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EinrückungsgeVV-er

VK 6ge|pattene Petitzeile oder deren Raum 20 Pfg. im Rellameteil die Zeile 50 Pfg.

Rotattonsdruck und Verlag der Buchdruckerei dee verein, ev. Waisenhauses in Hanau«

General-Anzeiger

Amtliches Organ fut AM- «u- FandKreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bezugspreis» viertelfSyrlich 1.80 Mk.. monatlich SO Pfg., für bezug vierteljährlich 210 Mk^ monatlich 70 Die einzelne Nummer kostet 8 Pfg.

Ms.

Verantwoâ Redakteur: E. Schrecker in

Mk. 217 ft-ernsprechanschltttz Nr. 230.

Moutag den 16. September

Fernsprechanschlutz Nr. 230. 1912

Amtliches.

Stadtkreis Ranaa.

Bekanntmachung.

In der Badeanstalt am Steinheimertor 1. Stock werden täglich Kohlensäurebäder abgegeben.

Hanau den 10. September 1912. 22781

Der Magistrat.

I. A.: Ehrich. __

EelMem md nertorene SeaenHantre x

Gefunden: 1 leinenes braunes Täschchen mit einem weißen Taschentuch (gez. R. W.), 1 Portemonnaie mit 2 Mk., 1 runder Mülleimer, 1 weißes Battisttaschentuch (gez. F. D.), auf dem Paradeplatz: 1 silbernes Kettenarmband, 1 goldene Damenuhr, 1 Portemonnaie mit 26 Pfg.

Verloren: 1 rote und gelbe Kuhdecke, 1 Hausschlüssel (auf dem Paradeplatz), 1 Pfandschein Nr. 5277 von der Leihbank hier.

Hanau den 16. September 1912.

Politische Rundschau.

Der Kaiser ist mit Sonderzug gestern um 8 Uhr 50 Min. abends in Wilhelmshafen eingetroffen. Der Zug wurde nach der Kaiserlichen Werft durchgeführt. Im Gefolge be­fanden sich u. a. Fürst zu Fürstenberg, der Chef des Militär­kabinetts Frhr. v. Lyncker, der Chef des Marinekabinetts o. Müller, der Chef des Eeneralstabes, General der In­fanterie v. Moltke. Auf der Werft hatten sich zur Meldung eingefunden: Prinz Eitel Friedrich, Staatssekretär Groß­admiral v. Tirpitz, der Chef der Hochseeflotte Admiral von Holtzendorff, der Chef der Marinestation der Nordsee Ad­miral Graf v. Baudisfin, der Chef des Admiralstabes Vize­admiral v. Heeringen, der Kriegsminister General der In­fanterie v. Heeringen und der Festungskommandant von Wihelmshaven Kontreadmiral Schultz. Der Kaiser begab sich auf dem Wasierwege an Bord der ,Hohenzollern" uni) nahm daselbst Wohnung. Das Meter ist veränderlich und windig.

Unter Hinweis auf die in Italien durch die Konzen­trierung der französischen Seestreitkräfte im Mittelmeer her­vorgerufene Ueberraschung und Beunruhigung schreibt der Temps": Italien hat eine doppelte Politik, eine kontinen­tale Politik, welche auf dem Dreibund und eine maritime Politik, die auf der französisch-englischen Entente beruht. Die erstere hat Italien gegen Oesterreich-Ungarn gedeckt, die zweite an ihm gestattet, sich in Tripolis feftzufetzen. Italien hat wie gegenüber London und Paris so auch gegenüber Petersburg immer mehr und mehr den Weg der Ententen betreten. Es liegt auf der Hand, daß Fälle eintreten können, wo Italien diese Ententen nur schwer mit seinen Bünd- nissen in Einklang bringen dürfte, aber wenn Italien nach wie vor der Ansicht ist, daß es Deutschland keine Rechenschaft über seine Mittelmeerpolitik schuldig ist, so kann es sich in keiner Weise über die von Frankreich und England im Ein­vernehmen mit Rußland getroffenen Maßnahmen beunruhi­gen. Diese Maßnahmen wären für Italien nur in dem ein­zigen Falle beunruhigend, wenn es die seit 1882 von ihm befolgte Politik ändern und bei der Erneuerung des Drei­bundes der Aufforderung Deutschlands Folge leisten unb den Dreibund auch auf das Mittelmeer ausdehnen würde. Dann könnte sich Italien selbstverständlich über die nieder- schmetternde Ueberlegenheit aufregen, welche den Mächten oct s ripel-Entente für lange Zeit im Mittelmeer gesichert ist Diese Ueberlegenheit beruht darauf, daß Deutschland keine Flotte im Mittelmeer hat und daß Oesterreich-Ungarn nur eine im Werden begriffene Flotte besitzt und daß die italienische Flotte nach einer einjährigen Kampagne im italienisch-türkischen Kriege völlig neu zu schaffen wäre. Wenn Italien also seinen Ententen entsagen würde, um sich ausschließlich seinem Bündnisse binzugeben dann werde es seine Mittelmeerstellung gefährdn. Aber diese Wahrheit ist so einleuchtend, daß man eine derartige Hypothese ohne wei­teres beiseite lasten kann.

