«i^mohammedanische» Soldaten verschuldet, die nicht hatten entseelten wollen oder können und Verwirrung in die Glieder gebracht hätte». Auf die Nachricht von dem Rückzug ist, wie schon berichtet wurde, der Kriegsminister mit dem Chef des Stabes der Armee, Hadi Pascha, dem zeitweiligen Marineminister General Salih Pascha und dem ganzen Oberkommando nach Lüleh Burgas abgereist, um selbst die Oberleitung zu übernehmen. Da durch die Entgleisung eines Militärzuges bei Kilometer 185 in der Rahe von Seidlar die Strecke gesperrt war, mutzte der Minister umsteigen. Der Verkehr war den ganzen Tag gesperrt. Angeblich machen bulgarische Banden den Versuch, die Bahn zu zerstöre». Großes Aufsehen erregt ein Tagesbefehl des Kriegsministers, wonach mehrere höhere und niedere Offiziere sich nicht auf ihre Posten begeben haben und nun mit den gesetzmäßigen Strafen bedroht werden, wenn sie nicht gehorchen. Wie man hört, sind die bulgarischen Flugzeuge über Adrianopel tätig, während die türkischen versagen. Einer der deutschen Flieger im türkischen Dienst kehrte vorgestern hierher mit gebrochenem Arm zurück. Dir großen Einheiten der türkischen Flotte sind hier ««gekommen und bereiten sich zum Auslaufen vor. Sie solkn die griechische Flotte schlagen, um so den ungehinderten Verkehr zwischen Smprna, den Dardanellen und Saloniki zu sichern tmb griechische Anschläge gegen die Bahn Saloniki—Kon- stantinopel W verhindern. Die Vernichtung der bulgarischen Flottille gelang nicht, well ste in einem Küstensee bei Warna Zuflucht fand. Der Plan einer Landung bei Kawarna ist aufgegeben. — Gegen eine etwaige Erhebung der Christen in Klein- asten hat die Pforte strenge Maßregeln getroffen.
Das Rätsel von Kirk-Kilissr.
Stara Zagora, 27. Oktbr. Alle Einzelheiten, die über den amtlichen Bericht hinaus von dem Verlauf der Besetzung Kirk- Kllisses durch die bulgarische Armee gemeldet werden, sind Phantasie. Außer dem Bullettn ist nichts bekannt. Kein Berichterstatter war auf dem Schlachtfeld, kein Tellnehmer hierher zurück- gekehrt.
Konstantinopel, 26. Oktbr. Ein türkisches Abendblatt meldet: Rach den bei dem Kriegsuttnisterium heuet morgen eingetroffenen Nachrichten nahm die türkische Armee im Norden und Nordwesten von Kirk-KMsse die Offensive wieder auf.
Konstantinopel, 26. Oktbr. Das Ministerium des Aeußern erhält soeben von dem Kriegsministerium die Meldung, daß Kirk-Kilisse wieder genommen worden sei.
Konstanttnopel, 27. Oktbr. Wie aus sicherer Quelle verlautet, entstand die gemeldete Verwirrung der Ostarmee in Kirk-Kilisie durch de« fluchtarttgen Rückzug eines Redifbataillons, das sich gewaltsam eines Eisenbahnzuges bemächtigte, um nach Baba Eski zurückzufahren.
