Erstes Blatt.
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei der verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Gemral-Anzeiger
Amtlichts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: C. Schrecker in Hanau,
S?L 243 ^ernsprechanschltttz Nr. 230.
Mittwoch den 16. Oktober
Kernsprechauschltts; Nr. 230. 1912
Dit heutige Nummer mW Mn Dem MchÄmMM
14 Seiten.
Amtliches
Landkreis fjanau.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Berichterstattung auf meine Rundverfügung vom 27. September 1912, V. 5617, betreffend: Festsetzung des Iahresarbeitsverdienstes der landwirtschaftlichen Arbeiter, im Rückstände sind, werden hiermit an die Erledigung derselben mit einer Frist von 5 Tagen erinnert.
Hanau den 15. Oktober 1912. V. 5617
Der König! Landrat
Frhr. Laur.
Straßensperre.
Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die 2. Kreis- straße Hanau — Mainflingen zwischen Klein- und Eroß- Steinheim am sog. Nähefahrtsberg von Montag den 14. ds. Mts. ab bis auf weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Die ausgestellten Warnungstafeln sind genau zu beachten und ist dem Straßenbaupersonal gehörige Folge zu leisten.
Offenbach den 10. Oktober 1912.
Großherzogliches Kreisamt Offenbach.
Lochmann.
Der Ankauf von Diktoriaerbsen, weißen Speisebohnen und Linsen ist von der Armee-Konservenfabrik in Mainz ausgenommen worden.
Angebote sind entweder an das nächstgelegene Proviantamt oder direkt an die Fabrik zu richten.
Den Angeboten sind stets Kochproben von reichlich einem Viertelliter beizufügen.
Die Preisforderung ist entweder
a) „frei Waggon Verladestation" oder
b) „frei Fabrikhof in Mainz" zu stellen.
Beim Verkauf „frei Waggon Verladestation" wird die Mitwirkung des nächstgelegenen Proviantamtes in Anspruch genommen. Es muß sich dabei aber um die Abnahme von mindestens 10 Tonnen (200 Zentner) handeln, die beim Eintreffen dem abnehmenden Beamten so bereitgestellt sein müssen, daß sie unverzüglich übernommen und verladen werden können. Soll die Abnahme auf besonderen Wunsch des Verkäufers an einem nicht mit Bahnstation versehenen
Stadttheater in Hanau.
Otto Ernst - Feier : „Flachsmann als Erzieher", eine Komödie in 3 Auszügen von Otto Ernst.
Unser Stadttheater ist dem Brauche, die bekannten beut» schen Dramatiker bei ihrem 50. Geburtstage durch Aufführung ihrer Werke zu ehren, durch eine des besonderen Anlaßes würdige Aufführung der Otto Ernst'schen Schulkomödie .Flachsmann als Erzieher" gefolgt. Das vor etwa 12 Jahren erschienene Werk, welches in Flemming die Jdealgestalt des modernen Lehrers gegen den Typus des „Schulmeisters" abstechen lassen, die Pedanterie im Schulwesen geißeln wollte, hat im Laufe der Zeit an Zugkraft nichts eingebüßt; das bewies von neuem die beifallsfreudige Aufnahme, der das Stuck bei der gestrigen Aufführung begegnete. Wir freuen uns, in den gezollten Beifall einstimmen zu können, da er sicherlich nicht nur dem Stücke selbst, sondern auch den bar» stellenden Kräften gegolten hat. Der „Flachsmann" des Herrn Hunold war in Maske, Haltung und Aussprache eine prächtig durchgearbeitete Bühnenleistung. Auch das übrige Lehrerkollegium hatte gute Vertreter gefunden. Neben der wohlge^eichnetenGestalt des verknöcherten Schutmaunes „Flachsmann" durch Herrn Hunold, wußte auch Herr Nadelreich in der Figur des pflichtseligen „Weidenbaum" vorzüglich zu wirken, ebenso sonnten wir uns mit den Darbietungen der Herrn Veß, Möller, Kubitzky und Holtz befreunden. AIs eine durchaus gediegene, in den Höhepunkten mit temperamentvoller Kraft zu eindrucksvoller Wirkung gebrachte Leistung ist die des Herrn Walter V r a n d t als „Flamming" zu bezeichnen, der hierbei Gelegenheit hatte, sein Talent hinreichend zu entfalten. Frl. Arens zeigte sich als „Gisa Holm" wieder als denkende aus sich herausgestaltende Künstlerin, die stets den Erfolg auf ihrer Seite hat. Herr W i e b e r g. dem
Lagerorte erfolgen, so kann auch dies geschehen, der Verkäufer muß aber dann die Kosten der Beförderung und die Gefahr der Verschlechterung, des Unterganges usw. der Ware bis zur Verladung in den Waggon tragen.
