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daß das zur Zeit bei den Truppen befindliche Feld- und schwere Haubitzenmaterial zum Ersatz verwendet wird. An Stelle der letzteren sollen den modernen Anforderungen voll­kommen entsprechende neue Feldgeschütze eingeführt werden. Auch ist in Aussicht genommen, die gesamte Gebirgsartille- irie, welche zur Zeit mit drei verschiedenen Modellen aus­gerüstet ist, einheitlich zu bewaffnen. Weiter sind die aus den 80er und 90er Jahren stammenden Geschütze der schwe­ren Angriffsartillerie zur Bekämpfung moderner Forti- fikationen unzulänglich. Jnfolgedesien müssen die Kano­nen, Mörser und Haubitzen nacheinander durch leistungs­fähigere Konstruktionen ersetzt werden. Endlich ist die Be­schaffung schwerer 30,5-Zentimeter-Mörser sowie weittra­gender Kanonen unb Haubitzen notwendig. Der in der letzten Zeit eingetretene raschere Fortschritt in den Kampf­mitteln erfordert auch den Ausbau der Grenzbefestigungen. Ferner ist die schnellere Beschaffung von Flugzeugen und IRotorballons unerläßlich.

Die Haltung Oesterreichs.

Wien, 11. Oft., 10.80 N. Bei der Beratung des bos­nischen Budgets in der österreichischen Delegation sagte der gemeinsame Finanzminister Bilinski: Wir sind entschlossen, die Friedenspolitik aufrechtzuerhalten, das heißt, wir sind entschlosien, unS unter die sich bekriegenden Parteien nicht rinzumischen. Daß wir nach Abschluß des Krieges uns die Resultate dieses Krieges anschauen und uns fragen müssen, ob nicht etwa durch die infolge des Krieges sich ergeben­den Veränderungen irgend ein Schaden für uns erwachsen könnt«, ist unsere Pflicht, wenn wir auch noch so friedlich denken.

Mobilisierung der Flotte.

Konstantinopel, 1L Oft. (Wiener Korr. » Bureau.) Ein heute abend erlassenes Jrade ordnet die Mobilisierung der Flott« au.

Sieg oder Niederlage?

Die Behauptungen über den Ausgang des Kampfes bei Podgoritza widersprechen sich noch immer. Außerdem ist es auffallend, daß nur sehr dürftige Meldungen überhaupt vorliegen. Das kann auf die Schwierigkeiten der Nachrich­tenübermittlung, es kann aber auch auf die Absicht zurück­zuführen sein, die eigenen Positionen nicht zu entschleiern. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Zunächst wird von montenegrinischer Seite gemeldet:

Podgor-tza, 11. Oktbr. Die Montenegriner nahmen Donnerstag abend die türkische Befestigung von Schip- canik zwischen Detschitsch und der Stadt Tuzi im Sturm. Sie beherrschen jetzt vollständig diese Stadt. Die beiden Gegner gaben große Beweise von Heldenmut. Bei den Montenegrinern herrscht freudige Stimmung wegen der beiden glänzenden Siege von Detschitsch und Schipcanik. Die Malissoren kämpften an ihrer Seite mit viel Auf­opferung. Spät am Abend empfing König Nikolaus in seinem Hauptquartier den türkischen Kommandanten von Detschitsch, der mit seinen Soldaten nach Podgoritza gebracht wurde.

Dieser türkischeKommandant" hat nach anderen Mel­dungen nur einen unbedeutenden Grenzposten gehabt.

Doch eine Niederlage?

Wien, 11. Oktbr. Nach derNeuen Freien Presie" erzählte gestern in einer Pause im gemeinsamen Finanz­ministerium Finanzminister Vilinsky einer Gruppe von Politikern und hohen Militärs, er habe die authen­tische Mitteilung erstatten, daß die Montenegriner eine empfindliche Niederlage durch die Türken erlitten hätten. Hohe Offiziere bestätigen, daß die bestimmte Meldung über eine schwere Niederlage der Montenegriner vor­liege. Die Schlappe sei darauf zurückzuführen, daß die Montenegriner mit großer Hast die Munition verschosien und infolgedessen den Kampf nicht weiterführen konnten.

Bulgarien vor dem Ultimatum.

Sofia, 11. Oktbr. Die Beratungen der Balkanstaaten über den Inhalt der Antwortnote auf die österreichisch­russische Demarche sind zwar noch nicht beendet, das wahr­scheinliche Projekt soll jedoch die administrative Autonomie für alle europäischen Vilajets unter der Kontrolle der Groß­mächte und der Balkanstaaten verlangen. Nachdem diese Forderungen von der Türkei schwerlich ohne Krieg ange­nommen werden, erwartete man in den nächsten Tagen die Ueberreichung des Ultimatums und die darauf folgende

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Kriegserklärung der drei Balkaustaaten. Eine weitere Intervention der Großmächte ist unwahrscheinlich.

