Erstes Blatt.
EinrückungsgebShrr
Die vgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im ReUameteU die Zeile 50 Pjg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Geueral-Anzeigtr
Amtliches Organ für Stadt und FandKrtis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Bezngsp«vq>
LlerteliShrlich 1 80 3RL, monatlich SV Pfg^ für Post, bezug vierteljährlich 210 Mk^ monaUich 70 M. Die einzelne Nummer kostet 6 Pfg.
verantwort!. Redakteur: T. Schrecke, iu Hanau,
Nr. 233 Kernsprechanschluk Nr. 230.
Freitag den 4. Oktober
Fcrnsprechanschlntz Nr. 230. 1912
Jie heutige Mummet mW ausser dem nnterWnosilott
14 Seiten
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Ranau.
Viehseuchenpolizeiliche Anordnung.
Der § 2 meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 31. August 1912 — A. III. 4789b — Amtsblatt Nr. 36 S. 403 — betr. Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche wird hierdurch wie folgt abgeändert:
Die Vorschriften des § 1 finden Anwendung auf das aus folgenden Regierungsbezirken oder diesen gleichstehenden Verwaltungsbezirken eingeführte Vieh: Frankfurt, Stettin, 8 Köslin, Posen, Bromberg, Breslau, Liegnitz, Oppeln, Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Hannover, Hildesheim, Münster, T Arnsberg, Castel, Wiesbaden, Koblenz, Düsseldorf, Köln, Trier, Oberbayern, Niederbayern, Mittelfranken, Unter- frank«, Schwaben, Schwarzwaldkreis, Jagstkreis, Donaukreis, Konstanz, Freiburg, Starkenburg, Oberhest«, Oldenburg, Sachsen-Meiningen, Gotha, Schwarzburg-Sondershausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Lippe Hamburg, Oberelsaß. (A. III. 5659.)
Cassel den 24. September 1912.
D"r Regierungspräsident.
I. D.: v. Wussow.
Veröffentlicht unter Bezugnahme auf meine Kreisblatt- bekanntmachung vom 10. v. M. — V. 5311 — (vergl. Nr. 215 des Hanauer Anzeigers vom 18. v. M.)
Hanau den 2. Oktober 1912. V« 5738
Der Königl. Landrat und Solizeidirekloi.
Frhr. Gaur.
Landkreis Ranau.
An die Ortspolizeibehörden des Kreises.
Im Anschluß an meine Kreisblattbekanntmachung vom 23. d. M. V. 5570, betreffend die Beantragung von Wan- dergewerbescheinen für das Jahr 1913, mache ich noch auf die Abänderung der unterm 1. Mai 1904 erlassenen Vus- führungsanweisung zur Gewerbeordnung für das Deutsche Reich vom 26. August 1912 aufmerksam. Hiernach ist künftig erstmalig für das Jahr 1913 u. a. jedem Antrag auf Ausstellung eines Wandergewerbescheines auch eine unaufge- i zogene Photographie in Visitenkartenformat des Gewerbe- |
Stadttheater in Hanas.
Doktor Klaus,
Lustspiel in 5 Akten von A. L'Arronge.
Den älteren Stücken, die seit Beginn der Spielzeit mit vielem Glück in das Repertoir des Sladtiheaters ausgenommen worden sind, hat sich das Lustspiel „Doktor Klaus" an« geschlossen, das gestern abend mit Beifall ausgenommen worden ist. Aus jeder Zeile dieses prächtigen Lustspiels spricht die reine Freude an froher Laune und ungezwungener Heiterkeit, was vor allem dazu beigetragen hat, dâs Interesse an dem Werke wachzuhalten und eine Neueinstudierung mit aufrichtiger Freude entgegen zu nehmen. Erhöht wird die Freude an der Dichtung, wenn die Wiedergabe in so annehmbarer Weise erfolgt, wie am gestrigen Abend. All die prächtigen Figuren, die L'Arronge in seinem Werk geschaffen hat, fanden würdige Vertreter und Vertreterinnen. So hatten wir ehrliche Freude an der Gestaltung des „Dr. Klaus" durch Herrn W i e b e r g, in gleichem Maße verstand es Herr Otto H u n ol d seinen „Griesinger" mit natürlicher Beweglichkeit auszustatten. Herr Wilh. Holtz als „Max von Boden" und Herr K u b i tz k y als „Paul Gerstel" befriedigten gleichfalls, Herr Palitzsch schuf als Kutscher Lübowsky eine die Lachmuskeln unwillkürlich reizende Figur, ihm trefflich zur Seite stand Herr Möller als „Bauer". Auch die Be- 'setzung der weiblichen Rollen war eine befriedigende. Vor allem ist hervorzuheben, daß das frühere beliebte Mitglied unserer Bühne Frl. Franziska Hesse es im Fluge verstanden hat, durch vornehmes natürliches Spiel sich die Sympathie aller Theaterbesucher wieder zu sichern. Gestern hatte sie die „Marie", die Doktorsfrau, zu verkörpern, was ihr mit bestem Erfolge gelang. Weiter waren heroortretend be
treibenden beizufügen. Mit dem Antrag auf Ausstellung eines gemeinsamen Wandergewerbescheines ist die Photographie des Unternehmers, wenn ein Unternehmen nicht vorhanden ist, die eines Mitgliedes einzureichen. Die Photographie muß ähnlich und gut erkennbar sein, eine Kopfgröße von mindestens 1,5 Zentimeter haben und darf in der Regel nicht älter als 5 Jahre sein. Die Ortspolizeibehörden haben den Vor- und Zunamen der dargestellten Person auf der Rückseite der Photographie sofort zu vermerken.
