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vierteljährlich 1.80 Mt., monatlich 60 Pfg.. für Postbezug vierteljährlich 2.10 Ml., monatlich 70 PfL Die einzelne Nummer kostet 8 Pfg.
verantwort! Redakteur: E. Schrecker in Hanan.
Ri. 251 Mernspr-chanschlutz Nr. 230.
Freitag den 25. Oktolier
Fernsprechanschluß Nr. 230* 1912
Sie heutige Kummer «mW Mr dem lluterfjaltuiigsMatt
16 Seiten.
Amtliches.
Landkreis Hansa.
Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 29 von Station 10,2—11,4, d. i. von dem Orte Gronau bis an den Weg nach dem Dottenfelderhof, von Freitag den 25. Oktober bis zum Samstag den 2. November d. Zs. für Fuhrwerke mit über 20 Zentner Ladegewicht sowie für Kraftfahrzeuge aller Art hiermit polizeilich gesperrt.
Hanau den 23. Oktober 1912. V. 6120
Der Königliche Landrat.
Frbr. Laur.
Diejenigen Ortspolizeibehörden, welche mit der Erledigung meiner Kreisblattverfügungen vom 23. bezw. 28. vor. Monats — V.'5570 und V. 5632 — betreffend Vorlage der Nachweisungen über die» für das Jahr 1913 beantragten Wandergewerbescheine im Rückstände sind, ersuche ich, mir diese Nachweisungen nunmehr umgehend, spätestens binnen 6 Tagen, vorzu legen.
Hanau den 23. Oktober 1912. V. 5632 II
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Dienstnachrichten.
In Albstadt, Kreis Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche wieder erloschen.
Hanau den 24. Oktober 1912. V. 6161
6e|unbene unh verlorene SeMM it
Zugelaufen: 1 graubraune Bulldogge mit weißer Brust, männl. Geschl.
Verloren: 1 kl. Marine-Kindermantel.
Hanau den 25. Oktober 1912.
Politische Rundschau.
Der Kaiser in Weimar.
Weimar, 24. Okt. Der Kaiser mit Gefolge ist um 10 Uhr 30 Minuten hier eingetroffen. Zum Empfang auf Stern Bahnsteig hatten sich der Großherzog mit Gefolge, der fum Ehrendienst kommandierte Oberschloßhauptmann Graf Hinck o. Finckenstein und der preußische Gesandte Graf Wedel ungesunden. Der Kaiser, der Hofjagduniform trug, begrüßte >en Großherzog auf daS herzlichste. Der Kaiser und der droßherzog begaben sich dann, vom Publikum lebhaft be- rüßt, im Automobil durch die reichgeschmückte Stadt nach rtiersberg zur Fasanenjagd. Das Weiter ist schön. Nach ^tterëberg hatten sich vom großherzoglichen Schloß direkt egeben: die Großherzogin, Herzog Ernst Günther von öchlkSwig-Holstein mit Gemahlin und Prinz Albert von oachsen-Weimar.
Prinzessin Rupprecht von Bayern f*
München, 24. Oktbr. Prinzessin Rupprecht von Bayern t heute nachmittag in Sorrent in Italien gestorben.
München, 24. Oktbr. Der Tod der Prinzessin Rupprecht t ganz plötzlich eingetreten. He'zparalyse hat ihrem Leben n Ende gemacht. Die Prinzessin war anfangs Oktober mit rem Gemahl nach Italien gereist, wo sie, nachdem Prinz upprecht am Samstag hierher zurückqekedrt war, noch einige glienische Städte besuchen wollte. In Sorrent ereilte sie 'uk nachmittag der Tod. Prinz Rupprecht wird heute »cht mit dem Berliu-Rom-Expreßzug nach Sorrent abreisen.
Englisches Unterhaus.
London, 24. Oktbr. Auf eine Anfrage Carlyles im iterhauie, ob die türkische Regierung der briii'chen Regie- ng Zusicherungen über die dauernde Offenhaltnng der ardanellen gab, antwortete Sir Edward Giey : „Wir sind s der schweren Unzuträglichkeiten bewußt, die die Schließung r Straße dem britischen Handel bereiten müßte. Wir tun aau wie bei früheren Gelegenheiten alles Mögliche, dem urralen Handel die Durchfahrt zu sichern. Aber ehe ich »gültig sagen könme, es sei keine Gefahr vorhanden, daß Dardanellen geschlossen würden, wäre daS Einverständnis t den beiden kriegführenden Parteien notivendig. Wir len mit den beiden kriegführenden Parteien in Verbin- ng, aber da das Haus weiß, was sich in diesem Jahre ignete, ist es sehr schwer, vollkommen sicher au fein über
das, was sich weiterhin zutragen wird". Greenword fragt an, ob Italien nach dem Friedensvertrag die besetzten Aegäischen Inseln an die Türkei zurückgeben werde, nnd wenn dem so sei, ob Grey seinen Einfluß dahin geltend machen wolle, daß diesen Inseln das Recht der Selbstverwaltung gewährleistet werde und das ihre Einwohner von Nepresfivmaßnahmen, die, wie berichtet wird, ihnen angedroht werden, geschützt würden. Grey erwiderte: Ich habe den vollständigen Text des Vertrages noch nicht erhalten, aber ich hörte, daß die Inseln seinerzeit von Italien an die Türkei zurückgegeben werden sollen und zwar unter gewissen Garantien hinsichtlich ihres Status, an dem alle Mächte das gleiche Interesse haben. So viel ich weiß, liegt kein Grund vor, zu glauben, die Einwohner der Inseln seien mitRepresfivmaßnahmen bedroht worden. Grey beantwortete sodann Anfragen über den Stand der Dinge in Südpersien und erklärte: Es wäre uns möglich, die Belästigung des Handels auf den Seestraßen zu unterbinden, wenn wir die zu ergreifenden Maßnahmen in unsere Hand nehmen würden. Das würde aber ein Mittel sein, das vielleicht ernstere Folgen nach sich ziehen würde als die Belästigung des Handels. Deshalb besteht alles, was wir tun können, darin, daß wir soweit als möglich die persische Regierung bei allen Maßnahmen ermutigen, die sie trifft, um die Belästigung des Handels zu beseitigen.