Die Lage in Mexiko. In Newyork sind Gerüchte im Um­lauf, daß morgen aus Anlaß des Unabhängigkeitslages in Iuarez eine Gegenrevolution-der nördlichen mexikanischen ' Bundesarmee ausbrechen werde. Die Gerüchte beruhen auf der Untätigtkeit der Bundesgenerale. Am gestrigen Sonn­tag durchzogen Hunderte die Straßen der Hauptstadt, die Madero auspfiffen, während sie auf den früheren Prä- ' sidenten Diaz Hochrufe ausbrachten. Die Demonstranten waren vorher auf Befehl Maderos aus der Deputierten­

kammer vertrieben worden, wo sie großen Lärm erregt hatten, weil die Inhaber bestrittener Mandate ihre Sitze in der Kammer einnahmen. DemNewyork Herald" wird aus Washington telegraphiert, daß der Botschafter der Ver­einigten Staaten in Mexiko, Wilson, an das Staatsdeparte­ment eine Depesche gerichtet habe, daß die Amerikaner in Mexiko mit Rücksicht auf den Unabhängigkeitstag äußerst be­sorgt seien. Er sei der Meinung, daß es zu einer Erhebung kommen könne, in deren Verlauf die Fremden getötet wer­den würden.

Der Selbstmord des Generals Nogi. Der Selbstmord des Generals Nogi und seiner Gemahlin gibt der Beisetzung des Kaisers von Japan einen Anklang an das heroische, ritter­liche Zeitalter, aus dem Japan unter dem verstorbenen Kaiser zur modernen Zeit übergegangen ist. Unser modernes Empfinden vermag dieser Tat der Aufopferung in ihren Beweggründen nicht ganz zu folgen. Aber wir würdigen sie doch als den äußersten und letzten Ausdruck ritterlicher Treue und Anhänglichkeit, die den greisen Feldherrn bestimmten, sich am Grabe seines kaiserlichen Herrn selbst 8em Tode zu weihen. Ihre letzte Erklärung findet diese Tat fteilich darin, daß der Kaiser von Japan in übermenschlichem Ansehen bei seinem Volke steht, und wenn General Nogi sich auch als Feldherr ganz auf der Höhe moderner Kriegskunst gezeigt hat, so wurzelt er mit seinem Tode doch ganz in den ge­heiligten Ueberlieferungen seines Voltes, die aller Moder­nisierung Widerstand geleistet haben. Ueber den Selbstmord Nogis wird noch folgendes aus Tokio berichtet: ^togi schnitt sich mit einem kurzen Schwert die Kehle durch und seine Frau erdolchte sich in dem Augenblick, als die Kanonenschüsse den Aufbruch des Tranerzv-Ms vom Palast ankündigten. Neben den Leichen wurde ein an den Kaiser gerichteter Brief gefunden. Als ein bei Nogi wohnender Gelehrter den Raum Bettat, fand er beide Gatten noch atmend vor. General Nogi hatte sich schon vor sieben Jahren mit Selbstmordge­danken getragen. Der Tod seiner beiden Söhne, die vor Port Arthur fielen, und die enormen Verluste der Japaner bei Port Arthur und in den späteren Kämpfen machten ihn melancholisch. Mancherlei Berichte sind über ihn im Umlauf. Seit dem Tode seines zweiten Sohnes soll er gar nicht mehr geschlafen haben. Bei Tage und in der Gesellschaft habe er ein freundliches Gesicht gezeigt und gelacht; wenn er aber abends allein in feinem Zelke war und feine Offiziere ihn schlafend glaubten, habe er auf dem Feldstuhle gesessen, das Haupt in die Hände gestützt und . . . geweint. Die Be­erdigung des unglücklichen Ehepaares soll in der nächsten Woche als nationaler Trauerakt stattfinden.

