Erstes Blatt
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Dle 6ge spalten« Petttzerl« oder deren Raum 20 Pfg. tm Reüametetl bte Zeile 60 Pfg.
Itotattonsdruck und Verlag der Buchdruckerei der verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis, vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg., für Postbezug vierteljährlich 2.10 Mk^ monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 5 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Nr. 253 NernsprechaElutz Nr. 230.
Montag den 28. Oktober F«ri,sprechanschl>ik Nr. 230. 1912
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Die heutige Nummer mW außer dem Hntertjaltuuflsblatt
13 Seiten.
Hierzu „Amtliche Beilage Nr. 8«.
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Amtliches.
Landkreis F)anau.
Für den in Großauheim heimatberechtigten Franz Antonius Kaufer, geboren am 30. Juni 1896 zu Großauheim, z. Z. in Belgien, ist die Entlassung aus hem preußischen Staatsverbande nachgesucht worden.
Hanau den 25. Oktober 1912. V 6177
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Ekiuudeue anh oerlotene ©eoeuftiinbe ic
Gefunden: 1 Taschenmesser mit braunen Schalen, 1 Portemonnaie mit einer 5 Pfg..Marke (tm Schulhof der Bezirksschule I), 1 'Kassenschlüssel, 1 weißes Taschentuch mit roten und blauen Streifen.
Verloren: 1 zweireihige Korallenkette, 1 Sack mit Sellerieköpfen, 1 braunes Kindertäschchen mit Schlüsseln.
Hanau den 28. Oktober 1912.
Politische Rundschau.
Eine Kaiser-Wilhelm-Luftfahrer-SAftnug zur Unterstützung von verunglückten Militärluftfahrern und deren Hinter- blieben«« wurde aus einem, von privater Seite zur Verfügung gestellten Fonds von 100 000 Mk. mit Genehmigung des Kaisers gegründet. Nach den Satzungen können aus den Zinsen der Stiftung Unterstützungen an Offiziere, Sanitätsoffiziere , Veterinäroffiziere und Gemeinen gehörenden Personen des Soldatenstandes gewährt werden, wenn sie durch einen Unfall, der mit der Militärluftfahrt in Beziehung steh», verunglückt sind.
AuS der nationalliberalen Partei. In Königsberg hat vorgestern und gestern ein Vertretertag der nationalliberalen Partei für Ost- und Westpreußen statigesunden. Die Berichterstattung über die politische Lage erfolgte seitens des Reichstagsabgeordneten Bassermann. Der Vizepräsident des Landtages Dr. Krause, der hierauf sprach, hob am Schlüsse seiner Rede hervor, die Liberalen könnten sich nicht den Luxus erlauben, sich gegeneinander zu zerfleischen. Die national-
löeiWr «MWmt in her Marienkirche.
Hanau, 28. Oktbr.
Zugunsten des Diakonissenheims fand gestern abend in '»et Marienkirche eine geistliche Musikaufführung statt, die in hrer Wirkung auf die Zuhörer einem von hohen Gedanken mrchzogenen Gottesdienst glich. Zu allen Zeiten hat die Musik der Religion eine große Weihe verliehen, sie gewisser- naßen verinnerlicht, und große Musiker haben sich in bett Dienst der Religion gestellt. Das gestrige Kirchenkonzert hat >ie Wahrheit dieser Tatsache auch in unseren Tagen bestätigt. Andachtsvoll lauschte die Zuhörerschaft den Vortragsstücken es auserlesenen Programms, das mit dem feierlichen ymphonischen Prolog „Glaube, Liebe, Hoffnung" von R. E. Zingel durch Herrn Organist D. P a u l st i ch auf der Drgel eröffnet wurde. In der vortrefflichen Wiedergabe ieses Werkes, das in den einzelnen Motiven eine reizende Lonmalerei aufweist, zeigte der Organist wieder seine tech- nsche Zuverlässigkeit. Schöne Leistungen bot der Marien- irchenchor, der neben dem Chore „Es ist das Heil uns ommen her" im Tonsatz von I. Seb. Bach und „Liebe, die ür mich gestorben" von W. A. Mozart mit dem 23. Psalm von ^. G. Jansen erfreute. Im Zusammengehen der Stimmen, dem länglichen Guß und der den textlichen und musikalischen Gehalt rschöpfenden Durcharbeitung zeigte sich überall die kundige )and deS Dirigenten Herrn Kantors G. Wagner, der ich um den Aufschwung der kirchenmusikalischen Lebens in in lerer Stadt unverkennbare Verdienste erworben hat. Weitere Mitwirkende waren Fräulein Eleonore Kurth Alt) und Herr Studiosus Theo Paulstich (Violine), die sich ls Solisten von beachtenswertem Können erwiesen. Fräulein kurth sang neben den Arien „Macht, Ruhm und Hoheit" md „Warum betrübst du dich meine Seele" von G. Herzog daS I. Rheinberger'sche „Sehet, welche Liebe". Sag Oraan der Sängerin wendet sich freundlrcb. warm unb
liberale und die fortschrittliche Partei müßten in Ostpreußen zusammengehen.
