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Erstes Stott

Mnrückungsgebvhrr

Sie ögespaltene Petitzetle oder deren Raum 20 Pfg. im SteOameieU Me.âetle 60 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei deß verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanas.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 23 8

Aernsprechattschlittz Nr. 230

Donnerstag den 10. Oktober

Bezugspreis?

Vierteljährlich 1.80 Mk., monatlich 60 Pfg' für Poft bezug vierteljährlich 2.1g Mk^ monatlich 70 Pfg.

Die einzeln« Kummer kostet 6 Pfg,

verantwortl. Redakteur: 6. Schrecke, in Hanau

Fernsprechanschlitk Nr. 230

1912

Ne Heutige Hummer mW ouBer Hem WalhmoÄt

14 Seiten.

AmtNKtS. .

Landkreis kjanau.

An die Herren Bürgermeister des Kreises.

Der erste Vorsitzende des in diesem Jahre zu Dresden abgehaltenen Allgemeinen Fürsorgeerziehungs-Tages, Di­rektor der Brandenburgischen Provinzial-Schul- und Er­ziehungsanstalt, Pastor Seiffert in Strausberg, hat in Ge­meinschaft mit der Verlagsbuchhandlung von Karl Markold in Halle a. S. ein JllustrationswerkDie deutsche Für­sorge Erziehungsanstalten in Wort und Bild" heraus­gegeben, das im Buchhandel zum Preise von 30 Pfg. pro Exemplar zu beziehen ist.

Im Interesse der weitesten Verbreitung dieses für die Fürsorgeerziehung bedeutsamen Werkes empfehle ich die Anschaffung desselben.

Hanau den 7. Oktober 1912. V. 5807

Der Königl. Landrat.

F r h r. L a u r.

An die Herren Bürgermeister und Gntsvorsteher des Kreises.

Am 2. Dezember d. Is. findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt. Gleichzeitig wird die Zahl der in der Zeit vom 1. Dezember 1911 bis einschließlich 30. November 1912 vorgenommenen, amtlich nicht beschauten Schlachtungen ermittelt werden.

Den Herren Bürgermeistern und Eutsvorstehern werden die hierzu erforderlichen Formulare in den nächsten Tagen ohne Anschreiben übersandt werden; ein etwaiger Mehr­bedarf dieser Formulare ist bei mir umgehend anzumelden.

Wegen der den Ortsbehörden bei der Zahlung obliegen­den Arbeiten verweise ich auf die §§ 37 der im Formu-, lat D abgedruckten ministeriellen Bestimmungen. Die hier­nach einzurichtenden Zählbezirke sind alsbald zu bilden und daß dies geschehen, mir bis zum 1. k. Mts. anzuzekgen.

Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß die unter der Bevölkerung immer wieder auftretende Annahme, daß die Viehzählung zu irgend welchen steuerlichen Zwecken er­folge, irrig ist, weil die Zählung lediglich nur zu statisti­schen Zwecken erfolgt. Die Herren Bürgermeister und Euts- vorsteher wollen nötigenfalls ebenfalls die erforderliche Aufklärung geben.

Hanau den 5. Oktober 1912. V. 5660

Der Königliche Landrat. F r h r. L a u r.

An die Herren Bürgermeister und Gutsoorsteher des Kreises.

Beschulung blinder pp. Kinder.

Unter Bezugnahme auf meine Krsisblattbekanntmachung vom 29. Februar d. Js. V. 1409 (vergl. Nr. 52 des Hanauer Anzeigers) über die Beschulung blinder pp. Kinder ersuche ich um sofortige Aufstellung der Nachweisung der am 1. Oktober 1912 vorhandenen blinden und sehr schwachsichtigen Kinder, welche bis zum 1. April 1913 das sechste und der taubstummen, stummen, tauben und sehr schwerhörigen Kinder, die bis zum 1. April 1913 das siebente Lebensjahr erreichen werden. (Anlage A der Ausführungs­anweisung zum Gesetz betreffend die Beschulung blinder und taubstummer Kinder Regierungs-Amtsblatt für 1912, Seite 108 ff. und Amtliches Schulblatt für 1912, Seite 23).

Die Nachweisung ist in doppelter Ausfertigung auf­zustellen und an die zuständig« Ortsschulbehörde (Schul- deputation, Schulvorstand) abzugeben, welche dieselbe an den zuständigen Kreisschulinspektor weiterzureichen hat; letzterer legt die Nachweisung durch meine Hand der König­lichen Regierung vor. (Dergl. Abs. 6 meiner eingangs er­wähnten Kreisblattbekanntmachung.)

Ich ersuche, mir bestimmt bis zum 21. d. Mts. anzu­zeigen, ob die Aufstellung der fraglichen Nachweisung er­folgt und dieselbe weitergereicht ist; falls eine Liste nicht aufzustellen war, ist Fehlanzeige nicht nötig. Hanau den 9. Oktober 1912. V. 5809

Der König!. Landrat.

Frhr. Laur.

Städtisches Wasserwerk.