Kongresse.

Den Abschluß und den Höhepunkt des Eucha­ristischen Kongresses in Wien bildete die gestrige Sakraments-Prozession, die sich durch die ganz außerordent­lich große Beteiligung der Wiener Bevölkerung und die aus dem ganzen Reiche herbeigeströmten Massen zu einer impo­santen Kundgebung gestaltete. Das Programm erfuhr trotz des strömenden Regens und der kühlen Witterung keine wesentliche Aenderungen und auch der Kaiser ließ sich nicht abßalten, an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Schon gegen 7 Uhr früh besetzte das Publikum in dichten Scharen sämt­liche Straßen, durch die der Zug seinen Weg nehmen sollte. Stundenlang harrte die Menge bei Sturm und Regen­schauern aus. Die Vertreter der Rationalisten zogen über die Ringstraße zur Hofburg. Ihre bunten Trachten sowie die zahllosen Fahnen der Verein« boten ein farbenprächtiges Bild. Auf dem Heldenplatz gruppierten sich auch sämtliche Kleriker des In- und Auslandes mit ihren Kirchenfahnen. Im Stephansturm versammelten sich frühzeitig die päpst­lichen Kämmerer und Ordensritter in ihrer malerischen Ordenskleidung, die Vertreter des Herrenhauses, des Ab- genrdnetenhaules, der Landtage und des Gemeinderats. Punkt 11 Uhr vormittags erfolgte die Fahrt der Mitglieder des Kaiserhauses zum Stephansturm. Der Kaiser sowie die Mitglieder des Kaiserhauses wurden von der Menge be­geistert begrüßt. An dem Hauptportal wurde der Kaiser vom Klerus in vollem Ortnat empfangen und in den Dom geleitet. Nach der fettigen Handlung rangierten sich Edel­knaben, Truchsesse und Kämmerer und die geheimen Räte zu Pferde und in prachtvollen Galakarossen als Vorzug. Die Bischöfe bestiegen ihre Wagen, ebenso die Kardinäle und langsam setzte sich der in seiner blendenden Pracht fazinierende Zug in Bewegung. Den Zug der berittenen Hosstallossizwre eröffnete der Oberstallmeister Graf Kinsky. ?In diesen Schloß sich ein Hofgalawagen mit den päpstlichen Veg,euern des Kardinal-Legaten, daran wiederum sechs Ho^galawagen mit 24 Bischöfen, drei Suitestaatswagen führten 1. Kardinale und Bischöfe mit, fünf sechsspännige Leibstnat^wage u führten die Erzherzöge. Nun folgte der Prinzen-Glaswagen für das Allerheiligste, der von beiden ©eiten von Klerikern mit Fackeln begleitet wurde. Im Wagen saßen Karmnal- Legat von Rassum und Kardinal Dr. Nagl. Die Monstranz,

die zwischen beiden Kardinälen auf seidenem Kiffen ruhte, bestand aus Gold- und Edelsteinen, die dem Schatze von Mariazell entnommen sind. In einem Leibstaatswagen folgten dem Allerheiligsten der Kaffer und Erzherzog Franz Ferdinand. Acht Schimmelhengste zogen den Wagen, der von sechs Edelknaben, zwei Arzieren mrd zwei ungarischen Soldaten der Leibgarde zu Pferde begleitet war. In fünf sechsspännigen Leibstaatswagen fuhren 12 Erzherzöge, in einem SuitestaatSwagen Generaiadfutant Graf Paar und Obersthosmrister Frhr. v. RumerSkirch. Die Arzieren-Leib» garde und ungarische Trabanten-Leibgard« zu Pferde bil­deten den Abschluß. Der zwei Kilometer lange Zug bewegte sich über die Rotenturmstraße, bett Franz Josef Kai und die Ringstraße zum äußeren Burgtor. Die Andächtigen ent. blößten ihr Haupt, als die Monstranz vorübergefahren wurde, sanken in die Knie und schlugen das Kreuz. Brausende Hochrufe begleiteten längs des ganzen Wegs unter Hut- und Tücherschwenken den Monarchen. Der Monarch, der bar­haupt im Wagen saß, dankte unermüdlich nach allen Seiten. An dem Aeußeren Burgtor war ein herrlicher Altar errichtet werden. Dott hatte Kardinal-Legat van Roffum in Gegen­wart deS Kaisers und der kaiserlichen Familie eine still« Messe lesen und zum Schluß der Menge den apostolische» Segen erteilen soüm. Dies« feierliche Handlung mußt« mit Rücksicht auf den strömenden Regen unterbleiben. Di« Pro­zession erreichte chren Höhepunkt, als der Zug vor dem äußeren Burgtor eintraf. DaS Publikum und die nach 10000 zählenden Rationalitäten brachen in einen donner­ähnlich sich fortpflanzenden Jubel aus, als sie d«s Kaiser- ansichtig wurden. Tücher wurden geschwenkt und bte Glocken sämtlicher Kirchen der inneren Stadt läuteten. Der Kar­dinal-Legat und di« übrigen Kardinäle erteilten unaufhörlich aus den geschloffenen Wagen den Segen. Der Kaiser dankte ununterbrochen für die ihm dargebrachten Ovationen. Al­di« Spitze deS Zuges den inneren Burgplatz erreicht hatte, machte der Zug Hatt. Der Kaiser, die Erzherzöge, Kardinal- Legat Dan Rossum und die übrigen Kirchenfürsten begaben sich dann in die Hofburg-Pfarrkirche. Inzwischen hatten sich die Erzherzöge unb ihre Kinder sowie die übrigen Mitglieder deS kaiserlichen HauseS, die sich in der Hofburg aufhielten, in die Hofburg-Pfarrkirche begeben, wo Kardinal-Legat oan Roffum eine Messe laS. Nach Beendigung der feierliche» Handlung löste sich der Zug auf. Die Feier machte einen tiefen und unvergeßlichen Eindruck.