Eine neue Verwendung des Hundes in der Armee. Seit einiger Zeit schon werden in der belgischen Armer Versuche darüber angestellt, ob sich der Hund als Zugtier (? 1) für leichte Geschütze, Mitrailleusen und Maschinengewehre eignen würde. Die Versuche sind zur vollen Zufriedenheit der belgischen Armeeverwaltung ausgefallen, und daraufhin hat sich jetzt auch der holländische Kriegsminister entschlossen, derartige Hundegespanne für das Heer der Niederlande zu verwenden.
DaS Befinden des Prinzregenten von Bayern.
München, 27, Okt. Wie die „Korrespondenz Hoffmann" mitteilt, traf Prof. Angerer am Samstag in Berchtesgaden ein und hat heute das Hoflager wieder verlassen. Von den beiden Leibärzten Angerer und Dr. v. Kastner wird bekanntgegeben: Der Gesundheitszustand des Prinzregenten ist zufriedenstellend. Der jüngste Todesfall in der königlichen Familie, an dem der Regent den schmerzlichsten Anteil nimmt, hat das Befinden des Regenten nicht wesentlich beeinflußt.
Eine zweite Zurechtweisung Lord Roberts.
London, 26. Oktbr. Der Präsident des Ackerbauamts Runciman nahm gestern in einer Rede in Yorkshire Bezug auf eine kürzlich von Lord Roberts gehaltene Rede, in der dieser einen Krieg zwischen England und Deutschland als unvermeidlich erklärt hatte. Runciman führte aus, es gebe nichts für England, um dessentwillen es in den Krieg ziehen müßte. Da es von allergrößter Bedeutung sei, niemals die öffentliche Meinung aufzureizen und niemals Mißstimmung zu erregen, bedauere er die Rede des Lord Roberts tief. Roberts habe sich um sein Vaterland große Verdienste erworben, aber damit leiste er seinem Lande lernen Dienst, wenn er in einer öffentlichen Versammlung etwas sage, was tatsächlich auf die Erklärung hinauslaufe, daß der Krieg zwischen England und Deutschland unvermeidlich sei. Runciman schloß: „Ich glaube nicht, daß dieser Krieg unvermeidlich ist, und meine, eine Aeußerung, wie die von Lord Roberts, ist nicht nur beklagenswert, und schädlich, sondern auch gefährlich, wenn sie in Deutschland Widerhall findet. Ich wünsche, daß man auch in Deutschland erfahre, daß die Aeußerung auch in England keinen Widerhall gefunden hat."
Der französisch-spanische Marokko-Vertrag.
