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Elnrückungsgebühri

Die ogefpaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im RektameteU die Zeile 60 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei der verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Fandkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis?

vierteljährlich 1.80 Ml., monatlich 60 Pfg.. für Post, bezug vierteljährlich 2.10 MI^ monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.

verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hamm.

Nr. 241 K«*nsprecha»schl«k Nr. 230. MvNtllß ÖC1I 14. ©ItOÖtt ffernsprechanschliitz Nr. 230. 1912

Amtliches.

Stadtkreis kjanau.

Zwecks Ausführung von Kanalisationsarbeiten wird die Schwanengasse zu Hanau-Kesselstadt vom 15. d. Mts. ab auf die Dauer von 8 Tagen für den Fährverkehr gesperrt.

Hanau den 14. Oktober 1912. P 11329

Königliche Polizeidirektion.

I. A.: K arbe.

Bekanntmachung.

Wir weisen darauf hin, daß alle im Schloßgarten gefundenen Gegenstände an den Kastellan Brecht (Stadt­schloß, Fürstenbau, Eingang 3) oder an die Armenver­waltung in der Langstraße 43 abzugeben sind,

Gegenstände die auf den Friedhöfen gefunden werden, sind an den Friedhofsaufseher Mull oder ebenfalls an die Armenverwaltung abzugeben.

Hanau den 7. Oktober 1912. 25317

Der Magistrat.

Glaser.

Bekanntmachung.

In der Badeanstalt am Steinheimertor 1. Stock werden täglich Kohlensäurebäder abgegeben.

Hanau den 10. September 1912. 22781

Der Magistrat.

J. A.: Ehrich.

Wundm und verlorene Gegenstände il

Gefunden: 1 runder Mülleimer (im Stadtgraben), 1 Glaserdiamant, 1 grünes Damenportemonnaie mit 7 Pfg.

Verloren: 1 Henkelkorb.

Zugelaufen: 1 weiße Eans mit grruem Kopf.

Hanau den 14. Oktober 1912.

Der Kriegsbrand am Balkan.

Die Antwort Bulgariens.

Sofia, 13. Oktbr. Die Balkanstaaten werden auf die Note der Mächte heute abend antworten. Sie werden als Mini­malforderungen für die Erhaltung des Friedens aufstellen:, politische und nationale Selbstverwaltung der europäischen Provinzen der Türkei, an deren Spitze christliche Gouver­neure, mit gewählten Landtagen und Nationalmiliz, Kon­trolle durch die Mächte und die Balkanstaaten, sofortige Ab­rüstung der Türkei, nach der sie sich richten würden. Nach Verlauf kürzester Frist sollen diese Forderungen in Form eines Ultimatums an die Türkei gerichtet werden. Man er­wartet hier den Ausbruch der Feindeseligkeiten.

Paris, 13. Oktbr. Der Sonderberichterstatter des Temps" meldet aus Sofia: Die Antwort Bulgariens auf die Note der Großmächte spreche zunächst den Mächten den Dank für das durch deren Schritt bekundete Interesie für das Balkanproblem aus und betone, daß die Erklärung, wo­nach die Mächte die Durchführung der Reformen in die Hand nehmen wollen, als bedeutungsvoll gewürdigt werde, daß Bulgarien jedoch von der Pforte direkt verlangen müße, sie möge ihre Absichten betreffs der Reformen in Maze­donien präzisieren. Die Antwort, welche heute dem öster­reichisch-ungarischen und dem russischen Gesandten über­reich! werden solle und mit der Serbiens und Griechenlands gleichlautend sei, stelle eine Ablehnung des vermittelnden Eingreifens der Mächte dar. Gleichzeitig werde vom Mi­nisterpräsidenten Gechow dem türkischen Geschäftsträger ein . Promemoria überreicht werden, in welchem die bekannten Forderungen betreffs der Reformen in Mazedonien aufge­stellt werden und für den Fall, daß diese Forderungen an­genommen werden, von der Türkei die sofortige Demobili­sierung ihrer Armee verlangt wird. Zur selben Stunde wird in Belgrad und Athen das gleiche Promemoria überreicht werden.

Ein Interview mit Paschitsch.

Belgrad, 13. Oktbr. Ministerpräsident Paschitsch erklärte dem Spezialberichterstatter derAgence Havas", die schon bisher schwierige und kritische Lage habe sich noch dadurch verschlimmert, daß die Türkei irreguläre, aus Gesindel zu­sammengesetzte Banden bewaffne und gegen die wehrlose serbische Bevölkerung in der Gegend von Kosiowo loslaße,