Gerichtssaal.

Der Landgerichtsrat auf der Anklagebank.

8. & H. Dresden, 14. Septbr. In der fortgesetzten Ver­handlung gegen den Landgerichtsrat Dr. Snell wegen Be­truges war heute wiederum der Generalstaatsamvalt Graf Vitztum v. Eckstädt und der Landgerichtspräsident Eallen- kamp anwesend. Es werden wiederum zunächst die Schulden des Angeklagten erörtert, die dieser zu der in Frage kom- menden Zett auf 40 000 Mark beziffert. Von der Vertei­digung wird der Anttag gestellt, die Konduitenliste des An­geklagten zu verlesen, in der sein bescheidenes und liebens­würdiges Auftreten gerühmt werde, ferner 8 Personen der Gesellschaft zu vernehmen als Zeugen darüber, daß Dr. Snell keineswegs einen luxuriösen Lebenswandel geführt habe. Der Gerichtshof lehnt aber diese Beweisanttäge ab mit der Begründung, daß die behaupteten Angaben als wahr unter­stellt würden. Es werden dann die einzelnen Vetrugsfälle durchgegangen und zunächst ein Fall Feistel erörtert, von dem der Angeklagte wiederholt Darlehen erhielt. Der An­geklagte behauptet hierzu, daß er Feistel niemals eine un­wahre Mitteilung gemacht habe. Feistel habe seine Aussage vor dem Untersuchungsrichter dreimal geändert. Zeuge Feistel ist heute in seine Aussagen sehr zurückhaltend, sodaß bet Vorsitzende erklärt, es scheine, als ob die Zeugen jetzt von ihrer früheren Aussage abrücken wollten. Der Zeuge widerspricht sich wiederholt; er wurde durch die verschiedenen Vorhaltung und Zwischenfragen so nervös, daß er einen Krampfanfall erlitt, infolgedessen eine weitere Verneh­mung des Zeugen unmöglich gemacht wurde. Weiter wird das Urteil des Disziplinargerichtshofes verlesen, das die Dienstentlaffung des Angeklagten ausspricht. Der Staats­anwalt erklärt hierzu, daß die Dienstentlassung zunächst zu­rückgenommen worden sei und zwar auf Bitten des^lnge- klagten. Der Angeklagte habe aber das Vertrauen des ^zustrz- ministers schnöde mißbraucht. Der Generalstaatsanwalt habe dann in seinem Antrag auf Dienstentlassung im toep^ember 1911 geschrieben, daß der Angeklagte sich nicht seinem istande gemäß benehme, daß er ein unverbesserlicher leichtfertiger Schuldenmacher sei, der auch auf ganz gemeine beleidigende Mahnungen nicht reagiere. Der Angeklagte gibt zu, daß dies sinngemäß in der Anklage des Eeneralstaatsanwalts be­hauptet werde. In einem weiteren Anklagefall hatte sich der Angeklagte verpflichtet, ein Darlehen in Raten von monat­lich 25 Mark zurückzuzahlen, ist aber mit den Raten im