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D1« egefpafkne Petitzelle oder deren Raum 20 Pfg, im RellameteU bte Zelle 50 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Duchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzcigtr

Bezugspreis;

vierteljährlich 1.80 Ml^ monatlich M Wg., für Post­bezug vierteljährlich 2.10 «DIL, monatlich 70 Pfg. Die einzelne Nummer kostet 5 Psg.

Amtliches Organ für Stadt- und FandKreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: T. Schrecke, in Hanau,

Nr. 237 M.rnIpr.chanMlutz Nr. 230. Mittwoch den 9. CftODCt N-rn,pre»anschl,,k Nr. 230. 1912

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Amtliches.

Stadtkreis F>anaa. Bekanntmachung.

Am 1. April 1913 sind 8000 Mark Stistungsgeld'er zu 4%% gegen erststellige Hypothek auszuleihen.

Näheres Stadthauptkasse Markt Nr. 18.

Stadtkasse. 25153

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Langenselbold belegene, im Grundbuche von Langen­selbold Artikel 1806 in Abteilung I unter Nr. 12 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkeß auf den Namen der Anna Marie Ruth, Johann Konrads Tochter in Langen­selbold eingetragene Grundstück:

ÄTibl. 74 Nr. 7, Auf dem Hinserbrühl, Acker, 10,02 ar 2,43 Taler Reinertrag

am 3. Dezember 1912, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle ver- steigert werden. 25119

Langenselbold den 7. Oktober 1912.

Königliches Amtsgericht.

Politische Rundschau.

Das Kaiserpaar in Königsberg. Das Kaiserpaar, die Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Joachim sind von Rominten gestern mittag in Königsberg eingetroffen. Der Kaiser begab sich in die Kaserne deß Grenadier-Regiments Nr. 3, wo er das Frühstück im Kreise der Offiziere ein* nahm. Die Straßen trugen Flaggenschmuck. Auch die Schiffe im Hafen haben über die Toppen geflaggt. Das Kaiserpaar setzte um 3^4 Uhr seine Fahrt nach Cadinen fort, wo es um 5 Uhr 25 Min. eintraf.

Der Bundesrat. Der Bundesrat wird seine regelmäßi­gen Plenarsitzungen am Donnerstag wieder aufnehmen. Er wird zunächst einige laufende Geschäfte erledigen. Unter den Vorlagen, die ihm bereits zugegangen sind, steht an erster Stelle der Gesetzentwurf über Jugendgerichte, der, von einigen Abänderungen abgesehen, dem betreffenden Abschnitt der vom vorigen Reichstag nicht mehr erledigten Strafprozeßordnung entspricht.

Parlamentarisches aus Hessen. Der Gefetzgebungsaus- fchuß der hessischen Zweiten Kammer lehnte in seiner Si­tzung am Dienstag die sämtlichen Anträge der Abgg. Hen­rich und Ulrich zum Wahlgesetz gegen eine Stimme ab. Bei der Regierungsvorlage über die Landeskreditkassen wurden die Verhandlungen zur Sprache gebracht, die zurzeit mit der Regierung wegen der Sanierung der Nieder-Modauer Sparkasse gepflogen werden. Voraussichtlich ist die Regie- tung bereit, einen größeren Betrag unverzinslich zur Ver­fügung zu stellen.

Truppentransport nach der westafrikanischen Küste. Mit dem heute in Hamburg abgehenden DampferEleonore Woermann" werden die Ablösungsmannschaften für die an der westafrikawschen Küste stationierten Kanonenboote ^Eber" undPanther" nach Afrika befördert. Die Landung erfolgt in Duala am 2. November.,

erstes MiMinenklsMt Ser MMetts.

= Hanau, 9. Oktober.