Wien, 27. Oktbr. Rach dem Berichterstatter der Reichspost im bulgarischen Hauptquartier zielen die Bewegungen der bulgarischen Ostarmee auf die vollständige Einschließung und Vernichtung der ganzen an der Maritza und über den Ergenefluß sich zurückziehenden türkischen Truppen hin und werden mit Aufbietung aller Kräfte durchgefühtt. Den Truppen wurde nur die allernotwendigste Rast zur Munitions- und Proviantergänzung gegönnt. Ihr moralisches Bewußtsein ist in den letzten Tagen ungeheuer gestiegen bis zum Gefühl der Unbesiegbarkeit. Der Vormarsch der Armee des Generals Dimittijew gegen den Er- geneflutz erfolgt in sehr breiter Front; der rechte Flügel geht beiderseits der Linie Jenidscheh-Baba-Eski, weiter westlich eine Kolonne auf Hawsa vor. Das Eros hat hier bereits die Linie Jenihiri-Hawsa erreicht. Die mittlere Kolonne, die bei ihrem Anmarsch geegn die Linie Baba Eski-Lüleh Burgas durch den Widerstand von Kirk-Kilisie aufgehalten war, hat die Gegend von Kolwaklü und die Waldzone südlich von Kirk-Kilisie erreicht. Die Kolonnen des linken Flügels führen nach völliger Zersprengung der von Kirk-Kilisie zurückflutenden türkischen Besatzung in Gewaltmärschen eine große Schwenkung über Vunar Hisiar, Wifa und Saraj gegn die Straße Lüleh Burgas-Tschorlu aus und werden am 27. Oktober schon in der Flanke der türkischen Hauptkräfte stehen. Vom Eros der türkischen Armee, die nach der Schlacht von Kirk-Kilisie den Rückzug südlich auf Baba Eski und Lüleh Burgas antrat, befinden sich noch bedeutende Teile nördlich der Bahnlinie. Nach Tschorlu, Tscherkesiöj und Jst- randscha, wo stärkere türttsche Besatzungen stehen sollen, und nach zeugung, ein wirkliches Meisterstück mimischer Kunst wurde uns von der Künstlerin geboten. Recht hübsch war auch die übrige Darstellung des Stückes. Von einigen Stellen abgesehen, die zur Beanstandung Gelegenheit bieten konnten, war die Aufführung wohl abgerundet und elegant berausgearbeitet. In erster Linie haben wir dabei Herrn Wilhelm Holtz als „Armand" zu nennen, der uns in dieser Figur überaus wirkungsvoll mit vornehmer Dezenz entuegentrat und damit eine Leistung bot, der man uneingeschränktes Lob spenden muß. Die übrigen Personen treten nicht besonders hervor. Wir verzeichnen,'daß Herr Wie b er g den „Duval Vater", Herr K u b i tz k y den „Gustav", Frl. Michel die sichelte", Frl. Trauner die „Nanine", Frl. W a l d die „Duvernay", Herr Veß den „Gaston Nieux", Herr Hunold den „Grafen von GirSy" zu verkörpern hatte. Die etwas mehr hervortretende Rolle des „Herrn von Darville" wurde durch Herrn Walter Brandt etwas zu farblos herausgebracht. Die Regie führte Herr Otto Hunold.
Albumblätter.
Du sollst der Knechte schonen, So dir dienen um Lohnen; Gedenk, daß ihrer einer ist Ein Mensch, als du selbes ist.
Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt, Was, von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht.
Midi« wurden bulgarische Kolonnen entsandt. Die Absicht"dë^ bulgarischen Generalstabs ist, die türkische Armee durch Vor- rücken des östlichen Flügels ganz von Konstanttnopel abzuschnsi- den und durch gleichzeitigen Angriff von Westen gegen das Meer zu werfen und zur Kapitulation zu zwingen. Vor Adttanopel sind die Bulgaren am erfolgreichsten auf der Südwest- und Nordostfront. Im Nordosten steht der Fall der Gruppe Arnautkiöj unmittelbar bevor, womit die Nordfront durchbrochen und die ganze türkische Linie aufgerollt wäre, schätz auch die starke Stellung von Tschataldscha im Rücken gefaßt werden kann. Zur Deckung des Angriffs auf Adrianopel gegen Südwest und zur Verlegung des türkischen Rückzuges längs der Maritza nach Di- motika ist eine starke Kolonne aus dem Ardatal gegen die Bahnlinie vorgegangen und hat Salpis Tatar und Emirlar besetzt. Auch der Riickzug nach Südosten längs der Stambuler Straße ist bereits durch die auf Jskönderkiöj vorrückenden Kolonnen abgeschnitten.
Bei Kirk-Kilisie.
Frankfurt a. M., 28. Oktbr. Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel vom 27., 10 Uhr nachts: Nach hier einge- ttoffenen offiziellen Berichten hat die Division Hilmi die Bulgaren unter empfindlichen Verlusten 3 Stunden über Kirk-Kilisie zurückgeworferr.
Keine Grausamkeiten.
