Erstes Blâ
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
Elnrvckungsgevvhrt
Die Vgefpakkene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReüameteU die Zeile 50 Pfg.
Vezugspreio, vierteljährlich 1.80 Bit, monatlich 60 Pfg., ffr Post, bezug vierteljährlich 240 Bit, monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.
Amtlichkg Organ für Stadt- und FaudLreis lamm
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: C. Schrecker in Hanau,
^ernsprechanschlus; Nr. 230
Freitag den 18. Oktober
Ferrrsprechaitschlutz Nr. 230,
1912
Dit Mt Kummer mW Mn dm ünltSltwliliitl
14 Seiten
Wmdent md uerlorene SegWönde it.
Gefunden: 1 Taschenmesser, 1 kl. Paketchen mit der Aufschrift „zur Auswahl" — M. 10,50.
Verloren: 1 silbernes Armband mit Inschrift Kurl 1911.
Entlaufen: 1 Vernhardinerhund männl. Eeschl., braun-weiß, 1 Wolfspitz, gelb-weiß.
Zugelaufen: 1 grauer Wolfshund mit gelben Füßen.
Hanau den 18. Oktober 1912.
Lier Kriegsbrand am Balkan.
Geschichtliches zum Balkankriege.
Der Kampf am Balkan ist entbrannt. Schon jetzt drängen in den Zeitungen die Meldungen von den verschiedenen Kriegsschauplätzen alles andere in den Hintergrund. Ueber den Ereignissen des Tages wollen wir die großen Linien der Geschichte nicht vergessen.
'Im 10. Jahrhundert waren die seldschukischen Türken oon den Kirgisensteppen am Aralsee aufgebrochen und nach Lochara ausgewandert, wo sie sich zum Islam bekehrten. Als Borfechter der Religion Mohammeds drangen sie über Persien nach Bagdad zum Sitz des arabischen Kalifats vor. Hier erzwangen sich ihre Führer als Emire al Omra des Kalifen die unumschränkte militärische Gewalt. Ihr darauf folgender Kampf gegen das griechische Kaisertum in Byzanz war dadurch von welthistorischer Bedeutung, daß er die Kreuzzüge hervorrief. Zu deren für den Occident unglücklichen Ausgang trug wesentlich bei, daß die Türken während des ersten Mongolensturms im 13. Jahrhundert, der Bagdad zerstörte, ihre inneren Kräfte aufs neue in Syrien, Palästina und Aegypten sammelten. Aus den von den Mongolen nach Westen gedrängten seldschukischen Türken gingen die osmanischen Türken in Bithynien hervor. Während diese in Kleinasien ihre Macht ausbreiteten, erstand am Balkan ein serbisches Königreich, das auch über Mazedonien herrschte. Aber nur kurze Zeit. In dem Wettstreit zwischen Türken und Serben um die mazedonischen und thra- zischen Gebiete (Ostrumelien) blieben die Türken Sieger. Murad I. schlug seinen Herrschersitz in Adrianopel auf, wo ein Jahrtausend früher die Goten vor ihrer Verdrängung durch die Hunnen gesoffen und dem römischen Kaiser Valens eine blutige Schlacht geliefert hatten. Auf dem Felde von Kosiowo 1389 geschlagen, gerieten die Serben in die osma
Konzert des Moomins „londlâthe".
Das am 31. Oktober er. im Saale der „Centralhalle" in Aussicht genommene Konzert des Gesangvereins „Tonblüthe" verspricht nach den in die Wege geleiteten Vorbereitungen einen künstlerischen Genuß. Was das Konzert, neben der idealen und edlen Aufgabe welche sich der Sängerchor gestellt hat, noch besonders anziehend und wertvoll gestaltet, ist die Mitwirkung der Solisten, welche einen echten Kunstgenuß zu bieten imstande sind, Frau Margarethe Brieger-Palm, Konzertsängerin (Mezzo-Sopran), Berlin und Herr Eugen Brieger, Konzertsänger (Bariton), Berlin. Wenn wir in unserer ersten Ankündigung vom 1. d. Mts. versprachen, auf die Leistungen dieses Künstlerehepaares noch einmal zurückzukommen, so sind wir heute in der angenehmen Lage, aus der großen Anzahl der uns vorliegenden Kritiken einige herausgreifen zu können.
