Erstes Blatt.
EinrSckvngsgeSVHrr
Die vgespaNene Petitzette oder deren Raum 20 Pfg. da Rettametett die Zette 60 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
Gencral-Anzeigcr
^
Amtliches Organ für AM- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezugspreis»
vierteljährlich 1.80 Ml., monatlich SVPfg„ für Post, bezug vierteljährlich 240 SJIL, monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer tostet B Pfg.
verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau,
Ri. 252 ?s«rnsvrtchanschl»tz Nr. 230.
Samstag den 26. Oktober
Fernsprechanschl-tz Nr. 230. 1912
Die Heutige Hummer mW Mn Hem MrhMWdW
38 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Hansa.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende: 1 Dienstmädchen, 2 Erdarbeiter, 1 Fahrbursche, 1 Mechaniker, 1 Monatssrau, 1 Packer, 1-Schlosser, 1 Silberschleifer, 5 landwirtschaftliche Tagelöhner, mehrere sonstige Tagelöhner und Hausburschen.
Offene Stellen. Gesucht werden: 2 Bauschlosser, 1 Bauschreiner, 1 Eisenformer, 2 jüngere Fabrikarbeiterinnen, 1 Fahrbursche, 1 Hausbursche, 2 Maschinenschlosser, 2 Poliseusen, 5 Schneider, 4 Schuhmacher, 1 Silberformer, 1 Spengler, 1 landw. Tagelöhner und 1 Waschfrau.
Hanau den 26. Oktober 1912. 26757
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Der Kriegsbrand am Balkan.
Der türkische Rückzug.
Konstantinopel, 25. Oktbr. Ein amtlicher Bericht zibt jetzt bekannt, daß die türkische Ostarmee den Rückzug mgetreten hat, nachdem sie die Bulgaren gezwungen hat, )en Vormarsch einzustellen.
Das ist natürlich nur eine Beschönigung der Sache. Henn warum eine Ostarmee den Rückzug antreten sollte, rachdem sie den Feind gezwungen hat,, seinen Vormarsch ^inzustellen, ist völlig rätselhaft. Eine weitere Meldung ms Konstantinopel besagt:
Ein Donnerstag nachmittag veröffentlichen Communi- qué des Generalstabs hat die Ungeduld des Publikums betreffend die Schlacht von Adrianopel nicht befriedigt, sondern Bedenken eingeflößt, da der als Manöver bezeichnete Rückzug als endgültig angesehen wird.
Die Erstürmung von Kirk-Kilisse.
Rach dem Urteil militärischer Autoritäten war Kirk- Tilisse stark und modern befestigt, so daß seine Einnahme iach bloß viertägigem Sturmangriff eine glänzende »ulgarsiche Waffentat bedeutet. Der Eindruck der Sieges« lachricht war daher selbst in dem Kreise der fremden Diplomaten überwältigend. Die Erstürmung der Festung oar nach den bisherigen Berichten eine Reihe aufeinander- olgender Bajonettangriffe, bei denen die Angreifer, die Bul- aren, eine beispiellose Bravour und Todesverachtung be- BHS^^—. ■!■'■ 1 '■" TI LI . , L —W—— II I 1 I ■"!
Stadttheater in Hanau.
Gastspiel des Oberbayerischen Bauerntheaters
„Die Kreuzelschreiber"
Bauenlkomödie mit Gesang und Tanz von L. Anzengruber.