Sofia, 26. Oktbr. Die bulgarische Telegraphenagentur setzt der von ttirkischer Seite aufgestellten Behauptung, daß die Bulgaren auf ihrem Vormarsch in der europäischen Türkei mohammedanische Dörfer verbrennen und unter der mohammedanischen Bevölkerung Gemetzel anrichten, die schroffste Verneinung entgegen. Im Gegenteil, alle Gemetzel und Brandstiftungen seien von den türttschen Truppen auf ihrem Rückzüge begangen worden ,während die bulgarischen Truppen alle nur denkbaren Rücksichten gegen die Gefangenen und die wenigen Mosltm üben, die ihre Wohnstätten nicht verlaßen haben. Die türkischen Meldungen verfolgen den Zweck, an bulgarische Greueltaten glauben zu machen und dadurch in der Meinung Europas eine der gerechten Sache der Balkanstaaten ungünstige Stimmung hervorzurufen. Die aus der gleichen Quelle stammenden Nachrichten über unausgesetzte bulgarische Niederlagen und türttsche Siege find gleichfalls Erfindungen und von dem Gedanken geleitet, die öffentliche Meinung zu täuschen und verdienen nicht einmal de- nrentiert zu werden. Endlich sind die immer wieder von Konstanttnopel ausgehenden Meldungen, daß Leichen türkischer Soldaten von Bulgaren verstümmelt werden, vollkommen falsch.
Die Beute von Kirk-Kilisie.
Sofia, 38. Oktbr. In den Forts von Kirk-Kilisie wurde eine beträchtliche Menge Munition vorgefunden. Auch zwei Flugzeuge wurden erbeutet. Die Straßen, die von Kirk-Kilisie gegen Südost rmd Westen führen, sind bedeckt mit Gepäck, Munition, Wagen aller Art, Uniformen und Kleidungsstücken.
Sofia, 26. Oktbr. Die Bulgaren haben bei Kirk-Kilisie Schnellfeuerbatterien samt Munitionswagen, ferner eine große Menge Patronen, 18 gewöhnliche Geschütze, 12 Belagerungsgeschütze, im ganzen 58 Stück erobert; ferner fielen ihnen mehrere Lebensmittel- und Uniformlager in die Hände.
Der Sieg von Kumannowo.
Belgrad, 26. Oktbr. Der Einzug des Kronprinzen kn UesküS vollzog sich feierlich. Die Konsuln wohnten dem Empfange in voller Uniform bei. Nachmittags nahm der Kronprinz an einem Gottesdienste in der serbischen Kirche teil. Die amtliche Mitteilung Wer die Einnahme von Ueskiib spricht davon, daß die Türken aus UeskW geflohen seien.
Belgrad, 27. Oktbr. Seitdem gestern abend der Fall bezw. die Ergebung Aeskübs in Belgrad bekannt ist, herrscht hier großer Jubel, ohne zu Ausartungen zu führen. Heute nachmittag findet auf dem Theaterplatz eine große Kundgebung aus Anlaß der großen Erfolge der letzten Tage statt. Viele Häuser tragen Flaggenschmuck ,abends soll illuminiert werden. Am Nachmittag aber wird wieder, wie immer in den letzten Tagen, der größte Teil der Stadtbevölkerung auf die Transpotte von Verwundeten bei Kumanowo warten und nach dem Schicksal der Angehörigen fragen.
Vom serbischen Kriegsschauplatz.
Belgrad, 28. Oktbr. Nach einem amtlichen Bericht hat der Angriff der Serben unter den türttschen Truppen bei Kumanowo eine derartige Verwirrung hervorgerufen, daß die türttschen Führer jede Gewalt über die Truppen verloren und der Rückzug in wilde Flucht ausartete. Prinz Arsen nahm mit serbischer Ka- vallerie die Verfolgung auf. Die Türken liefen zu den Geschützen zurück und retteten durch Durchschneiden der Stränge die Ee- fpanne. Wie verlautet, soll auf türkischer Seite Schefket Pascha die Schlacht selbst geleitet haben.
Die Kämpfe der Montenegriner.
