Erstes Matt.
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei See verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliâieg Organ für StaM- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Vierteljährlich 1.80 3JCL, monatlich 60 Pfg für Post, bezug vierteljährlich^ 3RL, monatlich 70 Pfg. Die einzeln« Nummer kostet 6 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hanau.
Nl. 231 Aernsprechanschlutz Nr. 230.
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14 Seiten.
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Gefunden: 1 unechtes Halskettchen, 1 Portemonnaie mit 2,41 Mark, 1 goldener Trauring (gez. E. W. 6. 2. 81).
Verloren: 1 Damenschirm, 1 gowenes Kettenarmband mit einigen Brillanten und einem Rubin, 1 zweireihige Korallenkette, 1 Damenschirm ohne Griff (auf dem Waldwege Mittelbuchen— Hanau).
Hanau den 2. Oktober 1912.
Die Kriegsgefahr am Balkan.
Roch ist die Entscheidung über Krieg und Frieden nicht gefallen. Noch hält man in Wien und Paris offiziell an der Lesung fest, daß die Mobilisierung noch nicht identisch sei mit der Kriegserklärung — eine Binsenwahrheit aus dem Schullehrbuch — aber ebenso trifft man inoffiziell feine Maßregeln für alle Fälle.
Die Mobilisierung in Bulgarien vollzieht sich anscheinend ganz programmäßig. Eine lakonische ofizielle Meldung besagt nur:
Die Verordnung, durch welche die allgemeine Mobil- machung des bulgarischen Heeres befohlen und die Verhängung des Belagerungszustandes über das ganze Königreich erklärt wird, ist amtlich veröffentlicht worden. Wie verlautet, soll die Sobranje für den 3. Oktober einberufen werden.
An diesem Tage bürste denn auch wohl die Kriegserklärung ausgesprochen werden. Selbstverständlich wird auch heute wieder eine ganze Reihe von Gerüchten übermittelt, die aber meist gleich wieder dementiert werden. So eine Meldung, daß Bulgarien ein Ultimatum an die Türkei gerichtet habe. Ein Berliner Mittagsblatt läßt sich gewissermaßen auf Vorschuß aus Konstantinopel melden, der bulgarische Gesandte sei bereits abberufen worden.
Der bulgarische Gesandte in Wien über die Lage.
Der bulgarische Gesandte in Wien Salabaschew erklärte einem Vertreter der „Neuen Freien Presse":
Soeben erhalte ich von meiner Regierung die Nachricht, daß Bulgarien mobilisiert. Die Mobilisierung ist noch keineswegs eine Kriegserklärung, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Türkei in später Stunde ein Einsehen hat und die angesammelten Truppen von Adrianopel zurückzieht. Bulgarien wird dann sicher keine Feindseligkeiten herbeiführen. Die Mobilisierung Bul-
SiMmuit in her mohernen Mnm.
(Nachdruck verboten.)
Seit 15 Jahren hat das Kunstgewerbe einen großen Aufschwung erlebt und der allgemeine Geschmack sich sehr gebessert. Maler und Architekten traten an die Stelle der gelernten Kunstgewerbler, bauten Häuser, entwarfen Möbel, Schmuck, Gartenanlagen usw. — und brachten von ihrer künstlerisch hohen Warte aus wieder Vornehmheit, Gediegenheit, Zweckmäßigkeit in die kunstgewerblichen Formen, die vor allem nach dem allgemeinen Aufschwung nach 1871 ihres äußeren, prunkvollen Scheines willen in schauderhafter Materialunechtheit fabrikmäßig hergestellt wurden. Unsere modernen Zimmereinrichtungen ähneln in Einfachheit und Gediegenheit der Möbel wieder denen unserer Urgroßeltern.
Mit der steigenden Gediegenheit der Einrichtungen verschwinden jetzt auch mehr und mehr die 1000 schundigen Bazar-Artikel und Dilettanten-Arbeiten, die so lange im Hause überall herumstanden und an den Wänden hingen — und die Avenarius in seinem Kunstwart zu einer abschreckenden Sammlung unter dem Titel „Hausgreuel" vereinigt und abgebildet hat. Ein gutes, billiges Buch, das ebenfalls den Kampf gegen allen Schund in trefflicher Weise Surch Beispiel und Gegenbeispiel führt, ist „Der Geschmack im Alltag" von Aug. Lux, das weiteste Verbreitung verdient. Nachdem nun im allgemeinen durch radikale Entfernung alles unnötigen und nicht geschmackvollen in den Zimmern wohltuende Ruhe herrscht — wird nur noch eines nicht genügend berücksichtigt — das ist der Bilderschmuck. —
Wer sich heute ein Zimmer mit guten, modernen Möbeln neu eingerichtet hat, wird sicher die Erfahrung gemacht haben, daß dieselben Reproduktionen von Gemälden, die früher in der alten Einrichtung nicht so unangenehm auffielen, in die neue durchaus nicht hereinpassen wollen. —
Mittwoch de» 2. Oktober
gart ens ist nur die Antwort auf die provokatorische Drohung der Türkei, die in der Zusammenziehung der Truppen an der bulgarischen Grenze besteht. Bulgarien fühlt sich durch diese Truppen ernsthaft bedroht und ist nicht gewillt, abzuwarten, bis die türkischen Truppen bulgarisches Gebiet betreten. Bulgarien hat um so mehr Grund, sich bedroht zu fühlen, als in 8er Türkei gerade der Heilige Krieg gegen Bulgarien und alle christlichen Valkanvölker gepredigt wird. Tatsache ist, daß auch Serbien mobilisiert, und das ist keineswegs überraschend. Serbien muß ebenso wie Bulgarien zur Abwehr schreiten, da die Türkei in ihren europäischen Provinzen die vollkommene Mobilisierung durchführt.
