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MnrSckungsgebührt

DK vgrspaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg» im RetlameteU die Zeile 00 Pfg.

Uotattonsdruâ und Verlag der Buchdruckerei der verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Gcaeral-Luzciger

Amtliches Organ für Stadt- and Fandkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugsprei«

vierteljährlich 1.80 Mt^ monatlich WPfg., fik Post, bezug vierteljährlich U0 3JIL, monatlich 70 Pfâ Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg,

Verantwort!. Redakteur: 6. Schrecker in Hanau.

Nr. 242 Al,r»spr«chanschlutz Nr. 330.

^icnötnß den 15. Dltoicr Fsrnsprechanschltttz Nr. 230. 1912

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Amtliches.

Stadtkreis Hanru.

Bekanntmachung

Am 16. Oktober d. J. wird zwecks Veranlagung 5er Ein­kommensteuer für das Steuerjahr 1913 eine allgemeine Aufnahme des Personenstandes in hiesiger Stadt vorge­nommen. Zu diesem Zwecke werden jedem Hausbesitzer oder besten Stellvertreter in jedem Hause die erforderlichen Hauslisten eingehändigt, um deren genaue und gewifien- hafte Ausfüllung hinsichtlich aller in dem betreffenden Hause nebst Zubehör wohnenden Personen nach dem Stande vom 16. Oktober d. J. ich ersuche.

Zu den Bewohnern gehören auch die vorübergehend ab­wesenden Zimmerabmieter und Familienangehörigen, so­fern sie nicht an einem anderen Orte erwerbstätig sind unb Wohnsitz haben. Schlafstelleninhaber sind als solche kenntlich zu machen, auch sind, wenn sie auswärts wohnen, ihre Wohnsitzgemeinden mit Straße und Hausnummer an- zvgeLen.

Personen, die am 16. Oktober ihren Umzug beendet haben, gehören zu den Bewohnern des neuen Hauses.

Auf richtige und. deutliche Schrift der Namen sowie auf Schonung der Listen bitte ich besonders zu achten. Zur Aus­füllung aller Spalten der Listen besteht die gesetzliche Ver­pflichtung. Zur Vermeidung von Nachfragen und Fest­stellungen ersuche ich, überall den Arbeitgeber, die Art des Berufs namentlich auch, ob selbstständig, Gehilfe, Lehr­ling usw. unter Angabe der Branche, bei allen über 14 Jahre alten Personen und Angehörigen ersichtlich zu machen. Diese Angaben sind auch bei erwerbstätigen Frauen und Kindern über 14 Jahre zu machen. Die Eintragungen Ehe­frau, Sohn, Tochter usw. gehören nur in die SpalteFa- milienverhältnis". Wenn die obigen Angehörigen ohne eigenes Einkommen und auch nicht im eigenen Gewerbe tätig sind, so ersuche ich dies wegen der Abzüge für solche Angehörigen ersichtlich zu machen. Bei steuerpflichtigen, be­vormundeten P "'sonen ist die Angabe des gesetzlichen Ver­treters erwünscht.

Da die Kirchensteuerlisten nach den Personenstandslisten amtlich aufzustellen sind, empfiehlt es sich, neben der Reli­gion auch die Kirchengemeinde ersichtlich zu machen.

Unter Hinweis auf die auf den Hauslisten abgedruckten gesetzlichen Bestimmungen bitte ich alle Beteiligte und ganz besonders die Hausbesitzer und deren Stellvertreter, sowohl tm eigenen Interesie als auch zur Förderung der Sache, dahin zu wirken, daß am Morgen des 17. Oktober die voll­ständigen Hauslisten vollzogen in derjenigen Wohnung zur Abholung bereit liegen, in der sie bei der Abgabe abgegeben wurden. Vorherige Einsendung von Listen ist nicht er­wünscht.

Hanau den 7. Oktober 1912. 25401

Der Oberbürgermeister.