Njeka, 26. Oktbr. Die montenegrinischen und serbischen Truppen haben sich gestern in Sjenitza vereinigt, im Sandschak Nowi Basar, wo eine freudige Begrüßung erfolgte. In Cetinje und Njeka erweckte die Mitteilung große Begeisterung. Kronprinz Danilo hat sich gestern früh zum Tarabosch begeben. Die Ope- rattonen ruhten gestern wegen des Regens. Heute früh versuchten die Türken einen Gegenangriff. Es entwickelte sich ein Kampf, deßen Ausgang noch unbekannt ist. Der König begab sich heute morgen in Begleitung des österreichisch-ungarischen und des italienischen Militärattachees, des serbischen Generals Ata- naskowitsch und der diplomatischen Vertreter der Balkanstaaten auf das Schlachffeld. In Rjeka verlautet, der König habe durch einen Parlamentarier dem Oberbefehlshaber in Skutari Vorstellungen machen laßen, daß weiterer Widerstand nutzlos sei, daß überflüssiges Blutvergießen vermieden und die llebergabe vollzogen werden möge. Skutari, das von der Außenwelt vollständig abgeschnitten ist, habe bisher die Aufforderung unbeantwortet gelassen.
Cetinje, 27. Oktbr. Der König hat das Hauptquartier in Wraka aufgeschlagen, dem Prinzen Mirko wurde die Führung der Brigade Zeltske Brdska feierlich übergeben. Es herrscht freudige Stimmung ob der gemeldeten Vereinigung mit den Serben im Sandschak. Am Tarabosch waren gestern keine bedeutenden Vorgänge zu verzeichnen; die Türken haben einen
28. Ottob« fünftägigen Waffenstillstand nachgesucht, desien Gewährung zwei, seiest ist.
Die Griechen in Epirus.
Athen, 26. Oktbr. Nach dreitägigem hartnäckigen Kampf haben die Türken die Stellungen bei Kiaffa in Epirus aufge- gebsn. Sapuntsakis sandte einen Teil der Truppen nach Philip- piades, einen andern nach Strewina. Vor dem Rückzug begingen, wie man hier erzählt, die Türken Grausamkeiten gegen Frauen unb Kinder und erschossen 25 junge Leute aus dem Dorfe Kumtsades (?).
Athen, 27. Oktbr. Hier ist folgendes Telegramm des Generals Sapuntsakis aus Arta eingetroffen: Unsere Armee hat gestern abend Philippiades, Luros, Lewtherochori, die Brücke über den Lurosfluß und darauf Strewina eingenommen. Die türkischen Truppen befinden sich auf dem Rückzug und haben große Mengen von Munition, Lebensmitteln und Kriegsmaterial zurückgelassen. Ein türkischer Offizier und zwölf türkische Solbaten wurden gefangen genommen. Ich habe die nötigen Befehle gegeben, um die Sicherheit der Bewohner des eroberten Landes ohne Unterschied der Religion zu gewährleisten.
Konstantinopel, 26. Oktbr. Maßgebende Nachrichten bestätigen, daß die griechische Armee, die auf dem Vormarsch nordwestlich von Arta begriffen war, gänzlich zurückgeschlagen worden ist. Die Griechen mußten Strewina aufgeben und die Höhen von Eribowo räumen. Die ganze griechische Armee geht in der Richtung auf den Attafluß zurück. Die Türken erbeuteten eine Menge Lebensmittel.
Konstantinopel, 27. Oktbr. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgende amtliche Meldung aus Janina: Um den Feind in das Innere zu locken und ihn dann zu vernichten, hat die-Militärverwaltung die Kasa Luros absichtlich ohne Truppen gelassen. Die Türken unternahmen am 23. d. Mts. einen Angriff auf Kumdjadis und die Höhen von Eribowo. Die Höhen wurden sämtlich wieder genommen. Dor Feind, der bedeutende Verluste erlitten hat, wird eifrig verfolgt. (Der schroffe Gegensatz dieser Meldung zu den griechischen dürfte sich zum Nachteil der Türkei lösen.)
Die Haltung der Mächte.
Konstantinopel, 27. Oktbr. Die Botschafter stehen in dauernden: Meinungsaustausch über die Aussichten eines etwaigen Eingreifens nach einer entscheidenden Schlacht. Von türkischer Seite verlautet, sie hätten bei ihrer letzten Rücksprache mit dem Minister des Aeußorn ihn nicht, mehr so völlig ablehnend in dieser Beziehung gefunden.