Beim Verkauf „frei Fabrik Mainz" ist zu beachten, daß die Kosten für die Abfuhr der Frucht vom hiesigen Hauptgüterbahnhof nach der Fabrik 12 Pfg. für 100 Kilogramm betragen und vom Verkäufer zu entrichten sind. Einfuhrgebühr (Oktroi) wird von der Htadt Mainz für Hülsenfrüchte nicht mehr erhoben.
Fracht und Abfuhrkosten werden diesseits verauslagt und bei der Abrechnung gekürzt.
Endlich werden den Landwirten auf Wunsch die Säcke für den Transport der Früchte leihweise auf ihre Kosten übersandt, vorausgesetzt, daß sie bereit sind, für etwaige Beschädigungen und Verluste aufzukommen.
Mainz den 3. Oktober 1912.
Armee-Konservenfabrik.
Handelsregister.
1. Unter der Firma
„Wilhelm Grähling" betreibt zu Hanau der dort wohnhafte Pflastermeister Wilhelm Erähling ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann. Angegebener Erwerbszweig: Straßenbau- und Fuhrunternehmergeschäft.
2. Das unter der Firma
„Johann Noack"
in Hanau bestehende Handelsgeschäft ist auf den Friedrich genannt Fritz Noack in Hanau übergegangen und wird von diesem unter unveränderter Firma fortgeführt. Die dem Karl Friedrich Noack in Hanau erteilte Prokura ist durch Uebergang des Geschäftes auf ihn erloschen.
Einträge des Königlichen Amtsgerichts 5 in Hanau zu 1 vom 3. Oktober 1912, zu 2 vom 7. Oktober 1912. 25797
Mnbtnt und twlottnt EenenUnde k.
Gefunden: 1 Paket mit Sammet und schwarzer Strickwolle, 1 Korallenbrosche, 1 weiße Kindermütze.
Verloren: 1 Sack Korn, 1 graues Portemonnaie mit Schlüsiel und 6 Pfg.
Zugelaufen: 1 grauer deutscher Schäferhund, 1 kleiner schwarzgrauer Pinscher, m. Eeschl.
Entlaufen: 1 grauer Wolfshund mit gelben Füßen.
Hanau den 16. Oktober 1912.
auch die Spielleitung zugefallen war, hatte den Schulrat Dr. Prell darzustellen, womit er sich befriedigend abzufinden wußte. Weiter verdient Anerkennung Herr Palitzsch, der den Schuldiener, um mit dem Dichter selbst zu sprechen, „quasi" vorzüglich zu treffen wußte. In kleineren Rollen waren noch beschäftigt Frl. H e s s e, die die Figur der Frau Dörmann außerordentlich sympatisch auf die Bühne stellte, Frl. Wald als Lehrerin, Frl. Trauner, Herr Ehristean.
Die Wette.
Humoreske von Adolf Thiele.
Die Räume des Offizierkasinos in der russischen Garnisonstadt Permsk füllten sich allmählich. In einer der Gruppen, die sich gebildet hatten, sprach man über einige hierher versetzte Kameraden; gewöhnlich wußte man von ihnen nichts als die Namen, doch diesmal schien eine Ausnahme stattzufinden.
„Haben Sie schon vom Kameraden Schinski gehört?" fragte Oberleutnant Seliphan die Umsitzenden.
Die meisten verneinten, nur einer sagte:
»Ja, er soll viel Glück im Wetten haben", und ein anderer, der Leutnant Drobaschkin, rief:
„Allerdings, habe davon fabelhafte Sachen gehört."
In diesem Augenblick trat der Oberst ein und hörte den letzten Ruf. Nachdem er den Grüßen gedankt hatte, nahm er bei den Herren Platz und fragte:
„Was für fabelhafte Sachen haben Sie denn gehört, Herr Kamerad?"
„Ueber unseren neuen Kamerad Schinski, Herr Oberst!" erwiderte der Leutnant. „Er soll im Wetten kolossales Glück haben."
„So, wißen Sie etwas Näheres davon?" fragte der joviale Oberst. „Dann bitte, schießen Sie einmal los!"
„Einmal wettete Schinski," erzählte Drobaschkin, „gelegentlich einer überaus fidelen Weinkneiperei mit Käme-
Politische Rundschau.
Ein wichtiger Erlaß für Lehrer. Soeben hat der preußische Kultusminister einen Erlaß bekannt gegeben, der für die Lehrerschaft von weittragender Bedeutung ist. Die Aufsichtsbehörden sind angewiesen, bei Prüfungen und Revisionen durch die Lokalinspektoren, Rektoren, Kreisschulinspektoren und Schulräte die Revistons- und Prüfungsberichte den Lehrern zur persönlichen Aeußerung vorzulegen. Auch ist in Zukunft den Lehrern Einsicht in die Personalakten zu gestatten. In Bezug auf die Geheimakten ist die Bestimmung getroffen, daß in Zukunft von jeder Eintragung von Tatsachen, die für das Lehrpersonal belastend sind, diesem Kenntnis zu geben ist. Es ist den Lehrern die Möglichkeit einer Rechtfertigung zu gewähren. Die Verteidigungsschriften find den Personalakten beizufügen. Ungünstige Eintragungen find, wenn sich der Betreffende seit dieser Zeit musterhaft geführt hat, nach angemessener Zeit wieder zu vernichten. Ein neuer Aufruf zur deutsch-englischen Verständigung.