I. A.: Bartmuß.

Sefunbene und nerforene WMM x.

Gefunden: 1 gelbes Handtäschchen (Inhalt weißes Taschentuch und Portemonnaie mit 10 Pfg.), 1 kleines grünes Perlentäschchen mit Batisttaschentüchelchen, 1 Bäcker- Lieferbuch.

Liegengeblieben auf Zimmer 4 der Polizeidirek­tion (Invalidenkartenausgabe): 1 Portemonnaie mit 87 Pfg.

Verloren: 1 Korallenbrosche.

Hanau den 15. Oktober 1912.

Politische Rundschau.

Die Nachwahl im 1. Berliner Reichstagswahlkreis. Die Reichstaqsersatzwahl im 1. Berliner Wahlkreis, den bis jetzt bekanntlich der Fortschrittler Dr. Kaempf vertrat, wird derVossischen Zeitung- zufolge am 5. November stcitifinden. Demnach würde der Wahlkreis beim Zusammentritt des ReichStaaS wieder verirrten sein. Neben den Fortichritilern und Soz'aldemokiaien bewerben sich auch die Demokraten um bat Mandat. Sie werden voraussichtlich wieder mit der Kandidatur Gâdtke erscheinen, die selbstverständlich keinen andern Zweck und Erfolg haben kann, als den Wahlkreis der Sozialdemokratie in die Hände zu spielen.

Der Kriegsbrand am Balkan.

Türkische Truppen überschreiten die serbische Grenze.

Die Türken haben nun den Serben nicht den Gefallen getan, mit dem Beginn der Feindeseligkeiten zu warten, bis die Serben mit den Glocken läuten oder ähnliche theatra­lische Szene aufführen, wie Freund Nikita bei Podgoritza, sondern sie haben ihrerseits die Grenze überschriten. Es wird darüber aus Belgrad gemeldet:

Einer um 9 Uhr früh aus Ristowatz eingegangenen amtlichen Meldung zufolge überschritten heute früh 5 Uhr die türkischen Trupen die serbische Grenze in der Gegend von Ristowatz und Eoni Vrto Vrsch (Irsch) und griffen die serbischen Truppen an. Der Kampf hat begonnen.

Die Station Ristowatz ist der serbische Erenzbahnhof süd­lich von Vranje, auf der Linie BelgradRischLeskowatz RistowatzUesküb. Er liegt nur etwa 300 Meter entfernt von dem türkischen Grenzbahnhof Zibeftsche. Die Bahn­linie verfolgt über die Stationen VranjeLeskowatz nach der Festung Risch das Tal der Morawa, das beiderseits von steilen Bergen eingefchlosien ist, die ganz nahe an den Fluß treten. Hier bei Ristowatz ist die gegebene Einbruchpforte nach Serbien. Links und rechts davon sperren mächtige Ge­birgsstöcke die Grenze.

Die serbische Kriegserklärung.

Die serbische Regierung hat folgende offizielle Mittei­lung erlasien:

Wir betrachten es für die ganze Sachlage kennzeich­nend, daß die Türkei in dem Augenblick, da wir den letzten Versuch machten, den Frieden zu erhalten, uns angriff und damit die Feindseligkeiten eröffnete. Dieser Umstand zeigt eklatant, welcher Art die angebliche Friedensbereit­schaft der Türkei war, wie wenig sie tatsächlich geneigt war, Reformen durchzuführen, und was ihre Mobilisie­rung in Wahrheit bezweckte. Nun, da wir die Angegriffe­nen sind, werden wir uns naturgemäß verteidigen.

Dies ist zugleich die serbische Kriegserklärung. Die Türken überfielen heute früh die serbischen Hauptkriegs- material-Depots bei Ristowatz und Vrstogosch. Damit hat der Krieg begonnen.

Der Eindruck in Belgrad.