Diejenigen, welche mit Zahlung des Wasiergeldes und der Kanalbenutznngsgebühr für Juli / September 1912 noch im Rückstände sind, werden hierdurch aufgefordert, diese Rückstände bis zum 14. Oktober d. J. bei unserer Kasse, Leipzigerstratze 17, während der Stunden, vor­mittags von 1012*/i Uhr einzuzahlen, da vom 15. Oktober d. I. ab die zwangsweise Beitreibung der rück­ständigen Beträge erfolgen wird.

Bemerkt wird noch, daß die Mahngebühr auch dann zu zahlen ist, sobald die Mahnzettel zur Zustellung aus­gegeben sind.

Hanau den 8. Oktober 1912. 25195

Die Wasserwerk-Direktion. von G ätzler.

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Kaufmanns Richard Alt­mannsperger, alleinigen Inhabers der Firma: Fr. Königs Buchhandlung R. Altmannsperger" in Hanau ist heute, am 8. Oktober 1912, nachmittags 12 Uhr 14 Minuten, das Kon­kursverfahren eröffnet.

Der Rechtsanwalt Dr. Nußbaum in Hanau ist zum Kon­kursverwalter ernannt.

Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur An­meldung bis zum 26. November 1912; erste Gläubigerver­sammlung am 8. November 1912, vormittags 10 Uhr. Prü­fungstermin am 13. Dezember 1912, vormittags 10 Uhr- vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau, Nußallee Nr. 17, Zimmer Nr. 17.

Hanau den 8. Oktober 1912. 25197

Der Gerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts, Abt. 5.

Gefunden: 1 Handtasche mit Birnen. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 8. Oktober 1912. 25183

6ehmöene unh wtlow ßegenllönie it.

Gefunden: 1 Sack mit Bürsten, 1 Kohlen­kassenbuch.

Verloren: 1 silberne Rocknadel mit Emaille, 1 Portemonnaie mit etwa 8 Mk., 1 Paket mit Sammet und schwarzer Strickwolle.

Zugelaufen: 1 graues junges Huhn.

Hanau den 10. Oktober 1912.

Die Kriegsgefahr am Balkan.

Die Kriegserklärung.

Der Appell Montenegros an die Waffen hat bei den Bundesgenossen eine ungeheure Begeisterung hervorgerufen. In Sofia und Belgrad fordert die öffentliche Meinung, daß man dem Beispiel des als Helden gepriesenen Königs Nikita folgen solle und sofort der Türkei die Kriegserklärung über­reichen müsse. In dem llèberschwang der Gefühle glaubt man, die Söhne der Schwarzen Berge seien in siegreichem Vormarsch in das Sandschak Nowi Basar hinein, obgleich bis jetzt nur die eine Tatsache feststeht, daß um die kleine Stadt Berana unmittelbar an der Ostgrenze gekämpft wird. Die Montenegriner hatten mit Aufgebot aller verfügbaren Hilfskräfte, sogar von Frauen und Kindern, begonnen, eine Straße von Andrisewitza nach der Grenze zu bauen, augen­scheinlich um Artillerie gegen die türkischen Blockhäuser und Schanzen einsetzen zu können, auf die sich die Befestigungen beschränken. Daß Berana zum Ziel des Vorstoßes gewählt wurde, liegt wohl daran, daß hier auf osmanischem Boden ein Teil des KlanS von Andrijewitza sitzt, dessen Gebiet aus strategischen Gründen auf dem Berliner Kongreß zwischen der Pforte und Montenegro geteilt wurde. Diese Bergbewohner haben stets gemeinsame Sache mit den Montenegrinern ge­macht, wenn es mit den Türken zu den landesüblichen Schießereien kam. Vielmehr als Montenegro hätte die Pforte Grund zu Be chwerden über die steten Hetzereien und Um­triebe gehabt, die von Cettinje unter ihren Untertanen ange­stiftet wurden. Es klingt deshalb sehr merkwürdig, wenn der montenegrinische Gesandte die Kriegserklärung mit be­rechtigten Beschwerden seiner Regierung und Mißverständ­nissen, die ungeregelt geblieben seien, entschuldigen rooLie. Es sollte eben das Signal zum allgemeinen Zusammenstoß gegeben werden.

" Der kühle Kopf deS Königs Nikita läßt sich von senti- mentalen Regungen nicht beeinstussen, er wußte, was er tat, als er seine Truppen marschieren ließ und erwartet, daß die Schüsse, die bei Berana fallen, einen gewaltigen Widerhall im Süden finden. Sein Einsatz bei diesem Spiel ist gering.