Die anauer Konzertsaison hat begonnen. Den Reigen der ernsthaften, vollwertigen musikalischen Veranstaltungen zu eröffnen, oblag vorgestern abend dem Hock-Quartett. Die in der Reife ihrer hohen Kunst stehenden Mitglieder desselben, die Herren Hermann Hock, Fritz Dippel, Gotthold Graf und Heinrich A p p u n n, hatten für ihre Zuhörer einen ebenso eigenartigen, als seltenen Kunstgenuß vorbereitet: ein Programm mit spezifisch russischer Musik. Selbstredend war diese Musik den Höhenlagen moderner slavischer Tondichtung ent­nommen. Elazounow, Eretchaninow, Tschaikowsky und Glière hatten das Wort, und als Solist figurierte Herr Nicolaus Naumow, der ein gebürtiger Russe seine Gehänge in russischer Sprache darbot. Ein merk- ' würdiges Milieu; so recht dazu angetan, in der Deut­lichkeit einer sinnlich greifbaren Nähe die leider allzu rasch sich verflüchtende Fata morgana eines musikalischen Zauberlandes vor dem geistigen Auge des empfänglichen Hörers erscheinen zu lassen!

Die beiden Jnstrumentalnummern, Glazounow's Streichquartett d-moll op. 70 und G liör e' s Sextett C-dur op. 11, zeigten sich in ihrer motivischen Erfindung, in ihrem logischen Aufbau, in ihren charakteristischen i Klangfarben und prickelnden rhythmischen Eigenarten I als hinreißende Offenbarungen geistvoller und t«»

Preußischer Städtetag.

Düsseldorf, 8. Oktbr. Heute vormittag begannen die Verhandlungen des preußischen Städtetages. Der erste Vor- : sitzende, Oberbürgermeister Wermuth, gedachte in seiner Eröffnungsrede seines verstorbenen Vorgängers Kirschner. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Oberbürger­meister Wallraf-Köln, zum zweiten stellvertretenden Vor­sitzenden Stadtdirektor Tramm-Hannover gewählt. In den Vorstand wurden neu gewählt Oberbürgermeister Matting- Breslau, Voigt-Frankfurt a. M., Dr. O. Scholz-Eassel und Lindemann-Kiel. Die Versammlung beriet als ersten Gegenstand der Tagesordnung das Wassergesetz; sie hieß die Denkschrift des Vorstandes des preußischen Städtetages an den Landtag gut und beriet dann über die Teuerung. Ober­bürgermeister Wermuth berichtete über die Beschlüsse des Vorstandes des deutschen Städtetages in Köln, denen die Versammlung beitrat.

Bayerischer Landtag.

In der gestrigen Sitzung der Abgeordnetenkammer kamen zunächst die Anträge des Zentrums auf Erleichterung der genossenschaftlichen Wasserversorgung zur Beratung. Der Beschluß des Ausschusses geht dahin, die Regierung zu er­suchen, weitere Mittel bereit zu stellen, um den sämtlichen zum Zwecke der Wasserversorgung zu Gruppen zusammen- qeschlossenen Gemeinden, sowie auch einzelnen Gemeinden und Genossenschaften Staatszuschüsse in erhöhtem Maße gewähren zu können. Zum Zwecke der Wasserversorgung des Franken­waldes sollen Erhebungen augestellt und Prosekte ausgearbeitet werden. In der Debatte wurde von den Rednern der ver­schiedenen Parteien auf die hygienische Bedeutung der Wasser­versorgung und auf die in dieser Beziehung im Jura und Frankenwald bestehenden besonders schlimmen Verhältnisse hingewiesen. Ein Regierungsvectreter erklärte, das Ministerium des Innern werde darauf bedacht sein, möglichst reichhaltige Mittel als Zuschüsse für die Wasserversorgung in der nächsten Finanzperiode bereitzustellen. Schließlich wurde der Ausschußantrag einstimmig angenommen. Dann kommt die Regierungsvorlage für die Kanalisierung des Mains von Hanau bis Aschaffenburg und für Errichtung einer Umschlaganlage bei Leider zur Beratung. Als erste Rate wird im Nachtragspostulat zum Etat die Summe von 3 Millionen Mark verlangt. Abg. Hübsch (Fortschr. Vp.) begrüßt das Projekt, besonders im Interesse der Industrie, die von dem verbilligten Kohlenbezug profi­tieren werde. Bedenklich sei der Umstand, daß der Artikel 2 des Schiffahrtsabgabengesetzes mit seinen Zusicherungen für Bayern wegen der Verhandlungen mit Holland noch nicht in Kraft treten könne. Dadurch könne es geschehen, daß auf dem Untermain Abgaben erhoben werden müßten, die jene Vorteile, die auf dem Obermain erzielt werden, wieder un­wirksam machten. Die Ausnutzung der Wasserkräfte am Wehr bei Kleinostheim und bei Mainaschaff sollte so rasch wie möglich in die Hand genommen werden. Der Redner vertritt einen besonderen Antrag der Liberalen, der die Fort­setzung der Kanalisation über Aschaffenburg hinaus fordert, um allen Industrien die Möglichkeit billiger Kohlenzufuhr zu schaffen. Schon bei Kreuzwertheim den Endpunkt für die Kanalisation festlegen zu wollen, würde für Bayern von großem Nachteil sein. Die Regierung möge alsbald in Vorprüfungen eintreten, um die KanalisationLprojekte weiter auszubanen, so vor allem zum Zwecke der Fortführung der