Der serbische Gesandte am Wiener Hofe Simic bemerkte zu der Mobilisierung: Sollte sich die Nachricht von der Mobilisierung bestätigen, so glaube ich, daß sie zunächst nichts weiter bedeutet »als eine Antwort auf die Mobilisierung von zehn türkischen Divisionen. Die großen Manöver bei Adrianopel sind allerdings abgesagt worden, aber die Mobilisierung von zehn Divisionen stellt eine ernsthafte Maßregel vor. Es ist natürlich, daß Serbien und Bulgarien Gegenmaßregeln treffen.
Serbiens Forderungen an die Türkei
beziehen sich auf zwei Punkte, einmal die Freigabe des beschlagnahmten Kriegsmaterials und zweitens eine Land- abtrelung. Es liegen darüber folgende Meldungen vor:
In Belgrader Regierungskreisen wird erklärt, daß Serbien von der Türkei die Autonomie für Alt-Serbien einschließlich der Sandschaks Novibazar und Skutari bis an die Adria fordere, da nur hierdurch dauernd friedliche Zustände in der Türkei geschaffen würden.
Der serbische Gesandre Nonadowitsch in Konstantinopel lenkte während seiner Rücksprache mit dem türkischen Minister des Aeußern Noradunghian die Aufmerksamkeit der Pforte auf die Erregung, die in Serbien durch die Mobilmachung der Divisionen von Uesküb und Mi- trowitza hervorgerufen worden'sei, was als Anzeichen eines Umschwungs der freundschaftlichen Haltung der Türkei Serbien gegenüber ausgelegt werde. Die Angelegenheit der Zurückhaltung serbischen Kriegsmaterials in Saloniki versprach der Minister des Aeußern dem Ministerrat zu unterbreiten.
Für die Freigabe des beschlagnahmten Kriegsmaterials oder dessen Rücktransport nach Marseille hat der Gesandte übrigens eine Frist von nur 48 Stunden gestellt.
Kriegsbegeisterung in Belgrad.
In Belgrad herrscht allgemeine Begeisterung wegen der Verlautbarung der Mobilisierung der Armee, die als Befreiung von der quälenden Ungewißheit empfunden wird.
Dies hat einen sehr einfachen Grund. — Die neue Einrichtung besteht gewöhnlich aus Eigenmöbeln, d. h. sie sind nur ein Mal für den Besitzer hergestellt — alles ist aus echtem Material — dazu passen keine Reproduktionen und mögen sie noch so gut sein, sie werden immer einen billigen, papierenen Eindruck machen, weil sie eben nur Materialechtheit vortäuschen. Der Besitzer kann außerdem nicht die Freundschaft mit ihnen schließen, wie mit seinen Möbeln, die er allein besitzt, während er seine Reproduktionen von Gemälden überall bei Freunden und Bekannten ebenfalls vorfindet. Nur das Original gibt alle Vorzüge des Gemäldes und paßt sich der individuellen Einrichtung an. — Man hat heute das Sprichwort: „Sage mir, mit wem du umgeh'st" umgebildet in „Zeige mir, wie du wohnst, so sage ich dir, wer du bist". Dasselbe Wort könnte man auch auf den Bilderbesitz anwenden. — Das moderne Zimmer verträgt nicht viel Vilderschmuck — wenig, aber gut ist mehr! Es kann auch nicht jedes beliebige Bild gehängt werden, sondern das Gemälde muß in Farbe, Technik und Rhythmus dem Raum angepaßt sein. Das Motiv des Bildes bildet selten einen Hinderungsgrund. So ist es z. V. töricht, ein Stilleben mit Früchten nur ins Speisezimmer hängen zu wollen. Das gemalte Stilleben, durch, die persönliche Auffassung des Künstlers etwas ganz anderes geworden, als wirklich daliegende Früchte, nämlich ein Kunstwerk, soll doch nicht den Appetit reizen, sondern eine Augenweide sein. Der Farbenklang und die Linienführung sollen auf die Sinne wirken. Ilebrigens wird das stilleben vom großen Publikum ganz zu Unrecht wenig geschätzt. Zu allen Zeiten haben die bedeutendsten Meister mU Vorliebe Stilleben gemalt, weil ihnen diese Eelegenheir zur reichsten Entfaltung ihrer malerischen Gaben bieten, und der Laie durch das Fehlen jedes literarischen, anekdotenhaften Unter- , tones gezwungen wird, sich mit den rein malerischen Werten } des Kunstwerkes zu beschäftigen. Letzteres muß der Maler 6 in erster Linie wünschen. da nur in der malerischen Quali
Ferusprechanschlittz Nr. 230. 1912
Man erwartet schon für die allernächste Zeit die offizielle Kriegesrklärung an die Türkei. Heute sind schon alle in Ungarn lebenden wehrfähigen serbischen Untertanen nach Belgrad unter die Fahnen berufen worden. Serbien besteht unbedingt auf der Forderung der Autonomie für Alt-Serbien und Novibazar. Die Grenze wird von serbischer Seite überschritten werden, falls die Türkei nicht binnen 48 Stunden die Forderung erfüllt. Dies aber ist nicht zu erwarten. Daher erscheint der Kriegsausbruch in den nächsten Tagen unausbleiblich. Von Belgrad dürfen keine Telegramme mehr ins Ausland gehen. Alles wird streng zensiert.