Rücksicht auf die Schädigung der Volkswirtschaft kennt man in einem Lande nicht, das ohne die geldliche Beihilfe von Rußland nie imstande gewesen wäre, seine Armee mit modernen Waffen auszurüsten. Und die schweren Geschütze für die Straßensperren und Befestigungen einzelner wichtige, Punkte hat ihm der italienische Schwiegersohn schon oci Jahren geschenkt. In der Heimat können Tausende von Montenegrinern keine Nahrung gewinnen, sie wandern des« halb aus, schicken ihr, Ersparnisse an die zurückgebliebenen Familien und betrachten im übrigen einen Waffengang mit den Türken als eine angenehme Unterbrechung. Ein Verlust von Land und Leuten braucht der König nicht zu fürchten, die Großmächte haben ja als Grundsatz aufgestellt, daß auch der Sieger keinen Gebietszuwachs zu erwarten hat. Man steht, daß Montenegro von seinem Standpunkt aus mit leichtem Herzen den Ruf zu den Waffen ertönen lassen kann. Es darf ferner auf militärische Erfolge rechnen, so wenig Bedeutung auf den Gang der großen Ereignisse sie auch haben mögen. Die türkischen Truppen im Sandschak Nowi Basar sind nicht zahlreich, und wenn auch vor einigen Wochen stärkere Kräfte von Mitrowitza und Uesküb an di» Grenze gesandt wurden, so läßt sich doch annehmen, daß sie jetzt überwiegend zurückgenommen worden sind, um an bei wichtigern Stelle des Aufmarsches gegen Serbien eingesetzt zu werden. Die Last des Kampfes liegt auf türkischer Seite auf den Albaniern, die nach allem, was wir wissen, sich rückhaltlos auf die Seite der mohammedanischen Glauben»- genossen gestellt haben, mit denen sie eben noch in Fehde standen. Es wird ein erbitterter Kampf im Gebirge ent­brennen. Für die allgemeine Lage aber hat das Losbrechen Montenegros die Bedeutung des Rufs zum Feldzug oliv Balkanstaaten gegen die Türkei.

Die Haltung Bulgariens,

Sofia, 9. Okt., 10.50 N. Auch heute kam der Minister- rat zu keinem endgültigen Beschluß über eine Entgegnung auf die gestrigen Eröffnungen der Mächte, angeblich wegen er­schwerter Verbindungen mit Athen. Man behauptet, vor Montag sei keine Entscheidung zu erwarten. Auch an der heutigen Beratung nahm der Präsident der Sobranje, Danew, teil, dessen OrganBulgare" an die Adresse der Montene­griner schreibt:Immer vorwärts, Brüder! Euch folgen nach die treuen Genossen, die untereinander geschworen haben, bis zum Tode für die Freiheit Mazedoniens zu kämpfev Vorwärts! Auf baldiges Wiedersehen!"

Sofia, 9. Okt. Das BlattMir" schreibt in einem Leitartikel: Die Forderungen der verbündeten Balkanstaaten sind seit langem bekannt. Die Mobilisierung ist eine Folge des Unvermögens der Türkei, in ihren Provinzen Ordnung herzustellen. Wenn die Halbinsel aufhört, Europa zu alar­mieren, so können die Mächte den Balkanstaaten für diesen Dienst nur dankbar sein. Der Türkei eine Frist für die Durchführung der Reformen durch sie selbst geben, hieße, den Krieg wünschen. Der Schlüssel der Situation liege in der Einführung einer internationalen Kontrolle für bie Durch­führung der Reformen in der Türkei.

Sofia, 9. Oktbr. Die Kriegserklärung durch Mon­tenegro hat hier einen ungeheuern Eindruck gemacht, der alles in kriegerischer Begeisterung unwiderstehlich mit sich reißt. Der König Nikolaus wird fast vergöttert, die Abgeordneten senden ihm die überschwänglichsten Glückwunschtelegramme. Die Regierung steht dem Ansturm der öffentlichen Meinung machtlos gegenüber, die gebieterisch die Fortführung deS von Montenegro begonnenen Werkes fördert und deshalb auf die schleunigste Kriegserklärung drängt, die jeden Tag erfolgen kann. ES gibt jetzt keine Friedensfreunde in Bulgarien mehr. Man lacht über die europäische Diplomatie, der man Unauf­richtigkeit oder Unkenntnis vorwirft. Serbien geht vollstän­dig mit Bulgarien Hand in Hand und man erwartet, daß Paschitsch dieselbe Antwort wie Geschow erteilen wird, und erklärt dies als ein äußerliches Zeichen der völligen Ueber­einstimmung der Verbündeten, die durch den Schritt der Mächte noch enger aneinander geknüpft seien.

Die Mobilmachung.

Wien, 9. Oktbr. Das Wiener k. L Korrespondenz- bureau meldet aus Konstantinopel von gestern: Infolge der Verkündung des Delagerungsrustandes wurde die Ubhaliuiig der für Heuie erwarteten Versammlungen unmöglich. Die Regierung ermächtigte die türkischen Handelsschiffe, wieder in das Schwarze Meer zn fahren. Man erzählt, daß ine in Uesküb beschlagnahmten serbischen WaffentranSporte auS 62 Kanonen, 36 000 Geschossen und einer Menge von Schrap­nells bestehen. Die Regierungspresse :ißt dte Entscheidung der Regierung und führt die Reformen auf ihre eigene Ent- schließung zurück. Der Jkdam weist die Reformgedanken Lurück. bie o»u außerhalb aukaeuöt^t würden. Der Tanzimat