Der Kriegsbrand am Balkan. Die Ksmse bei MmWl unb Kirl-Kilisje.
Ein österreichischer Kriegsberichterstatter über die Kämpfe bei Adrianopel.
Wien, 24. Oktbr. Der Kriegskorrespondent der „Reichs- post" bei der bulgarischen Armee sendet folgendes Telegramm aus Arianopel vom 23. Oktober: „Die entscheidende Frage der Schlacht von Adrianoprl und Kirk-Kiliffe hat gestern begonnen. Die direkt auf Adrianopel angesetzten Divisionen der 1. Armee unter General Iwanow haben den Angriff auf die Position von Adrianopel in zwei großen Gruppen durchgeführt. Gleichzeitig griff im Westen die Maritzagruppe über die Kirche von Kadinköj südlich die türkischen Linien an ber Straße von Kataldscha an. Südlich der Maritzagruppe attackierte eine starke bulgarische Kolonne die türkische Defen- fivstellung im Ardatal von Sidilli her und rollte die ganze türkische Stellung dort auf. Die Bulgaren übersetzten die Sandbänke der Arda nördlich Simenli. Dieser überraschende, mit großem Elan durchgeführte Vorstoß über die Arda rief unter den Türken eine furchtbar« Panik hervor und unter Zurücklassung von über 100 Toten und 160 Gefangenen traten sie einen regellosen Rückzug auf Adrianopel an. Heute, am 23. Oktober, bei Morgengrauen wurde auf der ganzen Linie der Kampf wieder ausgenommen. Dte bulgarische Nordgruppe nahm mehrere Vorwerke von Adrian opel mit dem Bajonett und drang ebenso wie die übrigen Truppen, weiter gegen die Festung vor. Gegen 11 Uhr vormittags gingen jetzt die Türken mit großer Tapferkeit zum Gegenangriff über, und zwar in nordöstlicher Richtung mit der allgemeinen Direktion auf Arnautköj. Obwohl sie von der Artillerie kräftig unterstützt wurde, wurde doch dieser Angriff mit großen Verlusten zurückgeworfen und der fluchtartige Rückzug der türkischen Angriffs- truppen riß auch die Besatzungen mehrerer Vorwerke mit sich. Die Bulgaren folgten den fliehenden Türken auf der ganzen Linie. Es gelang auch dem heftigsten Feuer der türkischen Festungsgeschütze nicht, das Vordringen der bulgarischen Regimenter aufzuhalten. Gegenwärtig find bie bulgarischen Linien bereits unmittelbar vor die Hauptwerke der Festung gelangt. Die Verluste der Türken sind ungeheuer: namentlich während des Rückzuges wirkte das Schnellfeuer der vorzüglich postierten, bulgarischen Artillerie verheerend in ihren Reihen und schmetterte ganze Truppenteile nieder. Auch der Hauptstoß der bul tauschen Ostarmee auf Kirk-Killisse schreitet erfolgreich vorwärts. General Dmitriciv hat seine Armee tbeftlich und östlich von b’er Straße von Tirnowo -Kirk-Kilisse zum Angriff angesetzt. Die entscheidenden Kämpfe auf diesem Flügel haben heute begonnen und man hoff,, Kirk-Kilisse in drei Tagen einznnehmen, worauf die Offensive nach Süden fortgesetzt und die westliche Gruppe der türkischen Armee, sowie Adrianovel von Konstantinopel abgeschnitlen werden sollen. Den Aussagen der türkischen Gefangenen zufolge, herrscht in der türkischen Armee von Kirk-Kilisse große Unruhe. Der Aufmarsch war im Moment des überraschenden, bulgarischen Angriffs noch unvollendet, so das auch ein Vorwerk von Kirk-Kilisse im ersten Anlauf von den Bulaaren genommen wurde." Derselbe Korrespondent
berichtet unterm 24. Oktober ergänzend: „Bei den Angriffen gegen die Nordwestfront von Adrianopel auf die Werke von Karagos und Kataldscha erzielte die bulgarische Artillerie sehr große Erfolge; sie schoß vorzüglich und bracht schon nach kurzem Kampfe eine feindliche Batterie zum Schweigen. Die türkischen Werke haben stark gelitten; der gleichzeitige Angriff der Nordgruppe auf die Werke bei dem Meiherhof westlich Arnautköj endete nach erbittertem Kampfe mit der Einnahme der türkischen Werke. Erst die Dunkelheit machte hier dem rasenden Kampfe ein Ende, welcher zum Schluß in ein kolossales Artillerieduell übergegangen war. Der erfolgreiche Vorstoß der bulgarischen Kolonne .südlich der Arda führte diese bis Korekkö, das nur vier Kilometer westlich der Eisenbahnstation Adrianopel liegt. Hier wurden drei Werke von Adrianopel genommen.