Die Mobilisierung in Griechenland'.
Auch Griechenland, dessen König :in aller Hast von Kopenhagen über Berlin nach Athen zurückreist, hat im Anschluß an das Vorgehen Bulgariens und Serbiens die Mobilisierung der Armee verfügt. Es wird darüber gemeldet:
Griechenland hat im Einvernehmen mit den Valkanstaaten Montag abend die Mobilisierung der Streitkräfte zu Wasser und zu Lande angeordnet.
Griechenland hat ferner angeord'net, daß sämtliche griechischen Schiffe das Schwarze Meer, Konstantinopel und das Marmarameer verlassen sollen.
Diese Maßregel zeigt deutlich, daß man ganz bestimmt mit dem Kriegsausbruch rechnet und vorher die auf der Fahrt befindlichen griechischen Schiffe in Sicherheit bringen will.
Die Mobilisierung in Montenegro.
Daß auch Montenegro sich beth Vorgehen Bulgariens und Serbiens anschließen würde, war zu erwarten. Und so kommt denn folgende Meldung nicht überraschend:
Der König hat die allgemeine Mobilisierung der Armee angeordnet.
Schon vor einigen Tagen ist es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Montenegrinern und Türken gekommen. Mit welcher Grausamkeit dabei die Montenegriner vorgegangen sind, zeigt folgende Meldung aus Konstantinopel:
Der Wali von Uesküb meldete in den letzten Tagen einen Angriff von Montenegrinern auf eine mit türkischen Soldaten besetzte Barke. Hier eingegangene Meldungen geben die Zahl der bei der Beschießung der Barke getöteten Soldaten auf dreißig, die Zahl der Gefangenen auf siebzig an. Die Montenegriner sollen den Getöteten die Nasen abgeschnitten haben, was auf der Pforte Entrüstung hervorrief. Gerüchten zufolge, sollen bei neuerlichen Zwischenfällen an der montenegrinischen Grenze zehn türkische Soldaten getötet oder verwundet worden sein.
tät der Wert eines Bildes begründet ist. — Unvorteilhaft
sind von vornherein Bilder, deren Reiz in der detaillierten Zeichnung liegt, die aus nächster Nähe betrachtet werden müssen und die wie Stiche und Radierungen mehr in die Mappe als an die Wand gehören. Vorteilhaft sind immer dezent dekorativ wirkende Gemälde, die auch auf Entfernung wirken, womöglich schon vom Nebenzimmer her in die Augen fallen und ein gemächliches Beschauen auch vom entfernteren Sitz aus gestatten. Erzählende, literarische Bilder, sowie alle bis aufs kleinste Detail durchgeführte, also totgemalte, wirken mit der Zeit auf den Besitzer leicht langweilig. Nur auf den Gesamteindruck gemalte Bilder lassen den Besitzer nach und nach immer neue, interessante Schönheiten entdecken. Der völlige Genuß solcher Bilder kann nur durch längeres Schauen erworben werden und wird da
durch ein dauernder bleiben.
Eine große Unsitte ist das hohe Aushängen der Bilder. Kein Gemälde sollte mit seinem Horizont höher hängen als in Augenhöhe. Hat das Bild seine Lichtquelle von der Seite, soll man es auch von rechts oder links seine Beleuchtung ' finden lassen. Kann es ungünstiger Verhältnisse halber nur von vorn Licht erhalten, so hänge man es stark vornüber — Sehr bedauerlich für Kunst, ^umtler un Laien ist bie heutige Lauheit im Bilderkaufen. Emesis ist diese darauf zurückzuführen, daß die Handlungen inder Provinz mehr Interesse am Verkauf der Reproduktionen haben, andernteils sind die von den Künstlern geforderten Preise für den Mittelstand zu hoch. In
Maler mehr Verkäufe gewohnt und daher auch billiger mit ihren Werken. Aber auch bei uns braucht niemand, wenn ibm ein Bild gefällt der Preis aber nicht feinem Seite beutel entspricht, sofort davon abzustehen. Eine direkte Anfrage beim Künstler um Ermäßigung des Preises dürste größtenteils von Erfolg sein. Der Künstler freut sich, wenn er sieht daß sein Werk auch anderen Freude bereitet und wird einem Minderbemittelten in weitgehender Weise ent-