Madrid, 26. Okt. Der jetzt abgeschlossene französischspanische Vertrag bestimmt vor allem die Tätigkeit, die Spanien in seinem Einflußgebiet auszuüben hat. Diese Tätigkeit soll darin bestehen, daß Spanien die marokkanischen Behörden bei der Durchführung von Reformen in dem genannten Gebiet unterstützt und dort für Aufrechterhaltung der Ruhe sorgt. Das Einflußgebiet im Norden hat auf der Seite von Urga die Verminderung erfahren, von der vor M^MU«»»»VW»W^«pMMWM»u»w»r«»»«vM>MW»wWI>!»»00»0«W«W8M»»>'M, ii r ............... ■ mrw^M— gewinnend an den Hörer. Sie sang, wo es die Situation erforderte, mit Begeisterung und Schwung, ohne daß ihr Vortrag jene seelische Wärme vermissen ließ, durch die der Hörer in eine glaubensvolle Stimmung versetzt wird. Herr Th. Paulstich spielte daS „Adagio religioso" von Z. I. Bott und ein solches von G. Merkel. Der junge Künstler ist nicht nur im Besitze einer sauberen Technik, sondern er verfügt auch über einen warmen Ton und seine Vorträge erfreuten durch kraftvolle und sichere Auffassung des musikalischen Inhalts. Herr Organist D. P a u l st i ch bot während des Abends noch die Choralvorspiele zu „Heiland, deine Menschenliebe" von I. G. Herzog und „Warum sollt ich mich denn grämen" von Dr. F. L. Limbert, die mit dem Feinempfinden des echten Musikers ausgeführt wurden und den weihevollen Eindruck des Kirchenkonzertes vertieften.
fiunftnerein Sonnn.
Die großen Sommeraussiellungen in Berlin, München, Paris und Wien sind am 15. Oktober geschlossen worden. Der Kunstfreund hat es auf seiner Erholungsreise meist so eingerichtet, daß er eine dieser großen Veranstal'ungen sehen konnte, er hat einen Morgen oder Tag geopfert, um die schöne Kunst auf sich wirken zu lassen. Wenn er sich heute fragt, was von dem vielen Guten und Schlechten in seiner Erinnerung halten geblieben ist, so muß er meistens einge- stehen, daß ihm damals die Masse den Kopf verwirrt und nichts von all dem Gesehenen mehr in ihm nachklingt. Es ist deshalb nur dankbar zu begrüßen, wenn sich der Vor- stand des Kunstvereins bei seiner Winterausstellung ein kleineres Programm zusammengestellt hat, ein Programm, auf dem deutlich zu lesen sein wird, nicht die Höhe der Zahl der ausgestellten Kunstwerke will bewundert sein, sondern kbialub die Qualität der eurrelueu Arbeit eines Künstler»
einiger Zeit schon die Rede war. Im Süden tritt Spanien an Frankreich einen Teil seines EinflußgebieteS ab und zwar ungefähr das Gebiet nördlich bei Dra, ausgenommen die Enklave von Jfui. Das sind die Kompensationen, die Spanien Frankreich gewährt als Ersatz für die von Frankreich kn Kongo zu Gunsten Deutschlands gebrachten Opfer. Der Vertrag wird auch eine Anzahl Bestimmungen enthalten, um Die Autonomie der französischen und der spanischen Zone zu sichern, sowie die Rechte Dritter, wie z. B. die der Besitzer der Anleihe von 1904 und 1910, der Staatsbank und des Tabakmonopols. Die Zölle in der spanischen Zone sollen keinem Einspruch Frankreichs unterliegen. Die Rechte der Besitzer der Anleihen werden so gesichert, daß Spanien für bie Zahlung der Zinsen und die Amortisation den aus seine Zone entfallenden Teil der Zölle bekommt. Di« Eisenbahn Tanger-Fez, wird einer einzigen Gesellschaft übertragen; Frankreich wird 56 Prozent deS Kapitals übernehmen, Spanien 36 und 8 Prozent sollen dritten Mächten überlassen werden. Der Verwalter soll Franzose sein. Die Gesellschaft wird zunächst Studien anstellen. Die Ausführung des Baues wird in Submission vergeben. Die Verwaltung der spanischen und der französischen Zone soll das Recht beS Rückkaufs erhalten. In Tanger wird eine besondere Verwaltung eingerichtet. Der Vertrag regelt ferner die Lag« der Franziskaner-Missionen und bie eventuelle Einrichtung von Gerichtshöfen sowie die Schutzbefohlenenfrage. Es wird leim Zollschranke für den Durchgangsverkehr für Waren errichtet und die Einnahmen aus dem Durchgangsverkehr werden durch Schätzungen festgestellt. Es wird auch festgelegt, daß die spanische Zone als die geographisch besser gelegene dem Maghzen jährlich 500000 Pesetas zu überweisen hat.