Das oberbayerische Bauerniheater gab vorgestern im Hitzen Stadttheater ein Gastspiel und bot mit der Aufführung w Bauernkomödie „Die Kreuzelschreiber" einen Anzengruber- bend, der alle Besucher sichtbar befriedigte. Das schlichte mpfinden, die frohe Laune, die in dem derb und lustig gehrten Streit zwischen den Bauern und Bäuerinnen eines terreichischen Gebirgsdorfes zu Tage traten, ergriffen und heiterten die Zuschauer gleichmäßig. Die Komödie war biS die kleinsten, scheinbar unbedeutendsten Rollèn mit guten râften besetzt, deren Zu ammenwirken fein abgetönt war, daß jede Einzelheit zu ihrem Recht kam. Besonderes In« reffe erregte die eigentlich bedeutsamste Figur der Komödie, e des klugen Steinklopfrrhannes, des Dorfphilosophen, der Herrn Joseph M e t h aus Schliersee einen vortrefflichen errreter land. Daß es auch an den üblichen Zugaben nicht )lte, Schuhplatlle' tanz, Zithervorträge und Jodlerlieder ge* len wurden, muß als selbstverständlich bezeichnet werden, )bei Hervorplbeben ist, daß Frl. Hansi Etz er gesanglich ßerordeni ich in den Vordergrund trat und mit Recht hlr re Darbietungen wahre Beifallsstürme entfesselte. — Da i kommenden Montag ein nochmaliges Gastspiel statlfindet, dem die Bauernkomödie „'s Mnsikantendeaudl" zur Ans« hrung kommen wird, io ist Gelegenheit aeboten, den Dar« lungen des trefflichcir Bauerntheater-Ensembles noch ein» il anzuwohnen.
Kurhaustheater Bad Homburg v. d. H.
pr. Bad Ho 'burg v. d. H., 24. Oktbr. In unserem sigen Muienlemoet aina beute abend mit arobem Eriolae
wiesen. Die bulgarischen Soldaten konnten von ihren Offizieren nur mit Mühe zurückgehalten werden. Hier in Sofia herrscht unbeschreiblicher Jubel, endlose Fakelzüge durchziehen die Straßen.
Ein österreichischer Bericht über die Einnahme von Kirk-Kilisse.
Neber die Erstürmung von Kirk-Kiliffe emeldet der Kriegsberichterstatter der „Reichspost-, besten Berichten in militärischen Kreisen erhebliche Bedeutung beigemesten wird, folgende Einzelheiten:
Der Fall von Kirk-Kiliste wurde durch einen Nachtangriff vorbereitet, der die Bulgaren zu Herren der Festungen nördlich und nordöstlich der Stadt machte. Die Bulgaren brachten auf diesen Höhen sofort Artillerie in Stellung und beim Morgengrauen begann das Bombardement der Stadt, die in kurzer Zeit in Brand geschossen war. Gleichzeitig setzte die bulgarische Infanterie auf der ganzen Front von Demirdfina auf der Straße Mali—Tirnovo—Kirk-Kiliste über Karakotsch und Rak- lica östlich von Petra zum Angriffe auf Kirk-Kiliste an, während eine weitere Kolonne östlich über die Höhen von Jundala gegen die Straße nach Bunar Histar vorstietz. In den Weinbergen im Norden von Kirk-Kiliste entspannen sich nun zwischen den angreifenden Bulgaren und den Türken furchtbare Nahkämpfe. Die Bulgaren wurden wiederholt zurückgeworfen, setzten jedoch immer wieder von neuem zum Sturm an. Das Eros der Türken hatte bereits im Laufe der Nacht den Rückzug auf Bunar Histar sowie tn südlicher Richtung angetreten. Um 10 Uhr • vormittags drangen die ersten bulgarischen Truppen durch die Weingärten nordwestlich von Kirk-Kiliste in die Stadt, wo sich ein furchtbarer Straßenkampf entspann. Schon nach einer Stunde machet Kampf entschieden. Die Bulgaren waren Herren der Stadt. Trotz allgemeiner Erschöpfung der Truppen wurde sofort die Verfolgung der Türken ausgenommen, während starke Kolonnen einen Vorstoß über Uesküb auf Funer Hisar unternahmen, um den Rückzug der türkischen Truppen abzuschneiden. Von großer Bedeutung wird jetzt das Vorgehen der durch die Waldzone an der Küste bei Viza vorrückenden bulgarischen Streitkräfte sein, da durch diese den Türken der Weg nach Konstantinopel vollständig verlegt werden kann. Die türkischen Hauptkräfte, welche bei Kirk-Kiliste im Kampfe standen, haben den Rückzug auf die zweite Verteidigungsstelle am Ergonefluste angetreten.