„Allgemeine Musikzeitung", Berlin: Mit reichen künstlerischen Eindrücken schied ich von dem Liederund Duett-Abend des Ehepaares Eugen und Margarete Brieger. Bei beiden Ehegatten berührt die geschmackvolle und von starker künstlerischer Intelligenz getragene Art des Singens ungemein sympathisch.
„Reichs anzeig er", Berlin: Das Künstlerehepaar Margarete und Eugen Brieger fand gleichzeitig im Veethovensaal mit seinem Lieder- und Duettabend infolge der beiderseitigen trefflichen Gesangesgaben, des harmonischen Zusammenklingens der Stimmen (Mezzosopran und Bariton) sowie des belebten Vortrages den gewohnten Beifall. Von den zahlreichen Liedern mußten „Du hast mich lange warten lasten" (Posa) sowie „Waigenleedken" (Arnold Mendelssohn) von Herrn bezw. Frau Brieger auf das stürmische Begehren des vollbesetzten Saales hin wiederholt werden. Im übrigen war die lebendiae Wiederaabe des
nische Knechtschaft. Dasselbe Schicksal erlitten die Bosnier und die Bulgaren. Noch weiter dehnte sich das osmanische Gebiet nach dem Siege bei Nikopolis über das aus Deutschen, Franzosen, Ungarn und Walachen bestehende Heer des Kaisers Sigismund an der Donau und über Thessalien aus, bis die zweite Mongolenflut ihren Sultan nach Kleinasien rief, wo er den Scharen Timur Tamerlans erlag. In Europa aber wurde die Herrschaft der Osmanen aufs neue durch Murad II. befestigt, der ein großes Christen- Heer unter dem Jagellonen Wadislaw III., König von Polen und Ungarn, bei Warna und bald darauf den ungarischen Feldherrn Hunyad auf dem von Serbenblut getränkten Felde von Kosiowo schlug. Unter seinem Sohn Mohammed II. wurde endlich in der von wilden Kirchen- stroitigkeiten der Lateiner und Griechen erfüllten Stadt Konstantins auf der Sophienkirche der Halbmond aufgepflanzt. Von da ab blieb viele Jahrhunderte lang die christliche Kultur des Abendlandes auf die germanischen und romanischen Reiche zurückgedrängt und im Südosten unseres Erdteils die asiatisch-islamitische Macht vorherrschend. Jetzt sind die neuen slawischen Staaten, Bulgarien, Serbien und Montenegro, denen sich Griechenland angeschlossen hat, gegen den Willen der europäischen Großmächte die Bedränger der Türkei. Jede dieser Völkerschaften geht auf Landerwerb aus, jede schützt die Bedrängnisse ihrer Stammesgenosten unter dem Türkenregiment in Europa vor. Werden die Türken im nächsten Jahre wieder in Kosiowo den Gedenktag ihres dortigen Sieges über das altserbische Reich feiern? Wird Adrianopel, die Wiege ihrer Herrschaft in Europa, unter dem Ansturm des bulgarischen Heeres zum Grabe dieser Herrschaft werden? Wahr ist, daß es beim Emporkommen, Vordringen und Sichbehaupten der islamitisch- asiatischen Sultane immer um despotische Herrschaft, niemals um Ordnung und Freiheit ging. Die moralische Schuld der türkischen Verwaltung ist groß, sie besteht nicht in religiöser Unduldsamkeit, sondern in gleichgültiger oder ohnmächtiger Duldung orientalischer Mißwirtschaft auf europäischem Boden. Deshalb zieht auch nicht, wie bei den Kreuzzügen, die Ehristenheit gegen den Islam. Aber nicht erst im vorigen Jahrhundert, sondern schon zur Zeit des Friedens von Carlowitz, in dem die Osmanen auf Ungarn verzichten mußten (1099), kam das Wort vom kranken Mann am Goldenen Horn auf, und doch hat er auf wechselndem und allmählich vermindertem Besitz in Europa weitergelebt. Was ihn heute noch nährt und erhält, ist die Bedeutung der Meerengen zwischen Europa und Asien für die Weltpolitik und Weltwirtschaft. Jede einzelne der abendländischen Großmächte wäre nach ihren militärischen Kräften im* stande, der Herrschaft der Türken in Konstantinopel ein Ende zu machen. Aber keine könnte die Opfer, die es kosten
„Erlkönigs" gleichfalls eine Glanzleistung des Konzertgebers.