Der gemeldete erste Kampf zwischen der Türkei und Ser­bien bei Ristowatz hat um 5 Uhr früh begonnen und dauerte um 11 Uhr vormittags noch an. Einzelheiten fehlen noch bis zur Stunde, da sie von der Regierung geheimgehalten wer­den. Aus Sofia sind über die Kriegserklärung in Semlin gar keine Nachrichten eingetroffen. Die telegraphischen Ver­bindungen sind überhaupt nach allen Richtungen unter­brochen. In ganz Belgrad herrscht allgemeine Begeisterung über den endlichen Ausbruch des Krieges.

Die Kämpfe an der montenegrinischen Grenze.

Nach den ersten ziemlich wortreichen Meldungen über montenegrinische Erfolge ist es davon wieder ziemlich still geworden. Aue Konstantinopel erfuhr man dann von tür­kischen Erfolgen. Jetzt wird gemeldet:

Das Reutersche Bureau meldet aus Podgoritza: Nach einem Telegramm des Generals Wukotitsch haben feine Truppen gestern die Höhe Visitor bei Eusinje besetzt. Die Türken, die heftigen Widerstand leisteten, erlitten be­trächtliche Verluste. Gestern besetzten die Montenegriner zwei weitere Stellungen der Türken. Die Verluste der Montenegriner seit Beginn des Krieges belaufen sich auf 256 Tote und 800 Verwundete.

Wesentliche Bedeutung dürfte es kaum haben, ob die Montenegriner diese oder jene Höhe an der Grenze besetzen. Ueber die strategische Bedeutung dieser (Ereignisse läßt sich nach so lakonischen Meldungen nichts sagen.

Die Albaner auf türkischer Seite.

Aus Saloniki wird gemeldet: Die Albaner erneuern ihre Bitten, ihnen Waffen auszufolgen. Selbst alte Leute ziehen in den Krieg. Aus Prischtina wird gemeldet, daß die Alba­ner Vorbereitungen treffen, um gegen die Grenze zu ziehen, wo die Serben Befestigungen aufführen. Ueberall an der serbischen Grenze werden Maßnahmen für den Beginn der Feindeseligkeiten getroffen. Neben den Truppen bemerkt man zahlreiche Abteilungen von Freiwilligen. In Saloniki treffen fortgesetzt Kriegsmaterial und Truppentransporte ein. Aus Konstantinopel wird weiter gemeldet: Hundert­zwanzig anatolische Bataillone mit einem Effektivbestand von je 1000 Mann werden mit der anatolischen Bahn nach der europäischen Türkei transportiert werden. Zwölf Züge werde» hier eiatreffex.

Zn Belgrad vor der Entscheidung.

Belgrad, 12. Oktbr. Alle Anzeichen spreche» dafür, daß es nun doch bald Ernst, blutiger Ernst werden wirL. Der tür­kische Gesandte, der noch immer hier ist, hat bei der fran­zösischen Bank" sein ganzes Barvermögen 7000 Franken behoben, um Reisegeld in der Hand zu haben, da seine Stunden hier gezählt sein dürften. Man muß nur darüber staunen, daß die serbische Regierung, die gerade jetzt so bringend Geld braucht, die Gelder des türkischen Gesandten nicht unter irgend einem Vorwand mit Beschlag belegt hat. Viele andere Sterbliche nämlich, die jetzt hier bei Banke» und Sparkasien ihre angelegten Gelder vor dem Kriege schleunigst beheben wollten, haben nichts bekommen, indem ihnen die tröstliche Auskunft zuteil wurde, daß die Banken ihre gesamten Barvorräte wegen des bevorstehenden Krieges der Regierung hätten zur Verfügung stellen müssen. Ta- bleau! Da half kein Schimpfen und kein Weinen der Herre» Einleger jetzt werden sie gewiß innigst wünschen, daß der Krieg für Serbien günstig ausfallen möge, denn sonst werden sie auch nach dem Kriege ihre Gelder nicht mieberfeljen.