Diese Gefahr, daß dèn Türken der Weg nach Konstantinopel verlegt werden kann, ist allerdings groß, sobald die an der Küste entlang über Visa vorrückenden bulgarischen Truppen stark genug find, ihren Gegner festzuhalten. Ob
Röslers bekanntes Lustspiel „Die fünf Frankfurter" als erste Abonnementsvorstellung über die Bretter. Das Stück hat sich in kurzer Zeit so ziemlich alle Bühnen von Bedeutung erobert, und es gelang auch, das neuartige Mileu-Lustspiel auf dem Repertoir zu halten. Der heutigen Aufführung war anzumerken, daß die Rollen alle „saßen"; der Gegensatz zwischen dem Walten der „Legitimität des Geldes" und der Geburt kam sehr vorteilhaft zum Ausdruck. Gleichsam geadelt durch ihre Lebensauffassung stand in der Mitte der beiden ungleichnamigen Pole die alte Frau Gudula. Wer den Wert einer Mutter zu schätzen weiß und an den Segen glaubt, den sie in fürsorglicher Liebe ihren Kindern spenden kann, der muß an der verehrungswürdigen Greifin seine Freude haben, die von Frau Franziska Hesse in sicheren Strichen lebensecht gezeichnet wurde, als eine Mutter, die im Glücke ihrer Kinder höchste Befriedigung findet. Von den Söhnen erschien das Jaköble (Herr Axel Kubitzky) weise nach der Gefühlsseile hin abgetönt, und der Anselm (Herr Bruno Palitsch) charakteristisch in allen Einzelheiten sehr gut gespielt. Herr Georg Land gab dem Karl eine entsprechende Maske und die wohlberechnete Geste. Auch die zwei anderen Brüder (Herr Dr. Ad. Stef ft er und Herr Martin Wieberg) hielten sich von Uebertreibungen frei, sodaß das Quintett der Frankfurter der Harmonie der Zusammengehörigkeit wirklich nicht entbehrte. Der Herzog vom Taunus wurde dtirch Herrn Wilhelm Holtz recht wirksam verkörpert. Frl. Helly Michel spielte das Loitchen. Sie umkleidete ihr Spiel mit vollem R-ft ju tknd'i sicher Liebenswürd gkeit. Auch die ü 'rigen Mil- wirfrn^eu fügten sich in das Gesamtspiel recht gut ein, sodaß uns als erste Abonnementsvorstellung eine abgerundete Aufführung geboten wurde, die an Szenerie und Spiel nichts zu wünschen übrig ließ. — Die Regie lag in den bewährten Händen des Herrn Dir. Adalbert Steffi er, der die Vorstellung mit Umsicht und Verständnis leitete.
man im bulgarischen Hauptquartier dem Vertreter der „Reichspost" für diesen Hinweis gerade besonders dankbar fein wird?
Die Kampfe gegen die serbische Armee.
Ueber die Kämpfe bei Kumanowo und Uesküb siegen genauere Meldungen auch noch nicht vor. Ja, es steht auch nicht einmal fest, ob die Türken oder die Serben Sieger in dem Kampf geblieben find, da von beiden Seiten immer nur über belanglose Einzelheiten berichtet wird, während man bei einem wirklichen Siege doch wohl mit der Wahrheit nicht zurückhalten würde. So wird aus Belgrad gemeldet:
Privatmewungen zufolge sollen bei Kumanowo drei türkische Batterien vernichtet und 17 türkische Geschütze erobert worden sein. Aus Novibasar eingetroffene Privatnachrichten besagen, daß die Albanesen gestern früh einen Gegenangriff auf die Stadt unternahmen, aber mit großen Verlusten zurückgeschlagen wurden.