Seren Waffen die türkischen Behörden seit langem einge­zogen hätten. Mehr als 800 Familien hätten ihre Woh­nungen im Stich gelaßen, um einem Massacre zu entgehen und seien auf serbisches Gebiet geflüchtet.Wir verlangen", erklärte Paschitsch,für unsere unterdrückten serbischen Brü­der die ethniche Autonomie für das Gebiet, das vom Sand­schak Novibazar den Sandschak miteinbegriffen im Südosten bis zum Tale der Bregalniza reicht, einem Neben­fluß des Vardar, das heißt ostwärts also für ganz Kosiowo und ferner für bas Gebiet, das von Alessio, dem Hafen am Adriatischen Meer, längs des rechten Ufers des Schwarzen Drin bis zum Ochrida-See sich hinzieht und im Süden durch die Linie Ochrida-See-Köprülü begrenzt wird. Was wir heute fordern, ist einzig und allein das, was die Großmächte in Berlin beschloßen haben, indem sie für die serbischen Wilajets der Türkei dasselbe autonome Regime wie für Kreta festgesetzt haben. Es ist den Großmächten nicht ge­lungen, die Durchführung der Reformen zu erreichen; so haben wir es auf uns genommen, sie aus eigener Kraft durchzusetzen. Einzig und allein ernsthafte und wirksame förmliche Garantien seitens der Großmächte hätten den Aus­bruch des Konflikts beschwören können. Aber sie zeigen wenig Neigung, Vie Verantwortung auf sich zu nehmen. In höchstens 48 Stunden werden die Balkanstaaten die Antwort auf die österreichisch-ungarisch-russische Note über­reichen. Wir werden zu derselben Zeit den Großmächten die Bedingungen vorlegen, die wir für unbedingt notwendig halten, um die Existenz unserer Stammesbrüder zu sichern, worauf es uns allein ankommt. Diese Bedingungen werden gleichzeitig auch der Pforte übermittelt werden. Alles hängt jetzt von der Türkei ab." In hiesigen gutunterrichteten Kreisen ist allgemein die Ansicht verbreitet, daß die von dem Ministerpräsidenten Paschitsch auseinandergesetzten Beding­ungen der Pforte in Gestalt eines Ultimatums unterbreitet werden sollen.

Allgemeine Beunruhigung.

Die Börsen sind in wilder Erregung. Namentlich in Paris war der Freitag ein Schreckenstag. Der allgemeine Grund für die Nervosität der Börsen liegt darin, daß der Glaube an den Erfolg der Intervention der Großn, ächte zur Vermeidung des Krieges geschwunden ist und daß kein Ver­trauen auf die Lokalisierung des Krieges besteht. In der Tat ist die augenblickliche Situation voller Unklarheiten. Bulgarien hat die Antwort auf die von den Vertretern Oesterreich-Ungarns und Rußlands zugleich im Namen der anderen Großmächte überreichte Warnungsnole von einem Tag zum anderen verschoben, angeblich, weil es sich erst mit den anderen Teilnehmern am Balkanbunde in Verbindung setzen müße. Dann heißt es wieder, Bulgarien sei mit seiner Mobilmachung noch nicht fertig und wolle Zeit gewinnen. Aber die Zeit läuft in diesem Falle auch zugunsten der Türkei, für welche die Konzentrierung ihrer Truppen, die sie zumieil erst aus Asien heranziehen müssen, viel schwieriger ist als für die Bulgaren mit ihrer viel kürzeren inneren Linie. Inzwischen ist der Kampf zwischen Montenegrinern und Türken bereits entbrannt. Beruht dieses vorzeitige Los­schlagen des kleinsten Staates unter den Balkanstaaten auf vorheriger Verabredung oder war die Ungeduld des Königs Niküa, als erster Befreier in den altserbischen Gebieten im Sandschak Novibazar und an der albanischen Küste zu er­scheinen, nicht zu zügeln? Vor allem beunruhigt die große Frage» was Oesterreich-Ungarn tun wird, wenn Montene­griner und Serben von dem Sandschak Besitz ergreifen und das Donaureich von der unmittelbaren Verbindung mit der Türkei abschneiden. Der von russischer Seite verbreiteten Nachricht, daß sich Oesterreich-Ungarn und Rußland beim Ausbruch des Balkankrieges in gleich lautender Form neutral erklären würden, wird in Wien bestimmt widersprochen. Man erklärt dort neue Verhandlungen zwischen Wien und Petersburg für zwecklos, nachdem sich beide Mächte bereits dabin verständigt hätten, den Status quo auf dem Balkan aufrecht zu erhalten. Jedenfalls wird unser Verbündeter zunächst Gewehr bei Fuß stehen bleiben und abwarten, wie sich der Krieg entwickelt. Sähe er sich genö­tigt, gegen eine Besitzergreifung altserbischen Gebiets durch die Bedränger der Türkei einzugreifen, so könnte er sich wohl darauf berufen, daß er damit nicht gegen die bereits erzielte Verständigung mit Rußland verstoße. Das scheint der Sinn der wiederholten Erklärung in Wiener Blättern zu sein, daß sich Oesterreich-Ungarn freie Hand zur Wah­rung seiner Interessen vorbehalte. Endlich ist auch der Friede zwischen der Türkei und Italien noch immer in sus= penso. Eine günstigere Gelegenheit als die gegenwärtige gibt es für die Türkei nicht, um zu einem leidlich ehren­

vollen Frieden mit Italien zu gelangen. Gegen die drohende Erregung der Moslims schützt die türkischen Staatsmänner, die das Odium der Preisgabe von Tripolis auf sich nehmen, der Hinweis tauf die nahe Gefahr für den Bestand der europäischen Türkei. Trotzdem sind immer neue Verzöge­rungen für den Friedensschluß entstanden, weil es der gegenwärtigen Regierung in Konstantinopel an Entschluß­kraft fehlt. Hoffentlich macht sie diesem Zaudern bald ein Ende.