empstndender Autoren. In Bezug auf Kompositions­technik ist die eine Nummer der anderen völlig eben­bürtig. Inhaltlich wird allerdings ein merklicher Wert­unterschied zwischen beiden Werken erkennbar, insbe- besondere bei den Andante-Sätzen. Da nun aber in einem Kammermusikwerk, wie bei allen in der großen Sonatenform geschriebenen Kompositionen, gerade der Andante-Satz es ist, der den Eckstein bildet, an dem die Geister sich scheiden, so geben, wir Elazounow um seines herrlichen Adagio willen den Vorzug vor dem Sextett, trotzdem dieses durchweg prächtige, hinreißende Tonverwebungen in sick birgt und zu gewaltigen Klangwirkungen von fast orchestralem Glanze sich mächtig erhebt. Glazounow geht mehr in die Tiefe, und dann entfachen seine Gedanken eine solche Leidenschaft der Empfindung, daß deren spannende melodische und harmonische Gestaltung mit dem Brücktest einer Zeitsekunde rechnen muß, um sie den Hörer sowohl als auch den ausübenden Künstler bis zu dem Volliuaß ihrer vibrierenden Erregungen auskotten zu lassen. Das Hock-Qua» tett sieht auf der Höhe solch schwieriger Aufgaben. Es zeigte sich allen den Anforde­rungen voll und ganz gewachsen, welche die beiden fraglichen Kompositionen an ihre Ausführung knüpfen. Mit durch­sichtiger Klarheit traten auf der ganzen Linie die empfind­lichsten Läufe und Lauschen in die Erscheinung, wie über­haupt die gesamte technische Seite der Darbietung und des Ens e m b l e s sowohl bei dem Quartett, als auch bei dem Sertctt in künstlerischer Vollendung sich rentierte. Die geistige AuSbevt« der KsWVsSt'»««

Mainkanalisation bis Bamberg. Abg. Hartmann (Deutscher Bauernbund) hebt die Bedeutung des Projektes für den bayerischen Holzabsatz hervor. Äbg. Osel (Ztr.) gibt dem Wunsch Ausdruck, die Reichsleitung möge die Verhandlung mit den Niederlanden bald zum Abschluß bringen, damit die Gründung der Stromkasse in Angriff genommen werden könne. Abg. Saeckler- (Soz.) wünscht in Uebereinstimmung mit dem liberalen Antrag möglichst rasche Durchführung der Kanalisation über Aschaffenburg hinaus; jedenfalls müsse mit Rücksicht auf die im Winter drohende Arbeitslosigkeit mit den Arbeiten bald begonnen werden. Abg. Häuerlein (Fortschr. Vp.) sieht in dem Projekt der Regierung den er­freulichen ersten Schritt zu einer großzügigen Wasserstraßen­politik. Die Bedeutung, die die bayerischen Kanalprojekte auch für Preußen haben, lasse erwarten, daß Preußen die bayerischen Bestrebungen nach jeder Richtung hin fördern werde. Die Kanalisation müsse aber weitergeführt werden, sie dürfe nickt bei Kreuzwertheim enden. Minister des Innern Dr. Frhr. v. Soden erklärt, es sei zu erwarten, daß Artikel 2 des SchiffahrtSabgabengesetzes bald in Kraft treten könne. Die Wasserkräfte in Ostheim und Mainaschaff sollten sobald wie möglich ausgenutzt werden. Die Re­gierung könne sich zu den Wünschen auf Weiterführung der Kanalisation über Aschaffenburg hinaus noch nicht äußern. Die Vorlage wird dann einstimmig angenommen, der liberale Zusatzantrag gleichfalls einstimmig.