Die Vermittelung der Mächte.

Die der Pforte von den Mächten zugegangene Note be­sagt:

Die Botschafter sind von ihren Regierungen beauf­tragt, der Pforte mitzuteilen daß die Mächte von der öffentlich angekündigten Absicht der türkischen Regierung Kenntnis nehmen, Reformen im Sinne des Artikels 23 des Berliner Vertrages und des Gesetzes von 1880 ein­zuführen, Reformen, die die Verwaltung der europäischen Türkei zuläßt, und 'Maßregeln, die geeignet sind, ihre Verwirklichung im Interesse der Bevölkerung zu sichern, wobei sich versteht, daß die Reformen die territoriale In­tegrität des ottomanischen Kaiserreiches nicht antasten. Die Mächte würden die Reformen unverzüglich mit der Pforte beraten."

Griechenlands Nolle.

Paris, 11. Oktbr. Hier zirkulierenden Gerüchten zu­folge soll der König von Griechenland mäßigend aus die ver­bündeten Balkanstaaten einwirken. Er habe bei der Durch­reise in Berlin und Wien seinen energischen Willen aus­gesprochen, den Frieden, wenn irgend möglich, aufrecht zu erhalten, er könne aber angesichts der Volksstimmung nicht viel tun. Hierauf wird die Zögerung Bulgariens bei der Antworterteilung auf die Note der Mächte zurückgeführt. Die Nachricht von montenegrinischen Erfolgen bei Skutari und Podgoritza begegnen hier ernsten Zweifeln. DerMa- tin" meldet aus Newyork, dortigen Gerüchten zufolge suche die Türkei bei der Morgangruppe eine Anleihe von 40 bis 50 Millionen nach, die Morgangruppe verweigere sowohl ein Dementi wie eine Bestätigung.

Eine Erweiterung der russischen Mobilmachung.

Wien, 11. Oktbr. Nach in Krakau eingetroffenen Mel­dungen aus Warschau beginnt heute die Mobilisierung im ganzen Gebiet der Donkosaken. Die Behörden sollen ange­wiesen sein, die Mobilisierung auf das rascheste durchzu­führen, da die Heeresleitung beabsichtige, in einer Woche alle Kosakenregimenter nach Russisch-Polen zu dirigieren.

Serbien vor der Entscheidung.

Semlin, 11. Oktbr. Die in Belgrad heute mittag aus­gegebenen Extrablätter melden, daß die serbische Kriegser­klärung noch heute abend zu erwarten ist. Auf eine An­frage im Ministerium des Aeußern ist keine bejahende, aber auch keine direkt verneinende Auskunft erteilt worden. Die ganze Stadt befindet sich in großer Aufregung. Die Men­schenmenge zieht fortwährend vor den Konak und bringt König Peter unter Schmährufen gegen die Türkei lärmende Huldigungen dar. Der türkische Gesandte ist noch hier, hat aber am Vormittag bei der Belgrader Französischen Bank 7000 Franken Reisegeld abgehoben.

Ein Bericht Aber die Kämpfe bei Podgoritza.

Wien, 11. Oktbr. Die Mitteilung über eine montene­grinische Schlappe bei Podgoritza, die der gemeinsame Fi­nanzminister Ritter v. Vilinsky gestern abend auf einem Rout im gemeinsamen Finanzministerium machte, soll die­ser direkt aus der Umgebung des Kaisers erhalten haben. Die Meldung rührt offenbar von dem österreichischen Mili- tärattachee in Cettinje her und ihre Richtigkeit kann nicht angezweifelt werden. Die Meldung bezog sich aber augen­scheinlich als den ersten Tag der zweitägigen Kämpfe um das Sperrfort Deziz. Am ersten Tage waren alle Stürme der montenegrinischen Hauptarmeee unter dem Kronprinzen Danilo mit blutigen Köpfen abgewiesen worden. Die mon­tenegrinische Artillerie hatte sich total verschosien und meh­rere Geschütze waren unbrauchbar geworden. König Niko­laus stellte den montenegrinischen Artilleriekommandeur Obersten Cozovic scharf deshalb zur Rede, worauf dieser, wie gemeldet, Selbstmord beging. Gestern, Donnerstag, nahm die montenegrinische Armee den Kampf um Deziz wieder auf, und es gelang schließlich der montenegrinischen Uebermacht, das Fort, nachdem desien Artillerie zum Schwei­gen gebracht war, nach blutigem Kampfe um 4 Uhr nach­mittags mit Sturm zu nehmen und die montenegrinische Flagge auf dem Fort zu hisien. Der türkische Kommandant, Solar Eddin, ergab sich mit dem Rest der tapferen Vertei­diger. Er wurde abends von König Nikita im Hauptquar­tier empfangen und dann mit den Soldaten in die Ge­