„B o h e m i a", P r a g: Im Dürerbund schloß man das fünfte Vereinsjahr mit einem Duettenabend des Ehepaares Brieger. Es war ein Genuß von feinem Reiz, ganz ange- paßt dem Milieu dieser Abende, bei denen sich zumeist selbstausübende Liebhaber der Kunst zusammenfinden und so die Vorbedingungen mitbringen, um auch sprödere oder auf Intimität gestimmte musikalische Gaben mit bereitem Sinn aufzunehmen. Herr Brieger ist den Dürerbündlern längst ein lieber Bekannter; war er doch schon zweimal bei diesen Abenden zu Gast, immer durch vornehme Wahl und künstlerische Wiedergabe erfteuend. Diesmal aber hat er seine blonde Gattin mitgebracht und damit die Möglichkeit, uns durch noch willkommenere Gaben noch inniger zu gewinnen. Willkommener schon darum, weil sie seltener sind. Nicht alle Tage finden sich zwei Stimmen zusammen, die so zueinander passen, so ineineinander sich schmiegen, und in vollem Verstehen des Künstlers Werk so auszuschöpfen vermögen. Und wenn sie sich finden, wirds doch noch selten gerade zu den schwierigen, wundervollen Brahms'schen Duetten sein. Es war auch wirklich der Höhepunkt des Abends, als das Paar drei von ihnen („Es rauschet das Master", „Der Jäger und sein Liebchen", „93or der Tür") zu Gehör brachte.
„Schlesische Volkszeitung", Breslau: Am Freitag verschaffte das Ehepaar Margarete und Eugen Brieger aus Berlin einem im Kammermusiksaale versammelten Zuhörerkreise einen erlesenen Kunstgenuß. Gleich die im Programm an erster Stelle stehenden Duette von Schumann, Brahms und Cornelius schufen infolge ihres sauber abgeschliffenen, tief innerlichen Vortrages im Auditorium eine wohlige, warme Stimmung, die bis zum Schluß des Abends anhielt und durch die Solonummern der beiden vortrefflichen Künstler noch wesentlich vertieft wurde. Frau
würde, wagen, ohne wichtige Jnteresien anderer zu verletzen und sich ihre Feindschaft zuzuziehen. Ranke nennt in seiner Weltgeschichte Konstantinopel einen der größten Handelsplätze der Welt und bemerkt: Deutschland wird niemals wieder seine richtige Stellung erlangen, wenn nicht diese Gebiete seinem Fleiße wieder eröffnet, Konstantinopel in die Gemeinschaft der europäischen Ratonen hereingezogen wird. Das Bewußtsein, daß die Eroberung Konstantinopels ein welthistorisches Ereignis wäre, ist bei den europäischen Nationen niemals stärker zutage getreten als jetzt in der Einigung aller Großmächte auf den Grundsatz, daß die Integrität des türkischen Gebiets erhalten bleiben müsse. Dieser Einigkeit der Großen im Erhalten steht die Einigkeit der Kleinen am Balkan im Zerstückeln gegenüber, deshalb glauben wir, daß die Schicksalstunde für die europäische Türkei noch nicht geschlagen hat und auch dann nicht schlagen würde, wenn sich das Kriegsglück auf die Seite des Balkanbundes neigen sollte.