Kirk-Kilisse von den Bulgaren genommen.
Sofia, 24. Oktbr. Soeben ist die amtliche Meldung eingetroffen, daß die Festung Kirk-Kilisse mit 30 000 Mann von den Vulgaren eingenommen worden ist.
Das ist die erste bestimmte Meldung über den Ausgang des Kampfes. Ob Kirk-Kilisse erstürmt worden ist oder kapituliert hat, wird freilich nicht gesagt. Auf alle Fälle ist es eine vernichtende Niederlage der Türken, wenn sich die Meldung bestätigt.
Sofia, 24. Oktbr. Die Einnahme von Kirk-Kilisse erfolgte um 11 Uhr vormittags. Die türkischen Truppen zogen in Unordnung gegen Bunar Hisar zurück.
Sofia, 24. Oktbr. Als die Nachricht von der Einnahme von Kirk-Kilisse bekannt wurde, zog eine große Menschenmenge, die Fahnen der verbündeten Nationen tragend, durch die Stadt und veranstaltete vor der griechischen, serbischen russischen und englischen Gesandtschaft, vor dem königlichen Palais und vor dem Militärkafino Kundgebungen. Es wurde die Nationalhymne gesungen und überall wurden Freudenrufe gehört. Als die Manifestanten auf der Straße dem griechischen Gesandten Pamas begegneten, hoben sie ihn auf die Schultern. Die Glocken aller Kirchen läuteten, die Stadt ist beflaggt. Morgen finden im ganzen Königreich Seelenmessen für die gefallenen Vulgaren statt. Gleichzeitig werden Dankgottesdienste für die Erfolge der bulgarischen Waffen gehalten werden. Bei der Einnahme von Kirk-Kilisse haben die Bulgaren zahlreiche Gefangene gemacht.
Eine serbische Niederlage bei Kumanowo.
Bor der entlang der Bahnlinie Nisch—Ristowatz—Uesküb vorrückenden serbischen zweiten Hauptarmee, bei der sich auch König Peter befindet, haben sich die Türken immer weiter nach Süden zurückgezogen, die Eisenbahnbrücken hinter sich zerstörend. Das scheint aber nicht gründlich besorgt worden zu sein, denn serbische Meldungen berichten, daß die Brücken sehr bald wieder fahrbar gemacht worden seien. Vielleicht aber haben die Türken damit gerechnet, daß sie selber noch einmal die Bahn nach einem Siege über die Serben gebrauchen könnten. Bei Uesküb, dem wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt, war eine Schlacht zu erwarten, da die Türken andernfalls die von Uesküb nach Mitrowitza führende Bahn preisgegeben hätten. Auf Uesküb rückte auch die über Küstendill und Egri Palanka aus Westbulgarien anmarschierende erste serbische Armee, die mit bulgarischen Truppen gemischt ist, vor.
Aber nicht bei Uesküb, sondern nördlich davon bei Kumanowo, wo der türkische Rückzug zum Stehen gekommen ist, hat der entscheidende Zustammenstoß stattgefunden. Und zwar scheinen die Serben hier völlig geschlagen zu sein. Denn es wird berichtet:
Konstantinopel, 24. Okt. Amtliche Meldung früh 9 Uhr 45. Die bei Kumanowo zusammengezogene türkische Ostarmee griff die Serben, die 4 Divisionen stark waren, an. Die Serben wurden unter ungeheuerem Verluste vollständig geschlagen.
Eine serbische Meldung über diesen Kampf fliegt noch nicht vor. Aber es ist wohl kaum anzunrhmen, daß diese so bestimmt lautenbe Meldung aus Konstantinopel ein Schwindel sein kann. Hiernach hätten die Türken allein die serbische Hauplarmee geschlagen, die allerdings zwei Korps st a n sein mag. Die erste serbische Armee mit den ihr zugehorenden bulgarischen Truppen scheint nicht an dem Kampfe teil- genommen zu haben. Wenigstens wird in bet lakonischen Meldung ans Konstantinopel nicht« davon gesagt. Sie muß aber vom Osten her in Anmarsch auf Kumanowo sein, und so steht den türkischen Truppen dort vielleicht noch ein Kampf mit ihr bevor. Im übrigen deutet das plötzliche Versiegen alter Meldungen vom Kriegsschauplätze darauf hin, daß jetzt wirklich entscheidende Kämpfe stattfinden.