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fangenschaft abgeführt. Nach der Eroberung von Deziz nahmen die Montenegriner abends noch das gegenüber­liegende Sperrfyrt Schipkanik mit Sturm. Die Türken zogen sich auf die Stadt Tuzi an der Straße nach Skutari zurück, wo die Schlacht auch heute noch fortgesetzt wurde. Die Ma- lisioren kämpfen auf feiten der Montenegriner. Gleichzeitig bedroht ein rechtes Flügelkorps der Montenegriner unter dem Kriegsminister Martinovic, von Antivari aus längs des Bojanaflusses vorgehend, Skutari vom Westen. Ein linkes Flügelkorps der Montenegriner unter General Vuko- vic, dem Schwager des Königs, hat bei Berane die Grenze des Sandschak Novibasar überschritten. Bisher scheinen aber die Türken, verstärkt durch Albanesen, die Stadt noch zu halten.

Der italienisch-türkische Krieg.

Paris, 11. Okt. Nach den letzten hier eingettoffenen Nachrichten aus türkischer Quelle ist die Beseitigung der letzten Schwierigkeiten in den Friedensverhandlungen zwischen Italien und der Türkei als unmittelbar bevor­stehend anzusehen, so daß die Unterzeichnung des Friedens möglicherweise schon morgen erfolgen dürfte.

Aus aüer Welt.

Zur Morphiumaffäre in Bayreuth erfahren die M. N. N." auf Erkundigung an zuständiger Stelle dieses: Oberleutnant Neuhütl lernte vor einiger Zeit Dr. Ziehm, der in dein Sanatorium Adlerhütte zur Kur weilte, kennen und wurde von diesem einaeladen, ihn in Adlerhütte zu be­suchen. Dienstag nun fuhr Oberleutnant Neuhütl nach Adlerhütte und nach einem (Spaziergang fuhren beide im Automobil des Anstaltsleiters nach Bayreuth zurück. In Bayreuth besorgte Dr. Ziehm, der Morphinist ist, in der Apotheke Morphium. Dann begaben sich beide Herren in die Wohnung des Oberleutnants, wo sie das Morphium in Getränken zu sich nahmen. Später versuchte Dr. Ziehm nochmals in der Apotheke Morphium zu erlangen, doch ver­weigerte der Apotheker die Abgabe eines weiteren Quantums. Daraufhin fuhr Dr. Ziehm im Automobil wieder nach Adlerhütte zurück. Von anderer Seite wird mitgeleilt, daß Assistenzarz Dr. Ziehm in dem Sanatorium Adlerhütte Heilung von der Morphiumsucht gesucht hatte. Trotz des vielen Morphiums, das er in der Wohnung Oberleutnants Neuhütl zu sich genommen, hat sich Dr. Ziehm wieder voll­ständig erholt und ist bereits in seine Heimat abgereist.

Verhängnisvolles Kinderspiel. Der neunjährige Sohr der Witwe Martha Hillert in Weißenfels spielte allein in der Wohnung. Als die Mutter nach einiger Zeit die Stube betrat, fand sie ihren Jungen mit einem an der Decke b» festigten Bindfaden um den Hals auf einem Stuhle knieend tot vor. Die Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos Das Kind hatte zum Spiel den Bindfaden an der Decke be­festigt und am anderen Ende eine Schleife gemacht. Ver- mutlich hat eS nun im törichten Spiel den Kopf durch die Schlinge gesteckt, um zu versuchen, wie das Erhängen ge­macht wird, kippte dabei aber vom Stuhl und blieb hängen, ohne sich helfen ober um Hilfe rufen zu können.

Das Grab im Meer. Die beiden schwedischen Dampfer Virgo" undRuben", die am 29. September von Riga nach Gothenburg bezw. Aarhus abgegangen waren, sind seitdem spurlos verschwunden und es fehlt bis zum heutigen Tage jede Nachricht von deren Verbleib. Man befürchtet, daß beide Schiffe infolge der schweren Stürme, die letzthin,in der Ostsee wehten, mit Mann und Maus untergegangen sind. Die Besatzung der beiden Schiffe betrug zusammen 40 Mann. Der DampferVirgo" war das Schiff, das im Jahre 1897 die Vallonexpedition Andrees nach Spitzbergen ge­bracht hatte. -

Auge um Auge, Zahn um Zahn.^Der alte Krieg zwischen Tier und Metzsch wird in Indien mit großer Energie wei­tergeführt. Letztes Jahr erlagen den Waffen des Menschen dort 25 840 Raubtiere darunter 1426 Tiger, 5352 Leo­parden und 4251 Wölfe und 172 000 Schlangen, während Sie entsprechenden Zahlen für das Vorjahr 19 282 und 91100 waren. Die Raubtiere ihrerseits töteten 1947 Menschen gegen 2382 im Vorjahre, und die Schlangen 24 264 gegen 22 478; den Raubtieren fielen 91709 und den Schlangen 10 533 Stück Vieh zum Opfer.

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