Mie«, 27. Oktbr. Die heutigen Morgenblätter bestätigen die amtliche Auffassung, daß an der Statusquo-Politik Oesterreich- Ungarns trotz der Siege der Balkanstaaten festzubalten sei. Die „Reichspost", deren geäußerte entgegenstehende Ansicht größtes Auffehen gemacht hat, gibt die amtliche Anschauung heute folgendermaßen wieder:
„Die Richtlinien der Politik Oesterreich-Ungarns haben bisher Veränderungen nicht erlitten. Sie läßt sich nach wie vor vom Gesichtspunkt leiten, daß eine territoriale Veränderung auf dem Balkan vermieden und der Wille der Großmächte auch weiterhin beachtet werde. Voll und ganz fühlt Oesterreich-Ungarns Diplomatie die Verpflichtungen, die sie in Fragen des Balkans hat, als deren Ausdruck ihre gemeinsamen Schritte bei den Balkanstaaten anzusehen sind. Bei dieser streng loyalen Haltung hält sich die Monarchie nicht für berechtigt, einseitig neue politische Programme zu entwickeln. Daß die Monarchie aber entschloßen ist, ihre vitalen Interessen auf dem Balkan, sollten sie gefährdet werden, zu schützen, das ist von Graf Berchtold offen ausgesprochen worden."
Zu den halbamtlichen Aeußerungen dieser Art gehört auch eine im „Neuen Wiener Tagblatt" abgedruckte, offenbar wie amtlich gebilligte Darstellung des Standes der diplomatischen Besprechungen durch eine unterrichtete Pariser Persönlichkeit (Tardieu). Darin wird als Ziel der französischen Diplomatie bezeichnet die Aufrechterhaltung des Statusquo, die Eingrenzung des Krieges, 'Eingreifen zwischen den kriegführenden Parteien im gegebenen Zeitpuntt. Wiederholt wird darin das vollkommene Einvernehmen daüber sowohl unter den beiden Mächtegruppen, als namentlich zwischen Rußland und Oesterreich- Ungarn betont. Ein sehr bemerkenswertes Gespräch eines Vertreters des „Deutschen Volksblattes" mit einem österreichisch- ungarischen Staatsmann eröffnet zugleich Ausblicke auf die zukünftigen Möglichkeiten. Der Haupinhalt ist folgender:
„An Aufteilung der Türkei schon im gegenwärtigen Stadium ist nicht zu denken. Die Interessen sämtlicher Großmächte stehen einer solchen entgegen. Namentlich würde Rußland der dann un- vermeidlichne Auslieferung Konstantinopels an Bulgarien stärksten Widerstand entgegensetzen. Zweifellos rechnen aber alle Balkanstaaten auf Gebietserweiterungen. Für Oesterreich- Ungarn kommen nur Serbiens und Montenegros Ansprüche in Betracht. Diese erstrecken sich gerade auf die Gebiete, denen Oesterreich-Ungarn am wenigstens Veränderungen wünscht. Die Steinwüste des Sandschaks begehren sie, weil sie das Tor zum Aegäischen Meer zur Abkürzung des Weges nach Indien ist, das sie Oesterreich-Ungarn vor der Nase zuschlagen wollen. Für den bestehenden Zustand wären Handelsverträge mit den Balkan- staaten ein unsicherer Ersatz. Nachdem sie sich wirtschaftlich erholt haben, werden sie Oesterreich-Ungaru ganz andere Bedingungen stellen. Ein besserer Ersatz wäre ein Zollbündnis, aber ist es in Oesterreich, in Ungarn und in den Balkanstaaten durchzusetzen, und was würden Rußland und England dazu sagen? Die Beschränkung der Balkanstaaten auf Gebietserweiterungen, die Oesterreich-Ungarn vom Orient nicht abschneiden würden, wäre nur von vorübergehender Dauer, das Streben, uns vom Balkan auszuschließen ist da und wird neue Versuche machen, sich durchzusetzen . Es gibt für uns nur drei Möglichkeiten: entweder Aufrechterhaltung des Statusquo in unserer Interessensphäre auf dem Balkan oder ein langfristiges Zollbündnis mit den Balkan- staaten oder Abdankung unserer Balkanpolitik. Neben der zweiten und dritten'läuft noch die vierte, daß staatliche Neubildungen im Süden sich zu Mittelpunkten gestalten, nach denen unsere Südslawen ohne Unterschied des Glaubens gravitieren würden.
Berlin, 26. Oktbr. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung* schreibt in ihrer Wochenrundschau: „Der Besuch, den der öfter»