Die vorstehend erwähnten Abänderungsvorschrift« werden in einer der nächsten Nummern des Regierungsamtsblattes veröffentlicht werden. Ich mache hierbei schon jetzt darauf aufmerksam, daß der neue Absatz 3 der Ziffer 63, in welchem die Vorschriften der §§ 459 Abs. 1, 460 Abs. 1 und 461 Abs. 1 der Neichsversicherungsordnung über die Kran- kenverficherungspflicht der im Wandergewerbebetrieb beschäftigten Personen berücksichtigt sind, erst bei den für das Jahr 1914 auszustellenden Wandergewerbeschernen Anwendung findet.
Hanau den 28. September 1912. V 5632
Der Königliche Landrat.
Frhr. Laur.
Stadtkreis Ranau. Bekanntmachung.
Wir ersuchen, die Rechnungen über die Forderungen aus Arbeiten und Lieferungen für die Stadt Hanau einschl. derjenigen für die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke stets innerhalb 14 Tagen nach dem Vierteljahresschluß einzureichen.
Die Rechnungen für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1912 ersuchen wir bis zum 15. d. M. einzureichen.
Hanau den 1. Oktober 1912. 24733
Der Magistrat.
Hild.
Giehnihene M Bertone 6egenWe rr.
Gefunden: 1 Schließkorb, 1 Stuhl, 1 Damen schirm, 1 Achselstück von einem Eisenbahnbeamten mit einem Stern und Hessischem Wappen.
Verloren: 1 silbernes Gliederarmband, 1 Schildplatthaarpfeil mit Eoldauflage, 1 Buch mit grüner Decke mit der Aufschrift „Evangelisches Gemeindeblattbuch Nr. 8." Entlaufen: 1 braun- und weißgefleckte Jagdhündin, auf den Namen „Lula" hörend, mit Halsband mit dem Namen Heinrich Weil, Rödelheim.
Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.
Hanau den 4. Oktober 1912. schäftigt Frl. Ballin als „Julie", Frl. Michel als „Emma", Frl. Wald als „Marianne", Frl. Hübner als „Auguste". Die Regie führte Herr Martin Wieberg.
* Stadttheater. Den A - Abonnenten bietet sich am heutigen Abend der köstliche Schwan? „S o 'n Windhund" und fröhlichstes Lachen wird die Devise der Vorstellung sein, welche unter der Leitung des Herrn Direktor S t e f f t e r eine abgerundete Darbietung des vortrefflichen Ensembles ist. Morgen, Samstag, kommt zum letzten Male das Lustspiel „D i e 5 F r a n k f u r t e r" zur Aufführung und zwar bei volkstümlichen Preisen. „Eva, das F'a b r i k m ä d e I", Lrhâr's wundervoll melodiöse Operette geht am Sonntag nachmittag bei ermäßigten-Preisen in Szene und am Sonntag abend im Abonnement B die Wiener Operette „Die Landstreicher" von Ziehrer. Herrlicher Melodienreich- tum in Verbindung mit einer höchst drolligen Handlung, werden dem Stück einen großen Erfolg einbringen. Herr Direktor S t e f f t e r hat die S' lelleitung in Händen und wird für eine gute Inszenierung Sorge tragen.
Albumblätter.
Wie ein losgeriffenes Blatt
Treibt es mich nach hier-, nach dorthin,
Und ich muß mich treiben lassen;
Durch den Sand, durch Regevlachen Gehl's und glücklich bin ich, kann ich
Mal ein bißchen Sonne fassen.
* *
Lern' ohne Klagen, Herz, ein brennend Weh' ertragen, Der Kerze brennt der Kopf, doch hörst du sie nicht klagen. Soll rein die Mischung sein, still brennt sie, bis sie lischt; Rein ist nicht Wachs noch Docht, wenn es im Brennen zischt.
Die Kriegsgefahr am Balkan.
Der bulgarisch-serbische Kriegsplau.