London, 15. Oktbr. Sir John Brunner, der Präsident der „National Liberal Federation", richtet an die Präsidenten aller liberalen Vereinigungen Großbritanniens einen Brief, in dem er für eine energische Umkehr der liberalen Politik in auswärtigen Angelegenheiten plädiert. Dies« Kundgebung dürfte ein starkes Echo im Lande finden, denn der liberale „Nationalbund" ist das anerkannte Sprachrohr des englischen Liberalismus. Mit Recht rühmt Brunner die neue Politik der liberalen Partei wegen des von ihr durchgeführten Kampfes gegen Vorrecht, Monopol und Schutzzoll. „D«r große liberal« Sieg von 1906", sagt er, wurde gewonnen auf Grund eines ausgedehnten Friedens- und Reformprogramms, und die auswärtige Politik schien unter Campbell- Bannerman und nnt Aspuith als Schatzkanzler erfolgreich gegen unnütze Verschwendung in den Rüstungen zu kämpfen. Aber die falsche und schandbare Marinepolitik von 1909 fegte Klugheit und Sparsamkeit fort. Seitdem wurde das Marinebudget um dreizehn Millionen Pfund Sterling erhöht, während das deutsche Budget nur um vier Millionen Pfund wuchs. Das „Foreign Office" und die Admiralität krochen vor dem Geschrei der Jingoprefsemit ihren Lügen und Herausforderungen zu Kreuze. Das Parlament wurde getäuscht und die Etats auf falsche Angaben über die deutschen Ausgabe« aufgebaut. Die Erfindung des Dreadnoughts und die Reklame dafür durch die englische Admiratität würd« ein Fluch für die Menschheit, und nicht zum wenigsten für das englische und deutsche Volk." Es sei daher die absolute Pflicht der britischen Regierung, geht die Kundgebung weiter, die die modernen Kriegsschiffe der Welt aufzwang, den Fehler wieder gut zu machen. Das schlimmste Unheil sei aber die Verdrehung der sonst willkommenen Freundschaft zu Frank- toben, er würde im Stande sein, jetzt noch zusammen mit einem Kameraden einen Eimer Bier zu leeren. Natürlich allgemeiner Widerspruch; man wettete! Der Eimer Dier wurde gebracht. Schinski entfernt sich, um seinen Kameraden zu holen, und mit wem kehrt er zurück? — mit seinem Pferde. Dem hatte er zuvor tüchtig Salz gegeben, er schöpfte sich dann ein Gläschen Bier aus dem Eimer unb mit dem Rest — wurde der durstige Kamerad bald fertig."
Als die Kameraden diesen Scherz gewürdigt hatten, äußerte Oberleutnant Seliphan:
„Einen anderen Fall kann ich erzählen: Schinski hatte gewettet, in Petersburg, wo er eine Zeitlang stand, einen etwa drei Werst langen Weg mit der elektrischen Bahn zu fahren, ohne eine Kopeke zu bezahlen."
„Nicht möglich," sagte der Oberst, „doch bitte, fahren Sie fort."
„Also Schinski steigt mit einem seiner Freunde, der als Zeuge fungierte, aber den Unbekannten markieren mußte, ein und gibt einen Hundertrubelschein zum Wechseln. Der Schaffner hat natürlich nicht genug Geld, und mit Bedauern verläßt Schinski den Wagen, ist aber natürlich während des Parlamentierens ein Stück gefahren. Nun wartet er auf den nächsten Wagen, wiederholt das Manöver und gelangt so nach und nach ohne Unkosten an sein Ziel."
„D i e Geschichte kannte ich noch nicht," rief Drobaschkin in den Stimmenwirrwarr hinein — hatten sich doch sämtliche Kameraden allmählich um die Gruppe versammelt. „Aber ein anderes Stückchen kenne ich. Schinski wettete, er wolle eine Marktfrau in Wut versetzen, ohne ein Wort zu sagen, das sie verstände. Also schinski tritt, während bie Kameraden in der Nähe stehen, zum Stande einer Frau, die Fische verkauft, er mustert ihre Fische prüfend und hält sich dann die Nase zu, damit zatt andeutend, daß sich diese in einem Zustande befänden, der für menschliche Nasen un- erträglich sei. Die Frau beginnt natürlich zu räsonnieren, unb Schinski ruft ihr zu: ,Sie sind ein Pronomen!* Ma»?'