3. Jeutslher IiigendsmAstag.

8. & H. Frankfurt a. M., 12. Oktbr. Die heutige dritte und letzte Sitzung des Deutschen Jugendgerichtstages leitete eine pietätvolle Ehrung des verstorbenen früheren Unter- staatssekretärs im Reichsjustizamt Dr. Nieberding ein. Im Anschluß hieran erstattete Amtsgerichtsrat Dr. Köhne (Berlin) ein Referat überDie Notwendigkeit eines be­sonderen Jugendgerichtsgesetzes und sein Inhalt". Er be­tonte, daß zwar das Vorgehen der Reichsregierung für ju­gendlichen Gesetzesübertreter ein spezielles Gesetz zu er­laßen, sehr zu begrüßen sei, daß aber der vorliegende Ent­wurf trotz mancher Fortschritte zur Beseitigung der gegen­wärtigen Zustände nicht ausreiche. Unter allen Umständen müße die Heraufsetzung der unteren Strafmündigkeitsgrenze auf das 14. Lebensjahr und bei körperlich und geistig Zu­rückgebliebenen die Straflosigkeit der Jugendlichen gefor­dert werden. Die Einrichtung von Jugendgerichten darf nicht völlig in das Belieben der Justizverwaltung gestellt wer­den. Die Strafaussetzung ist in die bedingte Verurteilung umzuwandeln, denn nur dann wird es möglich sein, die Zahl der Strafmittel für Jugendliche zu erweitern. Bei längerer lleberführung ist die Rehabilitation dringend er­forderlich. Jugendgerichte sollen an allen Landgerichten ge­bildet werden, an den anderen Orten können sie gebildet werden. Der Richter soll zwar die Strafe verhängen, aber unter bestimmten Voraussetzungen von ihrer Durchführung Abstand nehmen. Der Korreferent Oberlandesgerichts­präsident Exzellenz Hamm (Bonn) legte hierzu eine Reihe von Abänderungsvorschlägen und Zusatzanträgen vor. Er wünschte vor allem die Aburteilung aller Straftaten Ju­gendlicher durch Jugendgerichte, und bezeichnete es als einen Schaden, daß der Richter auf die Gesetzesauslegung be­schränkt werde, statt daß man ihn mitten ins Leben stelle; er wolle Richter, die Freude haben an der Bewertung des ' lebenden Menschen. Exzellenz Hamm gab der Anschauung Ausdruck, daß für die Jugendgerichtspflege Frauen als Schöffen garnicht zu entbehren seien. An die beiden Vor­träge schloß sich eine ausgedehnte Diskussion, in der die Anschauungen der Freunde und der Gegner der Zulaßung von Frauen zu öffentlichen Aemtern teilweise scharf aufein­anderplatzten. Staatsanwalt Freiberger betonte, daß die Frauen jetzt schon nervös werden und die Besonnenheit ver­lieren, wenn von der Frauenbewegung gesprochen werde; hoffentlich komme es nicht soweit, daß die Frauen Richter werden. Bei dem Manne beherrsche der Kopf das Herz, bei der Frau das Herz den Kopf. Auch Amtsgerichtsrat Allmenröder (Frankfurt a. M.) wies darauf hin, daß die Frau für die Erziehung an Mert verliere, wenn sie an der Seite des Jugendrichters Urteile fälle. Frl. Pappritz (Berlin) verlangte demgegenüber unbedingte Zulaßung zum Schöfenamt, die mit der Frauenbewegung garnichts zu tun habe; die Frau stehe dem Seelenleben des Kindes viel näher und es sei unnatürlich, wenn der Mann allein über sittliche Verfehlungen des Weibes urteilen solle. Oberlandesgerichtspräsident Spahn erklärte die Zulaßung von Frauen zum Schöffengericht lediglich bei Verhandlungen gegen weibliche Angeklagte für angängig zu erachten. Fräul. Goudstikker (München) glaubte, daß weibliche An­geklagte auch im Falle einer strengeren Verurteilung vor ihren eigenen Eeschlechtsgenossinnen einen höheren Respekt haben würden, als vor Männern. Auch das Sinnbild der Justitia mit den verbundenen Augen zog Frl. Gaudstikker, zu Hilfe, um zu zeigen, daß die Frau für das Amt eines Schöffen geeignet sei. Dr. Becker (Dresden) empfahl einen Zusatzantrag, wonach die Schaffung von Sonderschöffen für Jugendliche nicht zu empfehlen sei. Schließlich wurden die Anträge der Referenten angenommen, der Antrag Becker mit geringer Mehrheit abqelehnt, über den Antrag Hamm überhaupt nicht abgestimmt. Die Tagesordnung war damit erledigt. Die Wahl des nächsten Tagungsortes wurde de« Vorstand überlaßen und hierauf die Tagung geschloßen.