W ♦
M
Ernste Kämpfe an der serbischen Grenze.
Gestern nachmittag und abend sind schwere Zusammenstöße zwischen serbischen und türkischem Militär bei Mer» dane nördlich von Ristowatz erfolgt. Dort hat ein ernstes Gefecht stattgefunden. Nach fünfstündigem Kampfe wurden die serbischen Truppen zurückgefchlagen. Von offiziöser serbisch« Seite wird zugegeben, daß 10 Serben tot und 40 verwundet sind. In Wirklichkeit sollen aber die serbischen Verluste viel großer sein. In Belgrad selbst ist heute alles ruhig. Die Kriegserklärung seitens Serbiens wird wahrscheinlich garnicht mehr erfolgen, weit bereits völliger Kriegszustand besteht, und die Feindseligkeiten schon ausgebrochen find. Der serbische Gesandte Nenadowitsch hat auch Konstantinopel bereits verlasien. Der Zusammenstoß der beiderseitigen Hauptarmeen wird aber nicht vor Sonntag oder Montag erwartet. Der erwähnte gestrige Kampf bei Merdane ist viel schwerer gewesen als vor drei Tagen die Kämpfe bei Ristowatz und Vrstogosch. Die Türken haben verhältnismäßig wenige Verluste gehabt.
Bulgarien bestellt Flugzeuge.
' Die bulgarische Heeresleitung bestellte bei 8er österreichischen Motorluftfahrzeug-Gesellschaft acht Aeroplane. Als Piloten haben sich die österreichischen Aviatiker Stanger, Barthel und Seidl zur bulgarischen Armee begeben. 250 aus dem Sandschak Novibazar geflüchtete türkische Familien haben die bosnische Grenze überschritt».
Türkische Rüstungen.
Aus Konstantinopel wird weiter gemeldet: Die Re- servedivifionen von Erzerum, Erzingjan und Baiburt in der Nähe der russisch-türkischen Grenze, die bis jetzt von der
Brieger ist im Besitz eines namentlich in den unteren Registern prachtvoll klingenden Mezzosoprans, den sie vollkommen beherrscht und zu ganz entzückenden Piano- und Pianissimo-Effekten zu verwenden versteht. Der vortrefflich geschulte Bariton des Herrn Brieger eignet sich für Aufgaben, wie sie das kernige Wolffsche Lied „Biterolf" oder die als Zugabe gespendete Ballade „Friedericus Rex" von Löwe stellen, ganz besonders gut, doch sind dem Künstler auch zartere Lieder erschwinglich, weil er seine mezza voce trefflich gebildet hat. In der schon erwähnten Ballade, noch mehr aber im Wolfffchen „Tambour" durfte Herr Brieger überdies von seiner stark entwickelten Veranlagung für dramatisch belebten Vortrag ausgiebigen Gebrauch machen. Drei von Wilhelm Berger zweistimmig gesetzte Volkslieder, darunter der virtuos gesungene „Jäger", schlossen den ebenso anregenden wie interessanten Abend.
Kunst und Leben.
Die „erste Regenschirmleihanstalt" ist kürzlich in das belgische Handelsregister eingetragen worden. Sie ist eine Aktiengesellschaft. Durch den Ankauf eines Anteiles von fünf Franken wird man nämlich Aktionär und erhält seine Aktie sofort ausgehandigt. Wird man nun auf dem Nachmittags- korso vom Regen überrascht, so ist ein Rennen, Retten und Flüchten gar nicht mehr nötig. Man geht einfach in das nächste Restaurant oder Zigarrengeschäft, weist seine Aktre vor und bekommt sofort einen gewünschten Regenschirm. Wenn es dann zu regnen aufgehört hat, dann braucht man sich von dem Schirm nicht weiter belästigen zu lasten. Man gibt ihn in der nächsten Restauration wieder ab und bekommt dafür eine Quittung, die zur WiedereiirlLsung der Aktie berechtigt. * .