Der Kriegsbrand am Balkan.
Der bulgarische Vormarsch.
Konstantinopel, 27. Oktbr. Obgleich die Einzelheiten der Schlacht von Kirk-Kiliffe sorgsam verheimlicht werden, fahren die türkischen Zeitungen fort, sie als geplant hinzustellen und nennen den „glorreichen Rückzug vom 23. Oktober" einen strategischen Erfolg. Es ist aber doch durchgedrungen, daß es sich um eine Niederlage handelt, und daß die osmanische Armee gezwungen Kirk-Kiliffe geräumt und das Hauptquartier nach Lüleh- Vurgas verlegt hat. In gewißen militärischen Kreisen möchte man Machmud bin Gasi Muchtar, dem Sohn des Eroßwefirs, die Schuld beimeffen. Er habe selbst darauf bestanden, den Befehl über die Vorhut zu erhalten und habe gegen die Weisun- gen des Oberkommandos den Kampf angenommen. Die Armee an der Maritza hat sich, wie bereits gemeldet, seit gestern in die Befestigungen von Adrianopel zurückgezogen. Die Stadt ist von einem großen Teil der Bevölkerung, besonders den Juden und Christen, geräumt worden. Die Militärbehörden ließen auch alle Dörfer bis Baba Eski räumen. Vielfach meinen militärische Kreise, die Mißerfolge feien zum Teil durch die Haltung der
Wie alljährlich, eröffnet der Kunstverein Anfang Dezember in der Aula der Kgl. Zeichenakademie seinen Mitgliedern und Freunden eine Ausstellung ausgesuchter Kunst. Ihren Vorgängerinnen wird sich diese Ausstellung um so würdiger anschließen können, weil größte deutsche Künstler die Beschickung bereits zugesagt haben. In der Künstlerschaft Deutschlands ist bekannt geworden, daß Kunstwerke bei den hiesigen Ausstellungen dem Kunstfreund in würdiger Aufmachung gezeigt werden, weiter eine größere Anzahl von Bildern an Private verkauft und vom Kunstverein zur Verlosung angekauft werden.
Zn diesem Jahre glaubte der Vorstand keine Lithographien au feine Mitglieder verteilen zu sollen, dafür aber die Zahl der zu verlosenden Bilder zu erhöhen. Mit besonderer Freude hat der Vorstand davon Notiz genommen, daß sich einige - Mäeen bereit erklärt haben, ihren bisherigen Jahresbeitrag von 5 Mark auf 100 Mark zu erhöhen. Auch dadurch wird es möglich sein, weitere Ankäufe für Gewinne zu machen. Die Namen der gütigen Spender werden nach Abschluß der Liste veröffentlicht werden. Die Zahl der Mitglieder des Kuustvereins wächst jedes Jahr, ein Beweis dafür, daß der Hanauer sein ererbtes natürliches Kunstempfinden immer weiter zu pflegen bereit ist, was natürlich in der Heimatstadt der deutschen Goldschmiedekunst nicht weiter verwundert.
Stadttheater in Hanau.
„Die Kameliendame",
Schauspiel in 5 Akten von Alexander Dumas, Sohn.
Das fesselnde und an unserer Bühne schon oft gegeben, Schauspiel „Die Kameliendame" wurde gestern abend neu einstudiert wiederum geboten und mit großem Interesse entgegen genommen. In der Titelrolle, als „Marguerite Gau- thier", trat Frl. Alide Ballin auf, die mit jeder Silbe, jeder Nummer erstaunlich sicher die Stimmung traf. Nirgend» eine Oberflächlichkeit, überall und immer Empsiudmux. Ueber.