Seit gestern gibt es hier keine Semmeln, keine Wipfeln und kein Weißbrod mehr! Und das kommt nicht etwa von einem Bäckerstreik her, sondern hat darin seinen Grund, Satz 1. die meisten Bäcker zum Militär eingezogen worden sind, und 2. diejenigen, die noch da find, von der Regierung de» Befehl erhalten haben, ihr Backwerk nur noch für das Mi­litär zur Verfügung zu halten. Das zivile Publikum ist in solchen Kriegszeiten eben eine Null unb kommt gar nicht in Betracht. Mit den übrigen Lebensmitteln ist es hier noch ganz leidlich bestellt, und die Teuerung ist eigentlich gar nicht so schlimm, als man dies jetzt in diesen Zeiten erwar­ten könnte.

Der türkische Gesandte ist jetzt die interessanteste Per­sönlichkeit von ganz Belgrad. Sobald er nämlich die serbische Hauptstadt verlassen hat und nach Semlin hinübergerutscht ist, dann ist der vielerwartete Krieg auch schon im Gange! Heute wurde dieser gemütliche Türke, der sich jetzt hier ge­wiß in keiner angenehmen Lage befindet, wenigstens zehn­mal von Journalisten gefragt:Exzellenz, wann reisen * Sie?" Und der Gesandte gab zumeist gar keine Antwort, sondern machte nur eine müde Handbewegung, die unge­fähr andeuten sollte:Ich weiß es nicht!" Ein Türke ist ja bekanntlich niemals redselig, aber wie wenig erst ein tür­kischer Diplomat?

Die serbische Herausforderung Oesterreichs.

DerSoff. Ztg." wird aus Wien gemeldet: Der franzo- fische Botschafter Dumaine und der russische Botschafter Herr v. Giers haben dem serbischen Gesandten in Wien erklärt, der serbische Ministerpräsident müsse umgehend das in Ler Neuen Freien Preffe" erschienene Interview dementieren, da seine Aeußerung, wenn Oesterreich-Ungarn der Aktion der Dalkanstaaten entgegentreten werde, ein Weltkrieg ent­stehe, eine ganz ungehörige Herausforderung Oesterreichs sei. Frankreich und Rußland könnten nicht dulden, daß ein serbischer Ministerpräsident der habsburgischen Monarchie mit dem Weltkriege drohe. Die russische Regierung soll König Nikolaus von Montenegro verständigt haben, daß Rußland Montenegro wegen Ungehorsams gegen die russi­sche Politik, begangen durch die Kriegserklärung an die Türkei, die staatliche Subvention von 2^ Millionen Francs jährlich entziehe.

Ein griechisches Ultimatum.

Auch Griechenland meldet sich jetzt zum Wort, und zwar wegen der beschlagnahmten Schiffe. Aus Athen wird be­richtet:

Die griechische Regierung beauftragte den Gesandten Gryparis in Konstantinopel, der Pforte wegen 8er Be­schlagnahme griechischer Handelsschiffe eine Note zu über­reichen. In der Note wird unter Festsetzung einer Frist von 24 Stunden verlangt, daß die Schiffe freigegeben und deren Eigentümer entschädigt werden.

Die türkische Regierung wird sich kaum darauf einlassen» das beschlagnahmte griechische Eigentum herauszugeben, da Griechenland so wie so entflossen ist, loszuschlagen.

Konstantinopel, 14. Oktbr. Die Gesandten der Balkan- staaten erwarten für den 15. Oktober die Order Konstan­tinopel zu verlassen.

Unter dem Vorsitz des Kriegsministers ist großer Kriegs­rat abgehalten worden.

Den Blättern zufolge sollen die Serben, dre bei Sjenitza einen Angriff versucht haben, mit bedeutenden Verlusten zurückgeschlagen worden sein.

Ein Irade ermächtigt den Frnanzmrnrfter, für Kriegs­zwecke sechs Millionen Pfund auszugebe». die durch Sie Ein-