Aus Sofia sind Nachrichten eingetroffen, daß die Feindseligkeiten bulgarischerseits gegen die Türkei morgen Freitag eröffnet werden sollen. Serbien wird sich dahin ganz nach Bulgarien richten und zu derselben Zeit wie dieses die türkische Grenze überschreiten, da ein einheitlicher gemeinsamer Feldzugsplan zwischen Serbien, Bulgarien und Montenegro besteht. Griechenland wird vorläufig nicht aktiv eingreifen. Gestern sind hier aus Paris sechzig Millionen Francs in Gold zur Unterstützung des serbischen Feldzuges eingetroffen. Ein Konsortium französischer Banken hat dieses Geld hergeschickt.
Wenn sich diose Meldung von der Geldsendung bestätigt so ist es also nichts als fauler Zauber mit der Versicherung der französischen Regierung, man habe die französischen Banken veranlaßt, den Valkanstaaten keine Anleihe zu ge. wahren.
Serbische Kavallerie muh Bulgari«.
In Belgrad sind gestern tatsächlich fünfzehn Waggons mit Munition aus Frankreich für die Türbri und drei Aeroplane konfisziert worden. Ein serbisches Kavallerie- Regiment ist in Sonderzügen nach Bulgarien abgegangen, um die bulgarische Kavallerie zu Der starten. In Sofia rüstet eine bisher geheime Offiziersorganisation, betitelt „Für die Befreiung Mazedoniens", deren Leiter der gewesene Kriegsminister Sawow ist, ein irreguläres Korps aus, um den Bandenkrieg im großen Stile zü eröffnen.
Munitionsmangel in der bulgarischen Armee.
Aus Sofia liegt die folgende Meldung vor:
In hiesigen militärischen Kreisen verhehlt man sich nicht, daß die plötzliche Verschärfung der Lage eine große Gefahr bedeutet. Die bulgarische Armee ist nämlich etwas knapp mit Munition, und da keine eigenen Fabriken im Lande sind, ist Bulgarien auf den Bezug vom Ausland« angewiesen. Es ist jedoch leicht möglich, daß im Kriege die Zufuhren abgeschnitten werden. Die vorhanden« Patronenbestände der Infanterie betragen nur 2000 Patron« pro Mann, würden also im Kriegsfalle höchstens zwei Monate reich«.
Auch das spräche dafür, daß die Ballanstaat« von brütet Seite zu ihrem Vorgehen ermuntert worden sind.
Die Mobilisierung der türkisch« Armee.
Die gesamte türkische Treffe betrachtet, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, die Lage mit Ruhe und Kaltblütigkeit und ist fiegesfreudig gestimmt. Alle Blätter appellieren an die Ottomanen, einträchtig zu sein, und fordern sie auf, die Parteiunterschiede fallen zu lasten. In diesem Sinne spricht insbesondere auch der „lanin“, wobei er gleichwohl die Regierung für die Lage im Innern verantwortlich macht, die die Balkanländer ermuntert habe. Die „Jeni Gazetta" bestätigt, daß die Pforte Mr den Augen, blick beschlosten habe, sich in der Defensive zu halten. Ein Kabinettsmitglied erklärte einem Vertreter der „Sabah", es bestehe wohl ein serbisch-bulgarischer und ein bulgarischmontenegrinischer Allianzvertrag, aber kein derartiger Vertrag zwischen Serbien und Montenegro. Auch Griechenland habe keinen solch« Vertrag unterzeichnet und scheine in letzter Stunde durch die öffentliche Dolksmeinug mitgezog« worden zu sein. Der Minister gab der Ueberzeugung Aus. druck, daß keine Großmacht den Krieg wünsche, und erklärte, die Spannung würde aufhören, wenn die Valkanoölker abrüsteten.
Die Stimmung in Montenegro.
In Cetinje ereigneten sich große Kundgebungen. Die Menge zog vor das Königspalais, wo sie dem König und dem Kronprinz« zujubelte. Der König ermahnte m einn kurzen Ansprache die Bevölkerung zur Besonnenheit urrd sagte, die Mobilisierung bedeute noch kein« Krieg; aber in dieser ernsten Zeit müsse jeder Montenegrinn feine Pflicht tun und bereit sein, dorthin zu gehen, wohm ihn die Behörden schickten. Bor der russischen, serbisch«, bulgarischen und griechischen Gesandtschaft mürben Ovanon« dargebracht.
Oesterreich die letzte Hoffnung.
Die Balkangefahr wird in Paris relativ ^ch optimistisch beurteilt, der Krieg sei zwar unvermeidlich aber er sei wahrscheinlich lokalisierbar, wobei vornehm lichauf Oester, reicks Mäßiauna vertraut wird. Der größte Teil der Prests trttt für einenEnergischen schleunigsten Kollektivschritt de, Mächte in Konstantinopel ein. Poincare wird zweifelsohne bei den gegenwärtigen Unterredung« mit SsaSouow Mr