Englisches Oberhaus.

London, 8. Okt. Lord Landsdowne fragte im Ober- Hause nach den letzten Nachrichten über die Balkankrisr und ob die jetzt zur Erörterung stehenden Reformen, die auf den Artikel 23 des Berliner Vertrages * gegründet sind, in allge­meine Uebereinstimmung gebracht werden sollten mit dem Resormplan, der als maßgebend für Ost-Rumelien bekannt sei. Der Staatssekretär für Indien. Lord Crewe erwiderte, er könne der Auskunft, die Sir Edward Grey gestern gab, nicht sehr viel hinzufügen. Er stellte fest, daß den Groß­mächten zwei Fragen vorlägen. Erstens hegten die Groß­mächte den Wunsch, daß der Friede dem Balkan nach Mög­lichkeit erhalten werde, und daß zu diesem Zweck den Balkan­staaten die Ansichten der Großmächte klar gemacht würden. Die beiden meist interessierten Mächte nämlich Oesterreich und Rußland, wollten und sie haben dies vermutlich in­zwischen getan den Balkanstaaten auf den - von allen Mächten gebilligten Grundlagen Vorstellungen machen. Dies« Vorstellungen sollten dazu beitragen, der Türkei die Not­wendigkeit von Reformen ernstlich klar zu machen. Zweitens wollten die Großmächte unter keinen Umständen einer Aen­derung des Statusquo auf dem Balkan zustimmen. Mir wurde heute berichtet, daß der Friedensbruch bereits einge­treten und daß es zu einem Gefecht an der montenegrinischen Grenze gekommen ist. Eine Zeitlang schien es nicht sicher, ob dies der Anfang des wirklichen Kriegszustandes ist, oder einer von jenen Grenzzwischenfällen war, wie sie sich nicht selten in jenen unruhigen Gegenden ereignen. Ich muß leider sagen, daß wir heute nachmittag die Nachricht erhielten, daß dieses Gefecht die Folge der gestern von dem montene­grinischen Geschäftsträger in Konstantinopel überreichten Nate war, die auf eine Kriegserklärung hinausläuft. WaS den zweiten Teil der Anfrage deS Lord Landsowne anlangt, war man übereingekommen, daß von den Vertretern der Mächte hinsichtlich der von der Türkei in den europäischen Provinzen vorzunehmenden Reformen gleichlautende Noten in Konstantinopel überreicht werden sollten. ES ist selbstoer- stündlich beabsichtigt, daß die Grundlage und der Ausgangs­punkt für die Verhandlungen zwischen der Türkei und den

gestaltete sich nicht minder ergiebig und förderte reiche Schätze in überschwänglicher Fülle zutage. Trefflich unterstützt wurden die vier Quartettgenoffen durch die Mitwirkung der Herren Christ. Steinbrenner und Aug. Weisser, von denen der erstgenannte bei dem Sextett die zweite Viola und letzterer daS zweite Cello übernommen hatte.

Der Gesangssolist des vorgestrigen Abends, Herr NicolauS Naumow- Frankfurt, stand den Besuchern der Kammer- mustkkonzerte noch von seinem vorjährigen Auftreten her mit dem damals trefflich von ihm gesungenen Schumann-CykluS in bester Erinnerung. Trotzdem mußte jeder, der ihn vor­gestern wieder hörte, aufs höchste überrascht sein von dem gewaltigen Aufstieg, den Herr Naumow in Bezug aus Ton­gebung und Verinnerlichung seiner Gesänge gemacht hat. Die Stimme des Solisten hat sich zu einer Kraft, zu einem Umfang und Glanz entwickelt, der seinesgleichen sucht, und hinsichtlich der Vortragsweise und ee i t- schen Anteilnahme an dem musikalischen Inhalt seiner Soli stand Herr Naumow vor seinen entzückien Zu­hörern als ein echter, rechter Künstler, der ein machtvoll Zepter schwingt über daS Menschengemüt, ~ Die Klavierbegleüung der Sologesänge hatt« Fräulein Kathi Widmann aus Frankfurt a: M. übernommen. Die bekannte Pianistin entledigte sich ihrer dankbaren Auf­gabe mit Geschick und vollem Verständnis für die Inten­tionen des Solisten.