mächte ver­handeln werden. Offiziös ermutigt man hier Poincare, die von ihm geplante Vermittlung einzuleiten, da nach der letzten Schlacht nicht nur die Türkei, sondern auch die Bal­kanstaaten einer solchen jetzt ungänglich sein dürften. Nach einer Pariser Meldung der Neuen Freien Presse ist man in dortigen diplomatischen Kreisen derselben Ansicht. Im Neuen Wiener Tagblatt wird von unterrichteter Seite die Behauptung, daß Mischen Oesterreich-Ungarn und Serbien Verhandlungen stattfinden, abermals für unbegründet erklärt.

Verfehlte Reklame.

Einzelne französische Blätter suchen den Verlauf des Valkankriegs für ihre heimische Waffenindustrie auszubeu­ten. Die Niederlagen der Türken bei Kumanowo, an den thessalischen Pässen und bei Adrianopel sollen Siege von Schneider-Ereuzot über Krupp-Esten gewesen sein. Nämlich so, die Serben, Griechen und Vulgaren haben ihre Kanonen von Schneider, die Türken dagegen von Krupp bezogen. Ge­siegt haben die Serben, Griechen und Bulgaren, folglich sind die Schneiderschen Kanonen bester als die Kruppschen, ^e^^ auch die Art der Bewaffnung eine beträchtliche Rolle spielt, so werden die Schlachten doch nicht von totem Material, sondern von lebendigen Menschen geschlagen, und da treten die Unterschiede in der Führung, in der Tapferkeit der Truppen und in der militärischen Ausbildung des einzelnen Mannes entscheidend hervor. Die Ueberlegenheit der einen Feuerwaffe über die andere läßt sich nach dem Ausgang der Schlachten allenfalls feststellen, wenn alle anderen Faktoren, Zahl der Kämpfer, militärische Ausbildung der Offiziere und Mannschaften, strategisches und taktisches Geschick der Führer Organisation des Transports für Menschen, Pro­viant und Kriegsmaterialien ungefähr auf gleicher Höhe stehen. Wie bedenklich Schlüsse aus dem Verlaufe eines Feldzuges auf die Güte der hüben und drüben angewandten Waffen sind, beweist die Tatsache daß im deutsch-framö-