Aus Konstantinopel wird dagegen nur gerüchtweise gemeldet: Auch in der Gegend von Kirtschali wurden große Gefechte geliefert. Die türkischen Streitkräfte ergriffen in der Richtung auf Dschumai-Bala über Marewo und Egri- Palanka die Offensive. Die Kämpfe mit den Serben bei Pristina dauern an.
Roch keine Entscheidung.
Semlin, 25. Oktbr. Die Belgrader Blätter melden soeben durch eine Sonderausgabe, daß eine große serbischtürkische Entscheidungsschlacht zwischen Kumanowo und Uesküb begonnen hat. Die Türken haben angeblich nur 80 000 Mann, denen 180 000 Serben und Bulgaren gegenüberstehen. Da Uesküb gut befestigt ist und die Türken starken Widerstand leisten, dürfte die Entscheidung nicht vpr Sonntag zu erwarten sein. Die weitere serbische Blättermeldung, daß die Lage der Türken hier verzweifelt sei, wird von anderer Seite als unrichtig bezeichnet. Der dortige türkische Oberkommandant wird sich vorläufig auf die Defensive und eine möglichste Verteidigung Ueskübs beschränken, bis neue Verstärkungen herangekommen sind.
Novibasar von den Serben genommen.
Semlin, 25. Oktbr. Ueber die plötzlich erfolgte Abreise des Belgrader russischen Gesandten nach Wien schreibt die Belgrader „Tribuna", daß keine Aktion der Großmächte berufen sei, sich jetzt in serbische Angelegenheiten einzumischen, besonders jetzt, da sich Serbien anschickt, das durchzuführen, was schon längst die Großmächte nach dem Berliner Vertrag hätten tun müssen, Aus Risch wurden alle Sträflinge hierher gebracht, da das dortige Strafhaus zum Krankenhause eingerichtet wurde. Wenn gleich gestern Novibasar
Sonett Des Mgotreins „Sumset“.
Hanau, 26. Oktober.
Mit außerordentlich starkem Interesse wurde dem vorgestrigen Konzerte des Gesangvereins Sumset entgegengesehen, was schon aus der ungewöhnlich regen Nachftage nach Eintrittskarten hervorging, sodaß der Vereinsvorstand mit sicherlich nicht gering zu veranschlagender Genugtuung am Vorabend die Mitteilung an die Preffe zu verschicken in der Lage war, daß der Kartenverkauf geschloffen sei. Verschiedene Faktoren haben hierzu beigetragen, so der festbegründete künstlerische Ruf des konzertgebenden Vereins, die neue Chorleitung und die im voraus als glücklich zu betrachtende Wahl der Solisten. Der nunmehr unter der Leitung des Herrn K. Fr. Appel, Hanau, stehende Verein bot wohleinstudierte, musikalisch wertvolle Chöre, die bisher hier nodj nicht zum Dortrage gebracht worden sind. Schon der Eingangschor „Gebe t" aus „Iphigenie auf Tauris" von Ch. W. Gluck war eine mustergültige Darbietung, die feierliche Stimmung hervorrief durch großzügige Schattierungen in Deklamation und Dynamik und durch eine einheitlich gestaltete, sehr weiche und seelenvolle Tongebung, selbst beim Forte. Die Freilegung unvermuteter, in den Akkorden des Chores ganz versteckt liegender Nachahmungen einzelner Stimmen, ohne daß der glatte Guß und der Charakter des Ensembles im geringsten verändert wird, gelang vorzüglich. Dasselbe ist auch vsm zweiten Chor „A D e, i ch muß mich scheiden" von Friderici-Dolbach zu berichten. Nur mit derartiger musikalischer und gesangstech, nischer Behandlung des Männerchors kann man an das Wagnis herantreten, einen solchen Chor mit seinen altertümlichen Harmonien und ebensolchen harmonischen Wendungen und Einsätzen vor ein Auditorium zu stellen, für das jene Klänge aus längst vergangenen Zeiten naturgemäß etwas Fremdes und Ungewohntes haben müssen. Aber